Stupor - Ursachen, Komplikationen und Behandlung

Gesicht einer traurigen Frau

Erstarrung und Stimmlosigkeit zum Beispiel infolge einer schweren psychischen Erkrankung

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  • von Paradisi-Redaktion

Bei einem Stupor ist der betroffene Mensch erstarrt, sowohl auf körperlicher als auch auf psychischer Ebene. Es findet kein Sprechen und keine Reaktion auf äußere Reize statt, obgleich der Mensch bei bewusstsein ist. Ausgelöst wird diese Regungslosigkeit durch schwere Formen von Depressionen oder Psychosen, aber auch Erkrankungen wie eine Gehirnentzündung, Demenz oder ein Hirnödem kommen in Betracht. Alles Wissenswerte zum Stupor lesen Sie in diesem Artikel.

Der Begriff Stupor stammt aus dem Lateinischen und bedeutet "Erstarrung". Gemeint ist damit ein Zustand der Starre des gesamten Körpers, während der Betroffene bei vollem Bewusstsein ist. Bewegungen kann er nur noch sehr langsam oder sogar überhaupt nicht mehr durchführen. Die Nahrungsaufnahme lässt sich nur noch mithilfe von intensiver Unterstützung anderer Menschen vornehmen. Obwohl der Patient während des Stupors wach ist, zeigt er keinerlei Reaktion auf Versuche, mit ihm zu sprechen. Obwohl er ausdruckslos wirkt, ist er innerlich stark angespannt.

Ursachen eines Stupors

Für einen Stupor kommen unterschiedliche Ursachen in Betracht. Als Hauptauslöser gelten verschiedene psychische Erkrankungen wie zum Beispiel schwere Depressionen. Folgende Krankheitsformen sind am häufigsten:

Der depressive Stupor

Von einem depressiven Stupor ist die Rede, wenn die Erstarrung durch eine schwere Depression ausgelöst wird. Dabei zeigen sich die betroffenen Personen stark resigniert, wenn auch weniger autistisch ausgeprägt wie bei dem katatonen Stupor. Obwohl eine intensive Antriebshemmung besteht, sind durchaus Selbstmordversuche möglich. Aus diesem Grund muss der Patient regelmäßig überwacht werden.

Der katatone Stupor

Zu den schwersten Stupor-Formen zählt der katatone Stupor, der Teil einer schweren Psychose ist. Die Muskelspannung des Patienten erhöht sich deutlich, wodurch wiederum eine Katalepsie entstehen kann. Führt ein Arzt eine passive Haltung des Körpers herbei, wie beispielsweise das Krümmen von Fingern oder Armen, wird diese vom Betroffenen beibehalten, was bei willkürlichen Bewegungen gar nicht möglich wäre. Mitunter können die Erkrankten die entsprechende Haltung mehrere Stunden lang einnehmen.

Stupor durch Arzneimittel oder Vergiftungen

Manchmal zeigt sich ein Stupor auch durch die Einnahme von bestimmten Medikamenten. Dazu gehören unter anderem Neuroleptika, die im Rahmen des MNS (malignen neuroleptischen Syndroms) verabreicht werden. Die Nebenwirkungen dieser Präparate nehmen in einigen Fällen sogar lebensbedrohliche Ausmaße an. Normalerweise erfolgt die Darreichung von Neuroleptika bei psychischen Störungen wie starker Erregung, Schizophrenie oder Wahnvorstellungen.

Ebenso kann ein Stupor durch eine Vergiftung mit Neuroleptika entstehen. Gleiches gilt für den Konsum von Drogen wie LSD oder PCP sowie bei einer unkontrollierten Einnahme von Barbituraten, Benzodiazepinen oder Opioiden wie Morphin.

Psychogener Stupor

Als psychogener oder dissoziativer Stupor werden Stuporfälle bezeichnet, deren Ursache nicht auf eine schizophrene Psychose oder Depression zurückgeht. Auch organische Ursachen lassen sich nicht finden. Dagegen bestehen enge Zusammenhänge zu psychisch stark belastenden Problemen oder traumatischen Erlebnissen.

Stupor durch organische Auslöser

Bei einigen Patienten hat der Stupor auch organische Ursachen. Dazu zählen Erkrankungen wie:

  • Meningitis (Hirnhautentzündung)
  • Enzephalitis (Gehirnentzündung)
  • Hirnödem
  • Demenz
  • Erkrankungen, die mit Anfällen einhergehen
  • Porphyrie
  • Erkrankungen der Leber
  • Morbus Addison
  • Hyperkaliämie (erhöhter Kaliumspiegel im Körper)
  • Tumore

Symptome eines Stupors

Gekennzeichnet ist der Stupor durch eine schwere Antriebsminderung. Auf Reize aus der Umwelt zeigen die Patienten kaum oder überhaupt keine Reaktionen. Dennoch sind sie in der Lage, sämtliche Vorgänge in ihrer Umgebung wahrzunehmen, was sogar mit besonderer Sensibilität erfolgt. Reaktionen oder Anteilnahme können sie jedoch nicht zeigen. Geht ein anderer Mensch auf sie zu oder berührt sie, reagieren sie darauf nicht. Weil der Stupor von Sprachlosigkeit, also Stummheit (Mutismus) begleitet wird, sind Unterhaltungen mit dem Patienten kaum möglich.

Weitere mögliche Begleiterscheinungen des Stupors sind Fieber, Störungen des vegetativen Nervensystems und ein erhöhter Muskeltonus.

