Agnosie - Formen, Merkmale und Ursachen

Blaue Grafik eines menschlichen Kopfes mit farblich markierten Gehirnregionen und Schwingungen

Störung beim Erkennen und Deuten von Sinneswahrnehmungen

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  • von Paradisi-Redaktion

Bei Patienten mit einer Agnosie ist die Sinneswahrnehmung gestört. Die Sinnesorgane funktionieren zwar, die Informationen, die sie an das Gehirn weitergeben, werden aber nicht mehr korrekt interpretiert. Betroffene können das Gesicht eines ihnen bekannten Menschen zwar sehen, die Person aber nicht wiedererkennen. Die Agnosie ist aber nicht nur auf das Visuelle beschränkt, auch der Hör- oder Tastsinn können betroffen sein. Mehr über die verschiedenen Formen sowie Ursachen der Agnosie erfahren Sie in diesem Artikel.

Die Bezeichnung Agnosie stammt aus dem Griechischen und bedeutet in deutscher Übersetzung so viel wie "Nichtwissen" oder "Unwissen". Das heißt, dass das Verarbeiten von Informationen im Gehirn nicht mehr reibungslos verläuft. Die Agnosie entsteht nach bi- oder unilateralen kortikalen Schädigungen des Gehirns und beeinträchtigt die Interpretation von wahrgenommenen Informationen. Die Sinnesorgane des Patienten bleiben jedoch intakt. Gleiches gilt für seinen Intellekt und die Aufmerksamkeit. Die Agnosie tritt verhältnismäßig selten auf.

Auf den Begriff Agnosie griff erstmals der österreichische Neurologe und Psychologe Sigmund Freud (1856-1939) zurück. Die Bezeichnung galt jedoch ausschließlich für das visuelle System. Trotz intakter Sehfähigkeiten waren die betroffenen Personen nicht imstande, bestimmte Dinge zu erkennen und sie beim Namen zu nennen. In der heutigen Zeit ordnet die Medizin den Begriff Agnosie sämtlichen Sinnesmodalitäten zu.

Formen der Agnosie

In der Medizin wird die Agnosie in mehrere Formen unterteilt:

Die visuelle Agnosie

Die häufigste Form der neuropsychologischen Störung stellt die visuelle Agnosie dar. Sie ist auch als optische Agnosie oder Seelenblindheit bekannt. Die Betroffenen sind zwar in der Lage, ein bestimmtes Objekt oder das Gesicht eines Menschen zu sehen, erkennen es jedoch nicht wieder. Wird der Gegenstand akustisch wahrgenommen oder lässt er sich greifen, erkennt der Patient ihn jedoch.

Die Medizin teilt die visuelle Agnosie noch einmal in verschiedene Formen ein:

  • die Farbagnosie, in deren Rahmen sich Farben nicht mehr zuordnen lassen
  • die apperzeptive Agnosie, bei der der Betroffene nur Teile des Objekts, aber nicht sein Ganzes erkennen kann
  • die assoziative Agnosie, in der der Patient zwar die Form eines Gegenstands wahrnimmt, jedoch nicht imstande ist, seine Bedeutung zuzuordnen
  • die Prosopagnosie, bei der der Patient Gesichter von Angehörigen oder Freunden nicht mehr erkennt, sondern sie durch andere Charakteristika wie Stimme oder Gestik identifiziert

Akustische Agnosie

Die akustische Agnosie trägt auch die Bezeichnung Seelentaubheit. Obwohl der Betroffene über ein funktionstüchtiges Gehör verfügt, ist er nicht imstande, bestimmte Worte zu erkennen oder selbst auszusprechen. Zusammenhängende Sätze werden nicht wahrgenommen. Auch Melodien lassen sich nicht erkennen, während sich bestimmte Geräusche oder Töne aber zuordnen lassen.

Taktile Agnosie

Von einer taktilen Agnosie oder Stereoagnosie ist die Rede, wenn der Patient trotz intakten Tastsinns ohne Sichtkontrolle nichts identifizieren kann. Weder Materialien noch Gegenstände lassen sich von ihm korrekt wahrnehmen.

Ansognosie

Im Falle einer Ansognosie (Krankheitsblindheit) können die Beteiligten eigene Funktionseinbußen oder Erkrankungen nicht erkennen bzw. beachten. Obwohl eindeutige Beeinträchtigungen von Körperregionen vorliegen, glaubt der Patient, dass alles in Ordnung sei. Im Falle einer Lähmung unternimmt der Erkrankte zum Beispiel immer wieder den Versuch, die gelähmte Körperstelle zu benutzen.

