Wandern mit Baby oder Kind: Vor- und Nachteile von Kraxe und Tragerucksack

Berglandschaft, Weg zwischen grünen Wiesen und Bergen, strahlend blauer Himmel

Wer mit Kindern wandert, sollte die kleinen Wanderer unterwegs bei Laune halten und keinesfalls überfordern

Wandern ist gesund und erfreut sich einer stetig wachsenden Beliebtheit. Und auch die ganz Kleinen werden schon oft in einer Kraxe oder in einem Tragerucksack mit auf Wanderschaft genommen. Beide Tragevarianten haben durchaus ihre Vorteile – aber auch Nachteile. Sind die Kinder dann größer, können sie selbst mitlaufen - auch hierbei gilt es, auf einige Dinge zu achten.

Aus Wanderlust wird Wanderfrust

Bewegung im Freien ist gesund. Die körperliche Betätigung an der frischen Luft ist gut für Herz und Kreislauf, stärkt die Muskulatur und sorgt ganz nebenbei auch für eine psychische Entspannung.

Doch wirklich genießen kann man eine Wanderung nur dann, wenn es einem rundum gut geht. Ein schmerzender Rücken und eine Last, die scheuert und drückt, können das Wandervergnügen schnell trüben. Und auch ein Baby oder Kleinkind, das sich in seiner Trage nicht rundum wohl fühlt, lässt den Frustpegel beim Wandern steigen.

Damit die Wanderlust nun also nicht in einen waschechten Wanderfrust umschlägt, müssen sich Eltern und Kind wohl fühlen. Und das ist nur dann möglich,

  • wenn die "Last" gut verteilt ist
  • wenn nichts drückt und scheuert und
  • wenn alle Beteiligten eine bequeme, anatomisch korrekte Haltung einnehmen können.

Das Wohl aller Beteiligten hängt also von der Wahl der richtigen Tragemöglichkeit für das Kind ab.

Kaufkriterien

Wenn sich Eltern nach einer Tragemöglichkeit für ihr Baby umschauen, dann sollte sie sich zunächst auf die anatomischen Bedürfnisse ihres Babys konzentrieren. Und im besten Fall ist das Baby beim Kauf sogar dabei.

Komfort für das Baby

Denn nur so können die Eltern feststellen, ob ihr Kind in der Kraxe oder im Tragerucksack die empfohlene Anhock-Spreizhaltung einnimmt. Die Beine des Kindes sollten also immer eine hockende, gespreizte Haltung einnehmen. Das ist keinesfalls bei allen Modellen gewährleistet und kann für die Babys auf Dauer richtig unangenehm werden.

Zudem sollte das Kind die Möglichkeit haben, sich "rund" zu machen. Eine permanent vollständig aufrechte Position ist nämlich sehr unangenehm und anstrengend für das Kind.

Sitz auf empfohlene Anhock-Spreizhaltung überprüfen
Babys Sitzhaltung prüfen

Weitere Kriterien:

  • Rücken, Nacken und Kopf des Kindes müssen gut gestützt werden
  • gut Auspolsterung
  • Fußstützen und ein Wetterschutz
  • kein starrer Sitz

Polsterung und Hüftgurt

Doch was den Kindern einen Vorteil bringt, wirkt sich häufig negativ auf den Tragekomfort für die Eltern aus. Denn breite, dicke Polsterungen sind zwar gut, können aber einengen und reiben. Vor allem der Hüftgurt erweist sich häufig als Knackpunkt. Der Hüftgurt sorgt zwar dafür, dass das Gewicht des Kindes nicht nur auf den Schultern liegt, der Gurt kann aber auf Dauer an den Hüften scheuern oder drücken.

Das Problem dabei ist, dass die Eltern dieses "Manko" meist erst auf längeren Wanderungen feststellen. Denn zunächst einmal wird ein gut gepolsterter Hüftgurt, der das Gewicht des Kindes auf den gesamten Rücken verteilt, als sehr angenehm empfunden.

