28. August 2008
Von Tanja Tasci
Eine kürzlich in Koblenz durchgeführte Studie unter Teenagern kommt zu einem erschreckenden Ergebnis: Jeder zehnte Teenager ist süchtig nach Computerspielen, bei manchen zeigen sich sogar körperliche Entzugserscheinungen.

Computerspieler in einem Internetcafe
Ganz oben auf der Liste stehen Adventure-Spiele – für die Kids ist es entspannend, aus dem Alltag in andere Welten zu fliehen, sich in einer virtuellen Welt zurückzuziehen und dort eine andere Persönlichkeit anzunehmen. Diese Flucht aus dem Alltag ist alles andere als unbedenklich, zeigt sie doch deutlich, dass ein Großteil der Jugendlichen mit der wirklichen Welt auf Dauer einfach nicht mehr zurechtkommt oder total überfordert ist. Auf Dauer geht dabei aber mit Sicherheit der Realitätsbezug verloren. Am erschreckendsten ist aber vermutlich, dass manche Jugendliche bereits an körperlichen Entzugserscheinungen wie Nervosität, Zittern, Gereiztheit und Depressionen zu leiden beginnen, sobald ihnen der Zugang zum PC versagt bleibt.
Die Eltern stehen diesen Dingen meist eher ratlos gegenüber, man findet sich einfach damit ab, und weiß in den meisten Fällen eigentlich gar nicht so genau, was die Sprösslinge da vor dem PC eigentlich überhaupt machen. Mit der Kommunikation in den Familien steht es da wohl auch nicht zum Besten – die Abwechslung besteht da vermutlich hauptsächlich in gemeinsam schweigendem Fernsehen und totalem Rückzug. Hier muss schon einmal auch an die Verantwortung appelliert werden, die Elternschaft nun einmal mit sich bringt. Je mehr sich Eltern am Tun ihrer Kinder interessiert zeigen, desto weniger besteht eine akute Suchtgefahr. Die Kinder sind damit ja in die gemeinsame Welt der Familie mit eingebunden, die ein Gefühl von Sicherheit und auch Identität vermittelt – und damit den Rückzug in eine virtuelle Fantasie-Welt nicht mehr unbedingt nötig macht. Psychologisch gesehen sind solche virtuellen Welten auch viel zu oberflächlich, um als Pendant zum wirklichen Leben angesehen werden zu können: die Handlungsmuster, die den Figuren in solchen Spielen zur Verfügung stehen, sind vorgegeben und extrem begrenzt – eine Möglichkeit, wirkliche Gefühle auszuleben besteht dabei nicht, was dazu führt, dass auch die persönlichen Handlungsmuster in der wirklichen Welt verloren gehen und sich die Persönlichkeit zunehmend "abflacht". Die Verantwortung, hier ein Gegengewicht zu schaffen, liegt eindeutig bei den Eltern.
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