Naturfotografie - Typische Merkmale, Voraussetzungen und Tipps für wirkungsvolle Naturfotos

Fotografie ist mehr, als nur das bloße Bedienen einer Kamera. Dieser Umstand wird einem erst so richtig bewusst, wenn man die Aufnahmen von Laien mit denen von Profis vergleicht. Nur das professionelle Bild hat das Zeug dazu, den Betrachter in seinen Bann zu ziehen und die Ästhetik des Motivs auf Papier für die Ewigkeit zu bannen; ganz besonders groß ist die Faszination bei der Naturfotografie. Lesen Sie, mit welchen typischen Merkmalen man die Naturfotografie in Verbindung bringt, und informieren Sie sich über Voraussetzungen und Tipps für wirkungsvolle Naturfotos.

Die Schönheit der Natur in Bilder fassen - Was die Naturfotografie auszeichnet sowie Tipps und Hinweise für tolle Naturfotos

Die Fotografie wurde erfunden, um Bilder, Eindrücke und Momente für die Ewigkeit festhalten zu können. Wer könnte sich beispielsweise heute noch vorstellen, wie die Menschen im letzten Jahrhundert lebten, wenn es damals nicht schon erste Fotos gegeben hätte, die bis in die Gegenwart erhalten werden konnten. Leider sind wir in den letzten Jahrzehnten nicht gerade zimperlich mit Mutter Natur umgegangen, ein Grund mehr, sie einmal bewusst vor die Linse zu nehmen und für die Nachwelt festzuhalten.

Im Gegensatz zu Videoaufnahmen hat man bei Fotografien die Möglichkeit, ein statisches Bild zu betrachten und so wichtige Details sichtbar zu machen. Im Rahmen der Naturfotografie werden teilweise auch Bilder von Orten geschossen, die durch den Menschen bereits komplett zerstört und vergiftet wurden. Auch solche Aufnahmen sind wichtig, da sie das Bewusstsein der Bevölkerung immer wieder auf die Notwendigkeit eines umfassenden Umweltschutzes lenken.

Merkmale und Voraussetzungen der Naturfotografie

Viele Laien kennen das Problem. Man befindet sich wohl am schönsten Ort der Umwelt, um sich herum nichts als blühende Natur und atemberaubende Landschaften. Doch so sehr man sich auch bemüht, auf den Fotos sieht das entsprechende Motiv einfach nichts sagend und langweilig aus. Da kann einem schnell die Lust am Knipsen vergehen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Arten von Fotografie zeichnet sich die Naturfotografie durch Ruhe und Bedächtigkeit aus. Man denke nur einmal an das bunte Treiben bei einem Shooting für Modeaufnahmen oder ähnliches. Hier werden meist Tausende von Aufnahmen gemacht, der Fotograf gibt Anweisungen und "lenkt" das Model.

Pflanzen, Landschaften und vor allem Tiere lassen sich von einer Kameralinse jedoch wenig beeindrucken. Wer ein gutes Bild schießen möchte, kann nicht einfach den Reflektor verschieben oder die Beleuchtung ändern. Auch Fuchs und Hase wenden dem Fotografen sicherlich nicht ihre Schokoladenseite zu, nur weil dieser danach verlangt.

Viele Motive, die der Naturfotograf vor die Linse bekommt, landen später in Fachbüchern oder Zeitschriften. Ihnen ist es zu verdanken, dass auch der Laie genau beschreiben kann, wie beispielsweise ein Laubfrosch aussieht, obwohl er ihn noch nie zuvor gesehen kann.

Geduld steht an oberster Stelle

Naturfotografen müssen sich jedes Mal auf's Neue in Geduld üben. Warten, bis die störende Wolke verschwunden ist oder bis sich das Rotkehlchen wieder aus seinem Nest traut. Was sich nervenaufreibend anhört, hat jedoch auch einen meditativen Aspekt, den viele Naturfotografen an ihrem Metier schätzen.

Naturfotografie erfordert viel Geduld auf den perfekten Augenblick
Naturfotografie erfordert viel Geduld auf den perfekten Augenblick

Wahres Können

Eine weitere Besonderheit der Naturfotografie ist der Umstand, dass sich hier wahres Können zeigt. Nimmt man wieder das Beispiel mit den Modefotos als Vergleich heran, so wird schnell klar, dass man hier bestens "schummeln" kann. Ein gutes Team und ein professionelles Model können viele Patzer des Fotografen ausgleichen.

