Geschichte, Interessen und Verbände des Volkssports Fußball

Der wohl beliebteste Ballsport Fußball blickt auf eine sehr lang Geschichte zurück und wurde bereits im 4. Jahrhundert vor Christus als ähnliche Spielform namens "Zu Qiu" ausgeübt. Galt Fußball lange Zeit als reine Männersportart, konnte sich mittlerweile auch der Frauenfußball etablieren. Informieren Sie sich über Geschichte, Interessen und Verbände des Volkssports Fußball.

Warum England als Mutterland des Fußballs gilt, wodurch sich FIFA und UEFA auszeichnen und wie Frauen um ihr Recht auf Fußball kämpfen mussten

Weltmacht Fußball

Früher ließ sich der "kleine Mann" auf dem Sportplatz blicken. Oft sein einziges Vergnügen. Heute protzen die Stadien als architektonische Sportpaläste der Zukunft. Es gibt VIP-Lounges, die von millionenschweren Geschäftsleuten, wichtigen Politikern und Berühmtheiten aus dem Showgeschäft besetzt sind.

Prestigespiel und Millionenpoker

Prestigespiel Fußball ist in der "besseren Gesellschaft" vielfach reduziert auf einen Anlass zum gesellschaftlichen Gassigehen. Das eigentliche Spiel wird dann in der Tat zur Nebensache, aber in der Bedeutung, dass es nur mehr tangential oder noch weit weniger wahrgenommen wird. Aber auch auf den unteren Rängen wird es immer enger, einen Stehplatz zu ergattern. Die Preise sind besonders zu internationalen Begegnungen zum Abpfiff gepfeffert hoch.

Fußball ist zum Millionenspiel um Euros verkommen. Das Thema wird in den Medien und von den Warenproduzenten ausgeschlachtet bis zum Überdruss. Das Geschäft mit dem Ball boomt und boomt. Der Markt wird überschwemmt mit Waren und WM-Logos, Erwachsene und besonders Kinder in Billiglohnländer müssen dafür schwitzen und schuften. Um Übertragungsrechte der Spiele wurde ein unerbittlicher Millionenpoker entfacht.

Vehikel politischer Botschaften

Zwar erreicht die Anzahl der Redebeiträge der Politiker aller Coleur nicht die Höhe wie an wichtigen Wahlen, doch der Schwall politischer Beiträge stieg kurz vor dem Sportereignis 2006 deutlich an. Schon auf dieser inhaltslosen Ebene bezeugt das eine Vereinnahmung des bunten Sportevents durch viele politischen Macher. Im Sog der Fußball-WM fallen dann Äußerungen zu Leitkultur, Patriotismus und anderen sensiblen Stichwörtern in dem jeweils gefärbten Politlicht des Sprechers - das weltmeisterliche Rasenturnier ist vollends zum Vehikel politischer Botschaften geworden. Dennoch – die Sporttribünen können auch zu Bühnen der Freundschaftsbande werden, wenn sich dort internationale Politgrößen sympathischer werden.

Der Siegeszug des Fußballs

Fußball kann auf eine langjährige Geschichte zurückblicken. Schon im 4. Jahrhundert vor Christus übten die alten Chinesen ein Fußballähnliches Spiel aus, dass sie Zu Qiu nannten.

Fußball in England

Als Mutterland des Fußballs wird allerdings England angesehen, wo man es bereits im Mittelalter spielte. Da es dabei jedoch ziemlich ruppig zuging, kam es mehrmals zu Verboten durch den englischen König.

Es dauerte daher bis ins 19. Jahrhundert, bis Fußball den Durchbruch auf der britischen Insel schaffte. Im Jahr 1848 verfasste man die ersten Regeln des Fußballsports an der Universität von Cambridge. Zu dieser Zeit konnten noch 15 bis 20 Spieler auf dem Feld agieren.

1857 gründete man schließlich mit dem Sheffield F.C. den ersten Fußballverein der Welt.

Football Association

England wird vor allem deshalb als Mutterland des Fußballs angesehen, da dort im Jahre 1863 in London der Fußballverband FA (Football Association) ins Leben gerufen wurde. Der Verband förderte mit seinem detaillierten Regelwerk die Entwicklung des Fußballs insgesamt.

