Skoliose-Korsett - Arten und Anwendung

Das Skoliose-Korsett ist eine Rumpforthese, die im Rahmen einer medizinischen Behandlung der Skoliose (Verkrümmung der Wirbelsäule) ärztlich verordnet werden kann, insbesondere wenn sich der Patient noch im Wachstum befindet und mit einer weiteren Verschlechterung der Verkrümmung zu rechnen ist. Wann und wie solch ein Skoliose-Korsett getragen werden muss und was beim Tragen zu beachten ist, erfahren Sie in diesem Artikel.

Rumpforthese zur Behandlung einer Wirbelsäulenverkrümmung

Die Skoliose

Von einer Skoliose sprechen Mediziner, wenn sich die Wirbelsäule verdreht und eine Krümmung des Rückgrats besteht. Einige Wirbel rotieren um die Längsachse und bei den Wirbelkörpern besteht eine Verformung. Oft werden auch Gelenke und Bandscheiben in Mitleidenschaft gezogen. Mit der Zunahme der Skoliose verringert sich außerdem die Bewegungsfreiheit.

Während eine gesunde Wirbelsäule eine doppelte S-Form aufweist, besteht im Falle einer Skoliose zumeist ein Flachrücken. Zumeist wird eine Wirbelsäulenverkrümmung im Kindesalter von den Eltern bemerkt, denen die Wirbelsäule schiefer als gewöhnlich erscheint. Eine Kontrolle durch einen Orthopäden ist dann unbedingt erforderlich.

Idiopathische und symptomatische Form

In der Medizin wird zwischen einer idiopathischen und einer symptomatischen Skoliose (sekundäre Skoliose) unterschieden. Die Ursache der idiopathischen Skoliose ist nicht feststellbar, während eine symptomatische Wirbelsäulenverkrümmung häufig durch Fehlstellungen hervorgerufen wird. Bei rund 90 Prozent aller Skoliosen handelt es sich um eine idiopathische Skoliose. Sie zeigt sich am häufigsten bei Mädchen im Alter von 9 bis 15 Jahren. Es gibt aber auch eine degenerative Skoliose aufgrund von altersbedingtem Verschleiß. Sie tritt bei Menschen über 60 Jahren auf.

Zur Behandlung einer Skoliose kann eine Operation an der Wirbelsäule notwendig werden. Bei dem Großteil aller Skoliosen lässt sich allerdings auf eine Operation verzichten und auf Krankengymnastik, oft in Kombination mit einem Skoliose-Korsett (Rumpforthese), zurückgreifen.

Bestandteile eines Skoliose-Korsetts

Zusammengesetzt wird ein Skoliose-Korsett durch feste Bestandteile aus Kunststoff. Ihre Fixierung erfolgt mithilfe von Klettverschlüssen und Gurten. Das Korsett ist mit Druckpolstern und Freiräumen ausgestattet, die die Wirbelsäule wieder in ihre natürliche Form bewegen. Dabei dreht und beugt das Korsett sie und richtet sie allmählich wieder auf.

Indikationen eines Skoliose-Korsetts

Neben Krankengymnastik und operativen Eingriffen gehört das Tragen des speziellen Skoliose-Korsetts wie oben erwähnt zu den Therapieverfahren der Wirbelsäulenverkrümmung. Es wird insbesondere im Wachstumsalter angewendet.

Arten des Skoliose-Korsetts

Es gibt unterschiedliche Arten von Skoliose-Korsetts:

  • Cheneau-Korsett - wird im Brustwirbelsäulenbereich angelegt
  • Milwaukee-Orthese - bei Verkrümmungen der Halswirbelsäule
  • Boston-Orthese - zur Behandlung der Lendenwirbelsäule

Das Cheneau-Korsett

Das gebräuchlichste Skoliose-Korsett ist das Cheneau-Korsett, das 1978 von Jacques Cheneau entwickelt wurde. Es kommt während des Wachstums bei einer idiopathischen Wirbelsäulenverkrümmung, bei der ein Cobb-Winkel zwischen 20 und 40 Grad besteht, zum Einsatz. Das Korsett lässt sich auch für Patienten verwenden, die keine Operation wünschen oder nur unter leichten Beschwerden leiden.

Obwohl das Lebensalter keine entscheidende Rolle bei der Behandlung spielt, ist es jedoch von Vorteil, wenn sich der Patient im Wachstumsalter befindet. Der Orthopädietechniker passt das Cheneau-Korsett grundsätzlich individuell an den Patienten an.

