Tuberkulose-Impfung - Impfempfehlung, Wirkung und Risiken

Gelbes Impfbuch, darauf liegt Spritze

Schutzimpfung gegen Tuberkulose, die in Deutschland heute nicht mehr zu den empfohlenen Impfungen gehört

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  • von Paradisi-Redaktion

Die Tuberkulose-Impfung soll Schutz vor einer Infektion mit den Tuberkulose auslösenden Mykobakterien bieten. In Deutschland zählt diese Schutzimpfung seit 1998 allerdings nicht mehr zu den empfohlenen Impfungen der STIKO, da erstens das Infektionsrisiko hierzulande sehr gering ist und zweitens der Impfstoff über eine unzureichende Wirksamkeit und einige Komplikationsrisiken verfügt. In Ländern mit hohem Tuberkuloserisiko kommt die Tuberkulose-Impfung aber auch heute noch zum Einsatz. Erfahren Sie hier mehr über Geschichte, Durchführung, Wirkung und Risiken der Tuberkulose-Impfung.

Was ist Tuberkulose?

Als Tuberkulose wird eine Infektionskrankheit bezeichnet, für die bakterielle Erreger verantwortlich sind. Sie kommt auf der ganzen Welt vor und entsteht durch unterschiedliche Arten von Mykobakterien. Besonders häufig tritt die Lungentuberkulose auf, die die Lungen befällt.

Auch in Deutschland kommt es mitunter noch zu Krankheitsfällen durch Tuberkulose. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts wurden im Jahr 2015 insgesamt 5865 offiziell gemeldete Krankheitsfälle festgestellt, wobei von einer höheren Dunkelziffer ausgegangen wird. Besonders betroffen von der Tuberkulose sind Großstädte wie Berlin, Hamburg und Bremen.

International besonders von der Tuberkulose betroffene Gebiete sind Süd- und Ostasien, afrikanische Länder südlich der Sahara, verschiedene lateinamerikanische Staaten sowie einige ehemalige Staaten der Sowjetunion.

Die Behandlung der Infektionskrankheit erfolgt mit verschiedenen Antibiotika, die gegen Mykobakterien vorgehen.

Grafische Darstellung einer Lungentuberkulose
Lungentuberkulose

Impfung gegen Tuberkulose

Bis 1998 stand in Deutschland eine Schutzimpfung gegen Tuberkulose zur Verfügung, die in Form einer Lebendimpfung durchgeführt wurde. Dabei erhielten die geimpften Personen einen abgeschwächten Mykobakterienimpfstamm mit der Bezeichnung Bacillus Calmette-Guerin (BCG). Weil die Wirkung der Schutzimpfung jedoch nachließ und diverse Nebenwirkungen und Komplikationen zu befürchten waren, besteht mittlerweile nur noch selten ein Anlass für eine Tuberkulose-Impfung. Die STIKO (Ständige Impfkommission) empfiehlt die Impfung gegen Tuberkulose in Deutschland heutzutage daher nicht mehr.

Tuberkulose-Impfstoff

Der Impfstoff gegen Tuberkulose entstand im frühen 20. Jahrhundert durch die französischen Mediziner Albert Calmette (1863-1933) und Camille Guerin (1872-1961) aus einem Wildtyp des Mycobacterium bovis. Durch das fortwährende Züchten kam es im Laufe der Zeit zu einem abgeschwächt-virulenten Bakterium, sodass ab 1921 ein Impfstoff gegen die schwere Krankheit zur Verfügung stand.

Der BCG-Impfstoff zählt zu den Lebendimpfstoffen und findet in 173 Ländern Verwendung. Eine Tuberkulose-Impfung wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Staaten empfohlen, in denen ein erhöhtes Tuberkuloserisiko besteht.

Tuberkulose-Impfung in Deutschland

In Deutschland gelangte der BCG-Impfstoff erst nach dem 2. Weltkrieg zum Einsatz. Dies war vor allem auf das Impfunglück von Lübeck im Jahr 1930 zurückzuführen. Dabei kamen 77 von 208 geimpften Kindern aufgrund einer fehlerhaften Impfstoffverarbeitung ums Leben.