Extra-Stauraum

Ein weiteres Detail vieler Tragerucksäcke und Kraxen ist sowohl ein Vorteil als auch ein Nachteil. Denn zahlreiche Modelle bieten enormen Extra-Stauraum für

  • Windeln
  • Proviant und
  • Wechselkleidung.

Doch genau dieses durchaus praktische Detail kann sich auf langen Wanderungen als Nachteil erweisen. Das zusätzliche Gepäck drückt nämlich arg auf den Rücken des Trägers.

Es ist daher besser, wenn ein Elternteil eine schlichte Kraxe oder einen einfachen Tragerucksack wählt, worin ausschließlich das Kind transportiert wird. Der andere Elternteil kann alle benötigten Utensilien in einem eigenen Rucksack transportieren.

Abwechseln bei einer Kraxe nicht zu empfehlen

Und zur Not kann man sich mit dem Tragen ja auch abwechseln. Doch auch diese Möglichkeit sollte man schon beim Kauf einer Tragemöglichkeit im Hinterkopf behalten. Denn während man einen Rucksack sehr schnell und einfach auf die individuellen Maße des Trägers einstellen kann, ist das bei starren Konstruktionen wie einer Kraxe häufig nicht so ohne Weiteres möglich. Gibt es zwischen den Elternteilen umfangreiche Größenunterschiede, dann ist es sicherlich sinnvoller, zu einem Tragerucksack zu greifen.

Im Grunde genommen können sich Eltern jedoch bedenkenlos für beide Varianten entscheiden, wenn sie beim Kauf darauf achten, dass das Kind im gewählten Modell anatomisch korrekt und bequem sitzen kann. Es ist dabei nicht ungewöhnlich, dass die Eltern zum Wohle ihres Kindes auf ein wenig Tragekomfort verzichten müssen.

Wird die Tragemöglichkeit allerdings sehr sorgfältig ausgewählt, dann können Eltern und Kind die Wanderung in gleichem Maße genießen.

Ein Wanderausflug mit Kindern

Kinder sollen beim Wandern selber laufen

Kleine Kinder sollten beim Wandern nicht nur getragen werden, sondern sich so oft wie möglich aus eigener Kraft fortbewegen.

Ab vier Jahre sollten die Trage-Hilfsmittel ganz weggelassen werden. Für Kinder sind Gebiete besonders geeignet, wo sie sich auch abseits der Wege austoben können.

Die Eltern sollten den Kindern den nötigen Freiraum lassen und mehr Zeit für die Routen einplanen.

Wenn aus dem Baby ein Kind geworden ist, das zu Fuß bei einer Wanderung der Eltern teilnehmen kann, gibt es ebenso bestimmte Punkte, auf die geachtet werden muss. Gerade mit Kindern kann ein Wanderausflug zu einem ganz besonderen Erlebnis werden. Wie Sie Ihre Wanderung so planen, dass die Kinder gut mitmachen und den Tag genießen werden, und dass aber auch die Erwachsenen auf ihre Kosten kommen, dazu geben wir Ihnen gerne ein paar gute Tipps.

Sichere Wanderrouten wählen

An oberster Stelle steht bei einem Wanderausflug mit Kindern die Sicherheit. Kinder verfügen zwar meist über eine sehr gute Körperbeherrschung und über ein besseres Reaktionsvermögen als Erwachsene, dennoch sind sie häufig nicht wirklich trittsicher.

Gerade auf unebenen Wegen stolpern und fallen Kinder schneller als Erwachsene, denn sie sind oft abgelenkt und unkonzentriert. Kommt dann noch die Müdigkeit nach einer langen Wanderung dazu, so ist schnell eine größere oder kleinere Verletzung passiert.

Schmaler Pfad im Gebirge ist nicht für Kinder geeignet
Schmaler Pfad im Gebirge ist nicht für Kinder geeignet

Wenn Sie also mit kleineren Kindern wandern, dann achten Sie darauf, dass Sie breite und gut befestigte Wege wählen.

