Ösophagusvarizen - Ursachen, Komplikationen und Behandlung

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Krampfadern in der Speiseröhre infolge eines Pfortaderhochdrucks

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  • von Paradisi-Redaktion

Entstehen in der Speiseröhre Krampfadern, spricht man von Ösophagusvarizen. Sie entstehen infolge eines Überdrucks in der Pfortader und treten besonders häufig - aber nicht nur - bei einer fortgeschrittenen Leberzirrhose auf. Solange die Krampfadern unversehrt bleiben, treten keine Beschwerden auf. Zu Komplikationen kommt es aber, wenn die Ösophagusvarizen reißen. Die dadurch entstehende Blutung (Ösophagusvarizenblutung) ist lebensbedrohlich. Alles Wissenswerte zu den Krampfadern in der Speiseröhre lesen Sie in diesem Artikel.

Was sind Ösophagusvarizen?

Unter Ösophagusvarizen werden Krampfadern (Varizen) in der Speiseröhre (Ösophagus) verstanden. Diese Venenerweiterungen zeigen sich in erster Linie bei einer fortgeschrittenen Leberzirrhose. Aber auch andere Krankheiten können sie hervorrufen. Bricht eine Ösophagusvarize auf und ruft Blutungen hervor, ist dies für den Betroffenen lebensgefährlich.

Häufigkeit

Zu Speiseröhrenkrampfadern kommt es bei jedem zweiten Patienten, der unter einer Leberzirrhose leidet. Zwischen 5 und 33 Prozent aller Ösophagusvarizen entstehen durch einen Pfortaderüberdruck. Blutungen der Krampfadern zeigen sich bei rund einem Drittel aller betroffenen Personen.

Ursachen von Ösophagusvarizen

Hauptgrund für die Bildung von Ösophagusvarizen sind zumeist Komplikationen aufgrund einer fortgeschrittenen Leberzirrhose (Schrumpfleber). Im Rahmen der Leberzirrhose wandelt sich funktionsfähiges Lebergewebe in zunehmendem Maße in Bindegewebe um, das nicht mehr funktionstüchtig ist. Dies hat das Vernarben des Gewebes zur Folge. Je mehr die Vernarbung voranschreitet, desto größer fallen auch die Durchblutungsbeeinträchtigungen der Leber aus. Infolgedessen droht die Bildung von Krampfadern in der Speiseröhre.

Die Leber erhält ihr Blut teilweise über die Pfortader. Dabei handelt es sich um ein umfangreiches Gefäß, welches das Blut samt Nährstoffen aus dem Darm und anderen Bauchorganen in Richtung Leber weiterleitet. Die Leber stellt das bedeutendste Stoffwechselorgan des Körpers dar und baut zahllose Stoffe ab oder um. Außerdem sorgt sie für die Entgiftung von schädlichen Stoffen. Von der Leber aus gelangt das Blut weiter in Richtung untere Hohlvene sowie zum rechten Herzen.

Kommt es jedoch zu einer Leberzirrhose, kann das Blut aufgrund der Narbenbildung nicht mehr ungehindert durch die Leber abfließen. Dadurch erfolgt vor dem Organ ein Anstau in der Pfortader. Dieser Vorgang zieht wiederum einen krankhaften Anstieg des Innendrucks der Pfortader nach sich, wodurch ein Pfortaderhochdruck entsteht. Um weiterfließen zu können, bildet das gestaute Blut Umgehungskreisläufe, von denen einer von der Pfortader via Magenvenen in Richtung untere Hohlvene verläuft. Die Speiseröhrenvenen sind jedoch zu dünn, um dem vermehrten Blutfluss standhalten zu können. Dies führt zu ihrer Erweiterung, sodass sie gewissermaßen ausleiern. Dadurch entstehen in der Speiseröhre wiederum Krampfadern.

