29. Juli 2008
Die Voraussetzungen für eine lebenslange Zahn- und Mundgesundheit werden schon in den ersten Lebensmonaten geschaffen.
Mit dem Durchbruch der ersten Milchzähne, die sich etwa ab dem sechsten Lebensmonat sehen lassen, beginnt auch die Zahnpflege. Milchzähne sind nicht nur zum Zerkleinern der Nahrung wichtig. Sie sind für die Sprachbildung von großer Bedeutung und haben eine wichtige Platzhalterfunktion für die bleibenden Zähne. Deshalb sollten sie vom ersten Zahn an sorgsam gepflegt werden. Im ersten Lebensjahr können die Milchzähne bereits einmal täglich mit einer erbsengroße Menge fluoridhaltiger Kinderzahncreme gereinigt werden, ab dem zweiten Geburtstag zweimal täglich. Auch ein erster Zahnarztbesuch vor dem ersten Geburtstag, der vor allem zur Beratung der Eltern dient, ist sinnvoll.
Durch das Vorbild und die Anleitung der Eltern lernen Kinder frühzeitig die tägliche Mundhygiene. Kreisende Bewegungen sind zur Reinigung der Zahnflächen bei Vorschulkindern besonders gut geeignet. Für Kinder ab drei Jahren eignen sich auch spezielle Kinderzahnbürsten mit oszillierend-rotierender Putztechnik, die schonend und effektiv reinigen. "Bis zum Grundschulalter sollten die Eltern das Zähneputzen ihrer Kinder auf jeden Fall überwachen und gründlich nachputzen, vor allem die Backenzähne und die Zahnzwischenräume. Die motorischen Fähigkeiten der Kinder sind erst ab dem Grundschulalter soweit ausgebildet, dass eine effektive Zahnpflege möglich ist", erklärt Professor Norbert Krämer, Leiter der Abteilung Kinderzahnheilkunde am Klinikum der Universität Dresden und President elect der European Academy of Paediatric Dentistry.
Trotz eines allgemeinen Kariesrückgangs stellt die frühkindliche Karies bei Kleinkindern ein besonderes Problem dar. "Studien gehen davon aus, dass etwa 15 bis 25 Prozent aller Dreijährigen unter frühkindlicher Karies leiden", so Krämer. Hauptursache ist der häufige Konsum zuckerhaltiger Getränke aus Nuckelflaschen oder Trinklerntassen nach dem ersten Geburtstag. "Kleinkinder, die sehr oft über den Tag verteilt zuckerhaltige Getränke aus der Nuckelflasche trinken, umspülen damit permanent ihre Zähne, die so einer ständigen Säureattacke ausgesetzt sind", erklärt der Experte für Kinderzahnheilkunde. Nuckelflaschen sollten daher nur zum kurzzeitigen Trinken gegeben werden, am besten mit kohlensäurefreien Mineralwässern oder Kräutertees. Ab dem ersten Geburtstag sollten dem Kind Getränke im Becher oder in der Tasse ohne Trinkhilfen angeboten werden.
Bei Kindern mit den ersten bleibenden Zähnen und bei Jugendlichen ist es sinnvoll, die Kauflächen der Backenzähne zu versiegeln. Gerade in den feinen Vertiefungen der Backenzähne (Fissuren) können sich Bakterien besonders gut festsetzen. Der Zahnarzt raut die Oberfläche an und kann anschließend einen speziellen Kunststofflack auf diese besonders gefährdeten Stellen auftragen. Der ausgehärtete Versiegler schützt die Zähne wirksam vor Säureangriffen und damit vor Karies. Vor der Versiegelung muss allerdings sichergestellt sein, dass die Zähne kariesfrei sind. Besonders in den Fissuren der Backenzähne und unterhalb des Zahnschmelzes kann sich Karies – für das Auge oft nicht sichtbar – versteckt entwickeln.
Zusätzlich zur klinischen Kontrolle können moderne lasergestützte Diagnoseverfahren eine einfache und schonende Erkennung solcher verborgener, kariöser Stellen ermöglichen. Völlig schmerzfrei und ohne Strahlenbelastung nutzt dieses Verfahren das unterschiedliche Reflexionsverhalten von gesunder und kranker Zahnsubstanz. Aber auch gezielte Röntgenaufnahmen sind geeignet, um bei Verdacht versteckte Karies in den Zahnzwischenräumen zu entdecken.
Werden Zähne von Anfang an richtig gepflegt und die regelmäßigen Zahnarztbesuche am besten zweimal im Jahr eingehalten, stehen die Chancen gut, dass die Zähne eine Leben lang gesund bleiben. Außerdem kann der Verzicht von zuckerhaltigen Getränken in Nuckelflaschen oder Trinklernbechern vor allem nach dem ersten Geburtstag das Risiko einer frühkindlichen Karies deutlich verringern.
Individuelle Tipps zur Zahnpflege bei Kindern und Jugendlichen sowie zu geeigneten Prophylaxe-Maßnahmen geben der Zahnarzt und sein Team.
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