Tuberkulose-Test - Durchführung und Aussagekraft verschiedener Testverfahren

Arzt mit Halbglatze und weißem Poloshirt sitzt mit Patient in der Sprechstunde

Ablauf und Bewertung des standardmäßigen Tuberkulin-Hauttests und unterschiedlicher Schnelltests

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  • von Paradisi-Redaktion

Ein Tuberkulose-Test dient zur Feststellung einer Tuberkulose. Das heute standardmäßig eingesetzte Testverfahren wird auch Tuberkulin-Hauttest oder Mendel-Mantoux-Test genannt. Bei positivem Testergebnis tritt eine gerötete Verhärtung an der Einstichstelle auf. Auch verschiedene Tuberkulose-Schnelltests stehen heutzutage zur Verfügung. Wie ein Tuberkulin-Test durchgeführt und bewertet wird und ob Schnelltests eine zuverlässige Alternative zum Tuberkulin-Hauttest darstellen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Tuberkulin-Test zur Tuberkulose-Diagnostik

Um eine Tuberkulose entsprechend behandeln zu können, muss sie der Arzt erst einmal feststellen. Dazu dient neben der Anamnese der Tuberkulose-Test.

Vor der Durchführung des Tests findet zunächst ein Anamnesegespräch mit dem Patienten statt, in dessen Rahmen er sich mit seiner Krankengeschichte befasst. Dabei ermittelt der Mediziner, ob der Patient unter typischen Tuberkulosesymptomen leidet wie:

  • Husten, der lange anhält
  • Verlust von Gewicht
  • Anstieg der Körpertemperatur

Von Interesse sind außerdem mögliche Kontakte mit Personen, die unter Tuberkulose leiden. Außerdem wird eine körperliche Untersuchung vorgenommen.

Durchführung des Tuberkulin-Hauttests

Für eine ausführlichere Diagnostik bedarf es exakter Testverfahren. Dazu gehört vor allem der Tuberkulose-Test nach Mendel-Mantoux, der auch Tuberkulin-Hauttest genannt wird.

Zur Durchführung des Tuberkulin-Hauttests spritzt der Arzt eine geringfügige Menge Eiweiß, das zu den ursächlichen Mykobakterien gehört, in die Unterarminnenseite.

Das Testresultat stellt sich nach drei Tagen heraus. So kommt es an der Stelle der Injektion zu einer Verhärtung, die durch eine gerötete Haut erkennbar ist. Berücksichtigung bei dem Tuberkulose-Test findet jedoch ausschließlich der Querdurchmesser an der Hautstelle, an der die Verhärtung auftritt. Die Rötung ist dagegen nicht von Relevanz. Durch die Verdickung wird angezeigt, ob der Patient Kontakt mit den auslösenden Mykobakterien hatte, da sie eine Reaktion auf die Antigene darstellt.

Ob ein Tuberkulin-Test als positiv gewertet wird, richtet sich nach den Risikofaktoren des Patienten. Mit dem Tuberkulin ist es allerdings nicht möglich, Informationen darüber zu erhalten, ob eine latente Infektion mit den Erregern vorliegt oder es sich um eine aktive Erkrankung handelt.

Positivitätskriterien

Zur Beurteilung des Tuberkulin-Tests dienen drei unterschiedliche Positivitätskriterien, die in 5, 10 und 15 mm (Millimeter) unterteilt werden.

5 mm

Fällt die Verhärtung mindestens 5 Millimeter aus, wird der Tuberkulose-Test als positiv eingestuft, wenn bei den Patienten zudem Auffälligkeiten auf den Röntgenaufnahmen bestehen. Dabei kann es sich um Ansammlungen von Flüssigkeit oder Verschattungen handeln.

Als positiv gilt das Testverfahren außerdem bei Personen, die unter einer Immunschwäche oder HIV leiden, sowie bei Menschen, die einen engen Kontakt zu Tuberkulosepatienten haben.

10 mm

Ein 10-mm-Test wird als positiv angesehen bei nierenkranken Personen, Menschen, die unter Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder Drogensucht leiden, obdachlos sind, in einem Altenheim oder Gefängnis leben oder aus einem Land stammen, in dem Tuberkulose verbreitet ist.

