1. Mai 2009
Von Viola Reinhardt
Es ist die Tätigkeit, die weder einen Lohn erhält noch einen Anspruch auf Urlaub inne hat und 365 Tage im Jahr rundum die Uhr Schwerstarbeit abverlangt. Jede Menge Pflichten und ein hohes Maß an Anforderungen werden auch heute an die Mütter gestellt. Nun ist es wieder so weit: Am 10. Mai findet wieder ein Muttertag statt, aber viele Frauen empfinden diesen in den USA erfundenen Ehrentag als puren Hohn.

Mütter sind immer da, haben für alles und jeden Verständnis, kümmern und sorgen sich auch weit nach dem 18. Geburtstag ihres Nachwuchses um diesen und üben sich im Verzichten ebenso als auch in der Perfektionierung als "Familienmanagerin". Einmal im Jahr wird ihrer gedacht und gedankt. Blümchen werden gekauft oder gesammelt, Bilder gemalt und Herztorten geschenkt. Schön. Nett. Erfreulich. Aber was ist mit den restlichen 364 Tagen des Jahres? Sollte nicht jeder Tag ein bisschen "Muttertag" sein? Viele Frauen können sich über diesen jährlichen Ehrentag nicht wirklich freuen, denn was bringt es einer Mutter, wenn sie einmal im Jahr einen gedeckten Tisch vorfindet, dagegen allerdings die restliche Zeit des Jahres sich als Putzfrau fühlt, die allen hinterher räumt und oft auch kein Dankeschön zu hören bekommt?
Manchmal scheint es tatsächlich so zu sein, dass sich der Muttertag zu einem reinen Konsumtag entwickelt hat, der zwar vielen Geschäfte ein Plus in die Kassen spielt, aber den Müttern mehr das Gefühl vermittelt verspottet zu werden. Anerkennung für das ständige Da-Sein ist etwas, dass Mütter täglich brauchen. Es ist nicht selbstverständlich, wenn eine Frau sich angesichts der Ehe und des Mutterwerdens gänzlich in ihren Bedürfnissen zurücknimmt, um ihren Lieben ein gesundes und bequemes Leben zu ermöglichen. Dabei kann es für Kinder und auch Partner (viele kaufen nicht nur der eigenen Mutter Pralinen und Blumen, sondern auch der eigenen Partnerin) so einfach sein die Mutter fühlen zu lassen wie wichtig sie für die Familie ist. Und es muss nicht immer ein Konsumgut sein, das diese Anerkennung und Liebe zum Ausdruck bringt.
Täglich ein Lächeln und ein ehrliches Danke, zwei, drei Blümchen auf dem Nachhauseweg am Wegesrand gepflückt, unaufgefordert den Tisch decken, Kochen, Spülen oder die Wäsche machen oder auch spontan der Mutter für einen Tag "frei geben", zeigen einer Frau, dass man sie tatsächlich liebt und ihr Tun für wichtig und wertvoll erachtet. Achtet, ja, achtet und nicht mit den Füßen tritt, so etwa unter dem Motto "schön du bist hier, aber den Dreck kannst du selber weg machen".
Auch eine Mutter braucht regelmäßig anerkennende Wort um motiviert zu sein. Zumal sie selbst in der Werbung und in der Gesellschaft inzwischen zur Familienmanagerin mutiert ist. Nur leider nicht mit einer jährlichen Gratifikation, einer Luxuskarosse und Aufstiegchancen. Im Gegenteil, denn hat eine Mutter irgendwann ihren Part beendet, dann zeigt sich oft der Weg der Einsamkeit und der Armut, denn Mutter hat ausgedient, ist unbequem geworden und man hat keine Zeit für sie. In diesem Sinne allen Müttern einen schönen Muttertag – 365 Tage im Jahr.
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