Hüft-TEP (Hüftendoprothese): Künstliches Hüftgelenk

In der heutigen Zeit kommt es immer häufiger zur Implantation eines künstlichen Hüftgelenks, auch Hüft-TEP bzw. Hüftendoprothese genannt. Zu den häufigsten Indikationen zählt die Hüftarthrose. Eine neuartige Operationstechnik zum Einsetzen des Implantats stellt die so genannte Yale-Technik dar, bei der es sich um eine minimal-invasive Operationstechnik handelt. Lesen Sie alles Wissenswerte rund um die Hüft-TEP.

Wissenswertes zur Endoprothese im Hüftgelenk

Hüft-TEP: Merkmale und Funktion eines künstlichen Hüftgelenks

Bei einer Hüft-TEP handelt es sich um ein künstliches Hüftgelenk, eine Endoprothese, die das Hüftgelenk ersetzt und für den dauerhaften Verbleib im Körper konzipiert ist. Die Implantation einer Endoprothese gehört gilt als Alternative zu gelenkschonenden Operationen, bei denen das Hüftgelenk erhalten bleiben kann.

Das Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks ermöglicht es den Patienten, ihre Hüfte rasch nach der Operation schmerzfrei belasten zu können. Außerdem brauchen sie sich, je nach OP-Verfahren, nur wenige Tage auf Krücken zu bewegen.

Bei der Implantation eines künstlichen Hüftgelenks handelt es sich um eine Routineoperation. Es gibt jedoch zahlreiche Werkstoffe, Prothesentypen sowie Fixierungstechniken, sodass stets ein individueller Blick auf den Patienten und dessen Bedürfnissen notwendig ist.

Das Ziel sollte immer eine Anpassung der Prothese an den Lebensstil des Betroffenen sein. In diesem Zusammenhang ist auch die lange Haltbarkeit des Implantats notwendig.

Anwendungsgebiete: Wann ist eine Hüft-TEP sinnvoll?

Durchgeführt wird die Implantation dann, wenn eine Hüftarthrose, die so genannte Coxarthrose vorliegt; ebenso wird die Endoprothese bei einer schmerzhaften Versteifung des Hüftgelenks notwendig. Bei einer Arthrose liegt ein Verschleiß des Gelenkknorpels vor, zudem weisen die Knochen Veränderungen auf.

Der Verschleiß des Hüftgelenks ist oft bedingt durch Gelenkbelastungen und Gelenkfehlbelastungen oder tritt nach einem Unfall auf. Ob Patienten sich für oder gegen einen Hüftoperation entscheiden, ist letztlich vom persönlichen Schmerzempfinden abhängig.

Durch die Erkrankung wird die betroffene Person in ihrer Beweglichkeit beschränkt. Es kommt zudem nicht selten zu Einschränkungen im Gangbild. Mithilfe der Prothese soll die Beweglichkeit wieder hergestellt werden - in einem gewissen Umfang ist auch sportliches Training wieder möglich.

Das Implantieren künstlicher Hüftgelenke zählt zu den meist angewendeten Operationsverfahren und erfüllt mittlerweile höchste Anforderungen an Materialqualität und Funktion. Eine Gelenkersatz-OP führt auch nach jahrelangen oder gar jahrzehntelangen Schmerzen zu einer deutlichen Linderung der Beschwerden und trägt damit entscheidend zur Steigerung der Lebensqualität bei.

Ursachen für Hüftgelenkschmerzen abklären

Sobald Schmerzen im Bereich der Hüftgelenke auftreten, muss zunächst die Ursache abgeklärt werden. Diverse Krankheitsbilder wie

  • Bandscheibenbeschwerden
  • Ischiasschmerzen oder
  • ein Beckenschiefstand

können mit der gleichen Symptomatik wie bei einer Hüftgelenkarthrose einhergehen. Mithilfe von Röntgenbildern und Kernspinuntersuchungen lässt sich die Ursache der Schmerzen im Hüftgelenkbereich diagnostizieren.

Auch bei einem fortgeschrittenen Gelenkverschleiß können entzündungshemmende und schmerzlindernde Injektionen in Verbindung mit physikalischen sowie rehabilitativen Therapiemaßnahmen Erleichterung bringen und die Beweglichkeit verbessern. Erst wenn alle nicht-operativen Methoden zu keinem erfolgreichen Ergebnis führen, sollte über ein künstliches Hüftgelenk nachgedacht werden.

