Bossing am Arbeitsplatz - Wenn der Boss selbst mobbt

Geschäftsmann mit Akten verlässt verärgert den Raum, im Hintergrund Chefin, zeigt zur Tür

Bossing erkennen und dagegen angehen

  • ,
  • von Paradisi-Redaktion

Öffentliches Bloßstellen vor den Kollegen, unterstellte Fehler, haufenweise Arbeit, die einer allein nicht bewältigen kann, der Entzug von Projekten – alles, was ein Chef tun kann, um einen Mitarbeiter aus dem Betrieb zu ekeln, wird unter dem Begriff "Bossing" zusammengefasst. Das Schlimmste daran ist: der Betroffene hat kaum eine Chance, gegen das Mobbing durch den Chef anzugehen. Lesen Sie, wodurch sich Bossing auszeichnet, welche Gründe dahinterstecken können und wie Sie als Arbeitnehmer und Mobbingopfer am besten darauf reagieren.

Natürlich sind auch Chefs nur Menschen und haben mal einen schlechten Tag, an dem sie ihre Laune an ihren Angestellten auslassen. Wenn dies jedoch Methode hat, ist es Bossing, also Mobbing durch den Chef. Im Gegensatz zum klassischen Mobbing, das unter Kollegen ein leider immer öfter auftretendes Problem ist, hat der Betroffene beim Bossing kaum eine Chance, sich zu wehren.

Lediglich in Betrieben, in denen der Chef selbst noch einen Vorgesetzten hat, gibt es Möglichkeiten, dagegen vorzugehen. Dann kann man sich als Opfer an den Betriebsrat und weitergehend an den Vorgesetzten wenden.

Doch auch dann ist oft leider so, dass nicht der Chef ausgetauscht wird. Im besten Fall wird man hier wahrscheinlich gute Kündigungsbedingungen und eventuell eine Abfindung herausholen können.

Merkmale des Bossings

Bossing lässt sich somit als eine spezielle Variante des Mobbings definieren. Es findet ausschließlich zwischen Mitarbeiter und Arbeitgeber statt. In der Regel kommt es dabei immer wieder zu Bossing-Attacken, welche keineswegs auf eine friedliche Einigung hinauslaufen.

Beim Vergleich zwischen Mobbing und Bossing ist entscheidend, dass das Bossingopfer der mobbenden Person untergeordnet ist und nicht über die gleiche Macht verfügt, sich dagegen zu wehren. Dieser Umstand macht die Situation für den Arbeitnehmer besonders problematisch und ist eine der typischen Eigenschaften des Bossings:

  1. Hierarchie: das Bossingopfer hat deutlich weniger Macht
  2. Wiederholung: das Bossing stellt keinen einmaligen Vorfall dar, sondern erfolgt über einen längeren Zeitraum
  3. Systematik: Die Bossingschikane erfolgt zielgerichtet, systematisch

Ziel ist eine systematische Einschüchterung des Mitarbeiters, um sie schließlich aus dem Betrieb zu drängen. Oftmals handelt es sich um Angestellte mit starkem Kündigungsschutz, um sie zum Gehen zu bringen.

Wenn der Vorgesetzte den Mitarbeitenden schikaniert
Wenn der Vorgesetzte den Mitarbeitenden schikaniert

Es gibt zum einen das Bossing auf Arbeitsebene; typisch sind

  • nicht zu bewältigende oder sinnlose Aufgaben
  • Manipulierungen oder das Unterschlagen von Arbeitsergebnissen
  • öffentliche und/oder unsachliche Kritikäußerungen an Arbeitsergebnissen
  • kleinliche Kontrollen des Mitarbeiters
  • der gezielte Entzug von Informationen oder Privilegien

Zudem lässt sich das Bossing auf persönlicher Ebene differenzieren, welches sich durch

  • wiederholte Ausgrenzungen des Arbeitnehmers aus dem Team
  • Verleumdungen
  • negative Anspielungen und Unterstellungen
  • Verlassen des Raumes, sobald der Angestellte eintritt
  • das Schlechtmachen/Auslachen des Angestellten vor dem Team

auszeichnet.

Mögliche Folgen: wann Bossing gefährlich wird

Von Depressionen über Angststörungen bis hin zum Selbstmord reichen die Folgen beim Bossing. Wenn der Chef einen Angestellten über Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre hin mobbt, ist meist auch der Rückhalt unter den Kollegen nicht mehr gegeben.

Denn der Chef ist nun einmal der Vorgesetzte und wenn er "bosst", setzt er alles daran, das Opfer vor den anderen Mitarbeitern unmöglich zu machen. Oft signalisiert er auch, dass derjenige "zum Abschuss" freigegeben ist, dass also auch alle anderen ihn mobben "dürfen".

Die Folgen des Bossings für den Mitarbeiter können sowohl psychisch als auch die Existenz betreffend schwerwiegend ausfallen. Beginnen die Auswirkungen mit Schäden am Selbstwertgefühl, kommt es in der depressiven Phase zu

Möglich sind zudem auch nervöse Ticks sowie der vermehrte Konsum diverser Stimulanzien.

Straining: So versuchen Arbeitgeber unliebsame Mitarbeiter loszuwerden

Beim Straining werden Mitarbeiter vom Vorgesetzten sozial diskriminiert - mithilfe einer umfassenden Maßnahme

Blonde Frau legt den Kopf gestresst in den Handballen, Kopf nach rechts geneigt
businesswoman headache © Dragan Trifunovic - www.fotolia.de

Das Wort Straining kommt aus dem Englischen und bedeutet "Belasten". Es ist eine Form von Mobbing, bei der die Opfer gezielt und kontinuierlich in einer Belastungssituation gehalten werden.

