Athetose - Ursachen, Symptome und Therapie

Boden aus grauen Steinen, Rollstuhlfahrer mit weißen Steinen dazwischen

Unwillkürliche Bewegungen und Überstreckungen der Gelenke aufgrund einer Hirnschädigung

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  • von Paradisi-Redaktion

Die Athetose ist eine Bewegungsstörung, die sich durch unwillkürliche, schraubenförmige Bewegungen, insbesondere der Hände und Füße, auszeichnet. Betroffene spreizen die Finger, schneiden Grimassen, überstrecken ihre Hände und führen drehende Kopfbewegungen aus, die nicht kontrolliert werden können. Ursache ist eine Hirnschädigung, die bereits während der Geburt oder z.B. infolge eines Schlaganfalls aufgetreten ist. Alles Wichtige zur Athetose lesen Sie in diesem Artikel.

Der medizinische Fachbegriff Athetose steht für unwillkürliche und ausfahrende Bewegungen von Händen und Füßen, die sich langsam vollziehen. Dabei kommt es oftmals gleichzeitig zu einer Überdehnung der Gelenke. Sie gehört zu den Bewegungsstörungen der extrapyramidalen Hyperkinesien. Besonders betroffen von einer Athetose sind Kinder.

Nicht selten ist die Athetose mit einer Chorea verbunden. Dabei handelt es sich um eine Bewegungsunruhe, die mit unwillkürlichen, rasch ablaufenden Muskelkontraktionen einhergeht. In der Medizin ist dann von einer Choreoathetose die Rede.

Zeigt sich die Bewegungsstörung nur auf einer Körperseite, wird dies als Hemiathetose bezeichnet. Tritt sie dagegen an beiden Körperhälften auf, sprechen Ärzte von einer Athetose double. Manche Mediziner bezeichnen die Athetose auch als langsame Chorea oder distale Dystonie.

Die Athetose tritt häufig zusammen mit neurologischen Beschwerden auf. Es besteht ein fließender Übergang zwischen Athetose sowie choreatischen Störungen und Dystonie.

Ursachen der Athetose

Grundursache der Athetose ist eine Schädigung der Basalganglien Striatum (Streifenkörper) und Pallidum (blasse Kugel). Unter den Basalganglien werden die Kerne der grauen Gehirnsubstanz verstanden. Sie sind in der Großhirnrinde angesiedelt und übernehmen die Funktion, die Motorik zu regulieren. Das Striatum setzt sich aus dem Putamen (äußerem Linsenkern) sowie dem Nucleus caudatus (Schweifkern) zusammen.

Die Athetose entsteht durch Hirnschädigungen, die bereits im Kindesalter eintreten. In den meisten Fällen ist eine Bilirubinenzephalopathie, auch Kernikterus genannt, dafür verantwortlich. Bei dieser Läsion wird das Zentralnervensystem (ZNS) von Babys extrem in Mitleidenschaft gezogen. Grund dafür ist ein übermäßiger Anstieg des Bilirubins, bei dem es sich um ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes handelt.

Ebenfalls zu den frühkindlichen Ursachen einer Athetose zählt die schwere Hirnschädigung Morbus Little (infantile Zerebralparese). Sie entsteht bereits vor oder während der Geburt des Kindes. Typische Auslöser dieser Hirnschädigung sind:

  • Komplikationen in der Schwangerschaft
  • Gefäßverschlüsse innerhalb des Gehirns
  • Infektionen, an denen das Gehirn beteiligt ist
  • Hypoxie (Mangel an Sauerstoff)

Von einer Athetose können aber auch erwachsene Menschen betroffen sein. Sie zeigt sich dann als Hemiathetose und tritt nach einem Schlaganfall (Linsenkerninfarkt) auf. Ausgelöst wird er durch eine abrupt auftretende Ischämie (Minderdurchblutung) von Pallidum und Putamen.

Symptome der Athetose

Im Rahmen einer Athetose leiden die Betroffenen unter Störungen der tonischen Koordination, was wiederum hyperkinetische Abläufe in den Bewegungen zur Folge hat. Das bedeutet, dass die Bewegungen der Patienten langsam und schraubend, aber unkontrolliert ablaufen. Davon in Mitleidenschaft gezogen werden vor allem die Gliedmaßen und der Rumpf. Dabei zeigen sich die Körperbewegungen unwillkürlich. Weiterhin leiden die betroffenen Personen unter Muskelzuckungen.