Naturfotografen sind meist allein unterwegs um möglichst wenig störende Geräusche zu machen
Naturfotografen sind meist allein unterwegs um möglichst wenig störende Geräusche zu machen

Als Naturfotograf ist man jedoch meist allein unterwegs; so hat man besonders bei der Tierfotografie die größten Chancen auf eine gute Aufnahme. Damit der Tag mit einer guten Ausbeute endet, muss der Fotograf ein ausgereiftes Gespür für Lichtverhältnisse, Wind und Komposition haben.

Möchte man nicht nur Pflanzen und Landschaften ablichten, so benötigt man darüber hinaus ein umfassendes Wissen darüber, welche Tiere sich zu welcher Tageszeit wo aufhalten und wie man sich am besten verhält, ohne sie zu verschrecken. Auch in Sachen Kameraeinstellungen darf man sich keine Patzer erlauben, wenn man im Zwielicht einen kleinen Fuchs in Großaufnahme ablichten möchte.

Die richtige Ausrüstung

Wer schöne Naturfotos machen möchte, braucht nicht nur das nötige Know-how, sondern auch eine entsprechende Ausrüstung. Nur mit den richtigen Objektiven und Einstellungen schafft man es, einem Motiv Seele und Lebendigkeit zu verleihen. Dann wirkt auch die schöne Blume auf dem Bild genauso hübsch wie in natura.

Die passende Kamera mit verschiedenen Objektiven ist nötig für gute Fotos
Die passende Kamera mit verschiedenen Objektiven ist nötig für gute Fotos

Lichtverhältnisse

Eine besondere Herausforderung ist auch das richtige Einfangen von Lichtverhältnissen. Es gibt wohl nichts Schöneres als einen Sonnenuntergang, bei dem der Himmel in den verschiedensten Farben zu leuchten scheint. Doch versucht man, solch einen Augenblick festzuhalten, hat man auf dem fertigen Bild später entweder nur durchdringende Schwärze oder aber einen seltsam grauen Horizont, der so gar nicht zu den dazugehörigen Erinnerungen passen will.

Das Einfangen der perfekten Lichtverhältnisse ist sehr schwierig
Das Einfangen der perfekten Lichtverhältnisse ist sehr schwierig

Die Praxis: Tipps zum Schießen wirkungsvoller Naturfotos

Wer kennt sie nicht, die Wildlife-Kalender, die mit Vorliebe zur Weihnachtszeit verschenkt werden. Die einzelnen Blätter zeigen meist atemberaubende Naturfotos von rauschenden Wasserfällen und Raubtieren, die gerade zum Sprung auf ihre Beute ansetzen.

Gut gemachte Naturfotos sind voller Bewegung; der Betrachter hat den Eindruck, als wäre er live dabei. Um eine derartige Lebendigkeit zu erreichen, braucht es jedoch einiges an Know-How und Übung.

Für gute Naturfotos braucht es etwas Übung und Know-How
Für gute Naturfotos braucht es etwas Übung und Know-How

Viel Zeit mitbringen

Eigentlich ist es eine Selbstverständlichkeit, dennoch ignorieren viele Amateure die goldene Regel der Naturfotografie. Wer Natur auf Film oder Speicherchip einfangen will, der muss auch so viel Zeit wie möglich draußen verbringen.

Ein kurzer Spaziergang durch den Park reicht eben einfach nicht aus, um genügend lohnenswerte Motive ausfindig zu machen. Wer sich damit zufrieden gibt, wird wohl nicht viel mehr als ein paar Schnappschüsse ernten.

Hat man ein Motiv gefunden, so wird die Geduld des Fotografen erst richtig auf die Probe gestellt. Einfach Abdrücken bringt vielleicht eine nette Aufnahme für's Familienalbum, gute Naturfotos schießt man hingegen nur mit einem leichten Hang zum Perfektionismus. Die richtige Perspektive sowie die optimale Kameraeinstellung zu finden kann natürlich ein zeitraubendes Unterfangen sein, dafür darf man sich später über gelungene Bilder freuen.

Die richtige Location

Extreme Witterungsverhältnisse sollten von Anfängern gemieden werden
Extreme Witterungsverhältnisse sollten von Anfängern gemieden werden

Besonders Einsteiger im Bereich der Naturfotografie sollten sich Gedanken über den passenden Ort machen. Dieser bringt verschiedenste Umweltbedingungen mit sich und somit auch diverse Anfoderungen an den Fotografen.

