Bewegung macht frei - auch von Kleidung: Der Reiz am nackten Wandern

Rückansicht nackte Frau mit langen blonden Haaren spaziert über Brücke

Nicht jeder Mensch versteht die Leidenschaft Nacktwandern; doch schon allein der Toleranz wegen sollte man zumindest versuchen, sich in dieses Hobby hineinzuversetzen

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  • von Paradisi-Redaktion

Bewegung macht frei. Da ist was dran. Körper und Geist werden gestärkt, der Depression wird vorgebeugt. In einem viel umfassenderen Sinne sehen sich Nacktwanderer, die sich auch von der Bekleidung befreien. Nacktwanderer sind bereits Anfang des 20. Jahrhunderts aus der FKK-Bewegung hervorgegangen und begreifen das Wandern als Natursportart in konsequenter Weise.

Wenn schon Natursportart, dann auch konsequent und so natürlich betrieben wie Gott den Menschen erschuf. So oder in ähnlicher Weise begreifen die Nacktwanderer ihre sportliche Freizeitbetätigung. Sie entledigen sich zu den Streifzügen durch die Natur ihrer Kleidung – bis auf Strümpfe und Schuhe. Die konsequentesten Wanderer im Evakostüm verzichten auch darauf.

Für ein erhöhtes Naturerlebnis

Nackter Wanderer liegt auf Bauch auf Wiese
Nackter Wanderer liegt auf Bauch auf Wiese

Nacktwanderer sind der Auffassung, dass die Nacktheit ein erhöhtes Naturerlebnis vermittelt und auf alle Sinne wirkt. Der Zurück-zur-Natur-Gedanke stammt aus der Zeit der Romantik und wurde von den FKK-Freunden aufgenommen, aus denen sich wiederum die Nacktwanderer entwickelten.

Sie bewegen sich nicht nur um den See, an dem sie baden, sondern sind im Wald auf Wanderwegen zu finden. Nacktwanderer suchen sich eher ruhige, weniger frequentierte Wandertouren aus. Dennoch kommt es manchmal zur Begegnung zwischen Bekleideten und Unbekleideten. Nacktwandertouren – auch organisiert – gibt es unter anderem

Warum man gerne wandert und dabei am liebsten in der freien Natur ist, können die meisten Menschen noch ganz gut nachvollziehen.

  • Einmal abseits von Stress und Hektik der Stadt unterwegs sein,
  • die gute Luft atmen und
  • einfach nur die Seele baumeln lassen,

das tut schließlich jeder gerne. Doch dabei völlig nackt sein? Selbst aufgeschlossene Zeitgenossen können diesen Wunsch häufig einfach nicht verstehen. Der durchschnittliche Mitteleuropäer kleidet sich ja nicht nur wegen des Anstands und der Mode, sondern vor allem auch deshalb, um sich vor der Witterung zu schützen.

Witterung spüren

Durch das Nacktwandern die Natur besser wahrnehmen und scih frei fühlen
Warum nackt wandern?

Umso verblüffender ist es, dass Nacktwanderer genau diese so intensiv spüren möchten. Es reicht ihnen nicht, den Wind in den Haaren zu spüren, sie möchten ihn am liebsten am ganzen Körper fühlen.

Überzeugte Nacktwanderer berichten, dass man eben durch den Unterschied von Kälte und Wärme, Nässe und Trockenheit erst lernt, diese Empfindungen richtig wahrzunehmen. Ein wärmender Sonnenstrahl fühlt sich eben noch besser an, wenn man zuvor durch einen kühlen Wind ins Frösteln gekommen ist.

Frei von Zwängen

Der Reiz des Nacktwanderns hat jedoch auch eine psychologische Ursache. Tagtäglich werden Menschen danach bewertet, was für Kleidung sie tragen. Das führt sogar soweit, dass es im Berufsleben selbstverständlich ist, dass der Chef diktiert, was man zu tragen hat. Ein Anzug erweckt eben den Eindruck von Seriosität, ganz egal, wie der Mensch darin in Wirklichkeit ist.

Nacktwanderer möchten sich auf ihren Touren frei machen von diesen ganzen Zwängen. Sie möchten nicht einfach in die Rolle des naturverbundenen Wanderers schlüpfen, sie möchten ganz im Gegenteil einmal gar keine Rolle spielen und einfach ganz sie selbst sein. Das funktioniert natürlich am besten, wenn man gar keine Kleidung trägt und so nicht in ein Schema gepresst werden kann.