Psychische Aufregung und Aufmerksamkeit bewirken eine Verstärkung der Bewegungsunruhe. Beim Schlafen treten die Bewegungsstörungen dagegen nur sehr selten auf.

Der Patient übt seine zumeist schraubenförmigen Bewegungen wahllos aus. Besonders das Gesicht, der Hals sowie die Hände sind davon betroffen. Ein typisches Merkmal der Athetose stellt das Fingerspreizen dar. Außerdem verzerrt sich der Mund, das Gesicht schneidet Grimassen und die Hände überstrecken sich, was auf Außenstehende oft einen seltsamen Eindruck macht.

Auffällig ist außerdem eine Verkrampfung des Nackens. Der Patient führt immer wieder drehende Kopfbewegungen durch und leidet unter verstärktem Speichelfluss. Der Gang der Betroffenen ist unbeholfen und stolpernd.

Augrund der Überbeweglichkeit droht an einigen Gelenken eine Ausrenkung.

Nicht selten zeigen sich Mischformen aus Athetose und Spastik.

Folgen der Athetose

Durch eine Athetose kann das Leben der betroffenen Personen deutlich eingeschränkt sein. So ist der Patient nicht in der Lage, seine Bewegungen kontrolliert ablaufen zu lassen. Kinder sehen sich daher oft dem Spott von Gleichaltrigen ausgesetzt. Dies kann wiederum zu psychischen Problemen wie Depressionen führen. Darüber hinaus schaffen es die Patienten nicht, viele alltägliche Dinge auszuüben.

Um soziale Ausgrenzung zu vermeiden, bedürfen insbesondere Kinder einer speziellen Therapie.

Negative Folgen auf die Lebenserwartung hat die Athetose nicht.

Diagnose der Athetose

Im Falle einer Athetose ist unbedingt eine ärztliche Behandlung nötig, da keine Selbstheilung eintritt. Ohne medizinische Hilfe drohen zudem Folgeerscheinungen wie das Überstrecken oder Ausrenken von Gelenken.

Als erste Anlaufstation lässt sich bei Verdacht auf eine Athetose der Hausarzt aufsuchen. Im Anschluss daran wird die Therapie der verschiedenen Beschwerden durch entsprechende Fachärzte empfohlen.

Der untersuchende Arzt befasst sich bei Verdacht auf Athetose zunächst mit der Krankengeschichte des Patienten. Ist ein Kind betroffen, werden die Eltern nach den jeweiligen Beschwerden sowie möglichen Vorerkrankungen befragt.

Um denkbare Schäden des Gehirns zu ermitteln, lassen sich bildgebende Verfahren nutzen. Von der möglichen Ursache der Athetose hängen weiterführende Untersuchungsmethoden ab.

Therapie der Athetose

Zur Behandlung einer Athetose stehen leider nur wenige Therapieoptionen zur Verfügung. Als hilfreiche Maßnahme gilt das Ausüben von krankengymnastischen Übungen wie der Bobath-Methode. Das Behandlungsverfahren entstand 1943 durch die deutsche Physiotherapeutin Berta Bobath (1907-1991) sowie ihrem Ehemann, der als Neurologe tätig war. Dabei richtete sich das Verfahren speziell an Kinder und erwachsene Personen mit neurologischen Krankheiten. Bestandteil der Bobath-Methode sind spezielle Übungen. Durch ihr Erlernen sowie das Stärken der Muskeln werden die Patienten in die Lage versetzt, natürliche Bewegungen und Haltungen vorzunehmen.

Ein weiterer Bestandteil der Athetose-Therapie ist außerdem die Gabe von Medikamenten wie Tiaprid, Clonazepam sowie Haloperidol. Diese Präparate beeinflussen die Bewegungsstörung positiv.

Prognose bei einer Athetose

Die Athetose ist leider nicht heilbar, sodass sich eine deutliche Besserung der Beschwerden nicht erwarten lässt. Es besteht aber durchaus die Möglichkeit, eine Linderung der Symptome zu erzielen, was bereits in zahlreichen Fällen erfolgreich geschehen ist. In welchem Umfang eine Verminderung der Beschwerden durchführbar ist, hängt vom Ausmaß der Bewegungsstörung ab, sodass die Prognose individuell unterschiedlich ausfällt.

Prävention einer Athetose

Es besteht keine Möglichkeit, einer Athetose gezielt vorzubeugen. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, bei den ersten Anzeichen der Bewegungsstörung mit der Therapie zu beginnen.

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Parkplatz für Behinderte © srphotos - www.fotolia.de

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Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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