Leber bei Leberzirrhose
Leber bei einer Leberzirrhose, der häufigsten Ursache für Ösophagusvarizen

Weitere mögliche Auslöser

Neben einer Leberzirrhose können aber auch andere Erkrankungen für das Entstehen von Ösophagusvarizen verantwortlich sein. Dazu gehören vor allem die Rechtsherzinsuffizienz (Rechtsherzschwäche) und das Verstopfen der Pfortader aufgrund eines Blutgerinnsels - Mediziner bezeichnen dies als Pfortaderthrombose.

Eine weitere Form stellen die primären Ösophagusvarizen dar, die nicht durch eine Krankheit verursacht werden. Vielmehr sind sie die Folge einer bereits angeborenen Missbildung. Primäre Speiseröhrenkrampfadern treten jedoch nur in seltenen Fällen auf.

Symptome von Ösophagusvarizen

Bleiben die Ösophagusvarizen unversehrt, haben sie in der Regel keine Symptome zur Folge. Sie werden von den Patienten gar nicht bemerkt. Anders sieht es jedoch aus, wenn ein Riss der Krampfadern auftritt. Dann kommt es abrupt zu einem schwallartigen Erbrechen von Blut. Weil dies wiederum einen großen Verlust an Blut und Flüssigkeit bedingt, droht ein hypovolämischer Schock. Dieser macht sich durch Blässe, eine kühle Haut, Herzrasen, flache Atmung, Blutdruckabfall sowie Bewusstseinsstörungen bemerkbar. Bei nur leichten Ösophagusvarizenblutungen tritt häufig Teerstuhl auf.

Komplikation Ösophagusvarizenblutung

In der Medizin werden Blutungen der Speiseröhrenkrampfadern als Ösophagusvarizenblutung bezeichnet. Sie gelten als medizinischer Notfall und müssen umgehend behandelt werden, da sonst schon nach kurzer Zeit der Tod des Patienten eintreten kann. Rund 30 Prozent aller Leberzirrhose-Patienten leiden unter Ösophagusvarizenblutungen. Sie stellen die häufigste Todesursache der Leberzirrhose dar. Das Risiko erhöht sich mit dem Voranschreiten der Leberzirrhose. Darüber hinaus gibt es Risikofaktoren wie

  • eine vorherige Ösophagusvarizenblutung
  • das Bestehen von sehr umfangreichen Speiseröhrenkrampfadern
  • der fortgesetzte Konsum von Alkohol

Diagnose von Ösophagusvarizen

Der Nachweis von Ösophagusvarizen erfolgt durch eine Endoskopie. Dabei wird mit einem Endoskop entweder eine Östrophagoskopie (Spiegelung der Speiseröhre) oder eine Gastroskopie (Magenspiegelung) vorgenommen. Zu diesem Zweck führt der Arzt einen dünnen Schlauch durch den Mund in die Speiseröhre ein. Im Falle einer Gastroskopie wird der Schlauch bis in den Magen vorgeschoben. Am Vorderteil des Endoskops befinden sich eine kleine Kamera sowie eine Lichtquelle. Mit der Kamera kann der Arzt Aufnahmen von der Speiseröhre anfertigen, die auf einen angeschlossenen Bildschirm übertragen werden. Anhand der Bilder stellt der Arzt fest, ob tatsächlich Ösophagusvarizen vorhanden sind.

Einteilung in Stadien

Anhand der Endoskopie teilt der Arzt die Ösophagusvarizen in eine von vier unterschiedlichen klinischen Stadien von Grad I bis Grad IV ein.

Stadium I

Von Stadium I ist die Rede, wenn an den submukösen Venen Erweiterungen bestehen. Sie verstreichen jedoch nach einer Luftinsufflation durch das Endoskop.

Stadium II

Stadium II liegt vor, wenn einzelne Varizen in das Lumen der Speiseröhre hineinragen. Sie bleiben auch im Anschluss an eine Luftinsufflation bestehen.

Stadium III

Bei Stadium III kommt es zu Einengungen des Speiseröhrenlumens aufgrund von vorragenden Varizensträngen. Sind rötliche Flecken auf der Schleimhaut zu erkennen, gilt dies als Hinweis auf eine Schädigung des Gewebes.

