Gruppenzwang unter Jugendlichen - Ursachen und Motive

Jugendlicher setzt Bierflasche zum Trinken an

Gruppenzwang unter Teenagern: Folgen und Tipps für Eltern

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  • von Paradisi-Redaktion

Gruppenzwang unter Jugendlichen ist ein weit verbreitetes Problem. Dabei werden Meinung, ein bestimmtes Verhalten oder Aussehen innerhalb einer Gruppe angenommen, um auf diese Weise von anderen akzeptiert zu werden. Häufig geht es dabei Kleidung, Rauchen oder Alkohol. Für dieses Verhalten gibt es unterschiedliche Motive und Ursachen. Eltern sollten wissen, wie sie damit am besten umgehen. Lesen Sie über Ursachen und Motive des Gruppenzwangs unter Jugendlichen, und holen Sie sich Tipps, um damit umzugehen.

Spricht man von Gruppenzwang, ist damit gemeint, dass eine Person ihre individuelle Meinung der Meinung der Mehrheit in einer Gruppe unterordnet und ihr Verhalten an die anderen Gruppenmitglieder anpasst. Häufig haben Betroffen ein geringes Selbstwertgefühl und Angst, ausgeschlossen zu werden, wenn sie nach eigenem Ermessen handeln oder eine gegenteilige Meinung äußern.

Gruppenzwang unter Jugendlichen

Gruppenzwang besteht häufig in der Jugendzeit. Um sich den anderen in einer Gruppe anzupassen und nicht negativ aufzufallen,

  • trägt man dieselbe Kleidung wie die anderen
  • vertritt dieselben Ansichten oder
  • raucht und trinkt Alkohol, weil es die anderen auch machen und cool finden.

Meist bemerken die Jugendlichen den Gruppenzwang gar nicht. So nehmen sie die Meinung der anderen eher unbewusst als die eigene Meinung an.

Es gibt aber durchaus Fälle, in denen der Druck aus einer Gruppe bewusst wahrgenommen wird. So möchte man zum Beispiel gar nicht rauchen oder übermäßig Alkohol trinken, weil einem dieses Verhalten im Grunde genommen gar nicht gefällt. Dennoch tut man es, um sich an den Rest der Gruppe anzupassen und nicht negativ aufzufallen.

Zu Gruppenzwang kann es auch bei Diskussionen kommen. So fürchten sich manche Menschen, ihre eigene Meinung zu vertreten, obwohl sie deutlich von der Meinung der Mehrheit der Gruppe abweicht. Da sie jedoch Angst davor haben, ihre Ansichten könnten den anderen missfallen, halten sie sich lieber aus einer Debatte heraus oder übernehmen die Meinung der anderen, um sich bei diesen beliebt zu machen.

Den meisten Menschen gelingt es mit zunehmendem Alter, Gruppenzwänge hinter sich zu lassen und ihre eigene Meinung zu vertreten. In manchen Fällen schaffen es die Betroffenen jedoch nicht, sich dem Gefühl, einem Gruppenzwang zu unterliegen, zu entziehen. Viele Betroffene leiden darunter ihr Leben lang und würden lieber ihre eigene Meinung vertreten.

Der Zwang sich der Gruppe anzupassen
Der Zwang sich der Gruppe anzupassen

Mögliche Ursachen

Die Ursachen für Gruppenzwang liegen meist im mangelndem Selbstbewusstsein der Betroffenen. Jugendliche suchen oftmals nach neuen Kontakten oder Freundschaften mit Gleichgesinnten, da sie sich von den Eltern zunehmend entfernen.

Der Freundeskreis oder die Clique sind für sie so etwas wie eine Ersatzfamilie, bei der sie sich geborgen fühlen. Aus Angst, diese Geborgenheit wieder zu verlieren und womöglich nicht mehr zur Gruppe dazu zu gehören, neigen Jugendliche mit einem schwachen Selbstbewusstsein dazu, sich unterzuordnen.

Als Teenager einer Clique anzugehören, ist völlig normal. Wenn alles gutläuft, handelt es sich dabei um einen Freundeskreis, in dem Gruppenzwang keine Rolle spielt. Auch hier gibt es natürlich Ähnlichkeiten, was bestimmte Interessen angeht - unter Druck gesetzt fühlen sollte sich aber niemand, sondern so angenommen werden, wie er ist.

Doch dies ist nicht immer der Fall, und um den Gruppenfrieden zu wahren, spielt der Konformitätsdruck häufiger eine Rolle, als man meinen mag. Solang sich alle einig sind, gibt es keine Probleme; einen Streit riskieren möchte man unter keinen Umständen.

Im Vordergrund steht somit das Bedürfnis, dazu zu gehören. Insbesondere Kinder und Jugendliche brauchen das Gefühl, gebraucht zu werden; sie fühlen sich geborgen, sicher und verstanden.

Jugendlicher wird von Gruppe von Jungendlichen ausgeschlossen und ausgelacht
Jugendlicher wird von Gruppe von Jungendlichen ausgeschlossen und ausgelacht

Tipps, um sich aus dem Gruppenzwang zu lösen

Die Jugendlichen sollten dabei jedoch verstehen, wie wichtig es ist, eine eigene Meinung zu haben und auch hinter dieser zu stehen. Entscheidend ist somit in erster Linie, das Selbstbewusstsein der Betroffenen zu stärken, damit sie in der Lage sind, dem Gruppenzwang zu widerstehen.

