Fraktursonografie - Anwendung, Vorteile und Grenzen

Die Fraktursonografie ist eine spezielle Untersuchungsmethode per Ultraschall. Sie dient in erster Linie dazu, einen Knochenbruch (Fraktur) zu diagnostizieren bzw. auszuschließen. Ihr Vorteil gegenüber der bei Knochenbrüchen sonst üblichen Röntgenuntersuchung liegt in der fehlenden Strahlenbelastung. Die Fraktursonografie kann somit auch beliebig wiederholt werden und eignet sich besonders gut bei Kindern. Bei welchen Brüchen und Kontrolluntersuchungen die Fraktursonografie zum Einsatz kommt und wie diese abläuft, erfahren Sie hier.

Ultraschalluntersuchung zur Diagnose von Knochenbrüchen

Definition

Bei der Fraktursonografie handelt es sich um ein Spezialgebiet der Sonografie, die mittels Ultraschall zu Diagnosezwecken dient. Im Rahmen der Fraktursonografie lassen sich Knochenbrüche nachweisen. Die Ultraschalldiagnostik zählt zu den gebräuchlichsten Untersuchungsverfahren der Medizin und hat den Vorteil, kaum Nebenwirkungen aufzuweisen. Die Fraktursonografie eignet sich so auch besonders gut zur Untersuchung von Kindern.

Entstehung der Fraktursonografie

Die Geschichte der Fraktursonografie reicht zurück bis ins Jahr 1880, als der französische Physiker Pierre Curie (1859-1906) die Piezoelektrizität entdeckte. Im Anschluss an die Entwicklung des Echolots im Jahr 1913 wurden ab den 30er Jahren auch medizinische Anwendungen per Ultraschall zur Behandlung von Krebserkrankungen durchgeführt. Diese waren jedoch letztlich nicht von Erfolg gekrönt. In den 40er Jahren begannen Forschungstätigkeiten, um das Ultraschallverfahren für diagnostische Zwecke zu nutzen. Erste moderne Geräte entstanden in den 50er Jahren.

Bis eine Primärdiagnostik per Ultraschall von Knochenbrüchen untersucht wurde, dauerte es jedoch noch bis in die 80er Jahre. Grund dafür war auch die Alternative durch Röntgengeräte. Aus diesem Grund vermochte die Sonografie zur Untersuchung von Knochenfrakturen nicht, sich durchzusetzen. Dies geschah erst ab 2009 durch das systematische Untersuchen von Spezifität und Sensivität im Vergleich zur Radiologie. So gelang es der Fraktursonografie in den letzten Jahren zunehmend an Akzeptanz zu gewinnen.

Vorteile der Fraktursonografie

Wird die Fraktursonografie von einem Experten durchgeführt, gilt sie als ebenso zuverlässig wie die bewährte Röntgendiagnostik. Der große Vorteil der Untersuchung von Knochenbrüchen per Ultraschall liegt darin, dass sich dabei die Röntgenstrahlenbelastung reduzieren lässt. Aus diesem Grund kann sie auch jederzeit wiederholt werden. Außerdem geht die Fraktursonografie schneller voran und belastet den Patienten weniger.

Als besonders sinnvoll gilt die Fraktursonografie bei Kindern. Dabei eignet sich das Verfahren sowohl zu diagnostischen Zwecken als auch zur Verlaufskontrolle der Knochenheilung. Die Belastung durch die Röntgenstrahlen kann den Kindern erspart werden.

Anwendungsgebiete der Fraktursonografie

  • Rippenbrüche bei sämtlichen Altersstufen
  • Frakturen des Brustbeins bei sämtlichen Altersstufen
  • Brüche in der Nähe des Handgelenks bei Kindern bis zu 12 Jahren
  • Oberarmfrakturen an der Schulter bei Kindern bis zu 12 Jahren
  • das Ausschließen von Brüchen des Ellenbogens bei Kindern bis zu 12 Jahren
  • Stellungskontrollen bei sämtlichen Altersstufen
  • die Stellungskontrolle von AC-Sprengungen bei allen Altersstufen
  • das Aufspüren von Knochenbrüchen bei Kleinkindern, um die Röntgenuntersuchungen zu minimieren

Brüche am Handgelenk

Handgelenksbrüche eignen sich gut für eine Fraktursonografie, weil sie sich auch ohne eine Röntgenuntersuchung feststellen lassen. So bedarf es lediglich in Ausnahmesituationen einer Röntgenaufnahme.

Verglichen mit der Röntgendiagnostik liegt die Sensivität der Fraktursonografie bei 96 Prozent. Die Spezifität erreicht sogar 100 Prozent.