Nächtliches Nacktbaden

Wer selbst einmal den Reiz des Nacktwanders erleben möchte, sich jedoch nicht wirklich traut, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen, der sollte es einmal mit nächtlichem Nacktbaden versuchen. Die intensiven Empfindungen sind dieselben, man läuft jedoch kaum Gefahr, entdeckt zu werden.

Nacktwandern in der Justiz

Französische Nudisten wandern auf illegalen Pfaden

In Frankreich gehört es unter FKK-Anhängern seit 2007 zur Tradition, jeden Sommer durch das ausgetrocknete Flussbett der Aiguillon-Schlucht in der Region Languedoc-Roussillon zu wandern, und zwar völlig nackt.

Dabei ist das Nacktwandern in Frankreich genau wie in Deutschland nur auf ausgewiesenen Pfaden erlaubt. Sollten die Nudisten erwischt werden, droht ihnen bis zu einem Jahr Haft sowie eine Geldstrafe von bis zu 15.000 Euro.

Dem französischen FKK-Verein "Association pour la Promotion du Naturisme En Liberté" zufolge, blieben die Nacktwanderer bislang jedoch unentdeckt.

Gericht spricht französischen Nacktwanderer frei - Exhibitionismus nicht nachweisbar

Ein 52-jähriger FKK-Anhänger wurde nun von einem Gericht in der südwestfranzösischen Stadt Périgueux freigesprochen, da man ihm die "Absicht" des Exhibitionismus nicht nachweisen könne. Eigenen Aussagen zufolge steht der Pädagoge am liebsten "in Harmonie mit der Natur" und hat für seine Wanderungen ohne Bekleidung immer "sehr isolierte Orte" gewählt.

Während eines Nacktspaziergangs durch einen Wald im Département Dordogne im Südwesten Frankreichs im vergangenen Februar hat sich der Mann schließlich verletzt, als eine Spaziergängerin näher kam und er sich in dichtem Gebüsch versteckte.

Die Frau bemerkte ihn schließlich und erstattete kurzerhand Anzeige, womit sie jedoch keinen Erfolg hatte, da das Gericht Exhibitionismus von Freikörperkultur trennte und der 52-Jährige die Freikörperkultur schließlich mit "Vorsicht" ausübte.

Wandern im Adamskostüm kein Menschenrecht: Engländer verliert vor Gericht

Nacktwandern gilt als Erregung öffentlichen Ärgernisses und wird bestraft

Rückansicht nackte Frau mit langen blonden Haaren spaziert über Brücke
Naked long haired blond © Ben Heys - www.fotolia.de

Der 54-jährige Engländer Stephen Gough muss in Zukunft auf Wanderungen mehr als Schuhe und einen Rucksack tragen: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte lehnte seine Klage auf das Recht nackt durch Europa zu wandern, in letzter Instanz ab.

Nacktwandern als Erregung öffentlichen Ärgernisses

Seit Gough 2003 zum ersten Mal völlig unbekleidet die britische Insel der Länge nach durchwanderte, wurde er in England und Schottland mehrmals wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verhaftet und verbrachte immer wieder Zeit im Gefängnis - in Einzelzellen, weil er auch hinter Gittern jegliche Kleidung verweigerte.

Urteilsbegründung des Gerichts

Zu Recht, wie die europäischen Richter nun urteilen. Er habe gewusst, dass nacktes Auftreten in der Öffentlichkeit gegen die gesellschaftlichen Spielregeln verstoße und von den meisten Menschen als anstößig empfunden werde. Daraus lasse sich keine Verletzung des Rechts auf Privatleben ableiten.

Sein Missfallen über die bestehenden Regelungen hätte Gough auch auf andere Weise kund tun können. Die Klage wurde abgewiesen.

Ob sich der als "Naked Rambler" berüchtigte Ex-Soldat in Zukunft bekleidet auf Wanderschaft machen wird, ist nicht bekannt.

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Naked long haired blond © Ben Heys - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Brown wood texture. Abstract background © Sergiy Bykhunenko - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: senior man © Marcin Kempski - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: artistic nudity style picture of woman on white sand © Lev Dolgatshjov - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Beautiful female body © Andrejs Pidjass - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: naked girl © VladGavriloff - www.fotolia.de

Autor:

Andreas Neubert - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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