12. Oktober 2009
Von Viola Reinhardt
In der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober 2009 ist es wieder so weit: Um 3:00 Uhr morgens wird die Zeit zurückgestellt auf 2:00 Uhr. Endlich bekommen wir wieder, was wir im März unter Aufopferung unserer wertvollen Schlafzeit hergeben mussten: Eine Stunde unserer gesegneten Freizeit!
Seltsamerweise hat sich noch nie jemand die Frage gestellt, ob wir mit dieser Aktion nicht irgendwie übervorteilt werden. Wenn wir beispielsweise im März jemandem Geld leihen, und es im Oktober wieder bekommen, dann ist es zu dem Zeitpunkt jedenfalls weniger wert. Diesem Umstand und natürlich der Tatsache wegen, dass unser Freund in der Zwischenzeit mit dem Geld arbeiten kann, verlangen wir Zinsen. Wie aber ist es denn mit unserer Zeit? Was ist eine Stunde unserer Freizeit wert?
Das Bruttoinlandsprodukt betrug im Jahr 2008 rund 2500 Milliarden Euro. Das sind rund 6,8 Milliarden Euro am Tag und damit rund 280 Millionen Euro in der Stunde. 280 Millionen Euro also. Natürlich arbeitet so gut wie niemand in der Stunde zwischen 2:00 Uhr und 3:00 Uhr nachts, aber gemessen am ganzen Tag mit 24 Stunden, steigt die relative Produktivität innerhalb dieses Zeitraums am Tag der Zeitumstellung im März um diesen Betrag an.
Schauen wir dann, was wir im Monat Oktober zurückbekommen, denn durch die Geldentwertung ist ja eine Stunde im Oktober weniger wert als eine im März. Im Jahr 2008 lag die Geldentwertung bei ca. 2,6% im Jahr, das entspricht also ungefähr 1,5% in sieben Monaten. Die Stunde Freizeit, die wir im Oktober zurück erhalten, ist daher, rein rechnerisch, bereits nur noch 275,8 Millionen Euro wert. Die Differenz von 4,2 Millionen Euro ist unser persönliches Geschenk an die Volkswirtschaft – erkauft durch den Verzicht auf eine Stunde Schlaf! Denn ansonsten müssten wir, wenn wir unsere Stunde im Oktober zurückerhalten, knapp eine Minute dazu kriegen. Was würde dazu wohl die Atomuhr in Brüssel sagen?
Wenn wir uns also am Sonntag, den 25. Oktober 2009, noch einmal genüsslich im Bett umdrehen und eine Stunde länger schlafen dürfen, dann können wir uns zugleich darüber freuen, damit auch noch ein gutes Werk getan und unsere Volkswirtschaft um immerhin 4,2 Millionen Euro bereichert zu haben.
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