Hämoptoe (Bluthusten) - Ursachen, Diagnose und Behandlung

Mann mit Bart hustet Blut in ein Taschentuch

Blutiger Auswurf infolge einer Erkrankung oder Verletzung

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  • von Paradisi-Redaktion

Wird beim Husten Blut ausgeworfen, das aus Lunge, Atemwegen oder Magen stammt, spricht man von einer Hämoptoe, Bluthusten oder blutigem Auswurf. Je nach Intensität des Bluthustens kommen für dieses Symptom sehr ernstzunehmende Erkrankungen infrage, zum Beispiel eine Lungenentzündung oder Lungenkrebs. Die Ursachen sind insgesamt aber sehr vielfältig und bedürfen einer genauen Diagnose, um die richtige Behandlung einzuleiten. Lesen Sie hier alles über Ursachen, Diagnose und Behandlung einer Hämoptoe.

Bei der Hämoptoe kommt es zu einem Aushusten von blutigem Sekret. Es wird auch als Bluthusten, Blutsturz, Blutspucken oder blutiges Sputum bezeichnet. Dabei gelangt blutiger Auswurf aus den unteren Atemwegen an die Oberfläche.

Die Hämoptyse stellt eine schwächere Form der Hämoptoe dar. Bei der Hämoptyse befindet sich zwar beigemischtes Blut im Sputum, doch werden keine größeren Mengen an Blut ausgehustet. Zu differenzieren ist außerdem zwischen der Hämoptoe und anderen Erkrankungen, in deren Rahmen ebenfalls Blutungen aus dem Mundraum erfolgen, wie bei Mundverletzungen, Verletzungen am Zahnfleisch, Nasenbluten oder Magen- und Speiseröhrenblutungen, was nicht immer leicht ist.

Vom Bluthusten abzugrenzen ist die sogenannte falsche Hämoptyse. Dieses ausgehustete Blut stammt aus dem Rachenraum oder der Nase und wird gemeinsam mit Speichel abgegeben. Bei der Hämoptoe kommt das Blut aber aus den Arterien oder Venen von Bronchien, Lungengewebe oder Luftröhre. Bei Verletzungen dieser Gefäße kann das Blut in die Atemwege gelangen, wo es zu seinem Abhusten kommt.

Häufigkeit von Bluthusten

Schätzungen zufolge liegt die Inzidenz für eine Hämoptoe bei jährlich 1 von 1000 Patienten. Besonders betroffen von dem Symptom sind ältere Männer im Durchschnittsalter von 62 Jahren. Das Verhältnis zwischen Mann und Frau beträgt 2:1.

Eine leichte bis mittelschwere Hämoptoe ist von einem intensiven Bluthusten, der lebensgefährliche Ausmaße annehmen kann, abzugrenzen. Bei der massiven Form können Blutmengen von bis zu 100 Milliliter innerhalb von 24 Stunden ausgehustet werden. Die leichte bis mittelschwere Hämoptoe kommt allerdings am häufigsten vor.

Ursachen für Bluthusten

Für eine Hämoptoe sind unterschiedliche Ursachen verantwortlich. Auf Bronchien und Luftröhre beschränkte Auslöser sind eine akute oder chronische Bronchitis, Bronchiektasien oder Lungenkrebs.

Die Bronchitis wird in der Regel von Viren oder Bakterien verursacht.

Bei Bronchiektasien handelt es sich um kleine Bronchienaussackungen. Sie bilden sich zumeist durch chronische Bronchitiden. Dabei kommt es wiederholt zu Entzündungen, die mitunter zu Blutungen führen. Eine Hämoptoe zeigt sich dabei aber eher selten.

Liegt ein Bronchialkarzinom vor, gehört der Bluthusten zu den ersten Symptomen. Ebenso können Metastasen (Tochtergeschwülste) in der Lunge blutigen Husten hervorrufen. Sie entstehen durch andere Krebsarten wie Brustkrebs, Nierenkrebs oder Darmkrebs.

In manchen Fällen wird der Bluthusten auch durch eingeatmete Fremdkörper hervorgerufen, was vorwiegend bei Kindern der Fall ist. Durch die kleinen Teilchen werden die Schleimhaut sowie die Gefäße der Atemwege in Mitleidenschaft gezogen.

Auch durch das Lungengewebe ist Bluthusten möglich. Denkbare Auslöser sind die Tuberkulose, die vor allem in osteuropäischen und asiatischen Regionen verbreitet ist, ein Lungenabszess oder eine Lungenentzündung.

Weitere mögliche Ursachen für Bluthusten

  • Verletzungen zum Beispiel durch Messer oder einen Unfall
  • Fehlbildungen der Gefäße
  • Lungenembolie
  • Autoimmunkrankheiten wie das Goodpasture-Syndrom, bei der Antikörper die eigenen Lungenstrukturen attackieren oder die Wegener-Granulomatose, in deren Verlauf es zu Entzündungen an den Körpergefäßen kommt
  • Pulmonale Hypertonie aufgrund von Herzklappenfehlern
  • Hämorrhagische Diathese (erhöhte Blutungsneigung) für die bestimmte Krankheiten wie eine Hämophilie (Bluterkrankheit) oder die Gabe von blutverdünnenden Arzneimitteln wie Aspirin verantwortlich sein können

Diagnose bei Bluthusten

Kommt es zu Bluthusten, muss so schnell wie möglich ein Arzt aufgesucht werden, um die möglichen Ursachen zu ermitteln und entsprechend zu behandeln. Der Mediziner befragt den Patienten zunächst einmal genau nach dessen Beschwerden. So erkundigt er sich danach, seit wann der blutige Husten auftritt, welche Mengen abgehustet wurden und ob Vorerkrankungen bestehen.