Während beim klassischen Mobbing immer wieder kleine Maßnahmen gegen das Opfer durchgeführt werden, handelt es sich beim Straining um eine und dabei umfassende Maßnahme. Straining-Opfer werden durch den Vorgesetzten sozial diskriminiert, indem der Arbeitsplatz und/oder die Arbeitsaufgaben verändert werden.

Straining führt zu Selbstzweifeln und Minderwertigkeitskomplexen

Es gibt Arbeitgeber, die von einem auf den anderen Tag alle Aufgaben aus dem Zuständigkeitsbereich des betroffenen Angestellten abziehen und ihn damit acht Stunden am Tag zum Nichtstun verdammen. Dieses Straining gilt als härteste Form, denn der Mitarbeiter muss sich nicht nur durchgängig langweilen, sondern beginnt nagende Selbstzweifel zu entwickeln.

Viele leiden bereits nach wenigen Tagen an innerer Unruhe und fragen sich, ob ihre Leistung einfach nicht mehr gut genug war/ist, um aktiv an Projekten mitzuwirken.

sind oft die Folge.

Ziel des Strainings ist die vom Mitarbeiter eingereichte Kündigung

Straining muss aber nicht so weit gehen, um bereits zur Belastung zu werden. Manche Arbeitgeber sperren den Informationsfluss zu ihrem Opfer und löschen den Mitarbeiter beispielsweise aus dem internen Email- und Telefonverzeichnis.

Bei anderen wird der komplette Betriebs-PC geleert, oder der Schreibtisch vom Gemeinschaftsbüro in eine kleine Kammer verlegt. Ziel ist es dabei immer, den Betroffenen zu isolieren, bis der Leidensdruck so stark gewachsen ist, dass der Mitarbeiter die Kündigung von sich aus einreicht.

Das Arbeitsrecht muss sich anpassen

Im Bezug auf Mobbing und Straining ist die deutsche Justiz derzeit noch oft überfordert. Es gibt wenige Anwälte, die sich darauf spezialisiert haben und auch die Rechtsprechung hat noch Lücken.

Dies soll sich jedoch in naher Zukunft ändern, denn der Bedarf an Hilfe ist definitiv da. Das Arbeitsrecht muss sich darauf anpassen, damit Opfern künftig schneller geholfen wird und Langzeitfolgen wie

Einhalt geboten wird.

Gründe für Bossing

Bossing hat viele Gesichter. Es beginnt vielleicht ganz harmlos mit demütigenden Witzen im Meeting, geht weiter über den Entzug eigener Projekte. Oder der Mitarbeiter wird mit so viel Arbeit überschüttet, dass er nicht mehr weiß, wo ihm der Kopf steht.

Manchmal ändert auch der Boss einfach die Regeln des Arbeitens, ohne jedoch den Betroffenen darüber in Kenntnis zu setzen. Arbeitet dieser weiter wie immer, gibt es wieder einen Grund, ihn zu kritisieren.

Warum Chefs bossen, hat unterschiedliche Gründe. Manche haben einfach Spaß daran, andere zu quälen. Oder sie sind gelangweilt oder haben selbst ein geringes Selbstwertgefühl. Oft trifft Bossing besonders fleißige, kluge und kreative Mitarbeiter, da sie eine gefühlte Bedrohung für den Chef darstellen. Warum? Weil es für einen Chef nichts Schlimmeres gibt, als wenn ein Mitarbeiter besser ist, als er selbst.

Auch eine Führungsunsicherheit kann der Auslöser sein. In diesem Fall probieren sie, diese durch das Bossing zu überspielen. Und schließlich spielt auch ein wirtschaftlicher Druck eine mögliche Rolle.

Die richtige Reaktion

Als Bossingopfer ist es nicht leicht, sich zu wehren; viele Betroffene trauen sich auch schlichtweg nicht, aus Angst, ihren Job zu verlieren. Doch den Mut sollte man aufbringen, denn allein schon die psychischen Folgen können weitaus schlimmer ausfallen als ein möglicher Verlust des Arbeitsplatzes.

Zunächst einmal sollte man seinen Vorgesetzten um ein Gespräch bitten. Auf diese Weise kann man auch erkennen, ob es sich möglicherweise bloß um ein Missverständnis handelt, bevor man weitere Schritte einleitet. Ist dies jedoch nicht der Fall, kann man bei diesem Gespräch auch bereits seine Stärke demonstrieren - eine gute Vorbereitung für diesen Fall sollte daher als allererstes stattfinden.

Ein solches sich zur Wehr setzen kann vor allen Dingen bei Führungskräften mit Persönlichkeitsproblem Wirkung zeigen; viel zu groß ist die Angst vor den Betriebsrat oder die Geschäftsleitung treten zu müssen. Kann man durch das Gespräch allerdings nichts bewirken, sollte man selbst diese Anlaufstellen informieren. Wichtig sind in diesem Fall Beweise, beispielsweise in Form von

  • Fotos
  • Zeugen
  • E-Mails oder
  • Mobbing-Tagebuch

Wie bereits erwähnt, ist die Systematik beim Bossing entscheidend. Um dieses zu beweisen, sollte anhand der Beweise ein dementsprechend längerer Zeitraum erkennbar sein.

War der Artikel hilfreich?

Fehler im Text gefunden?

Bitte sagen Sie uns, warum der Artikel nicht hilfreich war:

Um die Qualität unserer Texte zu verbessern, wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie uns den/die konkreten Fehler benennen könnten:

Quellenangaben

  • Bildnachweis: Office life © diego cervo - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Hand mit Lampe vor einer Tafel © Coloures-pic - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Mobbing © Jeanette Dietl - www.fotolia.de

Autor:

Viola Reinhardt - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

Weitere Artikel zum Thema