Tollwut-Impfung - Impfempfehlung und mögliche Nebenwirkungen

Spritze mit Ampulle neben gelbem Impfausweis auf blauem Tisch

Präventiver oder nachträglicher Schutz vor der lebensgefährlichen Tollwut

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  • von Paradisi-Redaktion

Eine Impfung gegen Tollwut bietet zuverlässigen Schutz vor einer lebensgefährlichen Infektion mit dem Tollwut auslösenden Rabiesvirus, der meist durch den Biss eines infizierten Tieres übertragen wird. Von Bedeutung ist eine präventive Tollwut-Impfung insbesondere für Menschen, die regelmäßigem Kontakt mit möglicherweise infizierten Tieren ausgesetzt sind, wie Tierärzte oder Jäger. Bei fehlender Schutzimpfung und akuter Infektion ist eine Tollwut-Impfung aber auch noch nachträglich wirksam, sofern sie möglichst zeitnah vorgenommen wird. Lesen Sie hier alles zu den verschiedenen Impfformen, Impfstoffen und Nebenwirkungen einer Tollwut-Impfung.

Warum gegen Tollwut impfen?

Bei Tollwut (Rabies) handelt es sich um eine Infektionserkrankung, für die das Rabiesvirus verantwortlich ist. Hervorgerufen wird die tödlich verlaufende Krankheit zumeist durch den Biss eines Tieres, das an Tollwut erkrankt ist. Dabei erfolgt die Übertragung des Virus durch infizierten Speichel. Als Hauptüberträger der Tollwut gelten Hunde. Aber auch Tiere wie Katzen, Füchse, Fledermäuse und Waschbären können die Viren weitergeben.

Da die Krankheit fast immer zum Tode des Betroffenen führt, ist eine Impfung gegen die Tollwut sehr wichtig.

Überträger der Tollwut sind besonders häufig streunende Hunde und Füchse.

Entwicklung des Tollwut-Impfstoffes

Erste Impfversuche mit Tollwutviren, die ungeschwächt verabreicht wurden, fanden 1881 durch Pierre Victor Galtier, Professor an der Tierarzneischule von Lyon, statt. Auch der Biochemiker Louis Pasteur (1822-1895) nahm ab 1884 Experimente an Hunden vor und griff dabei auf einen Lebendimpfstoff zurück.

Ab 1885 erfolgten erste Impfungen an Menschen. Die Gewinnung des Impfstoffs fand aus dem Nervengewebe von infizierten Versuchstieren statt. Ab 1907 gelangten Tollwutviren für teilweise Phenol-inaktvierte Impfstoffe zur Anwendung. 1913 wurden schließlich komplett Phenol-inaktivierte Tollwutimpfstoffe verabreicht.

Ab dem Jahr 1954 gewannen Wissenschaftler die Tollwutimpfstoffe aus den Gehirnen von infizierten Mäuseembryonen. Allerdings bestand durch diese Impfstoffe die Gefahr von tödlichen Nebenwirkungen. Daher kam es 1957 zur Umstellung auf nicht-neuronale Zellkulturen.

Ab 1986 begann das Anzüchten von embryonalen Hühnerzellen oder von Vero-Zellen. Mittlerweile findet auch die Forschung an Impfstoffen statt, die auf mRNA-Basis beruhen.

Tollwut-Impfstoffe

Bei den Tollwut-Impfstoffen, die heutzutage verabreicht werden, handelt es sich um inaktivierte Totimpfstoffe. Der Mensch erhält diese in der Regel, wenn er mit dem Tollwutvirus in Berührung gekommen ist. Ebenso können Präventivimpfungen bei Personen erfolgen, die einem erhöhten Tollwutrisiko ausgesetzt sind. Zu den besonders gefährdeten Personengruppen zählen

  • Tierärzte,
  • Forstpersonal,
  • Jäger,
  • Laborpersonal sowie
  • Menschen, die in Gebiete reisen, in denen ein erhöhtes Erkrankungsrisiko besteht.

Von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) wurden die Tollwut-Impfstoffe auf die Liste der unentbehrlichen Medikamente gesetzt.

