Phimose-Operation - Indikation, Verfahren und Risiken

Chirurg im Profil am OP-Tisch, im Vordergrund eine Chirurgin von hinten gesehen

Medizinisch indizierte Beschneidung zur Behandlung einer Vorhautverengung

  • ,
  • von Paradisi-Redaktion

Bei der Phimose-Operation wird eine medizinisch indizierte Beschneidung durchgeführt. Dabei wird die Vorhaut des Penis vollständig (totale Zirkumzision) oder teilweise (Teilbeschneidung) entfernt. Grund für diesen operativen Eingriff ist eine verengte Vorhaut (Phimose), die unter anderem zur Einschränkung der Intimhygiene oder Sexualfunktion führt. Lesen Sie hier, wann eine Phimose-OP sinnvoll ist, welche Operationsverfahren es gibt, wie diese ablaufen und mit welchen Risiken der Eingriff verbunden ist.

Wozu dient eine Phimose-Operation?

Eine Phimose-Operation oder Beschneidung (Zirkumzision) zu medizinischen Zwecken findet statt, wenn die Vorhaut des Penis teilweise oder komplett entfernt werden soll, da sie eng ist und sich daher nicht oder nur schwer über die Eichel streifen lässt.

Die Beschneidung zählt zu den ältesten chirurgischen Verfahren der Menschheit und wurde aus religiösen oder kulturellen Motiven bereits vor ca. 3500 Jahren vorgenommen. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind etwa ein Drittel aller Männer auf der Welt beschnitten. Ihr Anteil fällt jedoch je nach kulturellen und religiösen Aspekten von Land zu Land unterschiedlich aus.

Bei einer Phimose-OP handelt es sich um ein Verfahren, für das rein medizinische Gründe ausschlaggebend sind. So sollen durch den Eingriff Funktionen, die durch die Phimose (Vorhautverengung) Beeinträchtigungen unterliegen, wiederhergestellt werden. Dazu gehören insbesondere das Wasserlassen, die Erektion sowie der Samenerguss.

Wann ist eine Phimose-OP sinnvoll?

Von einer Phimose ist die Rede, wenn sich die Vorhaut des Penis derart verengt, dass sie sich nur noch schwer oder überhaupt nicht mehr über die Eichel zurückziehen lässt. Über einen chirurgischen Eingriff wird dann nachgedacht, wenn eine Behandlung mit Kortisonsalbe keinen Erfolg bringt. Dazu muss jedoch eine klare Behandlungsbedürftigkeit vorliegen wie:

  • Schmerzen beim Wasserlassen oder das Aufblasen der Vorhaut
  • Ständig wiederkehrende Entzündungen an der Vorhaut
  • Das Auftreten einer Paraphimose
  • Vernarbungen der Vorhaut
  • Lichen sclerosus

Besteht eine akute Entzündung, ist es erforderlich, diese vor dem Eingriff zu therapieren, wozu in der Regel Antibiotika verabreicht werden.

Sinnvolle Indikationen für eine Phimose-Operation:

  • Die Prävention von örtlichen Entzündungen
  • Das Gewährleisten einer normalen Intimhygiene
  • Das Ermöglichen einer beschwerdefreien Entleerung des Urins
  • Das Verhindern von Beschränkungen der Sexualfunktion
  • Die Behandlung einer Paraphimose

Welche Rolle das Lebensalter spielt

Von Bedeutung ist zudem das Alter des Patienten. So sind Verklebungen der Vorhaut bei Babys und Kleinkindern nicht ungewöhnlich. Bis das erste Lebensjahr vollendet ist, lässt sich die Vorhaut bei etwa 50 Prozent aller betroffenen Kinder zurückstreifen. Ab dem dritten Lebensjahr ist dies sogar bei 90 Prozent der Fall und bis zum 17. Lebensjahr steigt die Rate auf 99 Prozent an.

Vor der Operation

Sowohl bei Kindern als auch bei erwachsenen Patienten muss im Vorfeld eine exakte Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen der Phimose-OP stattfinden. Bei Kindern ist es zwingend erforderlich, dass die Eltern dem operativen Eingriff zuzustimmen.

Kinder erhalten vor der Operation stets eine Vollnarkose. Bei erwachsenen Menschen reicht mitunter eine lokale Betäubung aus. In den meisten Fällen erfolgt der Eingriff, der in der Regel 15 bis 20 Minuten in Anspruch nimmt, ambulant.

Operationsverfahren

Für die Phimose-Operation kommen unterschiedliche Operationsverfahren in Betracht.

