8. Mai 2009
Von Andreas Hadel
Speerwurf-Europameisterin Steffi Nerius vertraut genauso darauf wie Schwimm-Star Britta Steffens. Auch Golf-Legende Tiger Woods ist ein glühender Verfechter dieser noch jungen Erfolgskomponente des Sports. Die Rede ist vom Mentaltraining. Neben der regelmäßigen physischen Belastung wird in Zeiten einer immer größer werdenden Leistungsdichte die psychologische Seite des Leistungssport zum entscheidenden Faktor. In dem großen Wissensfeld des Mentaltrainings nimmt die sogenannte Visualisierung eine zentrale Stellung ein.
Bei dieser psychologischen Technik stellt sich der Athlet vor, wie er eine für seine Sportart typische Bewegung oder Disziplin ausführt. Dabei ist das weit entfernt von Tagträumerei. Eher ist es harte, geistige Arbeit. Denn der Sportler muss sich dabei intensiv auf jede einzelne Feinheit des Bewegungsablauf konzentrieren und in Gedanken möglichst perfekt absolvieren. Obwohl der Sportler die Übung nur in seinen Gedanken durchspielt, kann er damit ähnliche Erfolge erzielen, als wenn er sie tatsächlich auf dem Sportplatz trainiert hätte.
Warum das funktioniert, lässt sich ganz einfach erklären, wenn wir den Kraftsport als Beispiel heranziehen:
Zunächst muss man wissen, dass eine Erhöhung der Muskelkraft nicht automatisch mit einem Plus an Muskelmasse verbunden ist, da ein Muskel in erster Linie durch eine Anpassungsreaktion des Nervensystems leistungsfähiger wird. Das bedeutet, dass das Nervensystem lernt, wie es die Muskelkontraktion optimal steuern muss, um bei einer bestimmten Bewegung mehr Kraft zu erzeugen. Erst wenn die vorhandene Anzahl an Muskelzellen nicht mehr ausreicht, um der Belastung gerecht zu werden, kommt es zu einer Vermehrung der kontraktilen Elemente und demzufolge zu einem Massezuwachs.
Hinsichtlich der Beziehung von Nervensystem und Kraftvermögen ist eine Studie aus dem Jahr 2000 sehr interessant. Und zwar konnten Wissenschaftler belegen, dass bei Patienten, die an Tinnitus (Ohrengeräusche) leiden, das Gehirn nicht unterscheiden kann, ob der Nervenimpuls tatsächlich von einem echten Geräusch oder von einem "Phantomgeräusch" ausgelöst wurde. Die gleiche Erkenntnis wurde auch von Forschern bestätigt, die Patienten untersuchten, die an Halluzinationen leiden.
Daraus ergibt sich die Frage, ob auch die umgekehrte Richtung gilt. Kann man dem Nervensystem eine Belastung durch konzentriertes Imaginieren vortäuschen und dadurch eine Anpassungsreaktion erzeugen?
Um eine Antwort auf diese Frage geben zu können lud eine schwedische Forschungseinrichtung Probanden zu einem mehrwöchigen Experiment ein. Dabei mussten sich die Teilnehmer mehrmals pro Woche in Gedanken vorstellen, wie sie ihren rechten Arm hart anspannen. Ein zusätzliches Krafttraining wurde nicht absolviert. In der Tat konnten in der Auswertung signifikante Kraftsteigerungen festgestellt werden. Ob diese Steigerung jedoch genauso groß ist, wie es bei einem echten Widerstandstraining der Fall gewesen wäre, wurde nicht näher untersucht. Mit Sicherheit lässt sich aber durch das mentale Training eine nachweisliche Leistungsverbesserung erzielen.
Sportpsychologen und Mentaltrainer bezeichnen das bewusste "Träumen" als Visualisierung. Dabei unterscheidet man diese Technik in zwei Arten:
Bei der einen Technik betrachtet sich der Sportler selbst als Außenstehender. Er sieht in Gedanken also gewissermaßen einen Film, wie er seine gewünschte Leistung erzielt. Bei dem zweiten Ansatz muss sich der Trainierende so detailliert wie möglich vorstellen, wie schwer sich seine neue Rekordlast anfühlen würde, wie kalt sich die Hantel anfühlt und wie sich die Muskeln unter der Belastung immer stärker anspannen.
Während die erste Technik doch eher als Tagträumerei anmutet, hat sich die zweite im Leistungssport etabliert. Zusammenfassend muss gesagt werden, dass die Visualisierung sicher kein "reales" Training ersetzt, aber es kann unterstützend wirken und das Leistungspotential ausreizen.
Wenn Sie diese Form des Mentaltrainings für ihre eigenen sportlichen Ziele nutzen möchten, dann sollten Sie dabei so genau wie möglich vorgehen. Malen Sie sich als Einstieg aus, welche Farbe ihre Trainingskleidung hat und tauchen Sie dann tiefer in ihren Körper hinein, um jeden Zentimeter des Bewegungsablaufes der Übung ihrer Wahl in Gedanken durchzugehen. Vergessen Sie nicht, dass hierbei das Fühlen der eingebildeten Belastung essentiell für die Wirkung dieser psychologischen Technik ist.
Hier ist Platz für Ihre Meinung zu diesem Artikel.
Lesermeinung schreiben |
08.04.11 | |
![]() | MENTALTRAINING |
21.01.11 | |
![]() | MENTALTRAINING |
29.10.10 | |
![]() | MENTALTRAINING |
22.07.10 | |
![]() | MENTALTRAINING |
18.05.10 | |
![]() | MENTALTRAINING |
Stellen Sie eine Frage oder lesen Sie mehr im Mentaltraining Forum


Dieses Buch will Ihnen dabei helfen, die psychischen Hürden beim Triathlon erfolgreich zu bewältigen. Mit dem ri...