So modifizierte man 1866 die Abseitsregel und legte die Anzahl der Feldspieler auf elf fest. Darüber hinaus wurde den Feldspielern das Handspiel verboten. Durch diese Regeln grenzte man Fußball vom Rugby Football ab, das seinerzeit überaus populär war.

1872 kam es in Glasgow zum ersten Länderspiel der Fußballgeschichte. Dabei trennten sich Schottland und England 0:0. Ebenfalls im Jahr 1872 rief mit man dem FA-Cup den ersten nationalen Fußballwettbewerb ins Leben. 1888 kam es zur Gründung der ersten englischen Fußball-Profiliga.

Fußball in Deutschland

Nach Deutschland gelangte Fußball erstmals 1874 durch den Lehrer Konrad Koch (1846–1911). Es dauerte jedoch eine Weile bis die Ballsportart in Deutschland zu gesellschaftlicher Anerkennung gelangte, da seinerzeit das Turnen in Schulen und beim Militär fester Bestandteil der Leibesertüchtigung war.

Deutscher Fußballbund

Im Jahr 1900 kam es dann in Leipzig schließlich zur Gründung des DFB (Deutscher Fußballbund) und drei Jahre später konnte die erste Deutsche Meisterschaft stattfinden, die sich der VfB Leipzig durch einen 7:2-Erfolg gegen den DFC Prag sicherte.

Federation Internationale de Football Association (FIFA)

Nur ein Jahr später wurde in Paris der Weltfußballverband FIFA (Federation Internationale de Football Association) gegründet. Dieser stellte international verbindliche Regeln auf und organisierte Länderspiele. So wurde u.a. der direkte Freistoß eingeführt. 1904 gilt daher als Geburtsstunde des modernen Fußballs.

Bis zur Austragung der ersten Fußball-Weltmeisterschaft dauerte es allerdings noch bis 1930. Erster Weltmeister wurde Gastgeber Uruguay.

Geschichte und Organisation des Weltfußballverbands (FIFA)

Beinahe täglich wird rund um den Globus zumindest ein Pflichtspiel ausgetragen. Doch der Ball kann dabei nur rollen, wenn der Weltverband und somit die FIFA die Erlaubnis dafür erteilt. Das Gremium ist das größte seiner Art weltweit und mit entsprechendem Einfluss gesegnet – es trägt ebenso aber eine erhebliche Verantwortung.

Wer ist die FIFA?

Jeder Spieler, jeder Verein und alle wie auch immer organisierten Verbände des Fußballs sind in einem weltumspannenden Gremium organisiert. Dabei handelt es sich um die Internationale Föderation des Verbandsfußballs und somit um die FIFA. Der Dachverband wurde im Jahre 1904 gegründet und leitet seine Geschäfte aus der Schweizer Stadt Zürich.

Bereits zum Beginn des 20. Jahrhunderts hatten sich einige nationale Verbände zusammengeschlossen, um gemeinsam ihre Wettbewerbe planen zu können, sich ebenso aber einem verpflichtenden Regelwerk zu unterwerfen, das für alle Mitglieder gelten sollte.

Heutzutage ist es dagegen nicht mehr möglich, Profifußball außerhalb des Geltungsbereichs der FIFA zu spielen, Transfers zu tätigen oder eine Übertragung im Rundfunk zu organisieren. Der Dachverband ist somit stärker als je zuvor.

Das Verhältnis zu den kleineren Verbänden

Die FIFA ist zwar in nahezu allen Belangen des Weltfußballs federführend, überlässt in vielen Einzelfällen aber den kontinentalen Verbänden die Verantwortung. Das geschieht vor allem deshalb, weil es etwa zwischen Europa und Afrika oder zwischen Asien und Australien zu erheblichen Unterschieden kommen kann.

Nicht auf jedem dieser Erdteile ist die Sportart beliebt, nicht auf jedem von ihnen können die großen Vereine finanziell aus dem Vollen schöpfen. Wichtig ist es daher, zwar eine einheitliche und vor allem übergeordnete Linie durch den Weltverband vorzugeben, diese aber durch die kontinentalen Verbände jeweils für sich genommen so auszugestalten, dass jedem dazugehörigen Verein geholfen ist und es zumindest innerhalb eines Kontinents nicht zu sportlichen oder wirtschaftlichen Quantensprüngen kommt. Es werden gleiche Bedingungen angestrebt.