Autotopagnosie

Bei einer Autotopagnosie handelt es sich um das Unvermögen, trotz funktionsfähiger Oberflächensensibilität Hautreize des eigenen Körpers wahrzunehmen.

Räumliche Agnosie

Als räumliche Agnosie wird die Unfähigkeit bezeichnet, sich am eigenen Körper oder in einem Raum zu orientieren.

Ursachen einer Agnosie

Hervorgerufen wird die Agnosie zumeist durch eine Schädigung des Gehirns. Denkbare Auslöser sind:

  • ein Schlaganfall
  • Infektionen der Hirnhäute
  • Verletzungen des Gehirns
  • gravierende psychische Erkrankungen
  • Hirntumore

Eine visuelle Agnosie geht häufig aus einer Schädigung des Okzipitallappens hervor. In dieser Hirnregion ist die visuelle Verarbeitung von Informationen ansässig. Bei einer Schädigung des Paritallappens kommt es nicht selten zu einer Autotopagnosie. Wird der hintere Schläfenlappen in Mitleidenschaft gezogen, ist dagegen meist eine akustische Agnosie die Folge.

Wann zum Arzt?

Besteht Verdacht auf eine Agnosie, muss unbedingt ein Arzt konsultiert werden. So gilt sie als Hinweis auf eine Hirnfunktionsstörung. Eine eindeutige Diagnose lässt sich nur durch einen Arzt erstellen. Ein erstes wichtiges Warnsignal ist das Nichterkennen von bestimmten Objekten.

Diagnose einer Agnosie

Um den Verdacht der Agnosie zu bestätigen, unterzieht der Arzt die Sinnesbereiche einigen Testverfahren. So soll der Patient unter anderem bestimmte Gegenstände bezeichnen oder sie benutzen. Wird zum Beispiel eine Prosopagnosie vermutet, muss der Erkrankte auf Fotos von Familienangehörigen oder Bekannten deren Namen nennen.

Auch das Sehvermögen wird bei einer visuellen Agnosie einer genauen Kontrolle unterzogen. Durch dieses Vorgehen lassen sich Sehstörungen als mögliche Ursache ausschließen.

Zur weiteren Diagnostik werden auch bildgebende Verfahren wie eine kardiale Computertomographie (CCT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) verwendet.

Behandlung einer Agnosie

Eine spezielle Therapie zur Behandlung der verschiedenen Agnosien gibt es nicht. Auch ist die Agnosie nicht heilbar. Falls erforderlich, kommen Mediziner aus verschiedenen Fachgebieten wie Ergotherapeuten, Neuropsychologen oder Logopäden zum Einsatz. Sie versuchen, dem Patienten einen besseren Umgang mit der Agnosie zu ermöglichen und dadurch seine Lebensqualität zu verbessern. Überaus wichtig zur Unterstützung des Patienten sind dessen Angehörige und deren Mitarbeit.

Bei einer Prosopagnosie kann ein Training erfolgen, in dessen Rahmen der Patient lernt, Menschen nicht an ihrem Gesicht, sondern an anderen Charakteristika zu erkennen. Dazu gehören Merkmale wie die Stimme, der Gang oder die Haarfarbe.

Prognose bei einer Agnosie

Da die Agnosie nicht heilbar ist und es keine einheitliche Therapie für ihre Behandlung gibt, nimmt die neurologische Störung oft einen ungünstigen Verlauf. Allerdings lassen sich manche Schwächen durch gezielte Trainingsmaßnahmen durchaus kompensieren. So können einige Wahrnehmungen durch andere ersetzt werden.

Eine Verringerung der Lebenserwartung ist durch die Agnosie in der Regel nicht zu befürchten. Manche Patienten benötigen jedoch ständige Hilfe von anderen Menschen, weil ihr Alltagsleben stark eingeschränkt ist.

Vorbeugung einer Agnosie

Eine gezielte Vorbeugung der Agnosie ist leider nicht möglich. So wird sie zumeist durch hirnorganische Störungen oder Schlaganfälle verursacht. Spezielle prophylaktische Maßnahmen stehen nicht zur Verfügung.

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  • Bildnachweis: Gehirn - Schwingungen 1 © psdesign1 - www.fotolia.de

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