Es gibt wunderschöne Wanderwege, die sich zwischen saftigen grünen Wiesen hindurch schlängeln. Wege in bergigen Regionen, die an steilen Abhängen vorbei führen, und bei denen die Gefahr des Abrutschens besteht, sollten Sie mit Kindern besser meiden.

Zeitplan und Beschäftigung

Wählen Sie für den Anfang Routen, die in wenigen Stunden zu bewältigen sind. Kinder laufen meist langsamer als Erwachsene und finden nicht von Beginn an in einen Rhythmus. Deshalb sollten Sie genügend Zeit einplanen.

Halten Sie die Kinder unterwegs bei Laune. Anders als Erwachsene finden Kinder meist nur wenig Vergnügen daran, sich von A nach B durch die Natur zu bewegen. Für Kinder gilt nicht das tatsächliche Ziel als Ziel, sondern vielmehr der Weg dahin. Je interessanter und abwechslungsreicher sich dieser Weg gestaltet, desto gerner werden die Kinder ihn laufen.

Suchen Sie also nach Touren, die kleine Highlights enthalten.

  • Eine Tour an einem Bach oder Fluss entlang, bei der man an einem kleinen See Rast machen kann, ist zum Beispiel ideal.
  • Wenn Sie auf einer Wanderhütte einkehren, dann planen Sie genügend Zeit ein, damit die Kinder mit den dortigen Tieren auch noch etwas spielen und sich amüsieren können.
  • Nutzen Sie zum Beispiel Sessellifte als Zubringer. Für Kinder ist es meist ein großer Spaß, im Sommer mit dem Sessellift zu fahren.

Mit etwas Aufmerksamkeit finden Sie genügend Attraktionen, damit den Kindern die Wanderung Spaß macht.

Kinder brauchen viele Pausen

Bei Wanderungen mit Kindern mindestens die eineinhalbfache Dauer einplanen und genügend Pausen mache

Eltern mit zwei Kindern beim Winterspaziergang im Schnee
winter fun 1 © Patrizia Tilly - www.fotolia.de

Nur wenige Kinder sind begeisterte Wanderer. Das können Sie ändern, indem Sie die Tour nach den Bedürfnissen der Kleinen planen. Immer gut ist ein Motto, etwa "Expedition ins Tierreich", rät die Apotheken Umschau.

Erholungsphasen

Die Kleinen langweilen sich schnell und ermüden rasch, obwohl sie viel langsamer vorwärtskommen als Erwachsene. Planen Sie mindestens die eineinhalbfache Dauer als in Wanderführern angegeben.

Für Kindergartenkinder sind drei Stunden die Obergrenze, Schulkinder schaffen schon Tagestouren – wenn die nötigen Pausen eingehalten werden. Viele kurze Pausen sollten es sein, denn Kinder erholen sich schnell.

Als Rastplatz möglichst ungefährliche Stellen wählen, da Kids meist nach kurzer Zeit wieder herumtollen. Auch das sind für sie Erholungsphasen.

Genügend Trinken

Die meisten Kinder tragen gern einen eigenen Rucksack. Sind sie jünger als sechs Jahre, soll er aber nicht mehr als ein Kilogramm wiegen. Bis neun Jahre dürfen es schon drei Kilo, bis vierzehn höchstens sieben Kilo sein. Nie vergessen: Genügend Getränke mitnehmen. Kinder benötigen während der Tour gut die doppelte Menge Flüssigkeit als sonst.

Wandern in der Schule wird wieder mehr gefördert

Lust an Bewegung, soziales Miteinander und Nähe zur Natur durch Wandern in der Schule

Wanderschuhe und Wanderstock auf einer Landkarte
Trekkingurlaub © Diana Kosaric - www.fotolia.de

Das Wandern in der Schule ist wieder interessanter, wobei hier ein Projekt des Deutschen Wandervereins (DWV) einen maßgeblichen Anteil hat. Nachdem lange Jahre das Wandern bei den Kindern und Jugendlichen als spießig und nur für "alte Leute" betrachtet wurde, ist es auch bei jungen Leuten wieder beliebter.

