Sind Schnuller wirklich gut für's Baby? - Mögliche Nachteile und Tipps zur Entwöhnung

Der Schnuller tröstet viele Kinder und damit werden die Nerven der Eltern geschont. Seine beruhigende Wirkung hilft den Babys nicht nur beim Einschlafen. Aber nicht für jedes Baby ist ein Schnuller geeignet.

Schnuller gibt es in unterschiedlichen Formen, sodass verschiedene Funktionen gewährleistet werden können - doch sie bringen auch gesundheitliche Folgen mit sich

Funktion - Sind Schnuller wirklich gut für's Baby?

Unter Eltern herrscht oft Ratlosigkeit und auch die Experten sind sich uneins, wenn es um das Thema Schnuller geht. Ist der Schnuller wirklich unerlässlich für die Beruhigung des Kindes oder soll er nur die Nerven der Eltern schonen?

Die orale Phase des Kindes

Bunter Schnuller
Der Schnuller dient meist zur Beruhigung des Babys

Psychologisch erklärt sich die Freude am Nuckeln durch den oralen Befriedigungswunsch des Kindes. Saugen ist ein Naturinstinkt, der sich ja beispielsweise auch beim Stillen zeigt. Deshalb beruhigt ein Schnuller ein aufgeregtes oder quengeliges Baby zweifellos.

Wussten Sie eigentlich, dass Schnuller im englischen mit "pacifier" (Friedensbringer) übersetzt wird? In diesem Zusammenhang sollte man sich Gedanken machen, ob der Schnuller von Eltern nicht manchmal vorschnell zur Nervenschonung eingesetzt wird. Denn ein Kind welches am Schnuller lutscht kann schließlich nicht gleichzeitig schreien.

  • Doch gerade bei den so genannten Dreimonatskoliken ist der Schnuller oft die einzige Hilfe, um das Baby zu beruhigen.
  • Auch beim Einschlafen wird er oft gebraucht und
  • viele Babys brauchen ihn beim Zahnen.

Beim Kauf sollte man die verschiedenen Größen beachten; diese sind meist nach Alter gestaffelt:

  • 1-6 Monate
  • 6-18 Monate
  • Schnuller für Kinder ab 18 Monaten

Welche Form ist die beste?

Manche Experten meinen, dass Schnuller hauptsächlich für Flaschenkinder geeignet wären. Bei Babys, die gestillt werden, kann es durch den Schnuller zu der so genannten Saugirritation kommen. Das bedeutet, dass sie durch den Gebrauch des Schnullers nicht mehr gut an der Brust trinken. Das muss nicht zwangsläufig so sein, aber es kann passieren.

  • Die meisten Hebammen empfehlen deshalb kirschförmige Schnuller, die der Mutterbrust nachempfunden sind.
  • Schnuller, die der Gaumenform des Babys nachempfunden sind, eignen sich besser für Flaschenkinder, denn diese Form ist ihnen schon von der Trinkflasche vertraut.

Manche Kinder mögen aber auch gar keinen Schnuller und lehnen ihn ab. Vor allem Stillkinder lehnen den Schnuller oft ab, sie müssen den Mund beim Stillen weit öffnen und wesentlich stärker saugen als bei einer Flasche.

Mittlerweile gibt es Schnuller, die nicht nur in der Form der Mutterbrust nachempfunden sind, sondern die auch in der Funktion eine Vor- und Rückwärtsbewegung haben und damit dem Stillvorgang ähnlich sind.

Mögliche gesundheitliche Folgen

Viele Experten meinen, dass das Kind spätestens ab dem dritten Lebensjahr keinen Schnuller mehr benutzen sollte.

  • Die Sprachentwicklung kann sich verzögern, weil die Zunge damit beschäftigt ist, den Schnuller zu halten.
  • Beim Essenlernen muss die Zunge die Nahrung formen und nach hinten transportieren können, auch bei diesem Lernprozess kann der Schnuller beeinträchtigen.
  • Spätestens ab dem dritten Lebensjahr kann das Nuckeln am Sauger Zahn- und Kieferfehlstellungen verursachen.

Noch schlimmer allerdings als der Schnuller ist das Nuckeln am Daumen, denn im Gegensatz zu den meisten Schnullern ist der Daumen nicht kiefergerecht geformt. Nichtsdestotrotz sollte auch der Schnuller nie zum Dauernuckeln überlassen werden.

Tipps zur Entwöhnung

Der Schnuller wird oft zum Retter in der Not, aber mit viel Zuwendung und Aufmerksamkeit kann man dem Kind auch ohne Schnuller helfen. Am besten ist es, wenn die Eltern die Signale ihres Kindes kennen und auf seine Bedürfnisse eingehen können.

Wenn ein Schnuller regelmäßig zum Einsatz kam, ist das Entwöhnen meistens umso schwerer. Spätestens ab dem zweiten Lebensjahr sollte der Schnuller jedoch langsam aus dem Leben des Kindes verschwinden.

Die einzige und richtige Methode zur Schnullerentwöhnung gibt es wohl nicht. Meist ist eine Menge Geduld nötig.

  • Nehmen Sie Ihrem Kind den Schnuller aber nicht ohne Erklärung und erst recht nicht heimlich weg.

Abschiedsrituale

Manche Eltern denken sich schöne Rituale aus, wie sie den Schnuller verabschieden können, um damit dem Kind diesen Prozess zu erleichtern.

Zahnfee auf Schnullermission

So wird der Schnuller zum Beispiel unter das Kopfkissen gelegt, dort holt ihn jemand wie die Zahnfee ab und hinterlässt ein Geschenk. Vielleicht ein schönes Kuscheltier, welches zum neuen Tröster wird.

Schnuller in Gewässer werfen

Andere Eltern gehen an ein Gewässer wie ein See, wo der Schnuller hineingeworfen wird und bei der Rückkehr wartet ebenfalls ein Geschenk. Diese Methode ist aber nicht bei jedem Kind zu empfehlen.

In jedem Fall sollte das Kind immer mit einbezogen werden. Bei vielen Kindern geht das sehr gut und sie trauern dem Schnuller auch nicht hinterher.

Rückfälle

Für viele ist es wichtig zu wissen, dass sie jetzt "groß" sind und den Schnuller nicht mehr brauchen. Es ist aber auch normal und vollkommen in Ordnung, wenn das Kind in Stresssituationen wieder rückfällig wird. Deshalb sollte der Schnullergebrauch schon im Vorfeld immer gut dosiert werden.

Mit dem Schnuller wird dem Kind etwas genommen, was ihm sehr wichtig war. So verschieden die Kinder sind, so unterschiedlich muss die Verabschiedung vom Schnuller sein. Vor allem müssen sich die Eltern bewusst sein, wie drastisch dieser Einschnitt für das Kind ist. Dabei braucht es Hilfe und liebevolle Unterstützung.

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Quellenangaben
  • crying baby © Galina Barskaya - www.fotolia.de
  • pacifier © samantha grandy - www.fotolia.de

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