Rennräder - Merkmale, Nutzen im Straßenverkehr und Tipps zur Auswahl

Rennräder sind für das schnelle Fahren auf befestigtem, ebenen Untergrund konzipiert. Sie können wie jedes andere Fahrrad am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen, allerdings müssen dabei die im betreffenden Land geltenden Betriebsvorschriften mit ihren Sonderregelungen eingehalten werden. Lesen Sie über die Merkmale von Rennrädern und holen Sie sich Tipps zum Gebrauch im Straßenverkehr sowie zum Kauf.

Anforderungen an ein Rennrad und Hinweise für den Gebrauch im Straßenverkehr

Rennräder - Generelle Merkmale

Bei einem Rennrad handelt es sich um ein Rad, welches als Sportgerät im Rahmen des Straßenradsports genutzt wird. Besondere Kennzeichen sind die Beschränkunga uf die für das Fahren benötigten Teile sowie die leichte Bauweise.

Rennräder lassen sich im Gegensatz zu anderen Fahrradarten eindeutig zuordnen. Selbst dem Laien fallen viele technische Merkmale an einem Rennrad auf, die es von anderen Rädern abgrenzen.

Ein Rennrad ist an verschiedenen Merkmalen als ein solches erkennbar. Dabei werden diese bei wettkampftauglichen Rennrädern durch die Vorschriften der UCI deutlich eingeschränkt. Sie beziehen sich unter anderem auf das Gewicht und den Aufbau des Rades sowie auf dessen Lenkerform.

Gewicht, Felgen und Reifen

Ein übliches Rennrad wiegt zwischen 6 und 9 Kilogramm. Auffällig sind die schmalen Felgen, wobei ein Durchmesser von 622 Millimetern Standard sind.

Bei Triathlonrennen werden aktuell auch kleinere Durchmesser verwendet. Klassische Schlauchreifen werden im Freizeit- ebenso wie im Profisport fast ausschließlich von Drahtreifen abgelöst.

Eine besonders leichte und hochwertige Variante stellen dabei die Faltreifen dar. Bei ihnen kommen Kevlar-Fäden zum Einsatz. Im Zeitrennen sind Scheibenräder sehr beliebt.

Lenker und Schaltung

Lenker eines Rennrads auf weißem Hintergrund
Lenker eines Rennrads auf weißem Hintergrund

Natürlich gehört zu einem Rennrad auch der Rennlenker, der als Bügellenker bezeichnet sind. Üblich sind schmale Lenkerstangen bis zu 44 Zentimetern. Der Abstand der Lenkerbügel richtet sich nach der Schulterbreite des Fahrers, die er um nur wenige Zentimeter unterschreitet.

Die Griffpositionen variieren. Beim Zeitfahren und beim Triathlon liegen die Arme des Fahrers auf Lenkeraufsätzen.

Griffe für Schaltung und Bremse bilden eine Einheit. Kettenschaltungen und Felgenbremsen gehören zur Standardausrüstung eines jeden Rennrades, wobei Profiräder zwei und Freizeiträder drei Kettenblätter besitzen.

Das Beiwerk

Damit das Gewicht eines Rennrades möglichst gering gehalten werden kann, wird auf Beiwerk verzichtet. Gepäckträger, Schutzbleche und Seitenständer findet man bei einem Rennrad nie, eine Beleuchtungsanlage wird nur beim Training und im Freizeitbereich verwendet. Einziges Zubehör sind eventuell Trinkflaschenhalterungen, die am Unterrohr oder am Sitzrohr befestigt werden.

Der Rahmen

Ebenfalls auf Gewichtsreduzierung bedacht ist die Rahmenkonstruktion, welche die Form einer Raute aufweist. Bei der Herstellung werden unterschiedliche Materialien benutzt, deren Eigenschaften das Fahrverhalten des Rennrades entscheidend mit beeinflussen. Aufwändigere Herstellungsverfahren schlagen sich im Kaufpreis des Rades nieder, Aluminiumräder gehören zu den preiswertesten.

Der Sattel

Auffällig ist bei einem Rennrad auch der waagerecht eingestellte Sattel, dessen Spitze sich etwa 2 bis 10 Zentimeter hinter der Tretlagerachse befindet. Diese Vorschrift regelt unter anderem auch das UCI-Regelwerk.

Die Sattelhöhe übertrifft die Höhe des Lenkers. Die optimale Sitzhöhe wird von der Körpergröße des Fahrers bestimmt.

Varianten des Rennrads

Im Laufe der Zeit haben sich einige Unterarten und Varianten des Rennrads entwickelt. Sie weisen meist die typischen Merkmale der klassischen Form auf, sind jedoch für spezielle Einsatzzwecke konzipiert, so etwa

  • Halbrenner: kein Rennbügel, stattdessen gerader MTB- oder Tourenlenker, auch Flatbar-Racer, Fitnessrad oder Speedbike genannt
  • Randonneur: spezielles Rennrad für lange Strecken, möglich sind kleiner Gepäckträger, Licht und Schutzbleche
  • Cyclocrossrad: robustes Rennrad mit profilierten Reifen, für Querfeldeinrennen, auch Gravelbike genannt
  • Bahnrad: für Bahnrennen, ohne Bremsen und Schaltung, mit starrem Gang
  • Triathlonrad: für Triathlonrennen, gebeugte Sitzposition, spezielle Aerodynamik

Für das klassische Radrennen sind diese Räder nicht zugelassen.