15 mm

Erreicht die Reaktion einen Umfang von 15 Millimetern, bedeutet dies einen deutlichen Hinweis auf eine akute, therapiebedürftige Tuberkulose. Spezielle Risikofaktoren liegen bei den Testpersonen nicht vor.

Bis sich das Resultat des Tests zeigt, vergehen in der Regel bis zu acht Wochen.

Bei Menschen, die gegen Tuberkulose geimpft sind, ist auch nach 5 bis 10 Jahren noch ein positives Testergebnis möglich. Bei einer Verhärtung von über 15 Millimetern besteht auch bei ihnen eine Tuberkuloseinfektion.

Negatives Testergebnis

Negativ wird das Ergebnis des Tuberkulose-Tests eingestuft, wenn sich keinerlei Veränderungen auf der Haut ergeben.

Allerdings lässt sich selbst in diesem Fall eine Tuberkuloseinfektion nicht sicher ausschließen. So kann der Test vier bis sechs Wochen nach der Infektion zum Teil noch negative Ergebnisse mit sich bringen.

Falsch negative Testergebnisse

Bei schweren Krankheitsverläufen wie beispielsweise der Miliartuberkulose fallen die Testresultate bei bis zu 50 Prozent aller Testpersonen teilweise falsch aus.

Falsch negative Testergebnisse können zudem vorkommen bei:

  • einer medizinischen Immunsuppression, in deren Rahmen das Abwehrsystem mit Medikamenten unterdrückt wird
  • einer Sarkoidose
  • bösartigen Tumoren des Lymphsystems
  • nach Virusinfekten wie einer Grippe, Windpocken oder Masern
  • nach Lebendimpfungen gegen Mumps, Masern, Windpocken, Röteln oder Gelbfieber
  • bei Immunschwächekrankheiten wie AIDS

Namensgebung des Mendel-Mantoux-Tests

Das Tuberkulin, das von dem deutschen Mediziner Robert Koch (1843-1910) als Heilmittel gegen Tuberkulose entwickelt wurde, stellte sich als therapeutischer Fehlschlag heraus. Von Kochs Medizinerkollegen Felix Mendel (1862-1925) wurde der Stoff dann für einen Tuberkulose-Test verwendet. Der französische Arzt Charles Mantoux (1877-1947) fand heraus, dass sich mit dieser Testmethode eine Infektion mit Tuberkulose effizienter feststellen ließ als mit den anderen gebräuchlichen Verfahren. Aus diesem Grund trägt der Tuberkulin-Test auch die Bezeichnung Mendel-Mantoux-Test.

Tuberkulose-Schnelltests

Mittlerweile sind auch sogenannte Tuberkulose-Schnelltests durchführbar. Sie kommen zur Anwendung, um einen schnelleren Therapiebeginn zu ermöglichen.

Xpert MTB/RIF-Test

Zu den Schnelltestverfahren zählt unter anderem Xpert MTB/RIF. Im Rahmen des Tests erfolgt eine Analyse des Auswurfs (Sputums) des Patienten. Auf diese Weise lassen sich die Gene des Mycobacteriums tuberculosis nachweisen, wobei eine Polymerase-Kettenreaktion erfolgt. Zur Bestimmung findet eine Vervielfältigung der Gene statt, die Teil des Erbguts sind.

Der Xpert MTB/RIF-Test wurde in den USA entwickelt und ist in der Lage, auch Resistenzen der Tuberkulose-Bakterien gegen bestimmte Arzneimittel wie Rifampicin zu entdecken. Der Test hat den Vorteil, dass er überaus simpel und zugleich schnell ist. So erfolgt schon nach 90 Minuten mithilfe eines Spezialgeräts der Nachweis, ob eine Tuberkulose-Infektion sowie eine eventuelle Resistenz gegen Rifampicin vorliegt. Dadurch sollen die bisherigen aufwendigen medizinischen Untersuchungsverfahren mit der Zeit ersetzt werden, deren Resultate bis zu drei Monate in Anspruch nehmen können.

