Inhaltsstoffe: woraus Lippenstifte hergestellt werden

Rosaner Schmetterling auf Frauenhand, daneben roter Lippenstift

Wer auf der Suche nach einem neuen Lippenstift ist, der sollte sich näher mit der Liste der Inhaltsstoffe befassen

  • ,
  • von Paradisi-Redaktion

Lippenstift ist das beliebteste Schminkutensil von deutschen Frauen. Kann man doch gerade mit roten Lippen eine Art von Sinnlichkeit ausstrahlen, die kein anderes Make-up ins Gesicht zaubern kann. Doch welche Inhaltsstoffe sind in einem Lippenstift enthalten? Und kann es bei einigen Inhaltsstoffen zu allergischen Reaktionen kommen? Wir klären auf.

Natürliche Inhaltsstoffe

Die gute Nachricht zuerst: Lippenstift besteht zu großen Teilen aus natürlichen Inhaltsstoffen. Denn Öle und Wachse bestreiten den Hauptteil eines Lippenstiftes. Hinzu kommt ein natürlicher Farbstoff, welcher jedem Lippenstift seine unnachahmliche Farbe verleiht.

Um hier die vielen Farben zu ermöglichen, werden bei der Herstellung verschiedene Farbstoffe miteinander kombiniert. Eine weitere Komponente, die in einem Lippenstift enthalten ist, sind Duftstoffe. Diese verleihen dem Lippenstift ein angenehmes Aroma. Denn die Wachse und Öle können in normalem Zustand etwas unangenehm riechen. Um hier keine abstoßende Wirkung hervorzurufen, wird dem Lippenstift ein feiner Duftstoff hinzugefügt.

Weitere Inhaltsstoffe, die zudem enthalten sind, sorgen dafür, dass der Lippenstift in Form bleibt und auf den Lippen hält.

Lippenstiftrezeptur von gestern und heute

Roter Mund einer Frau im Profil, daneben ein roter Lippenstift in schwarzem Schaft
Woman applying lipstick. Bright color. © Valua Vitaly - www.fotolia.de

Historische Rezeptur für eine Lippenpomade:

Ein Rezept für eine "rothe Lippenpomade" aus dem Jahre 1805 lautet so: "In eine reine kupferne Pfanne bringe man ein halb Pfund frische ungesalzene Butter und zwei Unzen reines Wachs, man lasse alles bei gelindem Feuer schmelzen, schüttle einige Unzen gewaschene, getrocknete und zerquetschte kleine Korinthen und ein bis drei Loth Alkannawurzel hinzu und lasse alles zehn Minuten lang gelinde sieden. Dann gieße man alles auf eine aufgespannte dichte Leinewand und lasse das flüssige ablaufen, und wenn es anfängt zu erkalten, so setze man einen Löffel starkes Pommeranzenblüthenwasser hinzu und erhalte es unter beständigem Umrühren, bis es völlig erkaltet ist und hebe es hernach in einem gut verbundenen Topf auf."

Moderne Rezepturen:

In der Kosmetikproduktion werden in mehreren Arbeitsschritten aus einer angerührten und parfümierten Farbmasse, die vorgeschmolzen wird, in der Stunde bis zu 1.000 Lippenstifte von vollautomatischen Abfüllmaschinen hergestellt. Die Grundsubstanz besteht aus Lanolin, Bienen- und Carnaubawachs, angereichert mit Paraffin- und Rizinusöl, Farbpigmenten, Pearl- und Mica-Pigmenten und Farblacken. Gegen das ranzig werden (Oxidieren) der Öle und Wachse wird meist Vitamin E oder andere Anti-Oxidantien zugegeben. Zusätzlich pflegende Stoffe, wie Hyaluronsäure, Ceramide, Panthenol, Aloe Vera, Jojoba-Öl oder Sheabutter sind heute ebenfalls gängige Inhaltsstoffe.

Die flüssige Lippenstiftmasse wird in vorgefettete Aluminium-Formen gegossen, blitzschnell abgekühlt und dann per Luftdruck rückwärts aus der Form in die Drehmechanik eingeschossen. Nachdem der Stift umgedreht ist, wird er kurz geflammt, damit der Angusspunkt glättet wird und der Stift mehr Glanz erhält. Für noch mehr Glanz und Oberflächenbrillanz sorgt ein feiner Sprühnebel aus Silikon.

Lippenstifte sind sehr lange haltbar - gesetzlich vorgeschrieben sind 36 Monate, doch bei guter Lagerung hält der Stift auch 3 - 5 Jahre.

Mit einem Gewicht von ca. 5 g reicht ein Lippenstift für ca. 280 Anwendungen. Das Kilogramm kostet je nach Qualität der Inhaltsstoffe zwischen 50 - 120 EURO.

Nicht alle Lippenstifte sind unschädlich

Hier die etwas schlechtere Nachricht: Manche Lippenstifte können tatsächlich gesundheitsschädlich sein, wenn sie schädliche Substanzen aufweisen. Die Gefahr liegt dabei auf der Hand (bzw. Zunge): Wenn wir

  • sprechen,
  • essen,
  • küssen oder
  • beiläufig unsere Lippen benetzen,

werden die Inhaltsstoffe des Lippenstifts durch den Speichel aufgenommen und gelangen somit in unseren Organismus.