Die nationalen Verbände als unterste Instanz

Innerhalb des dreistufigen Aufbaus der FIFA, an deren Spitze der Weltverband an sich steht und dem die kontinentalen Verbände wie etwa die Vereinigung Europäischer Fußballverbände (UEFA) unterstehen, befinden sich die nationalen Verbände auf der untersten Stufe. Beispielhaft sei hier der Deutsche Fußballbund (DFB) genannt.

Er organisiert eigene Länderspiele und gibt die Maßstäbe jener Wettbewerbe vor, die auf Ebene der Vereine stattfinden. Die nationalen Verbände sind somit den Weisungen der kontinentalen Verbände unterworfen, die wiederum auf das Geheiß der FIFA agieren.

Jeder dieser Instanzen ist es somit möglich, die große und weltumspannende Idee des Fußballs auf jeden Verein und jede Stadt auszulegen, erhebliche Unterschiede zu vermeiden und damit vergleichbare Systeme herzustellen.

Der Dachverband des Fußballs (FIFA) gibt alle Regeln im Weltfußball vor
Der Dachverband des Fußballs (FIFA) gibt alle Regeln im Weltfußball vor

Das Präsidium der FIFA

Entscheidend für sämtliche Anordnungen, die der Dachverband erteilt, ist das letzte Wort des Präsidenten. Dieser steht über allen Gremien, kann eigene Ideen einbringen und zur Abstimmung stellen und verfügt über einen erheblichen Einfluss.

Zwar kann auch er in dem demokratischen Aufbau der FIFA jeweils überstimmt werden, doch geht die eigentliche Politik des Gremiums von dem Präsidenten aus. Am 26. Februar 2016 wurde Infantino zum Präsidenten des Weltfussballverbandes FIFA gewählt und trat die Nachfolge von Sepp Blatter an.

Blatter machte sich stets dafür stark, den Fußball auch in solche Regionen zu tragen, in denen er traditionell nicht allzu bekannt ist. So haben Weltmeisterschaften unter Blatters Führung bereits in Asien und Südafrika stattgefunden und werden im Jahre 2022 auch den arabischen Raum erreichen.

Die zweite Führungsebene

Bis zu Blatters Aufstieg in den Rang des Präsidenten galt der sogenannte Generalsekretär der FIFA als starker Mann des Weltfußballs. Er traf die Entscheidungen und war im politischen Bild mit dem Bundeskanzler vergleichbar, der sich der Tagespolitik annimmt.

Demgegenüber hatte der Präsident die dem Bundespräsidenten ähnliche Funktion inne, die eingeschlagenen Wege durch seine Zustimmung zu ebnen. Formal war daher der Präsident der entscheidende Faktor im Weltfußball, faktisch lenkte jedoch der ihm untergebene Generalsekretär die Geschäfte. Das änderte sich erst durch Blatters Berufung an die Spitze der FIFA.

Zwar existiert mit Fatma Samoura auch jetzt noch eine solche Generalsekretärin, doch übernimmt sie eher die beratenden Tätigkeiten, steht Infantino somit also zur Seite.

Die einzelnen Gremien

Erst unterhalb des Generalsekretariats beginnen in der FIFA jene Arbeiten, die die geschaffenen Grundsätze und Vorgaben in die tägliche Arbeit der Verbände und Vereine eingliedern.

Hauptsächlich handelt es sich dabei um zwei Instanzen: Einerseits um die Rechtsabteilung, die alle Entscheidungen auf ihre Zulässigkeit hin überprüft, demgegenüber aber auch Lizenzen an die nationalen Verbände veräußert und es somit selbst neu erschaffenen Vereinen ermöglicht, sich dem Weltverband anzuschließen.

Andererseits befindet sich die Kommunikationsabteilung auf dieser dritten Ebene. Hier wird jede Form der Öffentlichkeitsarbeit gewährleistet, wodurch sämtliche Entscheidungen, Neuigkeiten und Informationen nicht nur weltweit verkündet, sondern allen Beteiligten auch sehr schnell übermittelt werden können.

Ebenso sorgt dieses Gremium für eine gewisse Transparenz innerhalb des Dachverbandes – jedes Vorgehen kann überprüft werden.

Die Aufgaben der FIFA

Allerdings wird selbst bei der Betrachtung dieses Aufbaus noch nicht deutlich, worin die tägliche Arbeit des Dachverbandes eigentlich liegt. Dieser kümmert sich zunächst um einheitliche Vorgaben für alle ihm unterstehenden Verbände und Vereine – er passt den Fußball also einem bestimmten Maßstab an, der für alle Mitglieder gilt.

