Debridement (Wundtoilette) - So läuft die Wundreinigung ab

Bei einem Debridement oder Wundtoilette wird abgestorbenes oder infiziertes Gewebe aus einer Wunde entfernt. Mit der Entfernung dieses überschüssigen Gewebes soll einer sekundären Infektion und Blutvergiftung vorgebeugt und der Wundheilungsprozess gefördert werden. Zur Wundreinigung können ganz unterschiedliche Verfahren zur Anwendung kommen, die häufigste Form ist das chirurgische Debridement. Lesen Sie hier alles Wissenswerte zur Wundtoilette.

Entfernung von überschüssigem Gewebe aus einer Wunde

Das Debridement

Das Debridement wird auch als Wundtoilette oder Wundreinigung bezeichnet. Gemeint ist damit das Entfernen von nekrotischem (abgestorbenem), infiziertem oder beeinträchtigtem Gewebe aus Wunden, Brandwunden oder Geschwüren. Aber auch bei chronischen Wunden oder Organzerfall gelangt die Wundtoilette zur Anwendung.

Mithilfe eines Debridements soll einer sekundären Infektion des noch gesunden Gewebes sowie das Voranschreiten einer lebensbedrohlichen Infektion durch Sepsis (Blutvergiftung) entgegengewirkt werden. Außerdem lässt sich die Heilung durch die Wundtoilette fördern.

Wichtig ist, dass das Gewebe durch die Wundtoilette wieder genügend Blut erhält, damit das Gewebe durch den Wundheilungsprozess erhalten bleiben kann.

Indikationen des Debridements

Erforderlich ist ein Debridement beim Ausbleiben der natürlichen Wundheilung des Organismus. Gleiches gilt, wenn der Heilungsprozess nur langsam voranschreitet. Häufigste Anwendungsgebiete sind:

Formen des Debridements

Zur Durchführung der Wundtoilette kommen mehrere Verfahren in Betracht:

Das chirurgische Debridement

In den meisten Fällen wird ein chirurgisches Debridement vorgenommen. Das Verfahren gilt als schnellste Option. Dem Operateur stehen dazu medizinische Utensilien wie ein Skalpell oder ein scharfer Löffel zur Verfügung. Mit diesen Instrumenten entfernt er das nekrotische Gewebe.

Vor allem bei Infektionen der Weichteile, die sich rasch ausbreiten, gilt die chirurgische Wundtoilette als sinnvoll, da die bakteriellen Keime sonst in die Blutbahn vordringen und eine Sepsis hervorrufen können.

Im Normalfall wird dem Patienten zu Beginn des Debridements eine entsprechende Betäubung verabreicht. Mit einer isotonischen Kochsalzlösung lässt sich die gereinigte Wunde ausspülen. Nicht immer ist ein radikales Debridement möglich, weil sonst das Risiko besteht, angrenzende Nerven, Gefäße oder Organe in Mitleidenschaft zu ziehen.

Durch die chirurgische Wundreinigung gelangen Entzündungszellen in die Wunde, die wichtig für die Heilung sind. Außerdem lässt sich durch das Herbeiführen von Unterdruck die Wundflüssigkeit besser ableiten, was sich wiederum positiv auf den Verlauf der Heilung auswirkt. Der Unterdruck entsteht durch das Auflegen eines keimfreien Schwamms auf die Wunde. Über einen Schlauch aus Kunststoff schließt der Arzt den Schwamm an ein Gerät zur Erzeugung von Unterdruck an.

Setzt sich das Absterben des Gewebes auch nach der Wundtoilette fort, muss das Débridement wiederholt werden.

Biochirurgisches Debridement

Als spezielle Form der chirurgischen Wundtoilette gilt das biochirurgische Debridement. Bei diesem Verfahren kommen Maden, die steril gezüchtet werden, zum Einsatz. Sie besitzen die Eigenschaft, sich von nekrotisiertem Gewebe zu ernähren.

Die Methode gilt als schonend und effektiv. Allerdings ist es nicht leicht, die Akzeptanz des Patienten für dieses ungewöhnliche Vorgehen zu erhalten.

Mechanisches Debridement

Von einem physikalischen oder mechanischen Debridement ist die Rede, wenn das Exsudat (entzündungsbedingte Absonderungen) mit saugkräftigen Auflagen und Verbänden sowie dem Anlösen der Beläge mithilfe moderner Wundauflagen wie Gel-Kompressen entfernt wird. Ferner lässt sich die Wunde mit isotonen Lösungen spülen.

Der Nachteil des mechanischen Debridements liegt darin, dass die Gefahr von Schädigungen von bereits entstandenem Narbengewebe besteht. Außerdem ist das Verfahren für den Patienten oft mit ausgeprägten Schmerzen verbunden.

