26. März 2009
Von Viola Reinhardt
Liebe ist nicht greifbar und schon gar nicht steuerbar. Es gibt keinen Knopf zum Ein- oder Ausschalten und auch keinen Kalender, in dem man eintragen kann, wann der passende Zeitpunkt zum Verlieben ist. Ein unter Umständen schwerer Konflikt der Gefühle, wenn man in einer Partnerschaft lebt und plötzlich ein anderer Mensch die eigene Gefühlswelt in die Schieflage bringt.

Man ist sich sicher, dass man den Partner heiß und innig liebt und niemals verlieren möchte. Vertrauen, Zuverlässigkeit, Nähe und tiefe Gefühle prägen den Alltag und selbst in schweren Zeiten steht man zueinander. Dass es einmal anders werden könnte, sprengt den eigenen Horizont, denn allein der Gedanke, dass man einmal nicht mehr zusammen ist, ist schon unvorstellbar. Doch oftmals tritt unverhofft ein Mensch in das eigene und beschauliche Leben und wirbelt all diese Gedanken und Gefühle kräftig durcheinander.
Die Schmetterlinge im Bauch wechseln sich ab mit dem schlechten Gewissen im Kopf. Im ersten Moment der Erkenntnis den Kopf dann zu verlieren und dem Partner sofort reinen Wein einzuschenken, wäre allerdings nicht der richtige Weg. Ängste des Verlustes, Spannungen, Streit und Vorwürfe würden sich hier erst einmal breitmachen und für viel Wirbel sorgen, der vielleicht überhaupt nicht nötig ist. Besser ist es zunächst mit einer Freundin oder einem Freund über das fremde Verliebtsein zu sprechen, um den ersten Druck los zu werden.
Ehrlich sein gegenüber sich selbst, ist in dieser ersten Phase des Fremdverliebens ein wichtiger Aspekt, denn kaum ein Mensch verliebt sich in einen anderen, wenn die bestehende Partnerschaft tatsächlich so intakt wäre, wie man es die ganze Zeit über angenommen hat. Fehlt es an gemeinsamer Zeit? Kommen weder liebe Worte noch Anerkennung? Fühlt man sich in der Beziehung einsam? Hier sollte man sich selbst und die Beziehung hinterfragen, denn in den meisten Fällen verliebt man sich trotz bestehender Partnerschaft dann, wenn es unterschwellige Defizite und Konflikte gibt.
Zumeist bietet der oder die Neue genau das, was einem persönlich von dem eigenen Partner fehlt: Aufmerksamkeit, Zärtlichkeit, Interesse und auch Sex. Klarheit gewinnt man nicht in dem man nun die "alte" Beziehung sofort zur Seite wirft und sich in eine neue Partnerschaft begibt, sondern zunächst einmal, in dem man sich zurückzieht und intensiv in sich selbst hineinhört und Fragen nach dem "Vermissen, Sehnsucht und auch Wünsche" beantwortet.
Bei all den Überlegungen sollte man jedoch nicht vergessen die berühmte rosarote Brille abzunehmen, den auch ein neuer Partner wird seine Macken haben und die Beziehung mit der Zeit dem Alltagstrott unterliegen. Lohnt es sich tatsächlich die bewährte und vertraute Beziehung aufzugeben und in ein neues Ungewisses zu gehen? Oder könnte man nicht versuchen aufgrund der chaotischen Gefühlswelt reinen Tisch mit dem eigenen Partner zu machen? Über vermisste Gefühle zu sprechen und die gegenseitigen Wünsche und Erwartungen offen anzusprechen?
Abstand nehmen und sich selbst Zeit geben, all diese Fragen für sich zu beantworten, kann zu einer Entscheidung führen, die aus dem Inneren kommt und schlussendlich die richtige sein wird. Entscheidet man sich für den bisherigen Partner, dann heißt es allerdings Abschied nehmen von dem "Schwarm" und eine neue Beziehungsarbeit zu leisten. Stellt man allerdings fest, dass die Gefühle für den Schwarm deutlich überwiegen, dann sollte man klar Schiff machen und dem Partner das Ende der Beziehung auf eine ruhige Art und Weise beibringen. Fairness und Ehrlichkeit, auch wenn beides wehtun, sind das Mindeste was man seinem Lebenspartner entgegenbringen sollten, denn bei all den neuen Gefühlen sollte man nicht vergessen, dass genau diese Gefühle zu Beginn ebenfalls existiert und die Schmetterlinge im Bauch zum Fliegen gebracht haben.
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