Aufbau und Arten der Hüft-TEP

Die Hüftprothese muss einen festen Sitz im Skelett haben und den gleitenden Prothesenkomponenten ausreichend Beweglichkeit bieten können. Für die Implantation eines künstlichen Hüftgelenks stehen unterschiedliche Arten von Prothesen zur Verfügung, deren Auswahl je nach Knochenbau, Alter, Lebensweise und auch Beruf der Person erfolgt.

Kurzschaft- oder Schenkelhalsendoprothese

Dieser Prothesentyp lässt sich knochensparend einsetzen; dabei kann der Oberschenkelhals erhalten bleiben. Er eignet sich besonders gut für minimalinvasive Operationsverfahren. Auch bei Patienten mit einer Metallallergie können Kurzschaft- oder Schenkelhalsendoprothesen implantiert werden, da sie aus Titanlegierungen bestehen.

Standardschaftendoprothese

Ebenfalls bei minimal-invasiven Eingriffen kommt die Standardschaftendoprothese zur Anwendung. Sie verfügt über eine raue Titanoberfläche, die schnell mit dem eigenen Knochenmaterial verwächst. Man kann verschiedene Materialien kombinieren, die allesamt ebenso bei Allergiepatienten nutzbar sind.

Zementierte Schaftprothese

Mithilfe der zementierten Schaftprothese kann das Implantat fest und auf lange Zeit im Oberschenkelknochen verankert werden. Dieser Typ kommt besonders im höheren Alter sowie bei Erkrankungen wie Osteoporose und Rheuma zur Anwendung, also dann, wenn der Knochen bereits an Stabilität verloren hat.

Modulare zementfreie Schaftprothese

Aufgrund des Bausteinprinzips lässt sich dieser Prothesentyp optimal an die Körperanatomie jedes Patienten anpassen. Besonders bei jüngeren Patienten, die unter einer Fehlstellung der Hüfte leiden, wird die modulare zementfreie Schaftprothese empfohlen.

Modulare Sonderprothese

Liegen ausgeprägte Schäden am Hüftgelenk oder an den umgebenden knöchernen Geweben vor, kommt die modulare Sonderprothese zum Einsatz. Dieser Typ wird somit auf die jeweiligen Umstände angepasst - mitunter ist auch ein Sonderanfertigung möglich, die den Oberschenkelknochen komplett ersetzt.

Materialien der Hüft-TEP

An die Hüftprothese bzw. an das verwendete Material stellt man folgende Anforderungen:

  • es muss widerstandsfähig gegenüber Gewicht und Druck sein
  • es muss verträglich sein
  • es muss korrosionsbeständig sein
  • die Gleitpaarung muss abriebfest sein

Bei zementierten Prothesen wird eine Chrom-Molybdän-Legierung verwendet, während man für einwachsende Hüft-TEPs in der Regel eine Titanlegierung wählt. Die Gleitpaarung besteht aus Metall oder Keramik. Folgende Materialien sind beim Pfanneneinsatz möglich:

  • Kunststoff-Metall-Gleitpaarung
  • Keramik-Keramik-Gleitpaarung
  • Metall-Metall-Gleitpaarung

Durchführung der Implantation der Hüft-TEP: die OP beim künstlichen Hüftgelenk

Das Einsetzen eine Endoprothese kann sowohl unter Vollnarkose, als auch unter Spinalanästhesie durchgeführt werden. Bei dem Eingriff unterscheidet man die klassische Implantation eines Hüftgelenks sowie das minimal-invasive Verfahren.

Vorbereitung auf die Hüftgelenks-Operatione

Etwa zwei bis drei Wochen vor dem Eingriff sollte man auf körperliche Bewegung verzichten. Sanfte Aktivitäten wie Aquajogging oder Radfahren eignen sich jedoch sehr gut.

Durch die Bewegungstherapie kann die Durchblutung gefördert und das Gewebe revitalisiert werden. Auf diese Weise lässt sich die Wundheilung später unterstützen.

Klassisches Verfahren

Im Rahmen der herkömmlichen Operationstechnik entfernt man die verschlissenen Gelenkoberflächen und bereitet den verbliebenen Knochen für das Implantat vor. Dabei werden die Knorpelflächen der Beckenpfanne mit Fräsen bearbeitet.

Nun öffnet man den Hüftschaft. Die beiden Gelenkkomponenten können dann auf verschiedene Art und Weise verankert werden.