Generell gilt: Teil einer Gruppe zu sein, ist wichtig. Eltern sollten ihrem Nachwuchs daher ausreichend Zeit geben, die sie mit ihren Freunden verbringen können. In erster Linie sollte man die Gruppe als Bereicherung statt mögliche Gefahr ansehen.

Mit ihren Freunden können Kinder und Teenager über Probleme sprechen und dadurch auch gewisse Belastungen abwerfen. Zunächst einmal sollte man seinem Kind bei der Wahl der Freunde vertrauen.

Es wird sich zudem zuhause besonders wohlfühlen, wenn man nicht zu viel autoritären Druck ausübt, denn wenn dem so ist, kann es sein, dass Sohn oder Tochter das Treffen mit den Freunden als Flucht aus dem Elternhaus ansieht - dies erhöht das Risiko, dass er oder sie auf die "schiefe Bahn" geraten.

Generell ist es wichtig, regelmäßig mit seinem Kind zu sprechen, um herauszufinden, ob es sich tatsächlich in der Gruppe wohlfühlt, und ob eventuelle Gefahren drohen könnten, in der Form, dass es etwas macht, was es später bereuen könnte.

Nun kann es entweder der Fall sein, dass der/die Jugendliche weiß, dass der Gruppenzwang ihm/ihr schadet, und die Hilfe der Eltern dankend annimmt, um aus dieser Situation herauszukommen. Oder aber es ist so, dass der Teenager die Situation als richtig erachtet; dann gilt es als Elternteil, Überzeugungsarbeit zu leisten.

Eltern sollten ihrem Nachwuchs versuchen klarzumachen, dass das, was die Mehrheit macht, nicht immer gut und richtig sein muss. Wenn es um Punkte geht, die gesundheitsgefährdend sind, etwa Rauchen oder Alkoholkonsum, so sind diese natürlich nicht diskutierbar - im schlimmsten Fall muss man den Kontakt zu den anderen Gruppenmitgliedern konsequent abbrechen.

Wichtig ist auch, dem Kind die Sorge zu nehmen, dass es möglicherweise gemobbt werden könnte, wenn es sich nicht so verhält, wie von ihm verlangt wird. Denn natürlich muss es nicht dazu kommen. Rückgrat zeigen lautet die Devise - ein Aspekt, der auch im späteren Leben immer wieder wichtig sein kann.

Ein Gruppenzwang kann zu einer großen Belastung werden. Wenn der Jugendliche oder das Kind es aber schaffen, sich diesem zu widersetzen, können sie umso gestärkter aus der Sache herausgehen. Letzendlich sollte der Nachwuchs lernen zu erkennen, wann es sich um wahre Freunde handelt, und wann es besser ist, Menschen den Rücken zuzukehren.

Immer mehr Mädchen greifen wegen Gruppenzwang zur Gewalt

Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren werden immer gewalttätiger. Das berichtet die Apotheken Umschau unter Berufung auf das Bundeskriminalamt.

Die Zahl der aktenkundigen Fälle stieg demnach in den vergangenen zehn Jahren um rund 20 Prozent. Vor allem junge Frauen aus sozial schwachem Umfeld prügeln sich – aus Langeweile oder Gruppenzwang und um ihr Selbstwertgefühl zu heben.

Schon im Kindergarten gibt es Gruppenzwang

Schon kleine Kinder schließen sich lieber der Mehrheitsmeinung an

Kind mit Buch über dem Kopf
kind mit buch 6 © A. Jüttner-Lohmann - www.fotolia.de

Wissenschaftler der Max-Planck-Gesellschaft für evolutionäre Anthropologie aus Leipzig fanden heraus, dass es bereits bei Vorschulkindern einen erheblichen Gruppenzwang gibt. Die Kinder passen sich der Gruppenmehrheit an, auch wenn es sich dabei um gegensätzliche Meinungen handelt.

Die Mehrheitsmeinung

Bei der Untersuchung wurden 96 Vorschulkindern Bücher gezeigt. Von vier Kindern, denen anscheinend identische Bilderbücher gegeben wurden, bekam eines ein Buch, das sich von den anderen unterschied. Es zeigte an manchen Stellen unterschiedliche Bilder. Beschrieben nun die Kinder, was sie sahen, schlossen sich 18 von 24 Kindern der Mehrheitsmeinung an, obwohl sie ganz andere Abbildungen hatten.

Einfluss in frühen Jahren

Bei einem weiteren Test wurde untersucht, ob ein Unterschied besteht, wenn eine Meinung von den anderen laut verkündet wurde oder nur still angezeigt wurde. 12 Kinder schlossen sich den anderen an, wenn diese ihre Ergebnisse laut sagten. Beim stillen Zeigen waren es nur 8 von 18 Kindern. Das zeigt, dass selbst in diesem frühen Alter ein sozialer Gruppenzwang das eigene Verhalten beeinflusst.

Grundinformationen und Hinweise zu Gruppenzwang

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: ado buvant de la bière 1 © Eléonore H - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: group of teenagers © Tomasz Trojanowski - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: outcast © Tomasz Trojanowski - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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