Windpocken-Impfung - Impfempfehlung und Wirkung

Spritze zieht Wirkstoff, Impfstoff aus Glasfläschchen

Schutzimpfung gegen Varizellen für Kinder und Jugendliche

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  • von Paradisi-Redaktion

Die Windpocken-Impfung (auch Varizellenimpfung) soll Kinder und Jugendliche vor einer Infektion mit dem Varizella-Zoster-Virus schützen. In Deutschland wird die Impfung von der STIKO empfohlen und meist gleichzeitig mit der Impfung gegen Mumps, Masern und Röteln zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat durchgeführt. Für einen umfänglichen Schutz ist wenige Monate später noch eine zweite Impfung notwendig. Erfahren Sie hier alles Wichtige zur Impfung gegen Windpocken.

Was sind Windpocken?

Windpocken zählen zu den am häufigsten vorkommenden Kinderkrankheiten. Sie werden von Varizella-Zoster-Viren hervorgerufen. Schon der geringste Kontakt mit dem Infizierten kann die Ansteckung mit dem Virus zur Folge haben. Die Übertragung erfolgt in der Regel durch Tröpfcheninfektion, also zum Beispiel durch Husten oder Niesen. Manchmal gelangt aber auch Flüssigkeit aus den Bläschen, die sich beim Hautausschlag zeigen, in die Atemluft. In diesen Bläschen ist eine große Anzahl an Windpocken-Viren vorhanden. Die Bezeichnung Windpocken stammt daher, weil die Krankheitserreger über größere Entfernungen mit der Luft übertragen werden können.

Ein bis drei Wochen nach der Infektion treten erste Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit und juckender Hautausschlag am ganzen Körper auf.

Windpocken treten in erster Linie bei Kindern auf, zeigen sich mitunter aber auch bei Erwachsenen.

Junge mit Windpocken
Junge mit Windpocken auf Gesicht und Rücken

Impfempfehlung

Von der STIKO (Ständige Impfkommission) wird eine Impfung bereits im Kleinkindalter zwischen 11 und 14 Monaten empfohlen.

Findet die Grundimmunisierung im Kindesalter nicht statt und hatte das Kind bislang noch keine Windpocken, besteht die Option, die Impfung im Alter zwischen 9 und 17 Jahren nachzuholen.

Windpocken-Impfstoff

Der Impfstoff gegen Windpocken wird in der Medizin als Varicellaimpfstoff bezeichnet. Dabei handelt es sich um einen Windpockenlebendimpfstoff.

Entwickelt wurde der erste Impfstoff gegen Windpocken in den 70er Jahren von japanischen Wissenschaftlern. 1988 erfolgte die Zulassung des Varicellaimpfstoffes in Japan und Korea. 1995 schloss sich die Zulassung in den Vereinigten Staaten von Amerika an.

Seit 2006 ist der Windpockenimpfstoff Oka/Merck in den USA im Handel. Die Abschwächung des Varicellavirusimpfstammes Oka erfolgte durch serielle Passagen in menschlichen embryonalen Lungenzellkulturen sowie in embryonalen Fibroblasten von Meerschweinchen.

Impfstoffe gegen Varizellen stellen einen Bestandteil des Mehrfachimpfstoffes MMRV dar. Das bedeutet, sie werden gemeinsam mit Impfstoffen gegen Mumps, Masern und Röteln verabreicht.

Von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde der Impfstoff gegen Windpocken auf die Liste der unentbehrlichen Medikamente gesetzt.

Impfschema

Die Impfung eines Kindes gegen Windpocken verläuft in zwei Abschnitten.

Der erste Impfvorgang findet im Alter zwischen elf und 14 Monaten statt. Er kann zeitgleich mit der Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln vorgenommen werden (MMRV-Impfung). Alternativ ist auch eine Einzelimpfung frühestens vier Wochen nach der MMR-Impfung möglich.

Im Alter zwischen 15 und 23 Monaten erfolgt dann die zweite Teilimpfung. Dabei ist ebenfalls ein Kombinationsimpfstoff gegen Röteln, Masern, Mumps und Windpocken anwendbar.

Bei Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 9 und 17 Jahren werden ebenfalls zwei Teilimpfungen verabreicht, sofern seit der Kindheit noch kein Impfschutz bestand.

Ablauf und Wirkungsdauer der Impfung

In der Regel erhält der Impfpatient in zeitlichem Abstand zwei subkutane Injektionen, also Spritzen in das Unterhautgewebe. Im Anschluss an die Impfung bilden sich bei 97 Prozent aller geimpften Kinder Titer für neutralisierende Antikörper, die sich auch messen lassen.

