Vorkommen und Leben der Zecke und besonders gefährdete Standorte und Gebiete

Bei Zecken handelt es sich um Parasiten, die sich vom Blut ihrer Wirte ernähren. Hierzulande kommen sie vor allem in Süddeutschland vor. Zecken zählen wohl zu den unbeliebtesten Lebewesen auf diesem Planeten. So können die blutsaugenden Parasiten gefährliche Krankheiten übertragen.

Vor allem Wälder, aber auch Gärten und Lichtungen gelten als Zecken-Lebensraum

Die Zecke genießt einen zweifelhaften Ruf als Überträger von Krankheiten. So kann sie unter anderem Borreliose und FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) auf den Menschen übertragen. In einigen Gebieten ist sie besonders stark verbreitet.

Zecken kommen fast auf der ganzen Welt vor. Zu finden sind sie in der Nähe ihrer Wirtsarten. Eine wichtige Rolle bei ihrem Vorkommen spielen die Verbreitung ihrer Wirte sowie bestimmte Umweltfaktoren wie Luftfeuchtigkeit und Temperaturen.

Besondere Merkmale

Bei der Zecke (Ixodida) handelt es sich um eine Ordnung der Milben (Acari). So stellen die Zecken die größten Milbenarten dar. Außerdem sind sie Parasiten, die für ihre Ernährung das Blut anderer Lebewesen benötigen.

Zecken brauchen sogar noch mehr Blut als Stechmücken. In manchen Fällen hängen sie sich bis zu zwei Wochen an einen Wirt, um dessen Blut zu saugen.

Zu ihren bevorzugten Opfern zählen Säugetiere und Menschen. Zecken gelten nicht als Insekten, sondern als Spinnentiere.

An ihrem Kopf sind die Parasiten mit Stech- und Saugorganen ausgestattet, die zur Aufnahme von Blutmahlzeiten dienen. Außerdem verfügen sie über starke Klauen, die es ihnen ermöglichen, sich an ihrem Opfer festzuhalten.

Das Tückische an den Zecken ist, dass sie häufig Krankheiten auf ihre Wirte übertragen. Die Parasiten selbst bleiben dabei jedoch von Infektionen verschont.

Zu den bekanntesten Erkrankungen durch Zeckenbisse gehören

  • Borreliose
  • Ehrlichiose
  • Rickettsiosen
  • Babesiose sowie
  • die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Die drei Familien der Zeckenarten

Die verschiedenen Zeckenarten werden in drei Familien eingeteilt. Dabei handelt es sich um die Ixodidae, die Argasidae und die Nuttalliellidae.

Ixodidae (Schildzecken)

Die größte Familie unter den Zecken bilden die Ixodidae, die aus insgesamt 19 Gattungen und rund 650 Arten bestehen. Zecken aus der Familie Ixodidae bezeichnet man auch als Schildzecken.

So tragen diese Exemplare einen harten Schild auf ihrem Rücken. Während dieser Schild bei Männchen den ganzen Rücken bedeckt, ist dies bei Weibchen, Nymphen und Larven nur zum Teil der Fall.

In sämtlichen Entwicklungsstadien wird nur einmal mehrere Tage lang Blut gesaugt. Dabei nimmt die Schildzecke soviel Blut auf, dass sie ein Vielfaches ihrer eigentlichen Körpergröße erreicht.

Je nach Entwicklung befallen die Schildzecken, die in der Regel im Freien leben, lediglich ein bis drei Wirte. Schildzecken halten sich solange auf dem Erdboden auf, bis sie einen Wirtskörper gefunden haben.

Neben Menschen und Säugetieren dienen ihnen auch Vögel und Reptilien als Wirte. Manche Schildzecken wechseln nach jedem Entwicklungsstadium den Wirt.

Argasidae (Lederzecken)

Als Argasidae werden die Lederzecken bezeichnet. Diese sind im Gegensatz zu den Schildzecken nicht mit einem Schild ausgestattet. Man unterteilt sie in 5 Gattungen und etwa 185 Arten.

