8. März 2010
Von Viola Reinhardt
Der Kopf schmerzt, ein kranker Zahn pocht. Wie rasch greift man dann nach einem scheinbar harmlosen Medikament, um endlich schmerzfrei zu werden. Doch bei einem von einer Million Menschen kann dieser Griff zur Tablette, Tropfen oder einer anderen Form eines Medikamentes die Hölle ausbrechen lassen.
Das Lyell-Syndrom stellt für den menschlichen Organismus den Super-Gau dar. Bei diesem äußerst seltenen, jedoch durchaus bis zu dem Tod führenden Syndrom, handelt es sich um eine sogenannte toxische epidermale Nekrolyse und stellt die schwerste Variante einer medikamentösen Unverträglichkeitsreaktion des Körpers dar. Vielfach ausgelöst durch die Einnahme eines Arzneimittels, kann diese plötzlich auftretende Reaktion bei einem Befall der Organe zum Tod führen.
In den meisten Fällen geht dem Lyell-Syndrom eine bestehende Infektion voraus, die des Öfteren fast unbemerkt im Körper ihr Unwesen treibt. Die Symptome des Syndroms treten innerhalb kürzester Zeit nach der Einnahme eines Medikaments mit Fieber, entzündeten Schleimhäuten und dem Ablösen der Haut auf. Letzteres erfolgt zumeist nach dem Entstehen von Blasen und lässt die Haut wie nach einer schweren Verbrennung regelrecht in Fetzen abfallen. Zurückbleiben schmerzende Fleischwunden, die sich über das Gesicht und den ganzen Körper ausbreiten können.
Viele der Betroffenen werden aufgrund der unvorstellbaren Schmerzen in ein Koma gelegt, von dem allerdings nicht immer alle Patienten wieder erwachen. Besonders gegen das Ablösen der Haut sind selbst die besten Mediziner machtlos und so hilft in der Regel nur die Tatsache, dass der Körper gegen die toxische Reaktion ankämpft und sich selbst wieder heilt. Ein Zustand, der meistens Monate anhält und folglich einen langen Leidensweg für die Betroffenen bedeutet.
Auch nach einer Heilung ist für viele der Menschen, die von dem Lyell-Syndrom getroffen wurden, nicht immer wieder alles so wie es vorher war, denn durch das regelrechte Abfallen der Haut bleiben sehr oft Narben zurück. Narben, die gerade im Gesicht, am Hals oder an den Händen und Armen auch nach der Heilung für die Betroffenen eine schwere Belastung der Entstellung sein können.
Vorbeugen kann man diesem Syndrom übrigens nicht, denn je nach Medikamenteneinnahme zeigt sich erst danach, ob und in welcher Form der Organismus darauf reagiert. Einzig die Tatsache, dass man nicht wahllos und zu sorglos mit einer Einnahme von Arzneimitteln umgeht und sich selbst und die Reaktionen des Körpers gut beobachtet, wenn ein Medikament eingenommen wurde, kann eine gewisse präventive Maßnahme gegen das Lyell-Syndrom oder auch harmlosere Formen der Gegenreaktion ermöglichen.
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