Daneben behält er die Finanzen im Auge, ist an den entscheidenden und kontrollierenden Aspekten der Verbände beteiligt und überwacht somit deren Vorgehen. Das dritte Standbein des Weltverbandes wird im Marketing sowie der Veräußerung jener Rechte gesehen, durch die eine Fernsehanstalt die Spiele und Turniere überhaupt übertragen darf.

Die letzte Säule der FIFA ist gleichzeitig ihre Wichtigste: Das Gremium steht allen Wettbewerben vor. Das bedarf jedoch eines tieferen Einblicks.

Die Wettbewerbe der FIFA

Nicht jedes Spiel, das auf der Welt organisiert wird, obliegt der FIFA. Aber alle Wettbewerbe, die rund um den Globus stattfinden, werden von dieser in letzter Instanz beaufsichtigt.

Gerade die Weltmeisterschaften, zu denen jene für die Herren, die Damen und die Jugendlichen zählen, werden alleine unter der Regie des Weltverbandes ausgetragen. Hier wird entschieden, welchem Gastgeber ein solches Turnier übertragen wird, wie viele Nationen teilnehmen können, welche Sponsoren die Finanzierung sichern oder welche Fernsehanstalten die Partien senden. Solche Weltmeisterschaften sind für den Dachverband ein Milliardengeschäft.

Etwas geringer geht es dagegen bei den Freundschafts- und Benefizspielen zu, die ebenfalls der FIFA unterstehen. Nur auf diese Weise ist gesichert, dass beinahe täglich irgendwo auf der Welt wenigstens ein Pflichtspiel stattfinden kann.

Der europäische Fußballverband UEFA

UEFA ist die Abkürzung für Union of European Football Associations und bedeutet übersetzt Vereinigung Europäischer Fußballverbände. Zur UEFA zählen 53 Nationalverbände, von denen jedoch nicht alle geographisch zu Europa gehören. Darüber hinaus ist der Fußballverband einer von sechs Kontinental-Föderationen der FIFA (Federation Internationale de Football Association).

Geschichte und Mitglieder

Ins Leben gerufen wurde die UEFA am 15. Juni 1954 im schweizerischen Basel. Bis 1959 hatte der Verband seinen Sitz in Paris, dann zog er nach Bern um. In der heutigen Zeit liegt der Verwaltungssitz im schweizerischen Nyon.

Die UEFA wurde 1954 in der Schweiz gegründet
Die UEFA wurde 1954 in der Schweiz gegründet

Geführt wird die UEFA von einem Präsidenten, der zugleich auch Vizepräsident der FIFA ist. Am 14. September 2016 wurde Aleksander Čeferin zum neuen Präsidenten der UEFA gewählt. Der UEFA-Präsident ist zugleich automatisch Vizepräsident der FIFA. Zur Seite steht dem Präsidenten ein Generalsekretär, der sich um das Tagesgeschäft kümmert. Dieses Amt hat seit März 2016 der Grieche Theodore Theodoridis (Interims-Generalsekretär) inne.

Als Aufsichtsgremium dient das Exekutivkomitee, das aus 16 Mitgliedern zusammengesetzt wird. Dazu gehört auch der Präsident. Außerdem wählt man vier Vizepräsidenten sowie einen Schatzmeister. Jedes Komiteemitglied hat eine Amtszeit von vier Jahren. Offizielle Sprachen der UEFA sind Französisch, Englisch und Deutsch.

Die UEFA umfasst derzeit 55 Mitglieder. Als bislang letztes Mitglied kam 2016 der Kosovo hinzu. An Wettbewerben, die von der UEFA durchgeführt werden, dürfen nur ordentliche Mitglieder des Verbandes teilnehmen. Eine Ausnahme stellt Großbritannien dar. Dieses Land darf aus historischen Gründen diese vier Verbände stellen:

  1. England,
  2. Schottland,
  3. Wales und
  4. Nordirland.

Zur UEFA gehören aber auch Mitglieder, die geographisch nicht zu Europa zählen, wie zum Beispiel Israel oder Kasachstan, was nach den UEFA-Statuten möglich ist.