Stadium IV

Im Rahmen von Stadium IV verlegen die Varizenstränge das Speiseröhrenlumen. In den meisten Fällen zeigen sich auf der Schleimhaut viele Erosionen.

Bei einigen Patienten sind neben den Ösophagusvarizen auch Magenvarizen sowie eine Gastropathia hypertensiva vorhanden.

Therapie von Ösophagusvarizen

Findet der Arzt im Rahmen einer endoskopischen Untersuchung Krampfadern in der Speiseröhre, besteht die Option einer präventiven Verödung.

Um die Gefahr einer gefährlichen Ösophagusvarizenblutung zu vermindern, ist auch eine spezielle Varizenligatur (Gummibandligatur) möglich. Bei diesem Verfahren bindet der Arzt die erweiterte Vene mit einem Gummiband oder mehreren Bändern ab. Auf diese Weise setzt die Vernarbung der Krampfader ein, wodurch mögliche Blutungen verhindert werden.

Beide Therapiemaßnahmen lassen sich während einer Endoskopie durchführen.

Behandlung einer Ösophagusvarizenblutung

Im Falle einer Ösophagusvarizenblutung ist eine sofortige Behandlung erforderlich. Dabei wird zunächst der Kreislauf des Patienten stabilisiert. Weil die Betroffenen rasch sehr viel Blut verlieren, erhalten sie über eine Vene Flüssigkeit. Falls nötig, kann auch eine Bluttransfusion stattfinden.

Ein weiterer wichtiger Therapieschritt ist das Stillen der Blutungen. Zu diesem Zweck kann eine Gummibandligatur mit einem Endoskop erfolgen. Darüber hinaus bekommt der Patient blutstillende Arzneimittel. Dazu zählen unter anderem Terlipressin und Somatostatin. Sie bewirken, dass sich der Druck in der Pfortader verringert. In manchen Fällen nimmt der Arzt auch eine Verödung des betroffenen Blutgefäßes vor.

Ballontamponade

Leidet der Patient unter ausgeprägten Blutungen, gilt eine Ballontamponade als sinnvoll. Bei diesem Verfahren führt der Arzt einen leeren, kleinen Ballon in Richtung untere Speiseröhre ein. Dort löst er anschließend das Aufblasen des Ballons aus. Mit diesem Vorgehen lassen sich die Blutgefäße zusammenpressen, was wiederum die Blutung beendet.

Allerdings sind mit dieser Methode auch gewisse Risiken verbunden. So besteht die Gefahr, dass die Speiseröhre einreißt, wenn es zu einem zu starken Aufblasen des Ballons kommt. Außerdem ist ein Verrutschen des Ballons möglich, was eine Blockade der Atemwege nach sich ziehen kann. Aus diesem Grund erfolgt eine Ballontamponade nur im Falle von intensiven Ösophagusvarizenblutungen, die sich nicht unter Kontrolle bringen lassen.

Damit es nicht zu einer bakteriellen Infektion kommt, erhält der Patient zu präventiven Zwecken meist Antibiotika.

Gefahr eines Leberkomas

Eine Ösophagusvarizenblutung ist oft mit einer Leberzirrhose verbunden. Daher ist die Vorbeugung eines Leberkomas von großer Wichtigkeit. Bei einer Leberzirrhose lässt sich das Blut in der Magen-Darm-Region nach einer Blutung nicht wie im Normalfall durch die Leberzellen abbauen, weil die Leber aufgrund der Zirrhose dazu nicht mehr imstande ist. Dadurch besteht wiederum die Gefahr einer Ansammlung von toxischen Stoffwechselprodukten im Organismus. Diese können im Extremfall sogar bis ins Gehirn vordringen und es schädigen. Deswegen führt der Arzt das Absaugen des Blutes, das sich noch in der Speiseröhre befindet, durch. Zur Reinigung des Darms wird dem Patienten außerdem ein leichtes Abführmittel verabreicht.