Ultraschall-assistierte Wundreinigung

Als Weiterentwicklung gilt das Ultraschall-Debridement, das auch als Ultraschall-assistierte Wundreinigung oder Ultraschall-Assistiertes Wunddebridement (UAW) bezeichnet wird. Bei dieser wirksamen Methode erfolgt das Spülen der Wunde mit einer Spülflüssigkeit sowie einer Beschallung per Ultraschall. Die Flüssigkeit wird durch die Impulse des Ultraschalls tief in die Wunde geleitet und kann dadurch Beläge sowie lockere Nekrosen ablösen und aus der Wunde transportieren.

Enzymatisches Debridement

Im Rahmen eines enzymatischen Debridements gelangen biosynthetische Enzyme zur Anwendung. Dabei handelt es sich zumeist um Streptokinase oder Clostridiopeptidase. Von den Enzymen werden unterschiedliche Eiweiße gespalten, die in infizierten Wunden und abgestorbenem Gewebe vorkommen. Konnte der Wundbelag abgebaut werden, entsteht daraufhin genug Narbengewebe.

Das enzymatische Debridement findet allerdings nur selten Verwendung. Grund dafür ist die Langwierigkeit der Therapie. Außerdem gilt es als weniger effektiv als eine chirurgische Wundreinigung.

Autolytisches Debridement

Beim autolytischen Debridement wird ein feuchtwarmes Wundmilieu mithilfe von modernen Wundauflagen wie Hydrokolloidverbänden geschaffen. Auf diese Weise erfolgt eine Autolyse (Auflösung) der Wundbeläge durch körpereigene Enzyme und Wundexsudat. Weil das feuchte Wundmilieu natürlichen Wundbedingungen gleicht, gelangen verstärkt Entzündungszellen in das wunde Gewebe, sodass Narben entstehen können.

Parodontales Debridement

Als parodontales Debridement wird das Beseitigen von Konkrementen und Plaque an den Zähnen bezeichnet. Es dient zur Therapie von parodontalen Entzündungen durch das Vermindern der schädlichen Keime im Mund.

Im Rahmen des parodontalen Debridements gelangen Küretten, Ultraschallgeräte sowie spezielle Laser zur Anwendung. Sie polieren Oberflächen von Zähnen und Wurzeln, um eine bessere Heilung des Zahnfleisches zu gewährleisten. Dadurch legt sich das Zahnfleisch wieder an den Zahn an.

Welches Verfahren ist am besten?

Welches Wundreinigungsverfahren sich letztlich am besten für den Patienten eignet, richtet sich nach verschiedenen Kriterien. Dazu gehören die Versorgungssituation, der allgemeine Gesundheitszustand sowie mögliche Begleiterkrankungen des Patienten. Ebenfalls zu bedenken sind Ängste vor Schmerzen und negative Erfahrungen des Betroffenen.

Auch die Einnahme von bestimmten Arzneimitteln ist auf die Wundtoilette abzustimmen. Zum Beispiel ist ein chirurgisches Debridement bei der Einnahme von Antikoagulanzien nicht durchführbar. In manchen Fallen kann auch ein autolytisches Debridement trotz seines höheren Zeitaufwands sinnvoller sein als ein chirurgisches Debridement, weil es den Patienten weniger belastet.

Abschließend sollte die Entscheidung über das richtige Verfahren stets zusammen mit dem Therapieteam, dem Patienten und den Angehörigen getroffen werden.

Verhalten des Patienten nach einem Debridement

Wichtig ist, dass die Wunde nach dem Debridement keinem Druck ausgesetzt wird. Beim Duschen besteht das Risiko, dass Keime in die Wundregion vordringen. Daher empfiehlt sich die Verwendung eines speziellen Duschpflasters. Falls möglich, sollte medizinisches Pflegepersonal bei der Körperreinigung helfen.

Treten nach der Wundtoilette abrupte Schmerzen oder Blutungen in der Wundregion auf, muss umgehend ein Arzt informiert werden.

Mögliche Risiken eines Debridements

Mit einem Debridement sind verschiedene Risiken verbunden. So besteht die Gefahr von Komplikationen wie Sensibilitätsstörungen, Verletzungen der angrenzenden Nerven oder Lähmungen. Außerdem können durch die Wundtoilette Blutgefäße geschädigt werden, was wiederum Blutungen zur Folge hat.

Des Weiteren sind bakterielle Infektionen möglich. Für deren Behandlung ist oftmals ein weiterer chirurgischer Eingriff erforderlich. Auch bei starkem Verlust von Gewebe kann eine weitere Operation zum Verschluss der Wunde erforderlich sein.

Quellen:

  • Rudolf Häring, Hans Zilch: Lehrbuch Chirurgie, De Gruyter, 1997, Seite: 3110149885
  • D. Steed: Debridement, American journal of surgery, 2004, Volume 187, Issue 5A
  • M. Lumbers: Wound debridement: choices and practice, British journal of nursing (Mark Allen Publishing), 2018, Volume 27, Issue 15
  • D. Henne-Bruns: Chirurgie, Thieme, 2012
  • K. Protz, J. Timm: Moderne Wundversorgung, Urban & Fischer, 2014

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