Antikörper-Schnelltest

Einige Tuberkulose-Schnelltests werden auch frei verkäuflich angeboten. Die Testperson untersucht mit den entsprechenden Verfahren ihr Blut auf Antikörper gegen Tuberkulose. Unter Antikörpern werden Eiweiße des Immunsystems verstanden, die bei Infektionen durch Keime gegen diese entstehen.

Im Rahmen des Antikörper-Schnelltests gibt die Testperson etwas Blut auf eine Kassette mit dünnem Papier, auf dem verschiedene Eiweiße untergebracht sind, deren Bindung an Antikörper gegen Tuberkulose erfolgt. Sind tatsächlich Antikörper im Organismus vorhanden, bilden sich eine Viertelstunde nach Beginn des Tests zwei gefärbte Streifen auf dem Papier. In diesem Fall wird der Test in der Regel als positiv angesehen.

Das Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung von Tuberkulose sowie weitere Experten geben jedoch zu bedenken, dass diese Schnelltests nur einen beschränkten Nutzen haben. Lediglich bei einer aktiven Infektion mit Tuberkulose erhärtet der Test den Verdacht auf die Erkrankung. Dagegen lassen sich bakterienarme Tuberkulose-Infektionen mit diesen Verfahren nicht erkennen. Durch eine Antibiotikabehandlung kann das Testresultat außerdem verfälscht werden. Durch ein negatives Ergebnis des Tests lässt sich zudem eine Tuberkulose nicht ausschließen.

Von den meisten Ärzten wird noch kein Sinn in der ständigen Anwendung von Tuberkulose-Schnelltests gesehen. Daher empfehlen sie nach wie vor die Durchführung des Tuberkulin-Hauttests, weil sich mit diesem die Krankheitserreger direkt nachweisen lassen.

Experten sehen molekulare Schnelltests bei der Tuberkulose noch nicht als endgütliges Verfahren

Grafik der menschlichen Lunge mit Bronchien, auf grauem Oberkörper grün hervorgehoben
Lunge mit Bronchien in grauem Umfeld 2 © psdesign1 - www.fotolia.de

Um Krankheitserreger identifizieren zu können und um auch die Wirksamkeit von Medikamenten untersuchen zu können, wurden früher aufwendige Tests der Mikrobiologie angewandt. Heute ersetzen verschiedene Gentests diese Arbeitsschritte.

Doch nicht in allen Bereichen der Medizin sind die Gentests auf Zuspruch gestoßen. Bei der Resistenzbestimmung der Tuberkulose beispielsweise hält man noch heute an den herkömmlichen oder besser gesagt an den klassischen Methoden fest. Zwar können über die Schnelltests ebenfalls sichere Ergebnisse erzielt werden, jedoch können die Gentests die herkömmlichen Verfahren im Bereich Tuberkulose noch nicht ersetzen. Dies ist das Fazit von einer Expertengruppe rund um Francis Drobniewski vom Blizard Institute London.

Die Verbindung beider Tests ist ohne Weiteres zu akzeptieren. Denn zur Bestimmung der Erreger ist der Schnelltest alle Mal geeignet. Für die weiterführende Behandlung einer Tuberkulose jedoch sollten die herkömmlichen Untersuchungen auch noch stattfinden.

Schnelltest auf Tuber­kulose zeigt in der Praxis eine Schwäche

3D Grafik Lungen mit Bronchien auf weißem Hintergrund
lunge mit bronchien © Sebastian Kaulitzki - www.fotolia.de

Die Tuber­kulose ist eine ernstzunehmende Infektion, die durch Bakterien ausgelöst wird. In den meisten Fällen siedeln diese sich dann in der Lunge an, weshalb Tuber­kulose meist als Lungenkrankheit angesehen wird.

Schnelltest zur Unterscheidung von anderen Erkrankungen

Um die Symptome schnell und zuverlässig auf Tuber­kulose zurückzuführen gibt es inzwischen einen Schnelltest. Dieser soll andere Infektionen als Auslöser der Beschwerden ausschließen. Der Arzt kann dann bei einem positiven Befund sofort die Therapie einleiten.