Komplikationen bei einem Stupor

Als schwere Folgeerscheinung des Stupors gilt die Rhabdomylolyse. Dabei kommt es zu einem Zerfall der quergestreiften Muskelfasern, die insbesondere in der Skelettmuskulatur zu finden sind. Im schlimmsten Fall führt die Rhabdomylolyse zu einem akuten Versagen der Nieren. Aber auch noch weitere schwere Komplikationen sind möglich.

Das Risiko, dass eine Komplikation auftritt, steigt mit der Dauer des Stupors an. Gleichzeitig erhöht sich auch das Sterblichkeitsrisiko der erkrankten Person.

Diagnose eines Stupors

Besteht Verdacht auf Stupor, muss umgehend eine ärztliche Untersuchung stattfinden. Da der Arzt nur selten mit dem Patienten kommunizieren kann, sind für ihn die Aussagen der Angehörigen besonders wichtig. So erkundigt sich der Mediziner bei ihnen nach möglichen Vorerkrankungen wie einer schizophrenen Psychose oder einer Depression.

Den nächsten Schritt stellt die körperliche Untersuchung dar, in deren Rahmen der Arzt den Muskeltonus, Schmerzreflexe sowie die Reaktionen des Patienten auf Anrede überprüft.

Weitere Untersuchungen

Zur Absicherung der Diagnose stehen dem Arzt zusätzliche Untersuchungsverfahren zur Verfügung. Dazu gehören in erster Linie Laboruntersuchungen, wie die Entnahme einer Blutprobe oder von Hirnwasser (Liquor). Die Hirnströme lassen sich per EEG messen. Auch eine neurologische Untersuchung ist von Wichtigkeit. Mitunter liefert auch eine Magnetresonanztomographie (MRT) Aufschlüsse, um der Ursache der Erstarrung auf die Spur zu kommen.

Behandlung eines Stupors

Auf welche Weise der Stupor behandelt wird, hängt von der auslösenden Erkrankung ab. Sind organische Auslöser wie eine Gehirnentzündung für die Erstarrung ursächlich, erfolgt primär deren Therapie, um den Stupor zu beheben.

Liegt ein katatoner Stupor vor, werden antipsychotische Arzneimittel wie Fluphenazin oder Haloperidol verabreicht. Im Falle eines psychogenen Stupors kann die Gabe des Angstlösers Lorazepam sinnvoll sein. Ist dagegen eine Depression für die Antriebsstörung verantwortlich, erhält der Erkrankte Antidepressiva wie Citalopram, Clomipramin, Amitryptilin oder Doxepin. Mitunter werden auch Neuroleptika eingesetzt.

Elektrokonvulsionstherapie

Die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) ist auch als Elektrokrampftherapie bekannt. Ihr Einsatz kann bei manchen Patienten notwendig sein. Dabei wird ein generalisierter Krampfanfall ausgelöst, während der Betroffene unter Narkose steht. Bei der Behandlungsmethode sind kaum Risiken zu befürchten, sodass sie sich mehrmals durchführen lässt.

Zuwendung

Eine bedeutende Rolle bei der Behandlung eines Stupors spielt die Zuwendung an den Patienten, selbst wenn dieser mit Teilnahmslosigkeit reagiert. So sollte der Erkrankte regelmäßig angesprochen werden. Es wird davon ausgegangen, dass die Patienten dadurch wieder mehr Vertrauen aufbauen. Wichtig ist außerdem eine ruhige Umgebung ohne Reize.

Der Patient muss während der Behandlung regelmäßig überwacht werden, wobei auch seine Vitalfunktionen zu überprüfen sind. Ferner sind mögliche Folgeerscheinungen wie Wundliegen oder eine Thrombose zu verhindern. Nimmt der Patient keine Nahrung zu sich, erhält er eine künstliche Ernährung.

Behandlung von Komplikationen

Treten Komplikationen wie eine Lungenentzündung, Rhabdomylolyse oder hohes Fieber auf, ist eine Behandlung auf der Intensivstation eines Krankenhauses erforderlich. Gleiches gilt im Falle von unsicheren Diagnosen.

Prognose bei einem Stupor

Die Prognose richtet sich nach der Ursache sowie der Dauer der Erstarrung. Lässt sich der Patient in einem Zeitraum von ca. sechs Stunden wieder ansprechen, kann in den meisten Fällen von einer Genesung ausgegangen werden. Ähnlich positiv fällt die Prognose aus, wenn die Sprache nach einigen Tagen wieder zurückkehrt. Für einen positiven Heilungsverlauf sind außerdem die Reaktionen sowie die kognitiven Fähigkeiten von Wichtigkeit.

Ziehen sich jedoch die Pupillen des Patienten unter der Einwirkung von Licht nicht zusammen oder ist er nicht imstande, trotz Anweisungen mit seinen Augen einem Gegenstand zu folgen, erhöht sich das Risiko eines unvollständigen Heilungsverlaufes.

Als besonders schlecht gilt die Prognose, wenn sich in den ersten Tagen der Erstarrung Krampfanfälle zeigen oder der Patient es nicht schafft, seine Gliedmaßen zu bewegen.

Prävention eines Stupors

Eine gezielte Prävention des Stupors ist nicht möglich. Lediglich einigen auslösenden Grunderkrankungen kann vorgebeugt werden.

Um möglichen Komplikationen der Erstarrung entgegenzuwirken, ist eine optimale medizinische Behandlung erforderlich.

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Traurigkeit © Rynio Productions - www.fotolia.de

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Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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