Nächster Schritt ist eine Blutabnahme, um das Blutbild, den Sauerstoffgehalt des Blutes, Entzündungsanzeichen sowie die Gerinnungswerte beurteilen zu können.

Bleibt die Ursache der Hämoptoe weiter unklar, können bildgebende Verfahren wie eine Thorax-Röntgenuntersuchung zur Anwendung gelangen. Ein weiteres Verfahren stellt die Multislice-CT-Angiografie dar, mit der sich die Blutungsquelle sowie deren Ursache meist zuverlässig ermitteln lassen. Noch ein weiteres mögliches Diagnostikverfahren ist die Bronchoskopie, die zumeist nach einer CT-Angiografie stattfindet. Sie kann wichtige Hinweise auf Bronchiektasien, Infekte, bösartige Erkrankungen oder Fremdkörper liefern.

Liegt eine massive Hämoptoe vor, gilt die Notfall-Bronchoskopie als Untersuchungsmethode erster Wahl, da dabei auch blutungsstillende Behandlungsmaßnahmen möglich sind.

Behandlung bei Bluthusten

In den meisten Fällen wird die Ursache der Hämoptoe behandelt. Nur selten erfolgt eine Behandlung der Blutung selbst.

Liegt lediglich ein leichter Fall von Bluthusten vor, reicht eine konservative Behandlung normalerweise aus. Dabei wird in der Regel die auslösende Ursache wie beispielsweise ein Infekt therapiert. Auch der Blutgerinnungsstatus lässt sich korrigieren.

Je nachdem, welche Auslöser für die Hämoptoe verantwortlich sind, können bestimmte Medikamente wie Antibiotika oder Immunsuppressiva verabreicht werden. Abhängig von der Ursache kann auch ein chirurgischer Eingriff nötig sein.

Bronchoskopie

Eine Bronchoskopie (Lungenspiegelung) findet statt, wenn Blutungen im Bereich der zentralen Atemwege bestehen, was zum Beispiel bei einer Gefäßmalformation der Fall sein kann. Außerdem lässt sich durch einen operativen Eingriff der Gasaustausch durch das Entfernen von Koageln in der Bronchialregion sicherstellen. Durch eine direkte Gabe des Vasopressinanalogons Terlipressin ist eine zeitweilige Blutstillung möglich.

Bei einem schwer ausgeprägten Bluthusten gelten eine Ballonblockade des Bronchus, der zur Blutungsquelle führt, sowie eine einseitige Lungenintubation als lebensrettende Maßnahmen.

Bronchialembolisation

Bei einer massiven oder wiederkehrenden Hämoptoe ist eine gezielte Bronchialembolisation (Verschluss der Blutgefäße) das wirksamste Mittel. Dabei gehen die Blutungen in der Regel aus einem Bronchialarterienast hervor. Verursacht wird die Blutung meist durch eine chronische Entzündung oder eine Tumorerkrankung. Durch eine digitale Subtraktionsangiografie lässt sich die Bronchialarterie in der Blutungsregion gezielt mit einem Kontrastmittel darstellen.

Liegen Aneurysmen oder Erweiterungen der Arterie von mehr als zwei Millimetern vor, erfolgt eine Embolisation per Embolisationsspiralen oder Mikropartikel. Zu beachten sind dabei Shunts zu Pulmonalarterien oder Pulmonalvenen sowie Kollaterale zur Spinalarterie, weil durch diese ausgeprägte Komplikationen auftreten können. Grundsätzlich verläuft die Embolisation bei 75 bis 98 Prozent aller Patienten erfolgreich. Allerdings kommt es nicht selten erneut zu blutigem Husten, was vor allem bei bösartigen Erkrankungen der Fall ist.

Notfallbehandlung einer massiven Hämoptoe

Bei starken Blutungen, die von der Lunge oder den unteren Bronchien ausgehen, sind Notfallmaßnahmen erforderlich. Dazu gehört das Lagern des Patienten in einer schräg sitzenden Haltung, sodass der blutende Lungenflügel in die untere Richtung weist. Dadurch kann die unverletzte Lunge nach wie vor ihren Funktionen nachgehen. In manchen Fallen ist es außerdem nötig, das verlorene Blutvolumen zu ersetzen.

Prognose bei Bluthusten

Die Prognose der Hämoptoe hängt von der jeweiligen auslösenden Ursache sowie ihrem Ausmaß ab. Während leichter Bluthusten meist glimpflich verläuft, liegt die Sterblichkeit bei einer massiven Hämoptoe im Falle einer konservativen Therapie zwischen 50 und 100 Prozent.

Bluthusten vorbeugen

Eine gezielte Prävention von Bluthusten ist nicht möglich. Um ein weiteres Auftreten der Hämoptoe zu verhindern, sollte rechtzeitig eine ärztliche Behandlung erfolgen. Daher ist blutiger Husten stets ernst zu nehmen und durch einen Arzt abklären zu lassen.

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  • Bildnachweis: Mann hustet Blut in ein Taschentuch © Miriam Dörr - www.fotolia.de

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Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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