Mann auf Rennrad auf Straße, im Hintergrund Berge
Mann auf Rennrad auf Straße, im Hintergrund Berge

Anforderungen an ein Rennrad für den Gebrauch im Straßenverkehr

Die grundlegenden Anforderungen für ein Fahrrad, das im internationalen Straßenverkehr eingesetzt werden soll, regelt das Wiener Übereinkommen über den Straßenverkehr von 1968. Hiernach sind unter anderem Klingel und Beleuchtung für jedes Fahrrad Pflicht. Für Rennräder gelten spezielle Sondervorschriften, die je nach Land unterschiedlich definiert sind.

Österreich

In Österreich sind die Betriebsvorschriften für ein Rennrad in der gültigen Fassung der Fahrradverordnung festgelegt. Hiernach gilt ein Fahrrad als Rennrad, wenn es ein Eigengewicht von höchstens 12 Kilogramm aufweist und einen Rennlenker besitzt. Der äußere Felgendurchmesser muss ein Minimum von 630 Millimetern aufweisen, die äußere Felgenbreite darf maximal 23 Millimeter betragen.

Rennräder dürfen in Österreich ebenso wie andere Fahrräder uneingeschränkt am Straßenverkehr teilnehmen. Die Benutzung eines vorhandenen Radweges ist nicht zwingend vorgeschrieben. Auf Trainingsfahrten darf nebeneinander gefahren werden, dies allerdings nur am Tage und bei klarer Sicht.

Deutschland

In Deutschland gilt für Rennräder ebenso wie für alle anderen Fahrräder die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO). Sondervorschriften gelten lediglich für Rennräder bis zu einem Gewicht von 11 Kilogramm und beziehen sich auf die Beleuchtungsanlage.

Hiernach können weißer Scheinwerfer und rote Schlussleuchte in Abwandlung zur vorgeschriebenen Lichtanlage mit Batterien betrieben werden. Beide Beleuchtungselemente müssen nicht fest am Rad installiert sein.

Sie dürfen sich getrennt schalten lassen. Auch darf eine niedrigere Nennspannung als 6 Volt verwendet werden.

Wichtig ist allerdings, dass sämtliche Bauteile eine Typenzulassung besitzen. Der Rückstrahler darf sich maximal 60 Zentimeter über der Fahrbahn befinden.

Bei Rennen kann auf die Beleuchtungsanlage verzichtet werden. Während des Trainings ist das Mitführen von vorgeschriebenen Reflektoren Pflicht, wenn auch unklar ist, wie diese befestigt werden sollen. Ansonsten gelten für das Rennrad dieselben Vorschriften der StVZO wie für jedes andere Fahrrad auch.

Fazit

Wer sich ein Rennrad zulegen möchte beziehungsweise es mit den zwingend erforderlichen Bauteilen ausstatten möchte, sollte sich an diese Vorschriften halten. Verstößt er gegen die Verkehrssicherungspflicht, ist mit einer Ordnungsstrafe zu rechnen. Verantwortlich für eine ordnungsgemäße Ausstattung des Rennrades ist immer der Fahrer, nicht der Verkäufer desselben.

Rennradfahrer sitzt auf dem Asphalt und hält sich die Schulter nach einem Fahrradunfall
Rennradfahrer sitzt auf dem Asphalt und hält sich die Schulter nach einem Fahrradunfall

Tipps zur Auswahl

Wer über die Anschaffung eines Rennrades nachdenkt, wird einige Punkte beachten müssen, um für sich das passende Rad zu finden. Entscheidend bei der Auswahl ist nicht nur der Preis.

Natürlich wird sich jeder potentielle Käufer eines Rennrades ein entsprechendes Preislimit setzen. Die finanziellen Voraussetzungen eines Einzelnen werden dabei entscheidendes Kriterium sein. Trotzdem sollte bedacht werden, dass der Kauf eines Rennrades eine langfristige Anschaffung sein wird, am Preis allein sollte sich also niemand orientieren.

Rahmenmaterial

Hauptsächliches Merkmal des Rennrades ist das Rahmenmaterial. Es entscheidet über das Gewicht des Rades und seine Fahreigenschaften.

Und es entscheidet auch zum größten Teil über den Preis. Günstige Modelle bestehen aus Stahl oder Aluminium, während hochwertigere aus Titan oder Carbon hergestellt wurden.

Diamantrahmen

Der Diamantrahmen in seiner Rautenform wurde im Jahr 1885 entwickelt. Heute gehört er bei allen Straßenmaschinen zum Standard. Soll das Rad an Rennen teilnehmen, ist er nach den Regelungen der UCI sogar vorgeschrieben. Für Zeitfahr- und Rekordräder gibt es einige Ausnahmen.