Die Wirkung des Korsetts entsteht über das Atmen. So wird der Körper durch den Atemvorgang gerade aufgerichtet. Eine positive Wirkung lässt sich aber nur durch das konsequente Tragen des Korsetts über 23 Stunden am Tag erzielen. Nur zum Reinigen des Körpers darf die spezielle Orthese zwischendurch abgelegt werden.

Anfertigung und Tragen eines Skoliose-Korsetts

Das Ausmaß der Wirbelsäulenverkrümmung wird zunächst vom Arzt durch eine Röntgenuntersuchung bestimmt. Zu Beginn des Therapieverfahrens fertigt ein Orthopädietechniker dann aufgrund der Röntgenaufnahmen einen Gipsabdruck an, aus dem von einem Orthopädiemechaniker ein Modell hergestellt wird, das zum Bau des Korsetts dient.

Eine andere Möglichkeit ist das Scannen des Patienten durch einen Orthopädietechniker in einem Sanitätshaus. Dabei lassen sich die Körpermaße präzise ermitteln. Das Modell wird anschließend an einem Computer erstellt und aus Kunststoff per CNC-Fräse zugeschnitten. Um eventuelle Korrekturen durchführen zu können, probiert der Patient die Skoliose im Sanitätshaus an.

Zum Eingewöhnen trägt der Patient das Korsett zunächst in regelmäßigen Abständen, bis eine Tragedauer von 23 Stunden pro Tag erreicht wird. In der Anfangszeit ist noch ein wenig Übung nötig.

Einige Wochen später findet ein weiterer Termin statt, bei dem mögliche Veränderungen durch das Skoliose-Korsett kontrolliert werden. Mitunter kann auch eine weitere Anpassung notwendig sein.

Gelingt es, die Wirbelsäule mithilfe des Korsetts wieder zu normalisieren, darf der Patient die Tragedauer schrittweise verkürzen. Wichtig für den Erfolg der Behandlung ist eine optimale Zusammenarbeit zwischen Patient, Arzt, Physiotherapeuten und Orthopädietechniker.

Fazit: Sind die Voraussetzungen günstig, besteht die Möglichkeit, die Wirbelsäule noch im Jugendalter mit einem Korsett zu begradigen und eine Operation zu vermeiden. In der Regel endet die Behandlung nach dem Abschluss des Wachstums. Die Patienten tragen das Korsett danach noch ein Jahr ausschließlich in der Nacht.

Was gibt es beim Tragen des Korsetts zu beachten?

Ein Skoliose-Korsett übt Druck aus. Dadurch besteht das Risiko von Hautrötungen, Verletzungen oder Entzündungen. Um unangenehme Druckstellen zu vermeiden, gilt das Anlegen von nahtlosen Korsett-Hemden aus Baumwolle als hilfreich. Damit es nicht zum Wundscheuern der Haut kommt, sollte feuchte Wäsche so schnell wie möglich ausgetauscht werden.

Vor allem Kinder leiden oft darunter, ein Skoliose-Korsett tragen zu müssen. So bestehen dadurch umfangreiche Einschränkungen der Beweglichkeit. Es wird daher empfohlen, die Behandlung mit krankengymnastischen Übungen zu unterstützen. Auf diese Weise lassen sich die Rückenmuskeln stärken.

Weil das Korsett beinahe den ganzen Tag über angelegt werden muss, ist es zudem wichtig, die Haut konsequent zu pflegen. Außerdem sollten regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Arzt wahrgenommen werden. Er stellt fest, ob das Korsett auch gut passt.

Weil Kinder häufig auch psychisch unter dem Tragen eines Skoliose-Korsetts leiden, ist es ratsam, sie zu unterstützen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Besonders zu empfehlen ist die Teilnahme an Selbsthilfegruppen, dort kann sich das Kind mit gleichaltrigen Patienten austauschen. Auch bei der Gestaltung des Korsetts sollte auf die Wünsche und Anregungen des Kindes eingegangen werden. So kann das orthopädische Hilfsmittel ruhig aus Mustern oder bunten Farben bestehen.

Einige sportliche Aktivitäten sind mit dem Skoliose-Korsett gut möglich. Als geeignet gelten Sportarten wie Radfahren, therapeutisches Reiten oder Schwimmen.

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