Penisprothese - Schwellkörperimplantat bei Erektionsstörungen

Die Penisprothese ist ein Schwellkörperimplantat, das in erster Linie zur Behandlung der erektilen Dysfunktion zum Einsatz kommt. Es kann dem männlichen Patienten mit Erektionsstörungen dazu verhelfen, wieder Geschlechtsverkehr vollziehen zu können. Daneben kann eine Penisprothese auch zum Aufbau eines künstlichen Geschlechtsteils, zum Beispiel im Zuge einer Geschlechtsumwandlung, verwendet werden. Wie eine Penisprothese implantiert wird, welche Komplikationen auftreten können und welche Kosten entstehen, lesen Sie in diesem Artikel.

Die Penisprothese kann Männern mit erektiler Dysfunktion wieder zum Geschlechtsverkehr verhelfen

Was ist eine Penisprothese? - Merkmale und Funktion

Das männliche Glied übernimmt wichtige Funktionen bei der Fortpflanzung. Doch die Möglichkeit, genügend Blut in den Schwellkörper zu leiten, kann gerade im hohen Alter oder nach schwerwiegender Krankheit sinken.

Die Penisprothese dient zur Therapie einer erektilen Dysfunktion (Impotenz oder Erektionsstörung). Es handelt es sich um ein Schwellkörperimplantat, durch dessen Einsatz Männer, die unter Erektionsstörungen leiden, wieder Geschlechtsverkehr erleben können.

Ein Vorteil des Schwellkörperimplantats besteht darin, dass es sehr effektiv wirkt. So verspürt der Patient nach dem Implantieren der Prothese die gleichen Gefühle wie vorher.

Er kann eine Ejakulation haben und einen Orgasmus erleben. Allerdings kommt die Penisprothese nur als letztes Mittel bei Erektionsstörungen zur Anwendung, wenn die vorherigen Behandlungsversuche wie die Gabe von Medikamenten oder andere Hilfsmittel wie eine Penispumpe nicht zum Erfolg geführt haben oder starke Nebenwirkungen verursachten.

Penisprothese: keine richtige Prothese

Die Penisprothese stellt keine klassische Prothese dar. So ersetzt sie den Penis nicht. Stattdessen erfolgt eine Implantation von Silikonzylindern in die Schwellkörper.

Die Prothese wird aus modernen Kunststoffen gefertigt, die alle Bewegungen und Biegungen problemlos übersteht. Mittels eines im Bauchraum befindlichen kleinen Wasserbehälters, der mit der eigentlichen Prothese über einen Schlauch verbunden ist, kann die Flüssigkeit per Knopfdruck in den künstlichen Schwellkörper geleitet werden. Das Glied kommt damit seinen eigentlichen Funktionen wieder nach.

Für Außenstehende ist das Vorhandensein des Ersatzes dagegen nicht wahrnehmbar. Das Leben der Betroffenen gewinnt dadurch erheblich an Qualität; das Gefühl einer Ausgrenzung findet nicht mehr statt. Gesundheit und Vitalität lassen sich bei einem solchen Eingriff also steigern.

Anwendungsgebiete - Wann kommt eine Penisprothese zum Einsatz?

Die Penisprothese kann in unterschiedlichen Fällen zur Anwendung kommen.

Penisprothese bei Erektionsstörungen

Zur Anwendung gelangt eine Penisprothese im Falle einer erektilen Dysfunktion. Rund 50 Prozent aller Männer zwischen 40 und 70 Jahren leiden unter Erektionsstörungen.

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko hierfür an. Für die betroffenen Männer und ihre Partner bedeuten die Erektionsstörungen oft erhebliche Belastungen. Nicht selten hat der Mann aufgrund seines unerfüllten Sexuallebens mit psychischen Problemen zu kämpfen.

Die Ursachen für eine erektile Dysfunktion sind mannigfaltig und reichen von einem ungesunden Lebensstil über psychosoziale Probleme bis hin zu ernsthaften Erkrankungen. Die Behandlung erfolgt zunächst immer auf konservative Weise. Bessern sich die Erektionsstörungen nicht, kann schließlich eine Penisprothese Abhilfe schaffen.