Schädliche Lippenstifte?

Öko-Test fand in einigen Lippenstiften Schadstoffe, die teilweise sogar krebserregend sein sollen

Roter Mund einer Frau im Profil, daneben ein roter Lippenstift in schwarzem Schaft
Woman applying lipstick. Bright color. © Valua Vitaly - www.fotolia.de

In seiner neusten Ausgabe berichtet das Magazin "Öko-Test" über einen Lippenstift-Test, wobei 306 unterschiedliche Produkte untersucht wurden. Dabei sind auch 44 mit "mangelhaft" und 121 mit nur "ausreichend" benotet worden. Einige der Lippenstifte können zu Hautausschlag und Juckreiz, ja sogar zu Krebs führen. Dabei haben auch sogenannte Luxus-Stifte von französischen Herstellern schlechte Noten erhalten.

Preiswertere Produkte stellen sich als beste heraus

Die besten Produkte, die sogar noch preiswerter sind, waren der von Dr. Hauschka "Lipstick 04 warmes Rot" und für nur 2,49 Euro bei Schlecker die Serie "basic Lippenstift", denen die Tester ein "sehr gut" bescheinigten. Bei den beanstandeten Lippenstifte fanden die Tester unter anderem die Schadstoffe Tartrazin, der zu Hautausschlag und Juckreiz führen kann, sowie auch Anilin, was krebserregend wirken soll.

Weiterhin enthalten einige der Lippenstifte Paraffin oder auch Silikon, so dass die Lippenstifte der Marke Chanel "Rouge Allure Lip Colour 09 Lover" und auch von Christian Dior "Lipcolor 999 Celebrity Red" sogar die Note "6" ("ungenügend") bekamen.

Normalerweise müssten die Hersteller über die verwendeten Farbpigmente dem Verbraucher Auskunft geben, aber selbst dem Magazin "Öko-Test" haben einige Firmen, wie Dior, Chanel sowie Procter & Gamble, die Inhaltsstoffe nicht genannt.

Der Blick auf die Inhaltsstoffe

Zu den gesundheitlich bedenklichen Inhaltsstoffen in Lippenstiften zählen zum Beispiel

  • Paraffine und
  • Mineralöle.

Alle Inhaltsstoffe kann man auf den Internetseiten der Hersteller nachlesen. Diese sind verpflichtet, alle Inhaltsstoffe ihrer Produkte öffentlich zu machen. Besonders für Allergiker ist dies wichtig. Denn auch natürliche Stoffe können Allergien hervorrufen.

In der Auswertung eines 2015 durchgeführten Tests rät auch die Stiftung Warentest von Kosmetikprodukten ab, die diese Inhaltsstoffe aufweisen. Dazu zählt aus den genannten Gründen besonders mineralölhaltige Lippenpflege. An den folgenden Begriffen erkennen Sie Hinweise für Mineralöl auf den Inhalts­stoff­liste der Verpackung:

  • Cera Microcri­stallina (Microcri­stallina Wax),
  • Ceresin,
  • Mineral Oil,
  • Ozokerite,
  • Paraffin,
  • Paraf­finum Liquidum,
  • Petrolatum.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

In unserem Alltag sehen wir uns mit zahlreichen gesundheitsschädigenden Substanzen verschiedener Quellen konfrontiert. Gerade im Kosmetikbereich ist es daher ratsam, auf unschädliche Inhaltsstoffe zu achten. Dieser Hinweis ist besonders wichtig für schwangere und stillende Frauen, die Giftstoffe über die Muttermilch oder den Mutterkuchen an das Kind weitergeben.

Natürlich müssen Sie nicht auf den geliebten Lippenstift verzichten. Im Handel treffen Sie auf zahlreiche Lippenpfle­gepro­dukte, die ohne den Zusatz von Mineralöl hergestellt wurden. Anhänger der Naturkosmetik beispielsweise wissen das allgemeine Verbot dieser Zusätze in ihren Kosmetika zu schätzen.

Hauttest zur Vermeidung von allergischen Reaktionen

Um hier auf Nummer sicher gehen zu können, sollte ein Lippenstift immer erst einmal getestet werden. So kann man beispielsweise eine kleine Menge Lippenstift auf den Handrücken auftragen und für mindestens zwei Stunden dort belassen.

Reagiert die Haut nicht gereizt und bilden sich keine Pickel oder andere unschöne Ausschläge, kann man den Lippenstift bedenkenlos auch auf den Lippen anwenden und diese perfekt in Szene setzen.

Grundinformationen zu Lippenstiften

War der Artikel hilfreich?

Fehler im Text gefunden?

Bitte sagen Sie uns, warum der Artikel nicht hilfreich war:

Um die Qualität unserer Texte zu verbessern, wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie uns den/die konkreten Fehler benennen könnten:

Quellenangaben

  • Bildnachweis: the pink butterfly © photoCD - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Applying lipstick © Stuart Miles - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: lipstick © Irochka - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: woman applying lipstick © vgstudio - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

Weitere Artikel zum Thema