SSRI-Antidepressiva steigern bei manchen Patienten das Risiko für Gewalttätigkeit

Studie sieht Zusammenhang zwischen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer und Gewalt

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  • von Paradisi-Redaktion
Mann mit Dreitagebart nimmt eine Tablette in den Mund

Menschen mit Depressionen erhalten neben einer Verhaltenstherapie häufig auch Medikamente, sogenannte Antidepressiva. Die Wirkstoffe sollen in die Körperchemie eingreifen und damit stabilisierend wirken. Da es jedoch schwierig ist, vorab festzustellen, wie ein Wirkstoff auf einen Patienten wirkt, muss mit engmaschigen Kontrollen überprüft werden, welches Medikament wem hilft. Eine Gruppe der Wirkstoffe trägt den Namen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, kurz SSRI. Diese SSRI-Antidepressiva sind in einer aktuellen Studie im Zusammenhang mit Gewalttätigkeit aufgefallen.

Bereits aus älteren Analysen ist bekannt, dass Menschen mit mentalen Störungen statistisch häufiger Gewalttaten verüben. Da viele dieser Patienten dabei in Behandlung sind und im Zuge dessen auch Medikamente bekommen, nahmen Schwedische Forscher dies zum Anlass, bei den Therapien genauer hinzusehen. Sie betrachteten die Daten von 785.337 Patientinnen und Patienten, die zwischen 2006 und 2013 mit SSRI gegen Depressionen behandelt worden waren. Die Altersspanne deckte 15- bis 60-Jährige ab. Insgesamt wurden alle im Schnitt sieben Jahre beobachtet, wobei Zeiträume mit SSRI und ohne auftraten.

Mehr Gewalt bei SSRI-Patienten

Während der Medikamenteneinnahme zeigten manche Erkrankte einen größeren Hang zur Gewalt. Der sogenannte Hazard Ratio als Maßeinheit lag bei 28 Tagen Einnahme bei 1,28 und stieg bis zum Tag 84 auf 1,35. Wurden die Medikamente abgesetzt, blieb die Zahl zunächst bei 1,37 und sank dann ab 29 Tagen ohne Medikament auf 1,2 herab.

Die Forscher betonen, dass die Mehrheit der Patienten friedlich blieb und nur eine kleine Teilgruppe zur Gewalt neigte. Ferner sagen ihre Ergebnisse nicht, dass die Wirkstoffe gewaltbereit machen. Da SSRI die sonst unter Depressionen vorherrschende Antriebssteigerung abmildern, könnten sie auch nur bei ohnehin zur Gewalt bereiten Menschen diese Gewalttätigkeit ans Licht bringen.

Der Zusammenhang zwischen Einnahme und Gewalt darf jedoch nicht ignoriert werden. Patienten müssten während der Therapie gut betreut werden, um das Risiko auf Zwischenfälle zu verringern. Sind allgemeine Reizbarkeit oder frühere Straftaten bekannt, ist besondere Aufmerksamkeit gefragt.

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