Vor Zulassung sehr hohe Trefferquote

Der in den USA entwickelte Schnelltest hatte in den Studien vor der Zulassung hervorragende Werte erzielt. Bei Patienten, die tatsächlich an Tuber­kulose litten, lag der Schnelltest in 98,2 Prozent der Fälle richtig. Bei Probanden, die dagegen keine Tuber­kulose-Bakterien in sich trugen, kam man nur auf 72,5 Prozent, was jedoch immer noch recht sicher ist.

WHO für Einsatz des Tests

Die WHO war sehr erfreut, dass es nun eine solch sichere Testmethode gibt und hatte bereits 2011 bekannt gegeben, dass sie bis zum Jahr 2015 insgesamt 1,4 Millionen Tests selbst kaufen und bei Bedürftigen anwenden wird. Dieses Vorhaben wird die WHO insgesamt 25,9 Millionen US-Dollar kosten.

Praxis zeigt geringere Aussagekraft

Bereits jetzt kristallisiert sich jedoch heraus, dass die angegebenen Prozentzahlen zur Sicherheit nicht ganz stimmen können. Bisher konnte man im Praxistest nur eine Sensitivität von 83 Prozent ermitteln. Dieser Wert ist dabei aber noch immer höher, als die Sicherheit des bisher zur Diagnose herangezogenen Standardverfahrens. Bisher wird der sogenannte Sputumtest durchgeführt. Das bedeutet nichts anderes, als dass das Sekret beim Husten im Labor untersucht wird. Die Sicherheit der positiven oder negativen Diagnose liegt hier aber gerade einmal bei 50 Prozent.

Tuberkulosetherapie oft auch bei negativem Ergebnis

Die Praxis zeigt daher auch, dass trotz negativem Sputumtest viele Ärzte eine Therapie gegen Tuber­kulose einleiten, da sie dem Test nicht trauen. Das stellt jedoch auch den Sinn des neuen Schnelltest infrage, denn diesen bräuchte man dann auch nicht.

Schnelltest für Tuberkulose in Afrika erkennt multiresistente Stämme nicht

Medizinforscher raten Ärzten dazu, sich nicht mehr allein auf den Tuberkulose-Schnelltest zu verlassen

Untersuchung - Chemiker mit Mundschutz bei einer Blutuntersuchung
diagnosis © Leah-Anne Thompson - www.fotolia.de

Bei der Diagnose von Tuberkulose werden heute meist molekulardiagnostische Schnelltests wie der Xpert MTB/RIF-Test eingesetzt, der von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlen wird. Allerdings haben Forscher der Organisation Ärzte ohne Grenzen nun festgestellt, dass diese Schnelltests über ein Viertel der multiresistenten (MDR) Tuberkulosestämme nicht erkennt.

Die Forscher hatten die Daten einer nationaler Antibiotikaresistenz-Studie analysiert, die 2009 und 2010 im afrikanischen Swasiland durchgeführt wurde. Swasiland gilt als Land mit den weltweit höchsten Tuberkuloseraten.

Multiresistenter Keim

Die Analyse zeigte, dass von den insgesamt 125 bekannten MDR-Stämmen etwa 30 Prozent eine spezifische Mutation aufwiesen, die das wichtigste Antibiotikamittel Rifampicin wirkungslos macht. Die mutierten Stämme waren zuvor nur in Hongkong und Australien festgestellt worden.

Unbehandelt breiteten sie sich nun vermutlich über nationale Grenzen hinweg bis nach Afrika aus. Die Forscher empfehlen nun, ähnliche Studien in den Nachbarländern Südafrika und Mozambique durchzuführen um festzustellen, ob sich dieser multiresistente Keim auch dorthin ausgebreitet hat.

Untersuchung auf Resistenzen

Weiterhin sollten sich Ärzte nicht mehr allein auf den Tuberkulose-Schnelltest verlassen. Sie empfehlen, dass Patienten in Swasiland, die positiv auf Tuberkulose getestet wurden, zusätzlich auf Resistenzen untersucht werden. Sie weisen auf die schwierige Lage in Swasiland in, wo rund 26 der Erwachsenen mit HIV infiziert sind und bei über 80 Prozent der Tuberkulose-Patienten eine Koinfektion mit HIV vorliegt.

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