Brustanomalien - wann eine Brustfehlbildung vorliegt und wie diese behandelt wird

Jeder Mensch wächst mit körpereigenen Brüsten auf. Bei ihnen kann es aber im Rahmen der Entwicklung zu Deformationen kommen. Zuweilen entstehen diese durch Launen der Natur, in anderen Fällen liegt eine erbliche Belastung vor. Nicht immer sind medizinische Maßnahmen sinnvoll - zumal sich bei ihnen stets auch die Frage der Kosten stellt. Die Krankenkassen bezahlen eine Therapie nur in schwerwiegenden Fällen seelischer oder körperlicher Beeinträchtigung.

Möglich sind beispielsweise tubuläre Brüste, das Amazonensyndrom oder überzählige Brustwarzen

Was ist eine Fehlbildung?

Gerade im Bereich der männlichen oder weiblichen Brust kann es zu erheblichen Abweichungen in der Größe oder Form der Organe kommen. Sie sind genetisch bedingt oder treten spontan auf - stellen an sich aber keine unnatürliche Erscheinung dar.

Meist werden junge Damen ab dem Alter der Pubertät damit konfrontiert. Demgegenüber lassen sich tatsächliche Fehlbildungen oder doch zumindest die Neigung dazu bereits ab der Geburt erkennen.

Hier sind mehrere Varianten möglich, die zwar nicht immer zu körperlichen Beeinträchtigungen führen, oftmals aber mit seelischen Leiden verbunden sind. Ob und in welchem Maße eine Therapie sinnvoll ist, hängt vom Einzelfall ab.

Tubuläre Brüste

Die häufigste Anomalie bezeichnet die so genannte Schlauchbrust oder Rüsselbrust. Bei ihr ist das Gewebe der unteren Hälfte nur sehr schwach ausgebildet. Es kommt somit zu hängenden, oftmals verflachenden Organen.

In diesem Falle lässt sich der angeborene Defekt durch eine Straffung sowie Korrektur der Brust beheben. Allerdings werden bei der tubulären Fehlbildung insgesamt vier Stadien unterteilt, die bestimmte Schweregrade voneinander trennen. Nicht jeder Eingriff wird somit von der Krankenkasse gefördert, zumal die rein körperlichen Beschwerden nicht in jeder Stufe als gravierend bezeichnet werden können.

In der folgenden Tabelle erhalten Sie einen Überblick über die verschiedenen Stadien der tubulären Brust. Während in Stadium I und II das Einsetzen eines Implantats in der Regel als ausreichend gilt, muss in den Stadien III und IV oftmals zusätzlich eine Straffung und Drüsenkorrektur vorgenommen werden.

SchweregradBrustbasisUnterbrustfalteBrustvolumenHautmantelHängegradWarzenhof
ILeichte Einschnürungseitlich normal, innen leicht angehobennicht wesentlich verändertausreichend, im unteren Teil vermindertkeinenormal
IIIModerate Einschnürungseitlich leicht, innen deutlich angehobenmild bis moderat verkleinertim unteren Teil vermindertleicht bis moderatnormal
IIIDeutliche Einschnürungim gesamten Verlauf deutlich angehobendeutlich verkleinertoben und unten vermindertdeutlichnormal bis vergrößert
IVErhebliche Einschnürungwie IIIwie III, plus Vorfall in Warzenhofwie IIIdeutlichvergrößert, plus Drüsenvorfall

Das Amazonensyndrom

Die auch als Poland-Syndrom bezeichnete Anomalie umschreibt jenen Fall, bei dem beide Brüste eine deutlich voneinander abweichende Größe besitzen. Regelmäßig ist eines der Organe normal ausgeprägt, während das andere stark verringert ausfällt oder gänzlich fehlt. Nicht selten wird daneben beobachtet, dass auf der schwach ausgeprägten Seite ein Befall des Gewebes mit Zysten oder Fetteinlagerungen vorliegt.

Hierbei kann - sofern die Brust vorhanden ist - eine korrigierende Maßnahme eingeleitet werden. Anderenfalls muss eine Rekonstruktion von Grund auf erfolgen. Beide Eingriffe werden operativ vorgenommen und jeweils von der Krankenkasse bezuschusst.

Schlupfwarzen

Bei diesem Defekt ist zumindest eine der beiden Brustwarzen eher gering ausgeprägt. Es erscheint optisch, als sei sie etwas weiter in der Brust zurückgelagert. In einigen Fällen kommt es sogar vor, dass die Warze gänzlich im Gewebe liegt, also gar nicht erst nach außen tritt.

Diese Anomalie geht auf verkürzte Milchgänge zurück und muss operativ behoben werden, gerade im Falle einer Schwangerschaft - das Stillen des Säuglings wäre anderenfalls nicht mehr möglich. Auch hierbei kommt die Krankenkasse für den Eingriff zumindest bei Frauen auf, da diese schwerwiegende Deformation erhebliche körperliche Auswirkungen zeitigt.

Überzählige Brustwarzen

Bereits vor der Geburt des Menschen bilden sich dessen Organe aus. In diesem Rahmen entsteht auch die so genannte Milchleiste, die zur Prägung der Brustwarzen führt. Üblicherweise sollten davon lediglich zwei Stück vorhanden sein.

Aus noch unerforschten Gründen kommt es in einigen Fällen jedoch vor, dass eine dritte Warze sichtbar wird. Diese kann auf einer der Brüste wachsen, lässt sich ansonsten aber in deren Umfeld finden.

Eine solche Anomalie ist nicht gesundheitsschädlich, kann aber das Wohlbefinden beeinträchtigen. Ob ein Eingriff sinnvoll ist, muss daher individuell betrachtet werden - auch hinsichtlich der Kostenübernahme.

Mögliche Formen der Behandlung

Nicht bei allen genannten Anomalien muss unweigerlich eine operative Maßnahme eingeleitet werden. Vielfach sind auch Therapien durch Bestrahlungen oder das Verabreichen von Medikamenten hilfreich.

Zudem sind nur wenige Defekte - und diese lediglich in den schwerwiegenden Stadien - in der Lage, die Gesundheit des Betroffenen zu belasten. Regelmäßig wird zwar eine seelische Auswirkung vorliegen, aber selbst dabei müsste hinterfragt werden, wie einschneidend diese ausfällt.

Einige Patienten gewöhnen sich sogar im Laufe des Lebens an das Anderssein. Daher muss die Frage der Behandlung stets im Einzelfall entschieden werden.

Kostenübernahme der Kassen

Mit der Schwere des Leidens ist stets die Problematik einer Kostenbeteiligung durch die Krankenkassen verbunden. Diese gewährleisten eine Zuzahlung gegenwärtig nur dann, wenn gravierende seelische oder körperliche Folgen der Deformation vorliegen oder absehbar sind.

Hierfür ist es somit nötig, mit dem Arzt sowie der Kasse Gespräche zu führen - in einigen wenigen Fällen wird ebenso ein gesundheitliches Gutachten in Auftrag gegeben. Es lohnt sich daher stets, den Kontakt zur Krankenversicherung aufzunehmen und unverbindlich die Anomalie vorzutragen. Wird auch nicht immer die gesamte Therapie bezuschusst, so kann doch oftmals zumindest eine kleine finanzielle Förderung herausgeschlagen werden.

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