Brüche in der Nähe des Ellenbogens

Durch die Fraktursonografie ist es möglich, ellenbogennahe Brüche auszuschließen. Dies wird durch das Ausschließen eines Gelenkergusses bewerkstelligt. Erfolgt dagegen der Nachweis eines Gelenkergusses, ist es erforderlich, im Anschluss eine Röntgenaufnahme zur besseren Beurteilung anzufertigen.

Die Sensivität gegenüber der Röntgenuntersuchung liegt bei 97,9 Prozent. Die Spezifität bringt es auf 95 Prozent.

Oberarmbrüche am Schultergelenk

Ebenfalls gut für eine Fraktursonografie geeignet sind Oberarmfrakturen in der Nähe der Schulter. Allerdings ist es nötig, selbst bei einem Nachweis des Bruches eine Röntgenuntersuchung durchzuführen, weil auch ein Knochentumor als Auslöser für den Bruch infrage kommt.

Die Sensivität erzielt, verglichen mit dem Röntgen, 94,4 Prozent, während die Spezifität 100 Prozent aufweist.

Auch zur Diagnose von Schlüsselbeinbrüchen ist die Fraktursonografie geeignet. Bestehen Unklarheiten, muss allerdings eine Röntgenuntersuchung erfolgen.

Frakturen des Brustbeins

Die Fraktursonografie stellt bei einem Bruch des Brustbeins eine gute Alternative zum Röntgen dar, weil bei diesem Verfahren oft Unklarheiten wegen der anatomischen Lage bestehen. So ergaben Studien eine höhere Identifikationsrate beim Vergleich zur herkömmlichen Röntgenmethode. Dabei eignet sich die Fraktursonografie sowohl für Kinder als auch für erwachsene Patienten.

Stellungskontrollen

Eine Stellungskontrolle von Knochenbrüchen lässt sich durch eine Fraktursonografie in jedem Lebensalter durchführen. Sie ist möglich, wenn eine Ultraschalluntersuchung sowie eine Röntgenaufnahme zum Vergleich vorhanden sind. Auf diese Weise können eine Verschiebung oder das Abkippen von Knochenfragmenten kontrolliert werden.

Suche nach Knochenfrakturen

Die Fraktursonografie eignet sich zudem als Screeningmethode, wenn Unklarheit über die genaue Position des Knochenbruchs herrscht. Durch die Fraktursonografie lässt sich das unnötige Röntgen von mehreren Knochen vermeiden. So sucht der Ultraschall nach Anzeichen einer Fraktur. Nach dessen Aufspüren schließt sich eine gezielte Röntgenuntersuchung des betroffenen Bereichs an.

Grenzen der Fraktursonografie

Aus technischen Gründen ist die Fraktursonografie bislang noch nicht imstande, in allen Bereichen des Körpers eingesetzt zu werden. Gleiches gilt für bestimmte Frakturformen. Aus diesem Grund stuft die Medizin die Röntgendiagnostik nach wie vor als Standard bei Frakturen ein. Bestehen trotz Ultraschalldiagnostik Zweifel oder müssen weitere Untersuchungen vorgenommen werden, kommen ergänzend Röntgenverfahren zum Einsatz.

Ablauf der Fraktursonografie

Vor der Durchführung einer Fraktursonografie befasst sich der untersuchende Arzt mit der Krankengeschichte des Patienten sowie dem Hergang der Verletzung. Außerdem findet eine körperliche Untersuchung statt. Für die Ultraschalluntersuchung setzt oder legt der Patient sich hin. Kinder können oftmals auch auf dem Schoß der Eltern sitzen, während die Untersuchung stattfindet.

Erster Schritt der Fraktursonografie ist das Auftragen von Ultraschallgel auf den Linearschallkopf des Untersuchungsgerätes. Der Arzt setzt den Ultraschallkopf anschließend behutsam in Richtung Knochen-Längsachse auf. Dann bewegt er ihn um den betroffenen Knochen herum. Die Schmerzen dabei fallen meist geringer aus als beim Röntgen, weil das Gel kühlende Effekte aufweist. Außerdem entsteht bei der Untersuchung nur geringer Druck.

Risiken der Fraktursonografie

Die Fraktursonografie ist arm an Risiken. Auch größere Nebenwirkungen sind bisher nicht bekannt. Mitunter kann es zu mechanischen Irritationen oder Auswirkungen durch Druck oder Erwärmung kommen, doch gelten diese nicht als gesundheitsschädlich. Strahlenbelastungen treten durch die Fraktursonografie nicht auf.

Probleme der Fraktursonografie

Große Vorsicht bei der Anwendung der Fraktursonografie ist bei instabilen Knochenbrüchen geboten. Dabei besteht die Gefahr, dass es durch die Ultraschalluntersuchung zum Verschieben der Fraktur kommt. So ist es erforderlich, den Gipsverband für das Durchführen des Verfahrens abzulegen. Im Zweifelsfall gilt die Röntgendiagnostik prinzipiell als bessere Wahl.

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