4. August 2009
Von Viola Reinhardt
Der Saal ist dunkel, die Musik beginnt, der Vorhang hebt sich und das Licht geht an. Und da stehen sie: groß gewachsene Männer, muskulös, mit glänzender Haut und vollem Haupthaar, gepflegte Erscheinungen. Vor allem aber sind Stripper eines: mindestens halb nackt. Doch warum genau sind sie so erfolgreich?
Was genau bringt einen Saal voller Frauen dazu, einem wildfremden Mann zuzujubeln, wenn er sich auszieht? Warum sind Strippergruppen wie die Chippendales so erfolgreich? Zum einen sicherlich wegen der Exklusivität. Im Gegensatz zu weiblichen Stripperinnen sind männliche noch relativ selten zu bewundern. Wenn sie auftreten, dann in der Regel nur vor weiblichem Publikum. Männer sind nicht zugelassen. Zum anderen sieht frau nicht jeden Tag schöne Männer, die sich in der Gruppe ausziehen. Oft weiß man gar nicht, wohin man zuerst schauen soll. Und zum Dritten stellen die Männer in Strippergruppen meist Typen dar: den Feuerwehrmann, den Polizisten, den Bauarbeiter. Und damit nicht das, was frau eventuell zu Hause hat: den Beamten, den Versicherungsangestellten oder den Fabrikarbeiter.
Stripper lassen auch so manche Unzulänglichkeit des eigenen Mannes vermissen: das schütterer werdende Haar, die nicht mehr so kräftigen Oberarme und den dafür größer werdenden Bierbauch. Otto-Normalmann ist eben oft eher mit einem Waschbärbauch ausgestattet als mit einem Waschbrettbauch. Und das ist auch normal und richtig so. Die meisten Frauen würden ihren Waschbären mit Bierbauch ungern gegen einen Schönling eintauschen, aber gucken ist erlaubt. Schließlich gucken die Herren der Schöpfung ja auch.
Die Männer, die als Stripper auftreten, stehen darüber hinaus für Kraft, Sex und Fantasie. Alles Dinge, die aus evolutionsbiologischer Sicht wichtig sind für Frauen. Würde der Mann sich einfach aus einem Grubenarbeiter-Outfit pellen, wäre es schon nur noch halb so spannend. Die Körper der Stripper sind Idealbilder. Frauen wollen einen starken Beschützer für die Familie, einen schnellen Jäger für die Versorgung. Dafür stehen muskulöse Typen. Außerdem für gutes Erbmaterial. Dafür steht auch volles Haar und gesunde Haut. Alles, was Gesundheit und Stärke ausstrahlt, ist attraktiv, denn es verheißt ebenso schöne, starke und gesunde Kinder. "Stark und schön" wird auch mit Intelligenz verknüpft, auch wenn es nicht so ist. Und so archaisch dies auch klingen mag: nach einer Stripshow wird frau nach Hause zu ihrem Waschbären gehen und wissen, was sie an ihm hat, auch und gerade, wenn er nicht wie der fleischgewordene Männertraum aussieht.
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