29. Dezember 2009
Von Andreas Hadel
"Versuch und Irrtum" lautet in der Regel die Devise vieler Fitnessanhänger, wenn es um das Straffen und Aufbauen bestimmter Muskelgruppen geht und deshalb probieren sie so lange unterschiedliche Trainingsprogramme aus, bis sie eines finden, dass ihnen den erhofften Erfolg wenigstens Ansatzweise verschafft. Es ist offensichtlich, dass man bei dieser Vorgehensweise potentiell sehr viel Zeit mit Workoutplänen verbringt, bevor man merkt, dass sie doch nicht den ersehnten Zuwachs bringen. Anhand eines Armworkouts wollen wir Ihnen die Grundzüge des gezielten Fasertrainings vorstellen, mit dem Sie schneller an Ihr Ziel gelangen können.
Grundsätzlich ist die Methode "Versuch und Irrtum" nicht falsch, da jeder Athlet bekanntermaßen einzigartig ist und es daher keine einzelne Patentlösung geben kann. Trotzdem bestehen wir alle aus dem gleichen Bausatz, weshalb es durchaus möglich ist, nahezu allgemeingültige Trainingsrichtlinien zu entwickeln. Wenn Sie sich auf Trainingsprogramme verlassen, die auf sportwissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen, erhöhen sich die Wahrscheinlichkeit, dass auch Sie mit ihnen erfolgreich sein werden.
Nutzen wir deshalb einige Erkenntnisse aus der Sportwissenschaft, um ein effektives Trainingsprogramm zu entwerfen, dass Ihnen zu kraftvollen und massiven Armen verhelfen kann.
Die erfahrenen Leser unter Ihnen wissen bereits, dass es verschieden Arten von Muskelfasern mit unterschiedlichen Eigenschaften gibt. Zum einen gibt es die schnell-zuckenden Muskelfasern (Typ IIb), welche eine kurze Erregungszeit haben und infolge dessen schnell kontrahieren, aber dafür auch schnell ermüden. Besonders bei der Bewältigung von schweren Lasten oder bei explosiven Bewegungen werden die schnell-zuckenden Muskelfasern angesprochen. Außerdem neigen sie stark zur Hypertrophie. Die langsam-zuckenden Muskelfasern (Typ I) sind praktisch das Gegenstück zu den Typ IIb-Fasern, denn sie haben eine hohe Erregungszeit, kontrahieren und ermüden nur langsam. Ihre Hauptfunktion kommt also vorrangig bei ausdauernden Belastungen zum Tragen.
Da Sie gerade einen Artikel über das Armtraining lesen, ist es natürlich für Sie besonders interessant zu wissen, wie das Faserverhältnis in Trizeps und Bizeps gewichtet ist. Schon 1973 fanden Forscher [1] auf diese Frage eine Antwort. Demnach besteht der Trizeps zu 70% aus Typ IIb-Fasern. Hingegen konnte für dem Bizeps ermittelt werden, dass er sich mit 67% überwiegend aus Typ I-Fasern zusammensetzt.
Dieses Wissen können Sie nun recht einfach auf Ihr Armtraining übertragen, denn die unterschiedlichen Eigenschaften der Muskelfaserarten ziehen natürlich auch verschiedene Arten des Trainings nach sich. Da der Trizeps vorrangig aus den schnell-zuckenden Muskelfasern besteht, ist es sinnvoll im Training hauptsächlich explosive Bewegungen und schwere Gewichte zu verwenden.
Explosive Übungen für die Streckmuskeln des Armes sind zum Beispiel:
Schwere Gewichte kann man bei diesen Übungen nicht verwenden, da hierbei der Schwerpunkt hauptsächlich auf der Beschleunigung liegt. Denken Sie auch im Training daran, die Bewegung so schnell und explosiv wie möglich zu absolvieren. Dies setzt natürlich eine gründliche Aufwärmphase voraus. Absolvieren Sie zwei Übungen aus dieser Gruppe zu vier bis sechs Sätzen mit zwei Wiederholungen.
Wirklich schwere Lasten können Sie dann bei diesen Maximalkraft-Übungen verwenden:
Dank der biomechanischen Eigenschaften dieser Übungen sind sie in der Lage beachtliche Lasten zu bewältigen. Konzentrieren Sie sich auf eine langsame und saubere Bewegungsausführung und führen Sie die explosiven Übungen immer vor diesen aus. Wenn Sie zuerst die Maximalkraft-Übungen absolvieren würden, fehlt Ihnen die Kraft und Spritzigkeit, um bei den explosiven Übungen die entscheidende Beschleunigung entwickeln zu können. Suchen Sie sich auch von den Maximalkraft-Übungen zwei heraus und führen Sie dann je drei bis vier Sätze zu drei bis vier Wiederholungen aus.
Nun haben Sie gezielt die schnell-zuckenden Muskelfasern des Trizeps beansprucht. Somit bleibt Ihnen zum Abschluss des Trizepstrainings nur noch, auch den langsam-zuckenden Fasern ein paar ordentliche Gründe für ein Wachstum zu geben.
Hierfür bieten sich alle Varianten von Trizeps-Kick Backs an. Wählen Sie ihre Lieblingsvariante und ein relativ leichtes Gewicht. Dann führen Sie ein bis zwei brennende Sätze zu gnadenlosen zwanzig bis dreißig Wiederholungen aus.
Damit haben Sie mit großer Wahrscheinlichkeit alle Muskelfasern Ihres Trizeps stimuliert und können sich nun auf eine Wachstumsreaktion freuen.
Literatur:
[1] Johnson et al. (1973), Data on the distribution of the fibre types in thirtysix human muscles. An autopsy study, in: J. of the Neurological Sciences, 18, 111-129
Ein guter Beitrag mit hilfreichem Grundgedanken.
Leider ist die Referenzangabe der Fasertypenverteilung des Bizeps nicht ganz k...
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