Druckverband richtig anlegen - Anleitung, um starke Blutungen zu stillen

Um eine starke Blutung zu stillen, wird ein Druckverband angelegt. Es handelt sich um eine wichtige Erste Hilfe Maßnahme, bis die Blutung ärztlich behandelt werden kann. Beim Anlegen des Druckverbands gilt es, einige Punkte zu beachten. Ein anschließendes Hochlagern der betroffenen Körperstelle wird empfohlen. Lesen Sie, wie man einen Druckverband richtig anlegt.

Blutungen stoppen durch Anlegen eines Druckverbands

Was ist ein Druckverband? - Merkmale und Funktion

Eine wichtige Erste-Hilfe-Maßnahme kann das Anlegen eines Druckverbandes sein. So ist es überaus wichtig, starke Blutungen so schnell wie möglich zu stoppen, denn bei einem zu großen Blutverlust besteht Lebensgefahr. Als Entwickler des Druckverbandes gilt der deutsche Orthopäde Johann Georg Heine (1771-1838), der ihn im Jahr 1811 einführte.

Im Unterschied zu herkömmlichen Verbänden übt ein Druckverband nur punktuellen Druck aus, was bei Blutungen ein großer Vorteil ist. So besteht beim Anlegen eines konventionellen Verbands die Gefahr, dass es dabei zum Abschnüren des gesamten Körperteils kommt, was wiederum das Stoppen des Blutflusses zur Folge hätte.

Ein Druckverband wirkt dagegen dem Blutdruck entgegen, ohne deswegen die arterielle Zufuhr oder die venöse Abfuhr des Blutes zu verhindern. Auf diese Weise lässt sich wertvolle Zeit bis zu einer chirurgischen Behandlung zur Blutstillung gewinnen.

Wann wird ein Druckverband angelegt?

Ein Druckverband wird angelegt, wenn eine spritzende oder stark fließende Wunde an Armen oder Beinen vorliegt. Entsprechende Wunden wären beispielsweise

Auch am Kopf kann ein Druckverband nötig werden, auch wenn dieser schwerer zu befestigen ist. Die Blutung muss in diesem Fall schnell gestoppt werden, um ein Verbluten zu verhindern. Benötigt werden zu diesem Zweck bestenfalls

  • eine sterile Wundauflage
  • ein Verbandpäckchen, das man als Druckmittel verwendet sowie
  • eine Mullbinde / ein Dreiecktuch zur Fixierung.

Des Weiteren ist es möglich, dass eine Prellung einen Druckverband erforderlich macht. In diesem Fall handelt es sich um eine geschlossene, stumpfe Verletzung; das Blut fließt ins Gewebe, da es nicht nach außen abfließen kann.

Als Folge entstehen eine Schwellung sowie ein Bluterguss. In diesem Fall kann die PECH-Regel helfen. Durch den Druckverband wird ein Gegendruck von außen erzeugt.

Neben der Blutstillung spielt auch der Schutz vor Infektionen eine Rolle. Handelt es sich um stark blutende Wunden, kann auch das Gewebe, welches sich darunter befindet, von starken Schäden betroffen sein, was das Eindringen von Keimen erleichtert.

Anleitung - Einen Druckverband anlegen

Legt man bei einem Verletzten einen Druckverband an, sollte man möglichst Einmalhandschuhe tragen. So schützt man sich - im Fall von Infektionskrankheiten - vor potenziell gefährlichem Kontakt mit Blut und verhindert zudem ein Übertragen von Keimen von seinen Händen in die Wunde.

Vor dem Anlegen eines Druckverbandes ist es wichtig, die betroffene Körperregion hochzulagern, um die Blutung abzuschwächen. Zudem kann man versuchen, größere Blutgefäße abzudrücken: am Arm wäre dies die Arterie zwischen Bizeps und Trizeps, am Bein mittig in der Leiste.

Nun sollte die Wunde mit einer sterilen Wundauflage abgedeckt werden. Zum Fixieren eignet sich eine elastische Binde oder Mullbinde; diese sollte ein paar Mal mit ein wenig Zug umwickelt werden. Einen zu festen Sitz gilt es hier zu vermeiden.

