Das Lyell-Syndrom: Wenn Medikamente schwere toxische Reaktionen auslösen

Der Kopf schmerzt, ein kranker Zahn pocht. Wie rasch greift man dann nach einem scheinbar harmlosen Medikament, um endlich schmerzfrei zu werden. Doch bei einem von einer Million Menschen kann dieser Griff zur Tablette, Tropfen oder einer anderen Form eines Medikamentes zu schwerwiegenden toxischen Reaktionen führen - in dem Fall liegt das Lyell-Syndrom vor. Informieren Sie sich über die Ursachen, Symptome und Behandlungsmaßnahmen des Lyell-Syndroms.

Die toxische epidermale Nekrolyse stellt die schwerste Form einer medikamentösen Unverträglichkeitsreaktion dar

Beim Lyell-Syndrom handelt es sich um eine so genannte toxische epidermale Nekrolyse, auch bekannt als Epidermolysis acuta toxica oder Syndrom der verbrühten Haut. Es stellt die schwerste Variante einer medikamentösen Unverträglichkeitsreaktion des Körpers dar. Vielfach ausgelöst durch die Einnahme eines Arzneimittels, kann diese plötzlich auftretende Reaktion bei einem Befall der Organe zum Tod führen.

Ursache und Symptome

In den meisten Fällen geht dem Lyell-Syndrom eine bestehende Infektion voraus, die des Öfteren fast unbemerkt im Körper ihr Unwesen treibt. Zu den möglichen Auslösern zählen laut Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft

  • Allopurinol
  • nichtsteroidale Antirheumatika und Analgetika
  • antibakterielle Sulfonamide und
  • Antikonvulsiva

Die Symptome des Syndroms treten innerhalb kürzester Zeit nach der Einnahme eines Medikaments mit

auf. Letzteres erfolgt zumeist nach dem Entstehen von Blasen und lässt die Haut wie nach einer schweren Verbrennung regelrecht in Fetzen abfallen.

Zurück bleiben schmerzende Fleischwunden, die sich über das Gesicht und den ganzen Körper ausbreiten können. Viele der Betroffenen werden aufgrund der unvorstellbaren Schmerzen in ein Koma gelegt, von dem allerdings nicht immer alle Patienten wieder erwachen. Weitere mögliche Begleiterscheinungen sind

Besonders gegen das Ablösen der Haut sind selbst die besten Mediziner machtlos und so hilft in der Regel nur die Tatsache, dass der Körper gegen die toxische Reaktion ankämpft und sich selbst wieder heilt. Ein Zustand, der meistens Monate anhält und folglich einen langen Leidensweg für die Betroffenen bedeutet.

Folgeschäden

Auch nach einer Heilung ist für viele der Menschen, die von dem Lyell-Syndrom getroffen wurden, nicht immer wieder alles so wie es vorher war, denn durch das regelrechte Abfallen der Haut bleiben sehr oft Narben zurück; Narben, die gerade im Gesicht, am Hals oder an den Händen und Armen für die Betroffenen eine schwere Belastung der Entstellung sein können.

Vorbeugung

Vorbeugen kann man diesem Syndrom nicht, denn je nach Medikamenteneinnahme zeigt sich erst danach, ob und in welcher Form der Organismus darauf reagiert. Einzig die Tatsache, dass man nicht wahllos und zu sorglos mit einer Einnahme von Arzneimitteln umgeht und sich selbst und die Reaktionen des Körpers gut beobachtet, wenn ein Medikament eingenommen wurde, kann eine gewisse präventive Maßnahme gegen das Lyell-Syndrom oder auch harmlosere Formen der Gegenreaktion ermöglichen.

Quellen:

  • Uwe Beise, Silke Heimes, Werner Schwarz: Gesundheits- und Krankheitslehre: Lehrbuch für die Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege, Springer Medizin Verlag, 2013, ISBN 9783642369834
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Ingo Blank, Ingo Blank: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Thieme, 2008, ISBN 9783131429629
  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2020, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165
  • Axel Trautmann, Jörg Kleine-Tebbe: Allergologie in Klinik und Praxis: Allergene - Diagnostik - Therapie, Thieme Verlagsgruppe, 2017, ISBN 9783131421838
  • Imke Reese, Christiane Schäfer, Thomas Werfel, Margitta Worm: Diätetik in der Allergologie, Dustri-Verlag Dr. Karl Feistle GmbH & Co., 2017, ISBN 3871855197
  • U. Darsow, U. Raap: Allergologie kompakt, Dustri-Verlag Dr. Karl Feistle GmbH & Co., 2016, ISBN 3871854832
  • Tilo Biedermann, Werner Heppt, Harald Renz, Martin Röcken: Allergologie, Springer Medizin Verlag, 2016, ISBN 9783642372025
  • Joachim Saloga, Ludger Klimek, Jürgen Knop, Roland Buhl, Wolf Jürgen Mann: Allergologie-Handbuch: Grundlagen und klinische Praxis Mit Handouts zum Download, Schattauer, 2011, ISBN 3794527291
  • Gerhard Grevers, Martin Röcken: Taschenatlas Allergologie: Grundlagen - Klinik - Therapie, Thieme Verlagsgruppe, 2008, ISBN 3131175524

Unsere Artikel werden auf Grundlage fundierter wissenschaftlicher Quellen sowie dem zum Zeitpunkt der Erstellung aktuellsten Forschungsstand verfasst und regelmäßig von Experten geprüft. Wie wir arbeiten und unsere Artikel aktuell halten, beschreiben wir ausführlich auf dieser Seite.

War der Artikel hilfreich?

Fehler im Text gefunden?

Bitte sagen Sie uns, warum der Artikel nicht hilfreich war:

Um die Qualität unserer Texte zu verbessern, wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie uns den/die konkreten Fehler benennen könnten:

Historie:
Zuletzt aktualisiert am
So arbeiten wir
Autor:

Mehr über uns
Warum kein namentlicher Autor?

Unsere Artikel werden auf Grundlage fundierter wissenschaftlicher Quellen sowie dem zum Zeitpunkt der Erstellung aktuellsten Forschungsstand verfasst und regelmäßig von Experten geprüft.

Bildnachweise:
  • medikament © Stefan Redel - www.fotolia.de

Weitere Artikel zum Thema