Wann wird ein Gipsverband benötigt? - Merkmale und Hinweise zum Anlegen

Beim Gipsverband handelt es sich um einen harten Verband, mit dem man vor allen Dingen unkomplizierte Knochenbrüche in Armen und Beinen behandelt. Die Extremität wird damit für mehrere Wochen ruhiggestellt. Der Gips kommt aber auch in anderen Situationen zum Einsatz. Ab und zu kann es durch das Tragen des Verbands zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Lesen Sie alles Wissenswerte über Einsatzgebiete und Funktion des Gispverbands.

Wissenswertes zur Anwendung des Gipsverbands

Gipsverband - Merkmale und Funktion

Als Gipsverband wird ein Hartverband bezeichnet, der zur Ruhigstellung von Gliedmaßen oder Gelenken dient. Er kommt im Rahmen einer konservativen Knochenbruchbehandlung zur Anwendung.

Gipsverbände gibt es schon seit dem Jahr 1851. Als ihr Erfinder gilt der niederländische Armeearzt Antonius Mathijsen (1805-1870). Auch heute noch zählt der Gipsverband zu den gängigsten Maßnahmen bei einer konservativen Frakturbehandlung.

Zu den Bestandteilen des Gipsverbands zählt der Unterzug. Er ist meistens aus Baumwolle angefertigt, hat zudem eine Polsterung sowie eine harte Gipsschicht. Darüber liegt ein Überzug.

Arten von Gipsverbänden

Es gibt mehrere Formen von Gipsverbänden:

  • einen geschlossenen oder zirkulären Gips bzw. Rundgips: kann den ganzen Umfang der Extremität umschließen
  • einen gespaltenen Gips bzw. Spaltgips: man schneidet ihn nach dem Härten längs auf
  • eine Gipsschiene - kann nur einen Teil der Extremität umfassen
  • ein Gipskorsett bzw. Rumpfgibs - reicht vom Brustkorb zum Becken, zur Stabilisierung der Wirbelsäule

Klassischerweise wird der Gipsverband aus Kalkgips angefertigt. Man findet jedoch mittlerweile auch moderne Varianten mit weniger Gewicht, die auch schneller aushärten.

Anwendungsgebiete des Gipsverbands

Nach einem Knochenbruch ist es wichtig, die Fraktur während des Heilungsprozesses ruhigzustellen, was durch das Anlegen eines Gipsverbandes ermöglicht wird. Dazu muss der Patient den Gips einige Wochen lang tragen, was nicht immer angenehm ist.

Angelegt werden Gipsverbände zumeist an Armen und Beinen, bei denen keine komplizierten oder verschobenen Brüche bestehen. Das bedeutet, dass die Bruchstelle stabil und nicht verschoben ist, und dass keine Splitter entstanden sind. Aber auch

  • bei schweren Prellungen und Zerrungen
  • bei entzündlichen Gelenk- oder Knochenprozessen
  • bei einer Wirbelsäulenverkrümmung
  • bei Klumpfüßchen oder
  • nach Operationen von Bänder- oder Sehnenrissen

kann ein Gipsverband zur Anwendung kommen.

Anlegen eines Gipsverbandes

Ein Hartverband setzt sich in der Regel aus vier Schichten zusammen. Dies sind

  • der Unterzug
  • die Polsterung
  • das Hartmaterial und
  • der Überzug.

Bevor der Verband angelegt werden kann, muss eine Überprüfung der Haut auf mögliche Druckstellen oder Infektionen erfolgen. Die Haut wird gereinigt und eingecremt. Auch die Nachfrage nach möglichen Allergien gegen einen Gipsverband ist wichtig.

Der erste Schritt beim Anlegen des Verbandes besteht darin, die gebrochene Körperstelle in die richtige Stellung zu bringen. Anschließend legt der behandelnde Arzt einen Schlauchverband als Unterzug an, der der Polsterung eine sichere Unterlage verschafft und durch Polsterwatte eventuellen Hautirritationen entgegenwirkt.

Das Fixieren und Komprimieren der Polsterwatte erfolgt durch Binden, die überlappend angelegt werden. Auf diese Weise entsteht eine glatte Oberfläche.

Es folgt eine Schicht aus Krepppapier zum Komprimieren des Unterzugs und zur Vermeidung des Hautkontakts mit dem Gips.

Nächster Schritt ist das Auftragen des Gipses. Alternativ kann auch Kunststoff zur Anwendung kommen.

Die Gipsbinden taucht man vor dem Anlegen für einen kurzen Moment in kaltes Wasser und drückt sie aus. Dann werden sie ohne Zug von körperfern nach körpernah angelegt und glattgestrichen.

Manchmal kommen auch noch Longuetten zum Einsatz. Dabei handelt es sich um Bindestreifen mit mehreren Lagen, die den Gipsverband zusätzlich stabilisieren können.

Da der Unterzug und die Polsterung an beiden Enden des Verbandes 5 bis 10 Zentimeter zu lang sind, klappt man die beiden Enden um und fixiert sie mit der letzten Gipsbinde. Zum Abschluss erfolgt das Anlegen eines weiteren Schlauchverbandes, der den eigentlichen Verband vor Verschmutzungen schützt.

Beim Anlegen des Gipsverbands direkt nach einer OP oder Verletzung muss dieser der Länge nach aufgeschnitten werden. So verhindert man Schäden durch Schwellungen.

Nach etwa zwei Tagen erfolgt eine Untersuchung beim Arzt. Dieser schaut nach möglichen Schwellungen, der Temperatur sowie der Hautfarbe. Auch erkundigt er sich nach Beweglichkeit, Taubheitsgefühlen und Schmerzen.

Nachteile und Risiken des Gipsverbands

Mit einem Gipsverband ist zwar die wirksame Ruhigstellung eines Knochenbruches möglich, jedoch hat die Behandlung auch einige Nachteile. Dazu gehört zum Beispiel die Körperpflege, da der Gips nicht nass werden darf.

So liegt die Haut unter einer luftdichten Verpackung und trocknet nicht, wenn sie nass wird, wodurch die Gefahr von Hautschädigungen besteht. Allerdings gibt es in der Apotheke spezielle Duschfolien, mit denen sich der Gipsverband vor Wasser schützen lässt.

Ein weiteres Problem ist, dass man mit einem Gipsverband nicht Autofahren kann. Auch sportliche Betätigungen müssen während des Heilungsprozesses unterbleiben.

Durch das Tragen eines Gipsverbandes kann es durch die lange Ruhigstellung auch zu gesundheitlichen Problemen kommen, wie

Bei einem zu engen Anlegen kann es zu Druckschäden kommen. Zu den typischen Symptomen zählen

  • Kribbeln
  • Bewegungsausfälle
  • Empfindungsstörungen
  • Schmerzen und
  • Weiß- oder Blaufärbung der Haut.

Quellen:

  • Tobias Matreitz: BASICS Erste Hilfe, Urban & Fischer Verlag, 2013, ISBN 3437427768
  • Rudolf Bucher: Reposition und Gipstechnik: Aus der Praxis für die Praxis, Studia Universitätsverlag Innsbruck, 2016, ISBN 3903030309
  • Franz Freuler, Ulrich Wiedmer, Domizio Bianchini: Gipsfibel: 1: Geläufige Fixationen, funktionelle Verbände und Extensionen bei Verletzungen im Erwachsenenalter, Springer, 1986, ISBN 3540162771
  • Christian Hebbauer: Gips- und Castverbände: Material, Technik, korrektes Anlegen und Fehlervermeidung, Springer, 2016, ISBN 3662488841

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