DemTect - Funktionsweise, Auswertung und Zuverlässigkeit des Demenz-Tests

Mithilfe des DemTect (Demenz Detection Test) kann eine Demenz frühzeitig erkannt werden. Der Demenz-Test ist sehr einfach und schnell durchführbar und gilt als besonders effizient. Dem Patienten werden bei dem Test mehrere Wörter- und Zahlenaufgaben gestellt und mit einer Punktevergabe bewertet. Erfahren Sie hier mehr über die Durchführung, Funktionsweise und Auswertung des DemTect-Tests.

Effiziente Screening-Methode zur Früherkennung einer Demenz

Was ist DemTect?

Das Kürzel DemTect steht für Demenz Detection. Gemeint ist damit ein simples Screening-Verfahren zur frühzeitigen Erkennung von Demenz bzw. eines dementiellen Syndroms. Der Test nimmt nur wenige Minuten in Anspruch und dient dazu, kognitive Fähigkeiten der Testperson zu überprüfen. Dazu gehören vor allem Aufmerksamkeit, die Gedächtnisleistung sowie Wortflüssigkeit.

Die Entwicklung des DemTect erfolgte im Jahr 2000 durch die Experten Pasquale Calabrese von der Universitätsklinik Bochum sowie Elke Kalbe und Josef Kessler von der neuropsychologischen Abteilung der Uniklinik Köln. Es dauerte nicht lange, bis der moderne Spezialtest Einzug in die wissenschaftliche Forschung hielt und in den Lehrbüchern Verwendung fand.

DemTect und MMST

Das DemTect-Testverfahren gilt dem 1975 entwickelten Mini-Mental-Status-Test (MMST) als überlegen. So wurde am MMST, bei dem es sich um das am häufigsten verwendete Testverfahren handelt, kritisiert, dass er in der frühen Phase der Demenz zu ungenaue Resultate liefert. Durch den Demenz-Detektions-Test lässt sich dieser Nachteil jedoch reduzieren. Im Falle von leichten kognitiven Störungen reagiert DemTect sensitiver.

2007 gelangten Wissenschaftler im Rahmen einer Studie zu der Ansicht, dass DemTect dem MMST an Zuverlässigkeit überlegen ist, was insbesondere für den Bereich von nur wenig fortgeschrittenen kognitiven Störungen gilt.

Aufgaben des DemTect

Der DemTect-Test besteht aus insgesamt fünf Aufgaben und lässt sich innerhalb von ca. zehn Minuten durchführen. Dabei werden dem Patienten bestimmte Fragen gestellt. Zusammengesetzt wird der Test aus fünf Untertests:

  1. die Wortliste
  2. die Zahlenumwandlung
  3. die Supermarktaufgabe
  4. die Zahlenfolge rückwärts
  5. das Wiederholen der Wortliste

Die Wortliste

Im Rahmen des ersten Untertests erfolgt eine Überprüfung des episodischen Gedächtnisses.

Zu diesem Zweck wird dem Patienten eine Wortliste vorgelesen, die zehn Begriffe enthält wie zum Beispiel Lampe, Apfel, Tür, Teller oder Hund. Die Testperson erhält die Aufgabe, sämtliche Wörter, die sie sich merken kann, zu wiederholen. Dabei spielt die Reihenfolge der Wörter keine Rolle. Mit der gleichen Wortliste wiederholt man diese Prozedur noch einmal.

Für die richtig genannten Wörter werden Punkte vergeben. Dabei ist eine Höchstanzahl von 20 Punkten möglich.

Die Zahlenumwandlung

Beim zweiten Testverfahren handelt es sich um eine Zahlenumwandlungsaufgabe. Das bedeutet, dass die Testperson eine drei- oder vierstellige Zahl wie beispielsweise 408 oder 5033 in Zahlwörter umwandelt und sie in "vierhundertacht" und "fünftausenddreiunddreißig" aufschreibt. Umgekehrt werden zwei Zahlwörter wie beispielsweise "neunhunderteinundsiebzig" in entsprechende Zahlen wie 971 umgewandelt.

Die Höchstpunktanzahl für diesen Untertest beträgt 4 Punkte.

Die Supermarktaufgabe

Unter der Supermarktaufgabe wird das Nennen von zahlreichen Artikeln verstanden, die in einem Supermarkt gekauft werden können. Auf diese Weise kontrolliert der DemTect die semantische Wortflüssigkeit des Patienten.

Vom Testausführenden werden die Begriffe, die der Patient nennt, notiert und mit Punkten versehen. Dabei lässt sich eine Höchstpunktanzahl von 30 Punkten erzielen.

