18. Oktober 2011
Das Schattenboxen war im ursprünglichen Sinne eine Kampfkunst, die in Verbindung mit einer Lebensphilosophie stand. Obwohl inzwischen viele Menschen das Schattenboxen als Art der reinen Meditation oder Bewegungstherapie betrachten, geht es immer noch um das Erlernen von komplexen Formen. Teilweise finden auch heute noch Wettkämpfe statt, selten kommen Waffen zum Einsatz.
Das Schattenboxen wird aufgrund eines fehlenden internationalen Dachverbandes in unterschiedlichen Stilen ausgeübt. Die meisten davon benötigen keinerlei Waffen. Hauptsächlich geht es den Praktizierenden um das Einstudieren von Atmungstechniken und Bewegungsabläufen, die sich im Ganzen als Formen zusammensetzen. Auffallend ist deren durchgängiger Bewegungsfluss. Wer in den Waffentechniken unterrichtet werden möchte, muss die Grundlagen des Schattenboxens bereits beherrschen.
Die einstmals in China entwickelte Kampfkunst, die eigentlich Taijiquan heißt, setzt unter anderem Schwerter, Säbel, Degen, Stöcke und Speere ein. Schließlich verwendete man Taijiquan im Nahkampf. Ein gerades Schwert mit zwei Schneiden wird Jian genannt. Es lässt sich mit nur einer Hand führen. Kenner bezeichnen das Jian als edelste Waffe der Wushu-Stile. Stöcke unterscheiden sich in lange und kurze Formen. Sie werden als Gun beziehungsweise Qi Mai Gun bezeichnet. Ein Stock mit einer Länge von 3 Metern ist der Dagan. Eine besondere Waffe ist die chinesische Hellebarde, welche die Bezeichnung Guan Dao trägt. Es handelt sich um eine Schwertlanze, die eine besonders breite Klinge und eine Klingenspitze trägt. Das Außergewöhnliche an ihr ist der an der Rückseite der Klinge angebrachte Haken. Hier wurde früher eine Kordel befestigt, die einen optischen Eindruck auf den Gegner erwecken und ihn ablenken sollte. Auch am unteren Ende der Hellebarde befindet sich eine Spitze, die als Waffe dient. Ein eher unscheinbares Requisit ist der Fächer, der in seinem Innern eine Waffe enthält.
Grundsätzlich gibt es im Schattenboxen keine Graduierungen in unterschiedliche Gürtelfarben. Auch werden keinerlei Ränge der Praktizierenden untereinander vergeben. Sinn des Schattenboxens ist es nämlich nicht, sich im Zweikampf zu messen, sondern die unterschiedlichen Techniken und vorgeschriebenen Formen zu beherrschen. Wettkämpfe finden somit nur als Punktwettkämpfe statt, in denen Punktrichter Stil und Ausführung des Einzelnen bewerten. Aus diesem Grunde entfällt auch ein entsprechendes Kampftraining. Eine Ausnahme bilden Veranstaltungen im Tuishou, bei denen es Ausscheidungen im Zweikampf gibt.
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