Natürlich ist es schön, wenn man beeindruckende Bilder des morgendlichen Nebels im Wald oder eines rauschenden Wasserfalls schießen kann. Doch Extreme wie Feuchtigkeit, Hitze, Sand, Staub oder Kälte sollten Anfänger zunächst meiden und stattdessen vor der Haustür anzufangen und in den nächstgelegenen Park zu spazieren.

Tipps zum Fotografieren von Tieren

Beim Fotografieren von Tieren ist es wichtig, stets auf die Augen zu fokussieren und sich, wenn möglich, auf Augenhöhe mit dem Motiv zu begeben. So wird die Aufnahme später lebendig und fängt das ganze Wesen des Tieres ein. Denn auch, wenn es viele nicht glauben mögen: auch unsere vierbeinigen und gefiederten Freunde haben verschiedene Gesichtsausdrücke.

Damit man bei der Tierfotografie überhaupt nah genug an sein Motiv herankommt, lohnt es sich, verschiedene Sachbücher zu Rate zu ziehen. Ein guter Fotograf weiß nämlich nicht nur, wie er sein Equipment richtig einsetzt, er weiß auch, zu welcher Tageszeit er sein Motiv höchstwahrscheinlich antrifft und was zu tun ist, um es möglichst nicht zu verschrecken und damit in die Flucht zu schlagen.

Zum Einstieg in den Zoo

Wer sich zum ersten Mal in der Tierfotografie versucht, sollte mal darüber nachdenken, seine ersten Schnappschüsse im Zoo zu machen. Hier kann man die Tiere in Ruhe beobachten und sich ihre Angewohnheiten anschauen.

Übungsmotive findet man hier in ausreichender Menge. Zudem sind die Tiere eines Zoos in der Regel an Besucher gewöhnt und verstecken sich nicht gleich, wenn man sich ihnen nähert. Detailliertere Informationen zum Thema Tierfotografie erhalten Sie hier.

Ein paar Worte zur technischen Ausstattung

Vermutlich wird man zu allererst Landschaftsbilder anfertigen, bevor man sich an die Details wie einzelne Blüten, Grashalme oder Blätter heranwagt. Nähert man sich diesem Schritt, sollte man über die Anschaffung eines Makroobjektivs nachdenken - dies wird spätestens beim Ablichten von Insekten von Nöten sein.

Teleobjektive wiederum sind notwendig, um aus einer weiteren Entfernung zu fotografieren. Als Richtwert gilt ein Anfangsmaß von 200mm. Das Objektiv sollte lichtstark sein und einen Bildstabilisator aufweisen.

Und schließlich ist auch ein Stativ zu empfehlen. Besonders in der Tierfotografie wird man schnell merken, dass man auch schon mal lange in einer Position ausharren muss, bis das gewünschte Objekt einem endlich vor die Linse läuft - eine ruhige Hand wird man auf Dauer ohne die richtige Unterstützung nicht erzielen können.

Das richtige Licht

Nicht immer ist das Licht ausreichend, gerade, wenn man ein Objekt aus der Nähe fotografieren möchte. Handelt es sich bei diesem beispielsweise um eine Pflanze, kann es auch sein, dass diese durch höhere Gewächse beschattet wird. Im letzteren Fall kann es mitunter auch hilfreich sein, das Motiv zusätzlich abzuschatten; dies gelingt durch einen Reflektor mit passendem Bezug für das Abdunkeln.

Für mehr Helligkeit greifen viele Menschen auf den Blitz zurück. Hierbei können überbelichtete Stellen auftreten, wenn die Entfernung kurz ist. Mithilfe des entfesselten Blitzes wählt man die Variante der räumlichen Trennung: Der Blitz kann etwa hinten platziert werden, was teils auch besondere Effekte möglich macht.

Quellen:

  • Fritz Pölking: Digitale Naturfotografie in der Praxis: Der Workflow für Naturfotografen.Das grosse Abenteuer im Kreislauf des Jahres, Kilda-Verlag, 2006, ISBN 3889492029
  • Almut Adler: Natur sehen - Der Landschaftsfotokurs: Licht, Perspektive, Panorama, Nahaufnahme, Addison-Wesley, München, 2008, ISBN 3827327059
  • Markus Mauthe: Workshop NaturFotografie: Der Weg zum perfekten Bild, Bucher, München, 2009, ISBN 376581721X

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