Wie bereits erwähnt, empfiehlt die Ständige Impfkommission eine Impfung mit dem BCG-Impfstoff in Deutschland seit 1998 nicht mehr, womit sie einer Empfehlung der WHO folgte. So braucht keine flächendeckende Tuberkulose-Impfung stattfinden, wenn das Infektionsrisiko weniger als 0,1 Prozent beträgt.

In anderen Staaten, in denen ein hohes Tuberkuloserisiko besteht, werden jedoch nach wie vor Impfungen gegen die Erkrankung durchgeführt. Eine Impfung mit dem BCG-Impfstoff gilt allerdings selbst dann nicht mehr als empfehlenswert, wenn eine Reise in Länder bevorsteht, in denen zahlreiche Tuberkulosefälle vorkommen.

Durchführung einer Tuberkulose-Impfung

Im Rahmen der Impfung injiziert der Arzt den Tuberkulose-Impfstoff in die Haut des Patienten. In der Medizin ist auch von einer intrakutanen Injektion die Rede.

Eine Impfung von Säuglingen unter sechs Wochen gilt als problemlos möglich. Ist das Kind jedoch älter als sechs Wochen, muss zunächst ein Tuberkulose-Test nach Mendel-Mantoux erfolgen. Zu diesem Zweck wird eine geringfügige Dosis Tuberkulin, das zu den Tuberkulose-Eiweißen zählt, verabreicht. Zeigt sich an der Injektionsstelle keine oder nur eine gering ausgeprägte rötliche Verhärtung, fällt der Tuberkulose-Test negativ aus. Erst, wenn dies der Fall ist, darf das Kind gegen Tuberkulose geimpft werden.

Um festzustellen, ob die Tuberkulose-Impfung erfolgreich verlief, wird erneut ein Tuberkulose-Test nach Mendel-Mantoux durchgeführt. Nach etwa drei Wochen tritt an der Einstichstelle eine klar erkennbare Verhärtung auf, was ein positives Testresultat ergibt.

Weil der Tuberkulose-Test auch noch nach Jahren ein positives Ergebnis hervorbringen kann, ist es wichtig, dass der Arzt stets über vorgenommene Impfungen informiert wird. Kommt es zu einem negativen Testresultat, ist eine Nachimpfung notwendig.

Wirkung der Impfung

Nicht immer wird durch eine Tuberkulose-Impfung der Ausbruch der Krankheit auch wirklich verhindert. Gleiches gilt für Ansteckung und das Weiterverbreiten der Mykobakterien. Selbst der Krankheitsverlauf fällt bei erwachsenen Patienten nur wenig milder aus. Bei Kindern ergaben Studien jedoch positive Werte. So werden ungefähr 80 Prozent aller geimpften Kinder vor schweren Tuberkuloseverläufen geschützt, die den gesamten Organismus befallen.

Die Wirkung des Tuberkulose-Impfstoffes fällt auch in den unterschiedlichen Erdteilen und Regionen überaus verschieden aus. Als unwirksam gilt der Impfstoff vor allem in Asien, Afrika und Lateinamerika. Zurückgeführt wird dies auf die unterschiedlichen Umwelteinflüsse in den jeweiligen Gebieten. In einigen Ländern kommt die BCG-Impfung jedoch großflächig und erfolgreich zum Einsatz.

Von der Wissenschaft wird derzeit noch an einem verbesserten BCG-Impfstoff gearbeitet, um eine bessere Schutzwirkung bei gleichzeitig weniger Komplikationen zu erzielen.

Tuberkulose bekämpfen: Deutsche Forscher entwickeln viel versprechenden Impfstoff

Mehrere Reagenzgläser mit roter Flüssigkeit für biologische Forschung
Biological research © NiDerLander - www.fotolia.de

Die Tuberkulose gehört zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten. Es handelt sich um eine Ansteckung mit den sogenannten Mykobakterien, die sich im Körper ansiedeln und gefährliche Entzündungen auslösen. Am liebsten nisten die Erreger sich in der Lunge ein, weshalb die Tuberkulose vor allen Dingen in ihrer Ausprägung als Lungenkrankheit bekannt ist.