Die Wettbewerbe der UEFA

Die UEFA richtet zahlreiche Wettbewerbe für Nationalmannschaften und Vereine aus. Der größte und bekannteste Wettbewerb ist die Fußball-Europameisterschaft, an der alle vier Jahre 16 National-Teams teilnehmen können. Die Fußball-Europameisterschaft 2020 findet, als 16. Austragung des Wettbewerbs, in 13 europäischen Städten in 13 europäischen Ländern statt. Darüber hinaus gibt es auch eine Europameisterschaft der Frauen sowie diverse Junioren-Europameisterschaften.

Auch für Vereinsmannschaften richtet die UEFA Jahr für Jahr verschiedene Wettbewerbe aus. Dazu gehören die UEFA Champions League, die UEFA Europa League, die früher als UEFA-Pokal bekannt war, der UEFA Super Cup sowie die UEFA Women's Champions League.

Eingestellt wurden dagegen die Wettbewerbe Europapokal der Pokalsieger und der UEFA Intertoto Cup. Ebenfalls zuständig ist die UEFA für Futsal. So gibt es eine Futsal-Europameisterschaft sowie den UEFA Futsal Cup.

Frauen im Vormarsch - der deutsche Frauenfußball

Nicht immer war Frauenfußball in Deutschland angesehen. Zwar wurde hierzulande schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Fußballvariante gespielt, doch wurde dieses Spiel als moralisch verwerflich eingestuft.

Während in anderen europäischen Ländern in den 20er Jahren der Frauenfußball erstmals auf dem Vormarsch war, kam es in Deutschland dagegen sogar zu einem Verbot. Darüber hinaus wurden die Frauen auch nicht in Turnvereinen aufgenommen.

Die sportbegeisterten Frauen ließen sich davon jedoch nicht entmutigen und riefen eigene Vereine ins Leben. Schließlich konnten auch die deutschen Frauen in den 20er Jahren Fußball spielen.

Frauenfußballverbot durch den DFB

Nachdem 1954 die deutsche Herren-Nationalmannschaft erstmals Fußball-Weltmeister wurde und das Interesse an der Ballsportart immer mehr anstieg, wollten auch die Frauen eine Nationalmannschaft gründen. So wurde 1955 ein Länderspiel zwischen einer deutschen und einer niederländischen Damen-Mannschaft ausgetragen.

Der Deutsche Fußballbund (DFB) sah diese Entwicklung jedoch nicht gerne und untersagte auf seinem Bundestag am 30. Juli 1955 seinen Vereinen die Gründung von Damen-Fußballabteilungen. Die DFB-Gewaltigen, darunter Bundestrainer Sepp Herberger, vertraten die Ansicht, dass Fußball nicht für Frauen geeignet und spezifisch männlich sei.

Der Beschluss des DFB konnte jedoch die Entwicklung des Frauenfußballs in den folgenden Jahren nicht aufhalten. Unermüdlich spielten die Fußballbegeisterten Frauen weiter, ohne jedoch dafür Anerkennung zu ernten. 1970 revidierte der DFB seinen Beschluss schließlich und machte das Frauenfußballverbot rückgängig.

1970 wurde Das Frauenfußballverbot aufgehoben
1970 wurde Das Frauenfußballverbot aufgehoben

Bildung von ersten Frauen-Ligen

Auf regionaler Ebene kam es rasch zur Bildung von ersten Frauen-Ligen. Ab 1981 wurde ein deutscher Pokal-Wettbewerb für die Frauen eingeführt, den die SSG 09 Bergisch Gladbach erstmals gewann. Ein Jahr später konnte auch endlich in Koblenz das erste offizielle Länderspiel ausgetragen werden. Dabei wurde die Schweiz mit 5:1 klar besiegt.

Internationale Erfolge

1989 wurden die deutschen Frauen erstmals Weltmeisterinnen
1989 wurden die deutschen Frauen erstmals Weltmeisterinnen

International aufhorchen ließen die deutschen Damen 1989, als sie erstmals Europameister wurden. Damit war auch der Weg für die Gründung der Frauenfußball-Bundesliga frei, die 1990 mit 20 Teams startete.

Auch international befand sich der deutsche Frauenfußball weiter auf dem Vormarsch. So gewann die Nationalelf weitere EM-Titel sowie olympische Medaillen. Außerdem wurde das Team 2003 durch einen Sieg über Schweden erstmals Weltmeister und 2007 in China sogar erneut.

