3. Februar 2009
Von Andreas Hadel
Chitosan wird sein den frühen achtziger Jahren als die bequeme Lösung für qualvolle Diäten angepriesen. Natürlich in erster Linie von den Herstellern, die ihr Produkt an die von Cellulite geplagte Frau und den bierbäuchigen Mann bringen wollen. Doch was bleibt von den vielen Versprechungen übrig, wenn wir die nüchterne Wissenschaft zu Rate ziehen?
Die von der Supplemente-Industrie sogenannten Fatburner lassen sich im Wesentlich in zwei Klassen unterteilen. Zum einen gibt es Fatburner, die auf Substanzen basieren, die den Metabolismus direkt oder indirekt erhöhen. Zu diesen Substanzen gehören zum Beispiel Koffein, Guarana, Carnitin und Synephedrin.
Zum anderen gibt es Carb-Blocker und Fettbinder, die den Verdauungsprozess so beeinflussen, dass rein theoretisch Kohlenhydrate bzw. Fette nur bedingt vom Organismus aufgenommen werden können. Chitosan fällt in die Gruppe der Fettbinder und soll laut Aussage der Hersteller verhindern, dass Nahrungsfette in die körpereigenen Fettdepots landen.
Chitosan wird aus Chitin gewonnen, einem Polysacharid, das im Hautpanzer von Krebstieren vorkommt. Während des Herstellungsprozesses werden Schalen von Garnelen, Krabben und Hummern zu einem Pulver gemahlen. Im nächsten Schritt wird das Pulver deacetyliert, was bedeutet, dass den einzelnen Molekülen eine Acetylgruppe entfernt wird. Durch diese chemische Reaktion wird Chitin zu Chitosan transformiert. Das Fehlen der Acetylgruppe macht Chitosan zu einer überaus reaktionsfreudigen Substanz, die eine Vielzahl an anderen Stoffen binden kann. Diese Wirkung hat Chitosan seit den frühen Achtzigern zu einer weltweiten Popularität verholfen. Und zwar weit außerhalb der Sporternährung, denn die heute als Fettbinder bekannte Substanz ist alles andere als eine aus Profitstreben entsprungene Erfindung der Supplement-Industrie. Tatsächlich wurde Chitosan anfänglich von Entwicklungshelfern in der dritten Welt und bei Umweltkatastrophen benutzt, um Wasser zu reinigen, wenn es mit Öl oder Schwermetallen verschmutzt war. Später kam der Stoff dann auch in der Weinerzeugung zum Einsatz, um bestimmte Bitterstoffe zu binden. Von da an war es zu der Erkenntnis, dass Chitosan auch Nahrungsfette binden kann, nur noch ein kleiner Gedankenschritt. Denn chemisch betrachtet, ist Chitosan der pflanzlichen Cellulose sehr ähnlich. Eine Faser die vom menschlichen Körper nicht verdaut werden kann. Wird Chitosan nun in zeitlicher Nähe mit Nahrungsfetten aufgenommen, bindet es in einem gewissen Verhältnis Lipide an sich und erschwert dadurch erheblich die Einlagerung als Depotfett.
Betrachtet man die chemische Reaktivität und historische Entwicklung von Chitosan wird deutlich, dass es sich hierbei nicht um ein überschätztes Supplement handelt. Leider gerät der gute Ruf des Fettbinders immer wieder ins Wanken, wenn einige Anbieter Chitosan mit übertriebenen und maßlosen Werbebotschaften anpreisen und so bei vielen Sportlern und Fitness-Enthusiasten verständlicherweise Misstrauen erregen. Ein nüchterner Blick auf die wissenschaftliche Forschungen hilft jedoch, eine rationale Meinung über den Fettbinder zu bilden.
Im Jahr 1983 wagte eine Gruppe von Wissenschaftlern um Professor M. Chang aus Washington D.C. einen genaueren Blick auf Chitosan und testete dessen Wirkung an Ratten aus. In ihrer Auswertung kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass bei den Tieren ein signifikanter Gewichtsverlust festzustellen war. Eine Aussage, die auch 1991 in einer japanischen Studie von Y. Fukada, K. Kimura und Y. Ayaki getätigt wurde. Zwei Jahre später verhalf die Studie der ebenfalls aus Japan stammenden Forscher Y. Maezaki, K. Tsuji, Y. Nakagawa, Kawai und M. Akimoto Chitosan zum Durchbruch als sie ähnliche Ergebnisse, die zuvor nur bei Tierexperimenten gemacht wurden, auch bei einer Studie mit menschlichen Probanden aufweisen konnten.
Alles im allem bleibt die Erkenntnis, dass wer mit einer realistischen Erwartung Chitosan in sein kalorienreduziertes Ernährungsregime integriert, seine Diäterfolge messbar optimieren kann.
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