  • Bei der zementierten Hüftprothese werden Hüftpfanne und das künstliche Hüftgelenk durch Knochenzement im Becken bzw. Oberschenkelhalsknochenschaft fixiert. Zur Anwendung kommt ein Kunststoff, welcher schnell aushärtet und eine schnelle Belastbarkeit ermöglicht.
  • Bei der zementfreien Hüftprothese werden die Komponenten eingeschraubt oder eingepresst. Das verwendete Material ist knochenfreundlich und ermöglicht ein schnelles Anwachsen an das umliegende Gewebe.
  • Die hybride Hüftendoprothese vereint die beiden erwähnten Verfahren: während der Prothesenschaft im Oberschenkelknochen einzementiert wird, schraubt oder presst man die Hüftpfanne in das Becken.

Minimalinvasive Verfahren wie AMIS oder Yale-Technik

Die Yale-Technik zählt zu den minimal-invasiven Operationstechniken. Das heißt, dass es bei einem operativen Eingriff zu weniger Schmerzen und Blutverlust kommt, wodurch die Patienten wiederum eine schnellere Mobilität erreichen. So wird bei minimal-invasiven Methoden zum Beispiel auf eine Durchtrennung der Hüftmuskulatur verzichtet.

Die minimalinvasive Hüftendoprothetik (MIS) ist im Gegensatz zu konventionellen Operationsmethoden ein besonders schonendes und sanftes Verfahren. Es ist nur ein kleiner Hauteinschnitt erforderlich, um das Hüftgelenk zu implantieren.

Dennoch kann es auch beim MIS-Verfahren zu einer Schädigung der Sehnen und Muskeln kommen, die im Bereich der Hüftgelenkkapsel liegen. Besonders vielversprechend ist die AMIS-Hüftgelenkoperation. AMIS (Anterior Minimally Invasive Surgery) meint einen muskelschonenden Weg zum Hüftgelenk, ohne dass Muskelgewebe eingeschnitten oder durchtrennt werden muss.

Bei dieser Technik ist das Risiko überaus gering, dass Muskeln, Sehnen, Gefäße oder Nerven verletzt werden, da der Zugang zum Hüftgelenk zwischen jeweils zwei Muskelgruppen und Nervenbereichen hindurchführt. Deshalb eignet sich die AMIS-Methode insbesondere für atraumatische Eingriffe und zur deutlichen Verkürzung der Genesungsphase.

Im Vergleich mit konventionellen Hüftgelenksoperationen verringert sich das Komplikationsrisiko und Patienten haben weitaus weniger Schmerzen. Darüber hinaus reduziert sich der Blutverlust während des Eingriffs.

So gibt es unterschiedliche Verfahrensweisen der minimalinvasiven OP-Methoden. Die Yale-Technik gilt dabei als besonders schonend.

Entwickelt wurde die Yale-Technik, auch 2-Inzisionen-Methode genannt, von dem amerikanischen Professor Jack F. Irving an der Universität Yale. Aus diesem Grund erhielt sie auch den Namen "Yale-Technik". In Deutschland greifen bislang jedoch nur wenige Chirurgen auf diese Methode zurück.

Prinzip der Yale-Technik

Grundlage der Yale-Technik ist eine bessere Sicht auf das Operationsgebiet, also auf die Hüftpfanne und den Oberschenkelschaft. Bei den herkömmlichen Operationsverfahren besteht zum Teil nur eine eingeschränkte bzw. indirekte Sicht auf das Operationsfeld. Zu diesem Zweck werden zwei kleine Hautschnitte von vorne und von hinten vorgenommen, um einen Zugang zum Hüftgelenk zu schaffen.

Dabei umgeht der Operateur schmerzempfindliche Strukturen, die dadurch nicht verletzt werden. Außerdem bleiben Muskelgruppen, die eine wichtige Rolle bei der Funktion der Hüfte spielen, verschont, während man sie bei anderen Methoden vom Knochen ablöst.

Vorteile der der Yale-Technik

Durch die Anwendung der Yale-Technik können die operierten Patienten ihr Gelenk schnell wieder belasten und benötigen nur für wenige Tage eine Gehhilfe. Bei anderen Methoden muss dagegen mehrere Wochen lang auf Gehhilfen zurückgegriffen werden. Erhebliche Unterschiede bestehen auch bei den Schmerzen.

So treten bei einem Viertel aller Patienten, die auf herkömmliche Weise operiert werden, Schmerzen an den Muskelansatzstellen am Oberschenkel auf, was bei den so genannten Yale-Patienten nicht der Fall ist. Darüber hinaus kommt es bei der Yale-Technik seltener zu Komplikationen als bei anderen Verfahren.

