Sportwissenschaft Artikel
Trainieren oder im Bett bleiben? Wissenswertes zum Training mit einer Erkältung
Von Andreas Hadel
Draußen ist es kalt und Sie fühlen sich nicht gerade sensationell fit. Die Nase ist vom vielen Kontakt mit Zellstofftüchern gerötet und Ihr Hals lässt sich auch mit Vollmilch und Honig nur schwer besänftigen. Jeder, der sich ein Ziel gesteckt hat, sei es eine bestimmte Ziffer auf der Waage im Badezimmer oder auf der Stoppuhr neben der Laufbahn, stellt sich in dieser Situation eine Frage in Shakespeare-Manier: Trainieren oder nicht trainieren. Das ist hier die Frage.
Mit der Beantwortung dieser Frage beschäftigt sich sowohl die Medizin als auch die Sportwissenschaft schon seit mehreren Jahrzehnten und hat dabei einige Untersuchungen durchgeführt, die uns etwas Aufschluss geben sollen.
Im Jahr 1998 nahmen Forscher 45 erkältete Männer und Frauen näher in Augenschein. Dabei handelte es sich um eine sogenannte Kopfgrippe, also die Form der Erkältung, bei der Sie Schnupfen, Kopfschmerzen und etwas Halsschmerzen, allerdings weder Atemprobleme noch Fieber haben.
Die 45 Personen mussten einen Leistungstest auf einem Laufband absolvieren. Die Forscher fanden so heraus, dass eine Kopferkältung keine Auswirkungen auf die Lungenfunktion noch die Leistungsfähigkeit habe. Die Wissenschaftler hofften ursprünglich, auf einen Nachweis zu stossen, dass das Trainieren trotz Erkältung das Abklingen der Krankheit beschleunige. Dies war jedoch nicht der Fall. Die Erkältung wurde jedoch durch das Training auch nicht schlimmer.
In einer anderen Studie wurden im Jahr 2003 34 Personen, die ebenfalls erkältet waren, einem Trainingsregime unterworfen, das an jedem zweiten Tag eine 40 minütige Einheit auf dem Laufband vorsah. Die Intensität entsprach dabei 70 Prozent der maximalen Herzrate. Die Teilnehmer der Studie mussten alle 12 Stunden einen Fragebogen ausfüllen, der ihre körperliche Aktivität und das aktuelle Wohlbefinden ermitteln sollte. Das gleiche wurde auch von den gesunden Teilnehmern abverlangt, die als Kontrollgruppe fungierten. Neben den Fragebögen sammelten die Wissenschaftler auch alle benutzten Taschentücher von den Probanden ein, um zu sehen, ob sich die Symptome der Kopfgrippe verschlimmern.
In der Auswertung der Fragebögen stellte sich heraus, dass es keinen großen Unterschied zwischen den gesunden und den erkälteten Teilnehmern der Studie gab.
Solange Sie kein Fieber oder Gelenkschmerzen haben sowie ohne Hustenanfälle tief durchatmen können, besteht kein Grund, das Training vollkommen einzustellen. Wenn Ihnen die Erkältung sehr schwere Kopfschmerzen beschert, ist es natürlich ratsam, die Intensität des Workouts entsprechend zu reduzieren. Eine laufende Nase sind vielleicht nicht besonders schön aus, aber das sollte Sie nicht von einen beherzten Waldlauf abhalten. Zumindest aus gesundheitlicher Sicht spricht nichts dagegen.
Denn wie die Studien gezeigt haben, scheint das Training die Erkältung weder zu mildern, noch zu verschlimmern. Der Vorteil im Trainieren liegt darin, dass Sie zum einen keinen Trainingsrückstand anhäufen. Und zum anderen darin, dass Sie auch trotz Erkältung von den psychologischen Effekten eines Workouts profitieren können. Mit anderen Worten: Sie fühlen sich besser, weil Sie sich und Ihren Zielen treu geblieben sind.