Penisprothese zum Aufbau eines künstlichen Geschlechtsteils

Mittlerweile kommt die Penisprothese auch zum Aufbau eines künstlichen Geschlechtsteils zum Einsatz. Ein künstlicher Penis gilt als sinnvoll nach schweren Verletzungen des Glieds oder für Transsexuelle.

Penis mit Penisprothese
Nichterigierter und erigierter Penis mit Penisprothese

Unterschiedliche Formen der Penisprothese

Die Penisprothese muss durch eine Operation in das Glied eingebracht werden. Es gilt zwischen drei verschiedenen Formen dieses Schwellkörperimplantats zu unterscheiden:

  • Rigide Penisprothese
  • Semirigide Penisprothese
  • Hydraulische Penisprothese

Rigide Penisprothese

Bei der rigiden Penisprothese handelt es sich um ein älteres Modell, das in der Gegenwart keine Verwendung mehr findet. Bei dieser Form kommt es zu einer dauerhaften Erektion des Penis, was im Alltag jedoch überaus störend ist.

Semirigide/biegsame Penisprothese

Eine Weiterentwicklung der rigiden Penisprothese stellt die semirigide oder biegsame Penisprothese dar. Ihr Material besteht zumeist aus Silikon sowie einem eingebetteten Geflecht aus Metall.

Beim Geschlechtsverkehr biegt sich die Penisprothese in die obere Richtung, wodurch es zu einer Penisform kommt. Ist die Prothese nicht mehr im Einsatz, sinkt sie wieder in die untere Richtung ab. Dadurch kann das ständig erigierte Glied besser verborgen werden.

Hydraulische Penisprothese

In der heutigen Zeit gelangt in der Regel die hydraulische Penisprothese, auch hydraulisches Schwellkörperimplantat genannt, zur Anwendung. Eine hydraulische Penisprothese wird aus

  • zwei Schwellkörper-Implantaten
  • einem Pumpsystem
  • einer Schlauchleitung sowie
  • einem Ballon für destilliertes Wasser

zusammengesetzt. Die Pumpe pflanzt man in den Hodensack ein und verbindet sie mit dem Wasserballon, dem man im Bauchraum unterbringt, sowie den Schwellkörper-Implantaten.

Die Pumpe hat die Aufgabe, das Wasser im Ballon in die Penisprothese zu leiten, was schließlich zu einer Erektion führt. Mithilfe eines Ventils am Hodensack lässt sich das Wasser wieder in den Ballon zurückleiten. Auf diese Weise wird die Erektion nach dem Geschlechtsverkehr wieder beendet.

In die Implantate gelangt die Flüssigkeit durch eine Handpumpe, die im Rahmen des chirurgischen Eingriffs im Hodensack untergebracht wird. Betätigt der Mann die Pumpe, ist eine Erektion die Folge.

Die meiste Zeit über bleibt das Glied jedoch in schlaffem Zustand. Aus diesem Grund gilt die hydraulische Penisprothese als beliebteste Variante.

Sichtbar ist die Penisprothese nicht. Lediglich eine Narbe in der Schamhaarregion weist auf den Eingriff hin.

  • Die Methode hat allerdings den Nachteil, dass Komplikationen wie mechanische Defekte oder Infektionen auftreten können, was bei etwa 7–12 Prozent aller Patienten der Fall ist.
  • Darüber hinaus ist die hydraulische Penisprothese nur zeitlich begrenzt verwendbar, sodass nach gewisser Zeit ein neues Implantat eingesetzt werden muss.

Trotz dieser Nachteile sind rund 85 Prozent aller Patienten sowie deren Partnerinnen mit der Behandlungsmethode sehr zufrieden.

Die Operation: Einsetzen der Penisprothese

Beim Einsetzen von Schwellkörper-Implantaten zerstört man zunächst die beiden Hauptschwellkörper des Penis (Corpora cavernosa) und ersetzt diese dann durch Implantate. Die Methode hat jedoch den Nachteil, dass sie irreversibel ist. Daher sollte der Einsatz einer Penisprothese nur dann durchgeführt werden, wenn alle anderen Behandlungsmethoden keinen Erfolg haben.