Da Lederzecken am liebsten in trockenen und heißen Gegenden leben, findet man sie in gemäßigten und kühlen Klimazonen nur in geringer Anzahl vor. Bevorzugte Lebensräume dieser Zeckenfamilie sind

  • Ritzen
  • Spalten und
  • Nester,

die in der Nähe ihrer Wirte liegen. Als Opfer dienen den meisten Argasidae Vögel. Manche befallen jedoch auch Menschen, Säugetiere und sogar Reptilien. Der Saugvorgang einer Lederzecke nimmt normalerweise zwei Minuten bis zwei Stunden in Anspruch. Manche Exemplare kommen bis zu zehn Jahre ohne Nahrung aus.

Verglichen mit den Schildzecken, werden durch die Lederzecken weniger Krankheiten übertragen. Dennoch sind auch sie nicht zu unterschätzen. So können manche Arten in Afrika das Zeckenrückfallfieber übertragen.

Nuttalliellidae

Bei der Nuttalliellidae handelt es sich um eine Übergangsform, die sowohl Merkmale der Schildzecken als auch der Lederzecken aufweist. Von der Nuttalliellidae gibt es lediglich eine bekannte Art, die man als Nuttalliella namaqua Bedford bezeichnet. Diese ist in Südwestafrika beheimatet und spielt als Schädling keine Rolle.

In Deutschland vorkommende Zeckenarten

In Deutschland gibt es ca. 20 Zeckenarten, von denen einige jedoch sehr selten sind. Menschen werden hierzulande besonders von dem Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) befallen. Ebenfalls in Deutschland ansässig sind

  • die Schafzecke (Dermacentor marginatus)
  • die Taubenzecke
  • die Igelzecke (Ixodes hexagonus) sowie
  • die nur in Süddeutschland vorkommende Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus).

Dagegen kann die Braune Hundezecke, die weltweit am häufigsten Menschen befällt, in Deutschland nicht auf die Dauer leben. Lederzecken beschränken sich zumeist auf die Tropen und die Subtropen.

Gefährdete Gebiete

Als gefährdete Gebiete gelten Regionen, in denen Zecken die Frühsommer-Meningoenzephalitis übertragen können. Zu den Hochrisikogebieten in Deutschland gehören

  • Bayern
  • Baden-Württemberg
  • Teile des Saarlands

sowie Teile von

  • Hessen
  • Rheinland-Pfalz und
  • Mecklenburg-Vorpommern.

Doch auch in Nachbarländern wie Österreich und der Schweiz sind die Blutsauger anzutreffen.

Ebenso zu den gefährdeten Gebieten zählen zahlreiche osteuropäische Staaten. Dazu gehören vor allem

In den letzten Jahren haben auch in den drei baltischen Staaten

FSME-Erkrankungen zugenommen.

Eher gering ist das Erkrankungsrisiko in Italien, Griechenland und Frankreich. In Skandinavien ist nur Südostschweden ein Risikogebiet. Als frei von FSME werden

eingestuft. Wissenschaftler befürchten jedoch, dass sich die Risikogebiete aufgrund der Erderwärmung weiter ausbreiten werden. So profitieren die Zecken von milden Wintern, die sie leichter überstehen können. Je größer die Anzahl der Zecken ist, desto mehr steigt auch das Risiko, gebissen zu werden.

Lebensraum

Zecken lauern vor allem in Wäldern, Lichtungen und an Bächen auf ihre Opfer. Daher besteht ein erhöhtes Risiko für Menschen, die viel im Wald spazieren gehen oder dort arbeiten.

Doch auch im Garten kann man von einer Zecke befallen werden. Am liebsten warten die Blutsauger

auf geeignete Wirte. Für Menschen, die so gut wie nie in den Wald gehen oder keinen Garten haben, besteht also kaum ein Risiko, von einer Zecke gebissen zu werden.

Zu den bevorzugten Wirtstieren gehören in erster Linie

  • Igel
  • Mäuse
  • Rehe oder
  • Vögel.

Besonders aktiv sind Zecken an feuchten Sommertagen, da sie Wärme und Feuchtigkeit bevorzugen. Obwohl sie in den Wintermonaten weniger aktiv sind, können sie Kälteperioden durchaus überleben.