Nach einer Impfung beim Baby liegt der Schutz vor einer Infektion mit Varizellen bei 70 bis 90 Prozent. Der Schutz vor dem Ausbruch der Windpocken soll sogar 90 bis 100 Prozent betragen.

Wird die Impfung ab einem Alter von 13 Jahren durchgeführt, kommt es bei 78 Prozent aller Geimpften nach der Gabe des Impfstoffes zur Entstehung von Antikörpern. Nach der zweiten Impfung liegt die Rate sogar bei 99 Prozent.

Richtig gegen Windpocken schützen - viele vergessen die zweite Impfung

Rückansicht Baby bekommt Spritze vom Kinderarzt, Impfung
Little baby get an injection © Dmitry Naumov - www.fotolia.de

Gegen Windpocken kann man sich effektiv impfen lassen. Trotzdem kommt es gerade bei Kindern immer wieder vor, dass akute Fälle ausbrechen und manchmal einen ganzen Kindergarten lahm legen. Schuld daran ist häufig eine unzureichende Impfung.

Viele Eltern lassen ihrem Kind nur eine Impfung verabreichen, in der vom Arzt empfohlenen Zeit zwischen 11 und 14 Lebensmonaten. Das allein reicht aber oft nicht. Wichtig ist auch die zweite Dosis, die in Kombination mit der ersten den Körper dann effektiv schützt. Diese sollte dem Kind zwischen dem 15 und 23 Monat gegeben werden.

Kinderärzte fordern Eltern auf, diese zweite Dosis unbedingt verabreichen zu lassen. Studien haben gezeigt, dass der Schutz der zweiten Impfung die Chance auf eine Ansteckung noch einmal um ganze 95 Prozent verringert.

Dauer der Immunität

Die Immunität, die durch den Impfvorgang gegen Windpocken besteht, gilt mit ca. 20 Jahren als verhältnismäßig lang. Bei einem Teil aller geimpften Personen hält sie sogar das ganze Leben an.

Manche Kinder büßen ihren Impfschutz gegen die Varizellen allerdings schon nach ca. vier bis acht Jahren ein. Erkranken sie, nehmen die Beschwerden bei ihnen jedoch einen milderen Verlauf. So zeigt sich bei ihnen oft kein Fieber und die Beeinträchtigungen durch die Pocken fallen um ca. 50 Prozent geringer aus.

Nebenwirkungen einer Windpocken-Impfung

Eine Impfung gegen Varizellen gilt allgemein als gut verträglich. Aus diesem Grund weisen die Geimpften nur selten unerwünschte Nebeneffekte auf. Zeigen sich Nebenwirkungen, handelt es sich bei ihnen um lokale Reaktionen oder allgemeine Anzeichen einer Krankheit. Von einer lokalen Reaktion ist die Rede, wenn sich Schwellungen und Rötungen an der Einstichstelle der Impfung bilden. Sie gehen jedoch normalerweise nach wenigen Tagen wieder zurück. Mitunter zeigen sich weitere Nebeneffekte wie Müdigkeit oder Fieber, die ebenfalls rasch wieder abklingen.

Nach Angaben der STIKO sind schwere Erkrankungen möglich, kommen jedoch nur selten vor. Dies gilt sowohl für Kinder als auch für Jugendliche.

Kritik an Wirkung und Nutzen

Die Wirkung der Varizellenimpfung gilt derzeit nicht als zufriedenstellend, was das Ausmaß sowie die Dauer des Impfschutzes anbelangt. So zeigten sich in durchgeimpften Schulen und Kindergärten wiederholt Windpockenausbrüche.

Gegen schwere Krankheitsverläufe scheint die Impfung besser zu wirken als gegen die Kinderkrankheit generell.

Es wird zudem angenommen, dass der Impfschutz nach vier Jahren deutlich nachlässt. Aus diesem Grund gilt mittlerweile in den USA und Europa eine zweite Varizellenimpfung als sinnvoll.

Eine allgemeine Empfehlung zur flächendeckenden Impfung von Kleinkindern gegen Windpocken besteht bislang nur in wenigen Ländern wie Deutschland. Von der WHO wurde diese Empfehlung bislang noch nicht ausgesprochen, da die Belastung durch diese Erkrankung als geringer angesehen wird als zum Beispiel bei Masern.

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Spritze nimmt Wirkstoff auf © Kurt Kleemann - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Kind mit Windpocken / Wasserpocken © Dan Race - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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