Die totale Zirkumzision (vollständige Beschneidung)

Von einer totalen Zirkumzision ist die Rede, wenn der Chirurg die Vorhaut vollständig entfernt und danach die Eichel freilegt.

Zu diesem Zweck löst er im ersten Behandlungsschritt die Vorhaut von der Eichel und trennt sie anschließend am Übergang in Richtung Penisschaft ab. Nächster Schritt ist das Vernähen der übriggebliebenen Hautschichten der inneren und äußeren Vorhaut an der Schnittfläche. Besteht möglicherweise ein zu kurzes Frenulum (Vorhautband), wird dieses durchtrennt.

Subtotale Zirkumzision (Teilbeschneidung)

Im Rahmen einer subtotalen Zirkumzision entfernt der Operateur nur einen Teil der verengten Vorhaut. Nach der Teilbeschneidung lässt sich der Rest der Vorhaut wieder ohne Schwierigkeiten hinter die Eichel zurückstreifen.

Erweiterungsplastik

Bei dem Verfahren der Erweiterungsplastik erfolgt eine Erweiterung der Vorhautplastik durch das Durchführen von Schnitten an bestimmten Stellen. Diese vernäht der Chirurg durch spezielles Vorgehen.

Allerdings lässt sich die Erweiterungsplastik nicht bei Patienten durchführen, bei denen Lichen sclerosus vorliegt. So besteht dabei ein zu großes Rückfallsrisiko.

Liegt eine natürliche Phimose vor, bei der es sich um eine Verklebung von Eichel und Vorhaut handelt, die sich nicht von selbst löst, wird die Vorhaut vom Gewebe der Eichel gelöst, was zumeist ausreichend ist. Bei der natürlichen Phimose besteht keine Vorhautverengung, sodass die Vorhaut weder erweitert noch entfernt werden braucht.

Risiken einer Phimose-Operation

Die Phimose-Operation wird in der Regel erfolgreich durchgeführt. Dennoch bestehen auch bei diesem Verfahren gewisse Risiken. So leiden rund ein bis zwei Prozent der Patienten unter

  • Nachblutungen,
  • Infektionen oder
  • Narbenbildung.

Um die Gefahr solcher unerwünschten Nebenwirkungen zu reduzieren, wird empfohlen, einen Kinderchirurgen oder Urologen auszuwählen, der über genügend Erfahrung verfügt.

Narbenbildung

Bei Narbenbildung drohen funktionelle Störungen, die einen weiteren chirurgischen Eingriff erfordern könnten.

Das Risiko der Narbenbildung ist vor allem bei einer Teilbeschneidung sowie einer Erweiterung der Vorhaut gegeben. Im Falle einer totalen Zirkumzision fällt die Gefahr der Narbenbildung dagegen deutlich geringer aus.

Nach der Operation

Bevor der Patient den Heimweg antritt, muss der Arzt sicherstellen, dass sich die Blase ohne Schwierigkeiten entleeren lässt. Mitunter leiden die Operierten zunächst unter Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen. Aus Angst vor den Schmerzen versuchen Kinder oft, den Harn zurückzuhalten.

Die Operationswunden bilden sich normalerweise ohne Komplikationen wieder zurück. Ungefähr nach einer Woche nimmt der Arzt eine Kontrolluntersuchung vor, um den Heilungsverlauf zu überprüfen. Weil fast immer selbstauflösende Fäden Verwendung finden, müssen die Operationsnähte meist nicht entfernt werden. So lösen sich die Fäden nach zwei bis vier Wochen von selbst auf. Bis die vollständige Wundheilung abgeschlossen ist, dauert es etwa 14 Tage.

Um Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen entgegenzuwirken, können milde Schmerzmittel, fettreiche Salben und Kamillensitzbäder zur Anwendung gelangen.

Erwachsene Patienten sind in der Regel nach fünf Tagen wieder arbeitsfähig. Jedoch sollten rund zwei Wochen lang sportliche Betätigungen, zu denen auch Radfahren zählt, unterbleiben. Gleiches gilt für den Besuch von öffentlichen Bädern aufgrund von Infektionsgefahr.

War der Artikel hilfreich?

Fehler im Text gefunden?

Bitte sagen Sie uns, warum der Artikel nicht hilfreich war:

Um die Qualität unserer Texte zu verbessern, wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie uns den/die konkreten Fehler benennen könnten:

Quellenangaben

  • Bildnachweis: chirurgen © Falk - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

Weitere Artikel zum Thema