Das Risiko eines Zeckenbisses kann sich durch bestimmte Krankheiten erhöhen. Zum Beispiel müssen Menschen, die unter Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn leiden, häufiger bei Spaziergängen oder Wanderungen ihre Notdurft im Gebüsch verrichten, wodurch die Gefahr, von einer Zecke gebissen zu werden, erheblich ansteigt.

Von den Eiern bis zur ausgewachsenen (vollgesaugten) Zecke - die Entwicklungsstadien

Zecken durchlaufen in ihrem Leben drei Entwicklungsstadien. Dabei reifen sie von einer Larve über eine Nymphe bis zu einer ausgewachsenen Zecke heran.

Larve und Nymphe

Das Leben einer Zecke beginnt mit dem Ausschlüpfen aus dem Ei. Insgesamt können weibliche Zecken bis zu 3.000 Eier legen. Zeckenlarven erreichen lediglich eine Größe von ca. einem halben Millimeter und haben im Unterschied zu ausgewachsenen Zecken nur sechs Beine.

Als Wirte für die erste Blutmahlzeit dienen ihnen vor allem kleinere Tiere wie Mäuse und Igel.

Nach dem Vollsaugen mit Blut verlassen die Larven das Wirtstier wieder und häuten sich. Dann kommt es zu einer Reifungsphase von mehreren Wochen, in der sich die Larven zu geschlechtslosen Nymphen entwickeln. Nymphen werden etwa 1,5 - 2 Millimeter groß. Außerdem verfügen sie über acht Beine und einer stärker gepanzerte Haut.

Vor der nächsten Blutmahlzeit leben die Nymphen eine Zeitlang im Freien. Dann suchen sie sich Wirte wie

  • Igel
  • Eichhörnchen
  • Füchse oder
  • Amseln.

Doch auch vor Menschen schrecken sie nicht zurück. Im Anschluss an die zweite Blutmahlzeit kommt es zu einer weiteren Häutung, sodass sich die Nymphe zu einer geschlechtsreifen und ausgewachsenen Zecke entwickelt.

Erwachsene Zecke

Ausgewachsene Zecken erreichen eine Größe zwischen zwei und vier Millimetern. Außerdem zeigen sich Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Zecken. So benötigen Weibchen üppigere Blutmahlzeiten als Männchen, wozu ihnen größere Säugetiere dienen.

Für das Weibchen ist eine Blutmahlzeit wichtig, um Eier legen zu können. Damit es eine ausreichende Menge erreicht, verbleibt es bis zu zehn Tage auf dem Wirt.

Ausgewachsene Zeckenmännchen sind dagegen etwas zurückhaltender. Während manche von ihnen mehrere Tage oder sogar Monate für ihre Blutmahlzeit benötigen, verzichten andere ganz auf sie und suchen stattdessen nach einem Weibchen, mit dem sie sich paaren können.

Nach der Paarung kommt es dann jedoch zum Tod des Männchens. Das mit Blut vollgesogene Weibchen fällt vom Wirt ab und beginnt mit dem Eierlegen. Danach endet auch das Leben des Weibchens.

Bei den meisten Zecken dauert das Entwicklungsstadium zwei bis drei Jahre. In jedem einzelnen Stadium muss sich die Zecke von Blut ernähren. Sind die Verhältnisse ungünstig, kann es mitunter bis zu fünf Jahre dauern, bis sich ein geeigneter Wirt finden lässt.

Zecken sind jedoch durchaus in der Lage, bis zu zwei Jahre auf Nahrung zu verzichten. Die meiste Zeit ihres Daseins verbringen sie damit, nach einem passenden Wirt zu suchen.

Vor Zecken schützen

Am besten schützt man sich vor Zecken, indem man auf Wanderungen durch hohe Gräser und Sträucher verzichtet. Auch die richtige Kleidung beim Wandern ist wichtig. So sollte man lange Hosen und lange Ärmel tragen. Ebenfalls hilfreich sind insektenabweisende Mittel zum Einreiben.

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  • friends on picnic © Nikolay Okhitin - www.fotolia.de

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