Geocaching als modernes Wandern

So machen sich die Kinder und Jugendlichen mit Karte und Kompass auf den Weg um durch unbekannte Gegenden nach einem "verborgenen Schatz" zu suchen. Heutzutage wird dies auch immer mehr mit Hilfe von GPS durchgeführt, so ist ein beliebtes Spiel das sogenannte "Geocaching".

Durch diese Schulwanderungen wird einerseits die Lust an der Bewegung, aber auch das soziale Miteinander gefördert. Zudem lernen die jungen Wanderer besser die Natur kennen. Manch einer von ihnen stellt überraschend fest, dass er bisher noch nie so viel gelaufen ist, wie an einem solchen Tag. Durch den Aufenthalt in der Natur wird auch die Konzentration gefördert und der Schulstress abgebaut, wie die Lehrer berichten.

Unterstützt wird das Projekt "Schulwandern" einmal von dem Deutschen Wanderverein (DWV) und der Deutschen Wanderjugend (DWJ) sowie der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Auch immer mehr Schulen sind bereit dieses Projekt aufzunehmen. Näheres über das Projekt findet man auch im Internet.

Kinder für das Wandern begeistern: Mit kleinen Tricks geht's wie von selbst

Junge lachende Familie draußen, Vater trägt Tochter auf Rücken
FAMILIE IM HERBSTWALD, MANN TRAEGT TOCHTER AUF DEM RUECKEN © JENS SCHMIDT - www.fotolia.de

Während der Urlaubszeit bemerken viele Familien schnell, dass die Interessen von Eltern und Kindern durchaus auseinander gehen. Während sich Mama und Papa auf einen Ausflug in die Berge freuen, beginnen die Kleinen bereits nach wenigen Metern zu quengeln.

Wandern ist gerade für die Jüngeren in erster Linie langweilig und sie können sich noch nicht an der Natur an sich erfreuen. Deswegen müssen Eltern aber nicht resignieren. Damit die Begeisterung für Berge, Wälder und co. auf den Nachwuchs abfärbt, braucht es nur einige kleine Tricks.

Kinder haben eine sehr lebhafte Fantasie und die gilt es beim Ausflug aktiv anzusprechen. Für kleine Kinder kann das Erzählen von Geschichten über Vogelfamilien oder Räuberhöhlen das Wandern plötzlich zu einem Abenteuer machen. Auch einige Wanderführer haben diese Methode längst für sich erkannt und bieten für Familien spezielle Führungen kann. Die Kinder wandern dank der spannenden Erzählungen und Andeutungen des Begleiters nicht nur ohne Quengeln mit, sondern sind vollkommen begeistert.

Da auch bei der spannendsten Wanderung irgendwann der Durst kommt, sollte man in jeden Fall neben guten Geschichten auch genügend Wasser dabei haben. Ein paar Süßigkeiten heben ebenfalls die Stimmung; wobei man am besten nicht irgendwelche Schokolade einpackt, sondern Traubenzucker und Müsliriegel. Snacks dieser Art sorgen für einen gesunden Energieschub, wenn vom Wandern die Füße doch einmal müde werden.

Und auch wenn man es nie hofft, die kleinen Abenteurer können sich beim Wandern auch verletzten, daher sollten einige Pflaster und am besten ein Desinfektionsspray mit von der Partie sein. Auch diese kleine Notapotheke kann man den Kindern zeigen und sie als wichtige Ausrüstung für die Reise zu den Räubern etc. beschreiben.

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: berglandschaft © Julia Lami - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: pretty child holding a blackboard © Romolo Tavani - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: young woman hiking on a cliff near the sea © diego cervo - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: happy family with backpacks and thermos at camp © Syda Productions - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Flüchtlinge © Lydia Geissler - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: winter fun 1 © Patrizia Tilly - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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