24. Juli 2009
Von Viola Reinhardt
Öffentliches Bloßstellen vor den Kollegen, unterstellte Fehler, haufenweise Arbeit, die einer allein nicht bewältigen kann, der Entzug von Projekten – alles, was ein Chef tun kann, um einen Mitarbeiter aus dem Betrieb zu ekeln, wird unter dem Begriff "Bossing" zusammengefasst. Das Schlimmste daran ist: der Betroffene hat kaum eine Chance, dagegen anzugehen.
Natürlich sind auch Chefs nur Menschen und haben mal einen schlechten Tag, an dem sie ihre Laune an ihren Angestellten auslassen. Wenn dies jedoch Methode hat, ist es Bossing, also Mobbing durch den Chef. Im Gegensatz zum klassischen Mobbing, das unter Kollegen ein leider immer öfter auftretendes Problem ist, hat der Betroffene beim Bossing kaum eine Chance, sich zu wehren. Lediglich in Betrieben, in denen der Chef selbst noch einen Vorgesetzten hat, gibt es Möglichkeiten, dagegen vorzugehen. Dann kann man sich als Opfer an den Betriebsrat und weitergehend an den Vorgesetzten wenden. Doch auch dann ist oft leider so, dass nicht der Chef ausgetauscht wird. Im besten Fall wird man hier wahrscheinlich gute Kündigungsbedingungen und eventuell eine Abfindung herausholen können.
Von Depressionen über Angststörungen bis hin zum Selbstmord reichen die Folgen beim Bossing. Wenn der Chef einen Angestellten über Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre hin mobbt, ist meist auch der Rückhalt unter den Kollegen nicht mehr gegeben. Denn der Chef ist nun einmal der Vorgesetzte und wenn er "bosst", setzt er alles daran, das Opfer vor den anderen Mitarbeitern unmöglich zu machen. Oft signalisiert er auch, dass derjenige "zum Abschuss" freigegeben ist, dass also auch alle anderen ihn mobben "dürfen".
Bossing hat viele Gesichter. Es beginnt vielleicht ganz harmlos mit demütigenden Witzen im Meeting, geht weiter über den Entzug eigener Projekte. Oder der Mitarbeiter wird mit so viel Arbeit überschüttet, dass er nicht mehr weiß wo ihm der Kopf steht. Manchmal ändert auch der Boss einfach die Regeln des Arbeitens, ohne jedoch den Betroffenen darüber in Kenntnis zu setzen. Arbeitet dieser weiter wie immer, gibt es wieder einen Grund, ihn zu kritisieren. Warum Chefs bossen, hat unterschiedliche Gründe. Manche haben einfach Spaß daran, andere zu quälen. Oder sie sind gelangweilt oder haben selbst ein geringes Selbstwertgefühl. Oft trifft Bossing besonders fleißige, kluge und kreative Mitarbeiter, da sie eine gefühlte Bedrohung für den Chef darstellen. Warum? Weil es für einen Chef nichts Schlimmeres gibt als das, wenn ein Mitarbeiter besser ist als er selbst.
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