Risiken/Komplikationen und Nachsorge, Dauer und Heilung des künstlichen Hüftgelenks

Wie bei jeder Operation können auch bei der Implantation der Hüft-TEP Komplikationen auftreten. Es gelten die allgemeinen Operationsrisiken wie

  • Blutgerinnsel
  • Infektionen
  • Gewebeschäden
  • Nervenschäden und
  • hoher Blutverlust.

Zudem zählen speziell bei dieser Operation auch

  • Verkalkungen
  • Verwachsungen und
  • Knochenneubildung

dazu. Des Weiteren kann sich die Hüft TEP vorzeitig lockern.

Nach der Operation erhält der Patient Physiotherapie. Zwei Wochen später folt die Rehabiliation. Dabei zählen auch gelenkschonende Bewegung und Gewichtskontrolle dazu.

Bis zu einer vollständigen Abheilung der Wunde vergehen 10 Tage; die Fäden werden nach 10 bis 15 Tagen entfernt. Für die Rehabilitation muss mit weiteren drei Wochen gerechnet werden.

Gelenkinfektion: Entzündung nach Hüft-TEP

Während der Heilungsphase bzw. innerhalb der ersten 10 Tage sollte man vermehrt darauf achten, dass sich die Wunde auch richtig verschließt. Ist dies nicht der Fall oder nässt sie zwei bis drei Tage, sollte man die Ursache abklären lassen.

Eine Gelenkinfektion zählt zu den seltenen Komplikationen. Sie zeigt sich auch durch Fieber, Rötungen und Schmerzen.

Symptome einer Lockerung der Hüftprothese

Zu den möglichen Symptomen einer Lockerung der Hüftprothese zählen

  • Klickgeräusche
  • Einsinken des Prothesenschafts
  • ausstrahlende Schmerzen in das Kniegelenk oder die Leiste
  • stechende oder dumpfe Schmerzen im Oberschenkel

Künstliches Hüftgelenk und Sport

Die Dauer der Genesung hängt von zahlreichen Faktoren ab; zu diesen zählen Alter, allgemeiner Gesundheitszustand und Zustand der Muskulatur. Ohne Gehhilfe kommt man in der Regel nach sechs Wochen zurecht. Mit den ersten Sportarten lässt sich durchschnittlich nach vier bis sechs Monaten beginnen.

Innerhalb der ersten drei Monate nach der OP sollte man

  • schweres Tragen oder Heben von Lasten vermeiden
  • das Bein nicht zu stark nach innen drehen oder über 90 Grad abwinkeln
  • die Beine nicht überkreuzen

Kosten und Haltbarkeit des künstlichen Hüftgelenks

Für den Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks muss man mit Kosten zwischen 7.000 und 8.000 Euro. Diese werden von den Krankenkassen übernommen.

Wurde die Operation fachgerecht durchgeführt, spricht man bei der Hüftprothese von einer Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren. Werden abriebarme Stoffe wie keramikbeschichtetes Metall oder Keramik verwendet, kann einer frühen Lockerung vorgebeugt werden.

Die Lebensdauer kann durch folgende Punkte begünstigt werden:

  • eine gute Rehabilitation und Muskelaufbau
  • der Verzicht auf gelenkbelastende Sportarten wie Tennis oder Ski
  • gelenkschonender Sport wie Wandern oder Schwimmen
  • viel Erfahrung des Chirurgen

Geeignete Sportarten für Hüftprothesenträger

Zu den Sportarten, die sich auch bei einem Gelenkersatz eignen, zählen

Ungünstige Sportarten wären

  • Joggen
  • Kampfsport
  • Fußball, Squash und Tennis

Was unterstützt sonst noch die Hüftgesundheit?

Wer unter Hüftgelenkproblemen leidet, kann selbst einiges für die Hüftgesundheit tun. Mit regelmäßigen sportlichen Aktivitäten lässt sich die Implantation eines künstlichen Hüftgelenks häufig jahrelang hinauszögern. Denn ein gewisses Maß an Belastung macht die Gelenkknorpel wieder stabiler und tragfähiger.

Auch die Reduktion von überschüssigen Kilos ist gut für die Hüftgelenke. Es gibt zudem sehr gute Trainingsprogramme für Patienten mit Gelenkverschleiß, die leicht zu Hause durchführbar sind.

Ziel von Rehabilitationsmaßnahmen nach dem Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks ist die Wiederherstellung der Beweglichkeit, damit sich Betroffene wieder sicher beim Gehen fühlen. Nach der Rehabilitation bauen Patienten mit Radfahren oder auf einem Heimtrainer wieder neue Kraft auf.

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  • Hip replacement implant © frog - www.fotolia.de

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