Zahlenfolge rückwärts

Bei der Zahlenfolge rückwärts liest man der Testperson zwei- bis sechsstellige Zahlenreihen vor. Diese müssen anschließend rückwärts nachgesprochen werden. Die Zahlenfolge, die am längsten richtig rückwärts nachgesprochen wird, erhält Punkte. Durch dieses Vorgehen kann das Arbeitsgedächtnis kontrolliert werden.

Die maximale Höchstpunktanzahl beträgt 6 Punkte.

Wiederholen der Wortliste

In der letzten Aufgabe des DemTect-Tests wiederholt die Testperson die Wortliste der ersten Aufgabe, ohne dass sie zuvor darüber Bescheid wusste. Dabei wird kontrolliert, wie viele Wörter sich der Patient merken kann, obwohl er zwischen diesen beiden Untertests andere Aufgaben erfüllen sollte.

Der Subtest dient dazu, die impliziten Gedächtnisleistungen der Testperson zu kontrollieren. Dabei lassen sich maximal 10 Punkte erreichen.

Die Auswertung des DemTect

Zum Ende des Demenz-Detektions-Tests erfolgt die Auswertung der unterschiedlichen Teilresultate, denen aus einer speziellen Umrechnungstabelle entsprechende Punktwerte zugeordnet werden. Diese Punktwerte rechnet man zum kompletten Ergebnis hinzu. Maximal lassen sich 18 Punkte erreichen. Aus dem Endresultat ergeben sich Hinweise auf die kognitiven Leistungsfähigkeiten der Testperson.

  • Bei 13 bis 18 Punkten liegt eine altersgemäße kognitive Leistung vor
  • Bei 9 bis 12 Punkten besteht eine leichte Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeiten
  • Kommen nur 8 Punkte oder weniger zusammen, wird von Demenz ausgegangen

Kombination mit dem Mini-Mental-Status-Test

Es besteht auch die Möglichkeit, den DemTect mit dem Mini-Mental-Status-Test zu kombinieren. Dieses Vorgehen wird als überaus sinnvoll eingestuft. So lassen sich mit dem DemTect leichte kognitive Beeinträchtigungen effizienter erfassen als mit dem MMST.

Effizienz des DemTect

Zur Früherkennung von Demenz wird dem DemTect eine positive Effizienz bescheinigt. Durch seine Durchführung können mehr Demenzkranke erkannt werden als durch den Mini-Mental-Status-Test. Darüber hinaus lässt sich das Testverfahren ökonomisch durchführen.

Einschränkungen

Allerdings bestehen auch einige Einschränkungen. So lassen sich im Unterschied zum MMST die visuell-konstruktiven Fähigkeiten der Testperson nicht erfassen. Möglich ist dies jedoch durch die Kombination mit dem Uhrentest.

Beim Auswerten der Testergebnisse ist außerdem das intellektuelle Niveau der Testperson zu berücksichtigen.

Ungeklärt ist die Effektivität der Demenz-Tests bei Pseudodemenzen durch Altersdepressionen.

Für Menschen unter 40 Jahren ist der Demenz-Detektions-Test generell nicht geeignet, um einen Verdacht auf Demenz zu überprüfen.

Grundsätzlich handelt es sich beim DemTect lediglich um ein Screeningverfahren. Das heißt, dass die Diagnose einer Demenz durch weitergehende Untersuchungsmethoden wie Labortests und bildgebende Verfahren abgesichert werden muss.

Quellen:

  • Wolfgang Maier, Jörg B. Schulz, Sascha Weggen, Sascha Weggen: Alzheimer & Demenzen verstehen: Diagnose, Behandlung, Alltag, Betreuung, TRIAS, 2011, ISBN 383046441X
  • Elisabeth Lange: Demenz - gelassen betreuen und pflegen: Das stärkende Hilfebuch für Betroffene und Angehörige, GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH, 2017, ISBN 9783833861079
  • Claus-Werner Wallesch, Hans Förstl: Demenzen, Thieme Verlagsgruppe, 2017, ISBN 3132417076
  • Ulrich Kastner, Rita Löbach: Handbuch Demenz, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2018, ISBN 3437280031
  • Marika Wöhrle: Demenz verstehen: Anzeichen einer Demenz erkennen und Demenz vorbeugen, 2018, ISBN 1980357471
  • Proske Markus: Demenz Knigge: Praktische Tipps für den Umgang mit Demenzerkrankten, Nachschlagewerk für Pflege Personal und pflegende Angehörige, mit Glossar mit medizinischen Begriffserläuterungen, corporate minds, 2018, ISBN 3981973003
  • Bucher Gruppe: Diagnostisches Verfahren in Der Psychiatrie: Mini-Mental-Status-Test, Demtect, Amdp-System, Geriatrische Depressionsskala, ISBN 1158794460
  • Henning Freund: Geriatrisches Assessment und Testverfahren: Grundbegriffe - Anleitungen - Behandlungspfade, W. Kohlhammer GmbH, 2017, ISBN 3170326295

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