Hodenhochstand Artikel
Wenn der kleine Mann ein kleines Problem hat: Operation bei Hodenhochstand
Von Elke Imle
Dass die Eier durch die beiden Eileiter der Frau wandern, wissen viele. Dass jedoch auch die Hoden eine Wanderung unternehmen, wissen die wenigsten. Kritisch wird es, wenn die Hoden nicht zum richtigen Ziel, dem Hodensack, wandern, sondern unterwegs einfach stecken bleiben. Bei diesem so genannten Hodenhochstand sollte der Junge spätestens bei Vollendung seines zweiten Lebensjahres operiert worden sein.
Vom Hodenhochstand sind normalerweise nur Neugeborene oder unter zweijährige Jungen betroffen. Vor der Geburt sind die beiden Hoden noch im Bereich der Bauchhöhle und müssen von dort aus zum Hodensack wandern. Zu 98 Prozent geschieht dies ohne Probleme. Für die restlichen 2 Prozent ist es sehr wichtig, dass das Problem frühzeitig erkannt und eventuell sogar operiert wird, um Unfruchtbarkeit zu vermeiden.
Der Arzt erkennt das Problem des Hodenhochstands sehr eindeutig durch Tasten. Operiert wird nie sofort nach der Geburt, sondern erst circa ein Jahr später, wenn der Hoden die Wanderung bis zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht vollzogen hat. Bei der Operation wird ein kleiner Schnitt im Leistenkanal gesetzt. Die Aufgabe des Chirurgen besteht darin, den Weg für den Hoden zum Hodensack frei zu machen. Er entfernt überflüssiges Gewebe aus dem Samenstrang und einige Fäden des Cremastermuskels. Dieser Muskel zieht bei Kälte den Hoden näher an den Körper heran – damit der Hoden nach der OP von diesem Muskel nicht zu stark wieder nach oben wandert, wird er zusätzlich noch im Hodensack mit einer kleinen Naht versehen.
Der gesamte Eingriff dauert circa 20-45 Minuten und wird nur mit Vollnarkose durchgeführt. Wie bei jeder Vollnarkose auch, sollte der Junge nüchtern (d.h. ohne am Tag des Eingriffs etwas gegessen oder getrunken zu haben) operiert werden. Vor dem Eingriff klärt der Arzt über mögliche Komplikationen auf, es könnte zum Beispiel der Samenleiter verletzt werden.
Obwohl nur circa 1 Prozent der unter zweijährigen Jungen betroffen ist, handelt es sich um eine Routine-Operation, die beim Gedanken an ein glückliches, gesundes und schmerzfreies Kinderlachen mit Zuversicht betrachtet werden sollte.