Peruanische Ureinwohner von Natur aus immun gegen Tollwut

Blick entlang eines schmalen Pfades in einem düsteren und vernebelten Regenwald
Selva Nepal © quickshooting - www.fotolia.de

Wie amerikanische Wissenschaftler an der Disease Control herausgefunden haben, gibt es ein paar wenige Menschen, die von Natur aus immun gegen Tollwut sind. Für ihre Forschungen haben sie das Blut von über 60 Ureinwohnern aus dem peruanischen Amazonas untersucht. Dabei ergab sich, dass knapp 10 Prozent der Untersuchten Antikörper gegen Tollwut in sich trugen, und das, obwohl sie noch nie ihrem Leben eine Impfung erhalten hatten.

Dieser Befund gibt neue Rätsel in Bezug auf Tollwut auf. Bislang galt die Erkrankung nur durch Impfungen vermeidbar und zwingend tödlich im Verlauf. Die untersuchten Einwohner litten aber teilweise an Tollwut, ohne durch die Krankheit irgendwie eingeschränkt zu sein.

Formen der Tollwut-Impfung

Um einen sicheren Schutz vor der tödlichen Tollwut zu gewährleisten, kann eine Impfung erfolgen. Die Impfstoffe helfen sowohl in akuten Fällen als auch präventiv. Bei einer vorbeugenden Impfung ist der menschliche Körper in der Lage, binnen weniger Wochen einen Impfschutz aufzubauen, der nachhaltig anhält. Besteht Verdacht auf Tollwut, erhält der Betroffene eine nachträgliche Impfung.

Präventive Impfung gegen Tollwut

Chinareisende sollten sich gegen Tollwut impfen lassen

Skyline einer Stadt in China, vorne typisch chinesische Architektur (rote Türme), im Hintergrund viele Hochhäuser
Chinese Classical Architecture © gui yong nian - www.fotolia.de

Nach Indien gilt China als das Land mit der höchsten Zahl von gemeldeten Tollwutanfällen bei Menschen und Tieren. Deshalb rät der Berufsverband der Deutschen Internisten (BDI) allen Chinareisenden dazu, sich gegen Tollwut impfen zu lassen. Hierfür seien drei Impfungen in einem Zeitraum von mindesten drei Wochen erforderlich. Besonders in ländlichen Gebieten gibt es im Notfall häufig keine erforderlichen Impfstoffe.

Die Tollwut wird meist von herumstreunenden Hunden übertragen, die Touristen plötzlich beißen. Menschen können sich auch bei Füchsen, Katzen und Fledermäusen infizieren. Daher ist es ratsam, keine herumstreunenden Tiere zu streicheln oder anzufassen.

Eine präventive (präexpositionelle) Impfung gegen Tollwut gilt als wichtig für Personen, die ständig mit Tieren in Kontakt kommen. Dazu können auch Touristen gehören, die in Länder mit einem erhöhten Tollwutrisiko reisen, insbesondere Thailand, China, Vietnam, Indien, Bangladesch, Pakistan und Nepal.

Den Reisenden wird einige Zeit vor Reiseantritt eine prophylaktische Tollwut-Impfung verabreicht (meist per Injektion ins Gesäß), die abgeschwächte Tollwut-Erreger enthält. Dadurch kann der Organismus einen sicheren Schutz vor den Rabiesviren aufbauen.

Insgesamt sind für die prophylaktische Tollwut-Impfung drei Impfvorgänge nötig. Sieben Tage nach der ersten Injektion erhält der Patient die zweite Impfung. Die dritte Impfung wird 21 bis 28 Tage nach der ersten Impfdosis dargereicht. Besteht die Infektionsgefahr auf Dauer, muss nach gewisser Zeit eine Auffrischung erfolgen.

Der Tollwut-Impfstoff wird als sehr zuverlässig eingestuft. Zeitliche Abstände zu anderen Impfungen sind nicht notwendig.

Nachträgliche Impfung gegen Tollwut

Ist ein Mensch nicht gegen Tollwut geimpft und infiziert sich, ist es dennoch möglich, sein Leben durch eine nachträglich durchgeführte (postexpositionelle) Impfung zu retten. Allerdings muss die Impfung zeitnah nach dem Biss durch ein infiziertes Tier stattfinden. Das heißt, dass die Impfung im Optimalfall bereits einige Stunden nach der Infektion vorgenommen wird. Dadurch steigern sich die Überlebenschancen der betroffenen Person deutlich.