Mit den Erfolgen wuchs auch langsam aber sicher das Interesse der Öffentlichkeit und der Medien, die ihre Berichterstattung ausweiteten. 2011 durfte sich der deutsche Frauenfußball auf ein weiteres Highlight freuen. So fand vom 26. Juni bis 17. Juli die 6. Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Deutschland statt, bei der Japan als Sieger den Platz verließ.

Auch bei der Weltmeisterschaft 2015 in Kanada konnten die Deutschen Fußballdamen nicht an die alten Erfolge anknüpfen und belegten den vierten Platz, der ihnen immerhin die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro einbrachte. Dort wurde die Mannschaft Olympiasieger.

Ein Wiedersehen bei Freunden

Seit den ersten zaghaften Versuchen mutiger Frauen den in nahezu allen europäischen Ländern beliebten Ballsport für sich zu erobern, hat sich einiges getan. Nachdem in den 30er Jahren die Nationalsozialisten das Frauenfußball verboten hatten, musste sich das vermeintlich schwache Geschlecht im Nachkriegsdeutschland gegen vorherrschende Ressentiments wehren, die sie in die stark limitierende Rolle der Hausfrau pressten.

Mit der immer stärker werdenden Emanzipationsbewegung in den 60er Jahren, erhielt auch der Frauenfußball eine größere Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung. Zwar wurden anfänglich nur kleine Abteilungen in Vereinen gegründet, deren Zweck eher die körperliche Ertüchtigung als ein sportlich ambitionierter Spielbetrieb war. Aber immerhin erregten bereits die ersten Frauenfußballmannschaften soviel Aufsehen, dass sie zum Thema an den Stammtischen wurden. Aus den Anfangs eher spöttischen Bemerkungen und zum Teil grob sexistischen Parolen wurden Anerkennung und Respekt für die zunehmend größer werdende sportliche Leistungsfähigkeit der Fußball spielenden Damen.

Das Jahr 1989 markiert einen wichtigen Wendepunkt für den Frauenfußball. In diesem Jahr wurde die Bundesliga eingeführt und die Frauennationalmannschaft konnte sich nicht nur erstmals für die Europameisterschaft qualifizieren, sondern sie auch gewinnen. In den 90er Jahren entwickelte sich Deutschland auch im Frauenfußball zur dominierenden Nation, was Joseph Blatter, dem damaligen FIFA-Präsidenten, 1995 zu der Aussage bewegte, dass die Zukunft des Fußballs weiblich sei. Dass sich seit dem Sieg der Weltmeisterschaft 2003 die Medienpräsenz des Frauenfußballs in Deutschland stark erhöht hat, ist nur folgerichtig und zollt der Leistung aller Spielerinnen Tribut.

Anerkannte Sportreporter sind sich sicher, dass die deutschen Fußballerinnen den Weltmeistertitel nach 2007 auch 2011 verteidigen werden. Diesmal vor heimischen Publikum, das dann eine Fortsetzung des Sommermärchens zelebrieren darf.

Quellen:

  • Dietrich Schulze-Marmeling: Fußball, Die Werkstatt, 2000, ISBN 3895332941
  • Thorsten Dargatz: Fußball Konditionstraining, Bd.1, Kraft und Schnelligkeit, Copress, 2001, ISBN 3767906384
  • Thorsten Dargatz: Fußball Konditionstraining, Bd.2, Koordination und Rehabilitation, Copress, 2001, ISBN 3767906392
  • Gerhard Hamsen und Jörg Daniel: Fußball-Jugendtraining, Rowohlt Tb., 1990, ISBN 3499186454
  • Jürgen Buschmann und Klaus Pabst und Hubertus Bussmann: Koordination, Das neue Fußballtraining, Meyer & Meyer, 2002, ISBN 389124830X
  • Christian Eichler: Lexikon der Fußballmythen, Piper, 2002, ISBN 349223397X
  • Detlev Patz: Mein Fußballbuch, Bassermann, 2000, ISBN 3809410659
  • Pierluigi Collina: Meine Regeln des Spiels, Hoffmann & Campe, 2003, ISBN 3455093981
  • Patric Muders: Richtig Torwarttraining, BLV Verlagsgesellschaft mbH, 2000, ISBN 3405159660
  • Rolf Mayer: Spieltraining Fußball, Rowohlt Tb., ISBN 3499186748

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