Früher sagte man daher auch, jemand habe "die Motten", denn das Lungengewebe wird nach und nach zersetzt. Dies endet meist tödlich.

Viel versprechender Impfstoff in Testphase mit Freiwilligen

Die Tuberkulose gibt es noch immer auf der ganzen Welt, wobei vor allen Dingen Regionen Asiens und Afrikas hohe Infektionszahlen haben. Bisher gibt es keinen zuverlässigen und zufriedenstellenden Impfstoff, doch das könnte sich bald ändern. Viele Forscher arbeiten seit Jahren mit Nachdruck an der Entwicklung eines Wirkstoffes und nun glaubt man, fündig geworden zu sein. Am Max-Planck-Institut haben Infektionsbiologen einen viel versprechenden Impfstoff entwickelt. Da das Mittel sich in Tierversuchen bewährt hat, befindet man sich bereits in der Testphase mit Freiwilligen.

Neuer Impfstoff konzentriert sich auf die Aktivierung von Killerzellen

Die Entwicklung eines Impfstoffes gegen Tuberkulose gestaltet sich als schwierig, da die Bakterien sich im Körper gut zu tarnen wissen. Sie nisten sich in die Makrophagen ein. Dies sind die Fresszellen des Immunsystems und werden eigentlich aktiviert, wenn es einen Feind zu bekämpfen gibt. Da der Feind nun aber quasi bereits hinter den eigenen Linien, nämlich in den Fresszellen, ist, hat es der Körper schwer. Darüber hinaus besitzen die Mykobakterien eine dicke Fettschicht, die sie vor Angriffen schützt. Auch Antibiotika haben hier kaum eine Chance.

Der neu entwickelte Impfstoff konzentriert sich nun auf die Aktivierung von Killerzellen. Dies soll den Organismus aggressiver denn je gegen die Bakterien vorgehen lassen. Die Ergebnisse der Probandenstudie stehen noch aus.

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    Zunehmende Multiresistenzen haben die Behandlung von Tuberkulose in den letzten Jahren erschwert. Besonders HIV-Infizierte leiden häufig unter Tuberkulose als Nebeneffekt der Immunschwäche. Bei dieser Gruppe stirbt jeder Fünfte an den Folgen der Infektion.

    Nebenwirkungen einer Tuberkulose-Impfung

    Durch eine Impfung gegen Tuberkulose sind mitunter verschiedene Nebeneffekte möglich. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen:

    • Verhärtungen
    • Rötungen
    • Bildung von Narben
    • Gewebeschäden

    Gewebeschäden treten in erster Linie auf, wenn eine subkutane Impfung erfolgt, also einer Injektion in das Unterhautgewebe.

    Manche Geimpfte leiden zudem unter Schwellungen und Entzündungen an den Lymphknoten. So kommt es statistisch bei einer von 1000 Tuberkulose-Impfungen zu einer Lymphadenitis. Gelegentlich können auch die Augen in Mitleidenschaft gezogen werden.

    Schwere Komplikationen wie eine Hirnhautentzündung (Meningitis) oder eine Knochenmarkentzündung zeigen sich jedoch nur sehr selten.

    Gegenanzeigen

    Zu beachten sind auch einige Kontraindikationen bei einer Impfung gegen Tuberkulose. So dürfen zum Beispiel keine Personen geimpft werden, die schon an Tuberkulose erkrankt sind. Grund dafür sind die in dem BCG-Impfstoff vorhandenen Bakterien, durch die die Gefahr einer Verschlimmerung der Krankheit besteht.

    Auch Personen, bei denen eine Schwächung des Immunsystems vorliegt, wie bei HIV-Patienten, sind von einer Impfung ausgeschlossen. Diese Ausschlusskriterien gelten auch für Patienten, die Immunsuppressiva erhalten, sowie für schwangere Frauen.

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    Quellenangaben

    • Bildnachweis: Impfpass mit einer Spritze für Grippeimpfung © Christian Rummel - www.fotolia.de
    • Bildnachweis: Lungentuberkulose © Henrie - www.fotolia.de

    Autor:

    Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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