Vorbeugung einer Ösophagusvarizenblutung

Die Gefahr, dass es nach einer Ösophagusvarizenblutung erneut zu einer Blutung kommt, ist relativ hoch. So sind 35 Prozent aller Patienten schon zehn Tage nach der ersten Blutung von einer weiteren betroffen. Nach einem Jahr liegt die Rückfallquote sogar bei bis zu 70 Prozent.

Umso wichtiger ist eine ausreichende Vorbeugung. Zu diesem Zweck erhalten die Patienten Arzneimittel, die den Blutdruck senken, wie zum Beispiel Propanolol, um gegen den Pfortaderhochdruck vorzugehen. Mitunter findet präventiv auch eine Varizenligatur statt.

Manchmal wird auch ein sogenannter Shunt gelegt, dabei schafft der Chirurg im Rahmen eines operativen Eingriffs eine Verbindung zwischen den Lebervenen und der Pfortader. Durch dieses Vorgehen lässt sich das vernarbte Lebergewebe umgehen. Das Blut kann damit keinen Umweg über die Speiseröhrenvenen einschlagen und neue Ösophagusvarizen verursachen.

Chirurgischer Eingriff bei Blutungen nach Leberzirrhose: Portokavaler Shunt hat sich bewährt

3D Grafik dunkelrote Leber im durchsichtigen Männerkörper, blauer Hintergrund
leber © Sebastian Kaulitzki - www.fotolia.de

Bei einer Leberzirrhose ist häufig die Pfortader, die wichtige Ader, die durch die Leber verläuft, verstopft. Dies führt dazu, dass das Blut aus den inneren Organen wie dem Magen, der Milz und dem Darm nicht mehr korrekt abfließen kann und Bluthochdruck in diesem Bereich entsteht, die sogenannte portale Hypertension.

In schweren Fällen führt dieser Bluthochdruck wiederum zu Blutungen aus den Ösophagusvarizen, Krampfadern in der Speiseröhre, die ebenfalls in Folge der Leberzirrhose entstanden sind. Diese Blutungen verlaufen in einem Drittel der Fälle tödlich.

Künstliche Überleitung verlängert Leben deutlich

Mediziner haben bei einer Blutung die Wahl zwischen unterschiedlichen Behandlungsmethoden, darunter sogenannten Shunts, die eine künstliche Überleitung zwischen den geschädigten Venen bilden.

Eine Studie verglich nun die Wirksamkeit der transjugulären intrahepatischen portosystemischen Shunt-Anlage (TIPS) mit dem portokavalen Shunt und der endoskopischen Sklerotherapie.

Dabei kamen die Chirurgen der University of California in San Diego zu dem Ergebnis, dass der portokavale Shunt die besten Erfolgsaussichten bietet: Bei diesem Eingriff überlebten die Patienten anschließend noch mehr als 10 Jahre, während die Überlebensdauer bei TIPS nur 1,99 Jahre betrug.

Prognose bei einer Ösophagusvarizenblutung

Die Prognose bei Blutungen der Speiseröhrenkrampfadern verläuft oft ungünstig. Selbst wenn bei einer Ösophagusvarizenblutung eine Stillung der Blutung erfolgt, versterben bis zu 30 Prozent aller Patienten an den Folgen der Blutungen. Häufigste Gründe dafür sind eine schwere Leberinsuffizienz, eine Blutvergiftung (Sepsis), die mit einem Multiorganversagen einhergeht, oder eine Lungenentzündung. Selbst wenn die erste Blutung überstanden wird, sterben rund 33 Prozent aller Patienten an späteren Blutungen.

Ösophagusvarizen vorbeugen

Um der Entstehung von Ösophagusvarizen vorzubeugen, ist es wichtig, die auslösende Grunderkrankung konsequent zu behandeln. Im Falle einer Leberzirrhose muss der Betroffene den Konsum von Alkohol unbedingt vermeiden.

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Ragazza con mal di gola © Two Brains Studios - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Realistic illustration of cirrhosis of human liver © eranicle - www.fotolia.de

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