13. Juni 2006
Von Andreas Neubert
Dieses geflügelte Wort ist schon länger nicht mehr gültig. Konkret: Fußball ist nicht mehr die schönste Nebensache der Welt. Schon lange ist der Ballsport in den wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Fokus gerückt, damit unentwirrbar verknäult und spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Mit dem Fußball rollt der Rubel. Wer gesellschaftlich reputabel ist, mietet sich eine VIP-Lounge in der Arena als öffentliche Präsentationsplattform oder zum gefälligen Plauschen. Fußball wird politisch ausgeschlachtet, wenn sich Politiker besonders anlässlich eines WM-Spektakels in bestimmter Weise dazu äußern und politische Botschaften transportieren. Bei internationalen Begegnung läuten teure Show-Vorläufe den Wettkampf ein.
Früher ließ sich der "kleine Mann" auf dem Sportplatz blicken. Oft sein einziges Vergnügen. Heute protzen die Stadien als architektonische Sportpaläste der Zukunft. Es gibt VIP-Lounges, die von millionenschweren Geschäftsleuten, wichtigen Politikern und Berühmtheiten aus dem Showgeschäft besetzt sind. Prestigespiel Fußball ist in der "besseren Gesellschaft" vielfach reduziert auf einen Anlass zum gesellschaftlichen Gassigehen. Das eigentliche Spiel wird dann in der Tat zur Nebensache, aber in der Bedeutung, dass es nur mehr tangential oder noch weit weniger wahrgenommen wird. Aber auch auf den unteren Rängen wird es immer enger, einen Stehplatz zu ergattern. Die Preise sind besonders zu internationalen Begegnungen zum Abpfiff gepfeffert hoch.
Fußball ist zum Millionenspiel um Euros verkommen. Das Thema wird in den Medien und von den Warenproduzenten ausgeschlachtet bis zum Überdruss. Das Geschäft mit dem Ball boomt und boomt. Der Markt wird überschwemmt mit Waren und WM-Logos, Erwachsene und besonders Kinder in Billiglohnländer müssen dafür schwitzen und schuften. Um Übertragungsrechte der Spiele wurde ein unerbittlicher Millionenpoker entfacht. Der Schacher erfasste gleichfalls Marketing-, Werbe- und andere Rechte rund um die saubere WM.
Zwar erreicht die Anzahl der Redebeiträge der Politiker aller Coleur nicht die Höhe wie an wichtigen Wahlen, doch der Schwall politischer Beiträge stieg kurz vor dem Sportereignis 2006 deutlich an. Schon auf dieser inhaltslosen Ebene bezeugt das eine Vereinnahmung des bunten Sportevents durch viele politischen Macher. Im Sog der Fußball-WM fallen dann Äußerungen zu Leitkultur, Patriotismus und anderen sensiblen Stichwörtern in dem jeweils gefärbten Politlicht des Sprechers - das weltmeisterliche Rasenturnier ist vollends zum Vehikel politischer Botschaften geworden. Dennoch – die Sporttribünen können auch zu Bühnen der Freundschaftsbande werden, wenn sich dort internationale Politgrößen sympathischer werden.
Da bleibt nur zu sagen übrig – konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche, das runde Leder.
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Der Autor, Frank Göhringer, war in den 80er Jahren Herausgeber des HM-Magazins Mortal Sin (das heute noch im Int...