Anschließend platziert der Helfer einen nicht saugfähigen Gegenstand, wie eine ungeöffnete Mullbinde, auf der Auflage. Auch ein Päckchen Taschentücher eignet sich im Notfall. Diesen Gegenstand fixiert man dann mittels einer Mullbinde mit Druck auf der Wunde und verbindet diese.

Der Druck muss stark genug zum Anhalten der Blutung sein. Reicht ein Druckverband nicht aus, um die Blutung zu stoppen, ist es notwendig, einen zweiten Verband auf dem ersten anzulegen. Nach dem Anlegen des Verbandes wird empfohlen, die betroffene Körperstelle weiterhin hochzulagern.

Sollte bis dahin noch kein Notarzt alarmiert worden sein, ist dies spätestens jetzt nachzuholen. Je nach Körperstelle kann eine starke Blutung lebensgefährlich sein.

Einen Druckverband mit Dreiecktuch anlegen

Anstelle einer Binde lässt sich auch Dreiecktuch für das Anlegen eines Druckverbands verwenden. Man faltet dieses in Form einer Krawatte und legt es in die Mitte auf die Wunde, nachdem diese mit einer sterilen Auflage abgedeckt worden ist.

Die beiden Enden führt man um die verletzte Körperstelle bzw. Extremität herum, überkreuzt sie hinten und führt sie wieder nach vorne. Dann wird ein Druckpolster über die Wunde gelegt und durch einen Doppelknoten mit den Krawattenenden fixiert.

Einen Druckverband bei blutendem Finger bzw. blutender Fingerkuppe anlegen

Befindet sich die Wunde am Finger bzw. an der Fingerkuppe, reicht in vielen Fällen ein Fingerkuppenverband. Aus einem großen Pflaster schneidet man an beiden Seiten in der Mitte einen Keil heraus.

Zunächst wird eine Hälfte über die unverletzte Seite des Fingers geklebt; dann klappt man die andere über die Fingerkuppe. Die Klebeflächen werden umgeschlagen.

Einen Druckverband am Kopf anlegen

Einen Druckverband am Kopf anzulegen, kann sich als schwierig herausstellen. Aufgrund der Haare ist erzielt man oftmals nicht genügend Halt.

Sofern das Druckpolster nicht oder nicht ausreichend befestigt werden kann, muss man dieses selbst andrücken und festhalten, damit die Blutung gestillt werden kann. Möglich ist auch das Festhalten durch den Verletzten selbst.

Kontraindikation, Risiken und Hinweise - Wann darf kein Druckverband angelegt werden?

Nicht angelegt werden darf ein Druckverband am Hals. So besteht das Risiko einer behinderten Atmung, was wiederum eine schlechtere Blutversorgung des Gehirns zur Folge hat. Bei Kindern, die jünger als zehn Jahre sind, muss normalerweise kein Druckverband angelegt werden, da ein fester Bindenverband meist ausreicht.

Generell sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Druckverbände sollten nur an den Extremitäten angelegt werden
  • Steckt bei einer Stichwunde der verursachende Gegenstand noch in der Wunde, sollte dieser nicht herausgezogen werden.
  • Bei angelegtem Druckverband sollte man die Bereiche drumherum kontrollieren, um sicher zu gehen, dass Nerven oder Blutversorgung nicht abgeklemmt wurden
  • Der Verband sollte auf mögliche Durchblutungen überprüft werden - ist dies der Fall, muss ein zweiter Verband angelegt werden
  • Man sollte einen Notarzt rufen - Wunden, die stark bluten, sollten stets ärztlich behandelt werden

Quellen:

  • Romana Kandioler, Heinz Kuderna, Gabriele Sprengseis: Erste Hilfe: Ein Lehrbuch für die Gesundheits- und Krankenpflege, Facultas, 2018, ISBN 3708918010
  • Lutz Rothe, Volker Skwarek: Erste Hilfe konkret für Ausbildung und Praxis: Schülerband, Bildungsverlag EINS, 2017, ISBN 9783427920007
  • Hans-Peter Hündorf, Roland Lipp, Johannes Veith, Steffen Lipp: LPN-San: Lehrbuch für Rettungssanitäter, Betriebssanitäter und Rettungshelfer, Stumpf + Kossendey, 2018, ISBN 3943174875
  • Harald Karutz, Manfred von Buttlar: Kursbuch Erste Hilfe, dtv Verlagsgesellschaft, 2008, ISBN 3423344911

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