Wurde ein Mensch von einem tollwutverdächtigen Tier gebissen, muss die Wunde sofort ausgespült und desinfiziert werden. Dadurch kann schon ein Teil der Erreger bekämpft werden. Anschließend begibt sich der Gebissene umgehend zu einem Arzt.

Im Rahmen der passiven Immunisierung werden von dem Mediziner menschliche Antikörper in hoher Konzentration gegen das Virus unmittelbar in jene Stelle gespritzt, in die die Erreger eingetreten sind. Zumeist handelt es sich um die Biss- oder Kratzwunde. Dabei wird gegen die Viren vorgegangen, ohne dass es zu zeitlichen Verzögerungen kommt. Durch einen Zellkulturimpfstoff lässt sich der Organismus außerdem dazu stimulieren, die Erreger anzugreifen.

Die nachträgliche Tollwut-Impfung setzt sich aus bis zu sechs einzelnen Impfungen zusammen, die sich über einen Zeitraum von bis zu 90 Tagen erstrecken. Das Einhalten dieser Zeiträume ist überaus wichtig für die Wirkung der Impfung.

Tollwut-Impfung: Nur noch eine Spritze anstatt fünf bis sechs

Einmal-Impfung gegen Tollwut durch Entwicklung eines Lebendimpfstoffs

Zwei Hände ziehen eine Spritze mit einem Impfwirkstoff auf
Injection © DXfoto.com - www.fotolia.de

Jedes Jahr sterben allein in den Entwicklungsländern bis zu 70.000 Menschen, davon etwa fünfzig Prozent Kinder, an den Folgen einer Tollwut-Infektion. Impfungen können hier Leben retten, wobei gerade in Schwellen- und Entwicklungsländern es aufgrund der fünf bis sechs nötigen Spritzen medizinisch oftmals nicht möglich ist die Impfungen durchzuführen.

Lebendimpfstoff für Einmal-Impfung

Nun könnte es in absehbarer Zeit jedoch möglich sein mit nur einer Spritze den wichtigen Impfschutz aufzubauen, was weltweit viele Vorteile mit sich bringen würde. Wissenschaftler konnten hierzu einen Tollwut-Impfstoff entwickeln, der nicht aus abgetöteten Erregern stammt, sondern aus einem Lebendimpfstoff. Diesem wurde das Matrix-Gen entfernt, welches dafür verantwortlich ist Erreger im Organismus zu verteilen.

Versuche an Affen und Mäusen konnten hierbei aufzeigen, dass sich dieser Impfstoff schon nach nur zehn Tagen mit einer vierfachen Konzentration im Körper aufweisen konnte und auch nach sechs Monaten immer noch bessere Werte bei den Tieren innehatte als es bei dem bisherigen Verfahren der Fall ist. Dieses bedingt bei einer prophylaktischen Impfung drei Spritzen in einigen Wochen Abstand und bei einem Kontakt mit einem tollwutinfizierten Tier werden bis zu sechs Spritzen nötig, um die tödlich verlaufende Erkrankung zu blocken.

Wann die Einmal-Impfung gegen Tollwut für den Menschen zur Verfügung stehen wird, ist derzeit jedoch noch unklar.

Gegenanzeigen und Nebenwirkungen

Kontraindikationen gegen eine Tollwut-Impfung kommen selten vor. Meist handelt es sich dabei um Allergien gegen Bestandteile des Impfstoffes oder chronische Krankheiten.

Der Impfstoff gilt als allgemein gut verträglich. In einzelnen Fällen sind folgende Nebenwirkungen oder Impfreaktionen möglich:

Wirksamkeit des Tollwut-Impfstoffes

Die Wirksamkeit des Tollwut-Impfstoffes liegt bei 100 Prozent. Der Impfschutz besteht rund vier Wochen nach der Grundimmunisierung und hält mindestens zwei bis fünf Jahre an. Im Anschluss daran sollte eine Auffrischimpfung stattfinden, sofern das Risiko weiterhin besteht.

Tollwut-Impfung für Haustiere

Auch Haussäugetiere lassen sich in der Regel gegen Tollwut impfen. Der Impfstoff wird bei Haustieren ausschließlich zur prophylaktischen Schutzimpfung verabreicht und subkutan injiziert.

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Quellenangaben

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Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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