8. September 2009
(dgk) Bekommen Menschen mit dunkler Hautfarbe eigentlich auch Hautkrebs? Viele glauben, Schwarzafrikaner zum Beispiel blieben davon gänzlich verschont. Doch das ist ein Irrtum. Sie sind zwar tatsächlich durch ihre dunkle Haut prinzipiell besser vor den gefährlichen UV-Strahlen der Sonne geschützt und erkranken seltener, doch wenn sie betroffen sind, ist die statistische Sterblichkeitsrate höher als bei hellhäutigen Menschen.
Eine entscheidende Rolle spielt der Farbstoff Melanin, der quasi als natürlicher Sonnenschutz wirkt. Grundsätzlich tragen alle Menschen Melanin in der Haut, der unter anderem für die Pigmentierung der Haut, Haare und Augen verantwortlich ist. Doch der Melanin-Anteil ist bei den verschiedenen Ethnien unterschiedlich ausgeprägt. Bei hellhäutigen Menschen sind die melaninhaltigen Zellen kleiner und weniger dicht gruppiert, während sie bei Menschen dunklerer Hautfarbe größer und dichter sind, was sie effektiver das UV-Licht blockieren lässt. Außerdem haben Menschen mit dunklem Teint – wie Afroamerikaner, Asiaten, Hispanos und Indianer – mehr Melanozyten, die bis zu doppelt so viel Melanin produzieren wie bei Hellhäutigen.
Die naheliegende Schlussfolgerung, dass farbige Menschen besser gegen Sonnenstrahlung und Hautkrebs geschützt seien, stimmt jedoch nur bedingt. Obwohl sie 10 bis 20 Mal seltener als Hellhäutige an Hautkrebs erkranken, sind auch sie gefährdet, bösartige Hautmelanome zu bekommen. Vor allem an Körperstellen, die nicht direkt der Sonne ausgesetzt sind, bilden sich die gefährlichen Tumore bei ihnen. Dies sind unter anderem die Finger, die Fußsohlen und die Zehen. Da sich Sonnenschäden und schwarze Veränderungen, die auf bösartige Melanome hindeuten können, bei farbigen Menschen weniger deutlich zeigen, müssen sie besonders wachsam auf etwaige Veränderungen achten.
Eine Untersuchung des US-Wissenschaftlers Hugh Gloster und seiner Kollegen von der Universität Cincinnati, die bereits 2006 Daten verschiedener Studien der vergangenen 50 Jahre zum Thema Hautkrebs auswerteten, ergab, dass die dunkelhäutige Bevölkerung zwar viel seltener erkrankte als hellhäutige Menschen, es unter den dunkelhäutigen Hautkrebspatienten jedoch mehr tödliche Krankheitsverläufe gab.
Die Überlebenschance weißer Patienten beträgt fünf Jahre nach der Diagnose etwa 85 Prozent, die farbiger Menschen dagegen nur knapp 60 Prozent. Der Grund: Bösartige Veränderungen werden meist zu spät entdeckt, und auch die gezielte Vorbeugung (wie Eincremen mit Sonnencreme, Textilien als Sonnenschutz und das Beobachten der eigenen Haut) wird von vielen vernachlässigt. Zumal gefährliche Hautkrebsarten wie Plattenepithelkarzinome – der häufigste Hauttumor bei Afroamerikanern – oder maligne Melanome bei dunkelhäutigen Personen zwar auch an Hals, Kopf und Armen, aber überwiegend an sonnengeschützten, schwerer einsehbaren Körperstellen entstehen. Lediglich das harmlosere Basalzellkarzinom (weißer Hautkrebs) tritt bei allen ethnischen Gruppen bevorzugt auf sonnenexponierter Haut auf.
Experten warnen daher vor dem tragischen Irrtum, dass Menschen mit dunkler Haut keinen Hautkrebs bekommen könnten, und fordern, der weitverbreiteten Fehleinschätzung, dass gewisse Ethnien quasi immun gegen Hautkrebs seien, mit verstärkter Aufklärung entgegenzusteuern.
Quellen:
Mona A Gohara et. al.: Skin cancer in skins of color. Journal of drugs in dermatology (JDD) 2008 May; 7(5): 441-5, www.nextbio.com/;
Hautkrebs: Nicht nur bei Weißen (16.02.2009), www.hermal.de/;
Hugh M. Gloster Jr., Kenneth Neal: Skin cancer in skin of color. JAAD, Journal of the American Acadamy of Dermatology Volume 55, Issue 5, Pages 741-760 (November 2006), www.eblue.org/;
Gesellschaft für Dermopharmazie: Wer ist in Gefahr, ein malignes Melanom zu bekommen, und wie häufig ist es?, www.licht-hautkrebs-praevention.de/
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