Vor der Implantation einer Penisprothese

Ungefähr drei Wochen vor dem operativen Einsetzen der Penisprothese findet die ambulante Vorbereitung statt, was zumeist in einem Zentrum für Penischirurgie erfolgt. Der Patient wird vom Arzt ausführlich über den Eingriff und die Narkose informiert. Außerdem erkundigt sich der Mediziner über sämtliche relevanten Vorbefunde wie Röntgenbilder, OP-Berichte oder Arztbriefe und welche Medikamente der Patient einnimmt.

Darüber hinaus wird die Krankengeschichte erhoben und eine körperliche Untersuchung vorgenommen. Von Interesse sind ferner spezielle Laborwerte. Ebenso kann ein Schwellkörperinjektionstest mit einer Sonographie (Ultraschalluntersuchung) durchgeführt werden.

Die Operation findet in einem Krankenhaus statt, in dem der Patient etwa fünf Tage verbringen muss.

Ablauf der Implantation eine Penisprothese

Zu Beginn der Implantation wird die Intimregion gründlich gereinigt und desinfiziert. Der Patient erhält in der Regel eine Vollnarkose.

Erster Schritt der Operation ist das Eröffnen der beiden Schwellkörper, die sich an der Peniswurzel befinden. Das benachbarte Gewebe im Inneren wird entfernt, damit das Schwellkörperimplantat ausreichend Platz bekommt. Jeder Schwellkörper erhält eine Prothese.

Nächster Schritt beim Einsetzen einer hydraulischen Penisprothese ist das Einbringen des Flüssigkeitsreservoirs in Nähe der Harnblase. Ebenso wird eine kleine Pumpe eingesetzt. Schließlich verbindet der Operateur sämtliche Bestandteile durch schmale Schläuche miteinander. Durch diesen Schritt kann Flüssigkeit in die Schwellkörper fließen. Dabei handelt es sich zumeist um reines Wasser oder eine Kochsalzlösung.

Nachdem der Chirurg die Stabilität der Schläuche kontrolliert hat, wird die OP-Wunde vernäht.

Nachbehandlung nach Implantation einer Penisprothese

Das Aktivieren der Penisprothese findet etwa vier Wochen nach der Implantation statt. Der Patient erhält vom Arzt genaue Instruktionen, wie das Schwellkörperimplantat zu bedienen ist.

Kosten einer Penisprothese

Die Übernahme der Kosten für die Penisprothese erfolgt in der Regel durch den Patienten selbst. Die Krankenkassen erstatten sie nur in Ausnahmefällen.

Dabei ist zwischen gesetzlichen und privaten Krankenkassen zu unterscheiden. Während die gesetzlich Versicherten die Kosten für die Penisprothese in der Regel komplett tragen müssen, zahlen privat Versicherte die Hälfte.

Die Kosten können sich dabei auf bis zu 20.000 Euro belaufen. Sie lassen sich in mehrere Sparten unterteilen.

Für die Prothese selbst sind etwa 6.500 bis 7.000 Euro zu erbringen. Die Materialkosten für die Operation belaufen sich auf ca. 300 Euro.

Ungefähr 10.000 Euro sind für die Leistungen der Ärzte, des Krankenhauses und der Pflege zu erbringen. Sie beinhalten auch die Aufwendungen für Arzneimittel und Anästhesie. Die Gesamtkosten für die Penisprothese können jedoch von Klinik zu Klinik unterschiedlich ausfallen, was auch von den jeweiligen Qualitätsstandards abhängt.

Mögliche Komplikationen und Probleme beim Einsetzen einer Penisprothese

Durch das Einsetzen einer Penisprothese sind verschiedene Komplikationen möglich. So besteht das Risiko von Schädigungen von Nervenbahnen oder Harnröhre.

Besonders gefürchtet sind jedoch mechanische Defekte oder eine Infektion innerhalb der Prothese. Allerdings zeigen sich diese Komplikationen eher selten.

Bei etwa fünf Prozent aller Patienten sind mechanische Funktionsausfälle zu verzeichnen. Bei zwei bis vier Prozent treten Infektionen auf.

Bemerkbar macht sich eine Infektion durch Schwellungen, Rötungen und Schmerzen. Außerdem liegen Funktionsstörungen der Penisprothese vor.