Stahlrahmen

Ursprünglich wurde zur Rahmenherstellung Stahl eingesetzt. Stahlrahmen gelten immer noch alssehr haltbar. Selbst nach Stürzen kann mit einem Rennrad aus Stahl weitergefahren werden.

Der klassische Stahlrahmen besitzt einen relativ geringen Durchmesser, dafür aber ein recht hohes Gewicht. Bei der Herstellung heutiger, dünnwandiger Stahlrahmen wird auf Gewichtseinsparung geachtet. Dies allerdings macht die Fertigung im Vergleich zur klassischen Herstellung teuer.

Ein anderer Nachteil ist, dass Stahl rosten kann. Deshalb kommt Stahl im Profi-Radsport nicht mehr zum Einsatz. Er wird als sogenanntes Liebhabermaterial bezeichnet.

Mann mit Fahrradhelm und Radkleidung schließt sein Rennrad vor einem gläsernen Hochhaus ab
Mann mit Fahrradhelm und Radkleidung schließt sein Rennrad vor einem gläsernen Hochhaus ab

Titanrahmen

Titan hingegen ist ein korrosionsbeständiges Material. Auffallend ist das gute Fahrverhalten von Rennrädern aus Titan, was unter anderem der Steifigkeit des Materials zugeschrieben werden kann.

Allerdings erweist sich die Herstellung von Titanrahmen als relativ aufwändig, weshalb nur geringe Stückzahlen produziert werden. Dies wiederum macht Titanräder teuer und daher selten.

Aluminiumrahmen

Seit Jahren gängiges Material für Rennräder ist Aluminium. Es besitzt alle Eigenschaften, die ein Rennrad benötigt.

Aluminium ist leicht und korrosionsbeständig. Durch die Massenfertigung ist ein Aluminiumrad vergleichsweise preiswert, selbst wenn es sich um hochwertigere Rahmen handelt.

Die Fertigung von dünnen Wandstärken ist unproblematisch, so dass durch ausgeklügelte Konstruktionen noch mehr an Gewicht gespart werden kann. Die Haltbarkeit von Aluminiumrahmen ist wegen der Verbeulungsgefahr bei Stürzen begrenzt, aber dennoch als gut einzuschätzen.

Carbonrahmen

Übertroffen wird der Aluminiumrahmen von Carbon. Carbonrahmen werden hauptsächlich im Profi-Radsport eingesetzt. Aktuell kann das Gewicht des Carbonrahmens unter 1 Kilogramm gehalten werden, was für eine besondere Leichtigkeit des Materials spricht.

Ebenso wie Aluminium rostet Carbon nicht. Die Faserstruktur von Carbon ist allerdings trotz der guten Steifigkeit sehr anfällig, so dass die Fertigung sich als recht aufwändig erweist. Dies macht sich im Preis bemerkbar, ein Carbonrennrad kostet etwa 1.500 Euro.

Ergonomische Anforderungen

Neben einem guten Fahrverhalten sollte ein Rennrad auch für den jeweiligen Fahrer ergonomisch gebaut sein. Wird die Ergonomie nicht beachtet, ermüdet der Fahrer rasch.

Hersteller unterscheiden bei Damen-Rennrädern und Herren-Rennrädern einen längeren oder kürzerem Radstand und den Winkel der Sitzrohre. Die Geometrie der jeweiligen Rahmenkonstruktion, Sattel- und Lenkereinstellungen entscheiden über die Sitzposition, die der Fahrer über kurz oder lang einnimmt.

Während eine möglichst aufrechte Haltung für ein angenehmeres Sitzgefühl spricht, ist eine gute Aerodynamik besser in einer gebeugten Haltung zu erreichen. Im Profi-Radsport wird man um eine möglichst flache Position nicht umhin kommen.

Hier ist der Lenker deutlich tiefer als der Sattel eingestellt. Das kürzere Oberrohr sorgt außerdem dafür, dass mehr Beinkraft auf die Pedale umgesetzt werden kann.

Die perfekte Rahmenhöhe ermitteln

Die individuell richtige Rahmenhöhe ist ebenso entscheidend dafür, dass der Fahrer sich wohlfühlt. Sie lässt sich auf unterschiedliche Weise bestimmen.

Zum einen spielt die Schrittlänge eine entscheidende Rolle. Sie wird in aufrechter Position des Fahrers gemessen, Schuhe trägt er dabei nicht.

Diese mit dem Faktor 0,665 multipliziert ergibt die genaue Rahmenhöhe. Dabei werden Auf- beziehungsweise Abrundungen vorgenommen, über die der Einsatz des Rades entscheidet.

Will der Fahrer an Rennen teilnehmen, wird er das Ergebnis abrunden. Ist er nur im Freizeitbereich auf dem Rennrad unterwegs, rundet er auf.

Mess- und Berechnungsungenauigkeiten sollten ausgeschlossen werden, da schon kleinste Abweichungen negative Auswirkungen auf die Rahmenhöhe haben. Wer sich unsicher ist, sollte sich fachlichen Rat einholen. Umrechnungstabellen liegen im Fachhandel aus.

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