Die Behandlung erfolgt dann in der Regel mit Antibiotika. Oftmals muss die Penisprothese jedoch wieder entnommen werden. Bei hydraulischen Penisprothesen besteht prinzipiell ein höheres Komplikationsrisiko als bei semirigiden Prothesen.

Ein weiteres Problem ist die Verletzungsgefahr der Eichel. So bewirkt die hydraulische Penisprothese zwar das Verhärten der Schwellkörper, aber nicht der Eichel.

Bei einer Erektion bleibt sie schlaff, wodurch wiederum ein Verletzungsrisiko beim Eindringen in die weibliche Scheide besteht. Weitere Nebenwirkungen können in Form von Blutungen und Beeinträchtigungen des Gewebes oder Harnröhrenverletzungen aufgrund von zu großen Implantaten auftreten.

Nachteile der hydraulichen Penisprothese

Sichtbar ist die Penisprothese nicht. Lediglich eine Narbe in der Schamhaarregion weist auf den Eingriff hin.

Die Methode hat allerdings den Nachteil, dass Komplikationen wie mechanische Defekte oder Infektionen auftreten können, was bei etwa 7–12 Prozent aller Patienten der Fall ist. Darüber hinaus ist die hydraulische Penisprothese nur zeitlich begrenzt verwendbar, sodass nach gewisser Zeit ein neues Implantat eingesetzt werden muss.

Nachteile der biegsamen Penisprothese

Es ist es nicht immer möglich, die künstliche Dauererektion zu verbergen, was zum Beispiel beim Baden gehen oder in der Sauna zu peinlichen Situationen führen kann. Darüber hinaus bestehen durch den Eingriff Risiken wie:

  • das Entstehen einer Arterienverkalkung im Penis
  • Gewebeschwellungen
  • Infektionen oder Gewebsnekrosen

Hinweise zum Umgang mit der Penisprothese

Nach dem Einsetzen der Penisprothese ist beim Geschlechtsverkehr zunächst Vorsicht geboten, damit es nicht zu unangenehmen Verletzungen kommt. So ist auf Rötungen und schmerzhafte Beschwerden an den Nähten zu achten. Treten unerwartete Komplikationen auf, muss unbedingt ein Arzt zu Rate gezogen werden.

Grundsätzlich sind die meisten Anwender der Penisprothese mit dem Schwellkörperimplantat aber sehr zufrieden. Sowohl bei den Patienten als auch dessen Partnern erreicht die Zufriedenheitsrate um die 90 Prozent. Weil Orgasmus und Ejakulationsfähigkeit erhalten bleiben, lassen sich sogar Kinder mit der Prothese zeugen.

Einschränkungen im Alltagsleben sind durch die Penisprothese nicht zu befürchten. Der Patient kann problemlos Baden gehen, eine Sauna besuchen oder Sport treiben.

Quellen:

  • Darko Kröpfl: Rekonstruktive urologische Chirurgie, Pabst Science Publ., 2002, ISBN 3935357435
  • Steven B. Brandes, Allen F. Morey: Advanced male urethral and genital reconstructive surgery, Humana Press, 2014, ISBN 9781461477075

Unsere Artikel werden auf Grundlage fundierter wissenschaftlicher Quellen sowie dem zum Zeitpunkt der Erstellung aktuellsten Forschungsstand verfasst und regelmäßig von Experten geprüft. Wie wir arbeiten und unsere Artikel aktuell halten, beschreiben wir ausführlich auf dieser Seite.

War der Artikel hilfreich?

Fehler im Text gefunden?

Bitte sagen Sie uns, warum der Artikel nicht hilfreich war:

Um die Qualität unserer Texte zu verbessern, wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie uns den/die konkreten Fehler benennen könnten:

Historie:
Zuletzt aktualisiert am
So arbeiten wir
Autor:

Mehr über uns
Warum kein namentlicher Autor?

Unsere Artikel werden auf Grundlage fundierter wissenschaftlicher Quellen sowie dem zum Zeitpunkt der Erstellung aktuellsten Forschungsstand verfasst und regelmäßig von Experten geprüft.

Bildnachweise:
  • Anatomy of penis © pankajstock123 - www.fotolia.de
  • Penis-Prothese.Implantat bei Impotenz © Henrie - www.fotolia.de

Weitere Artikel zum Thema