Was ist eine Phlegmone? - Merkmale und Behandlung der Infektionserkrankung

An der menschlichen Hand kann es zu verschiedenen Infektionen kommen. Dazu gehört unter anderem die Phlegmone. Es handelt sich um eine bakterielle Bindegewebsentzündung, die vor allem bei einem geschwächten Immunsystem auftritt. Je nach Art kann sie sich aber auch an anderen Körperregionen bilden. Lesen Sie alles Wissenswerte über die Phlegmone.

Wissenswertes zur Phlegmone

Phlegmone an Finger, Hand und Co. - Merkmale und Formen

Als Phlegmone wird eine eitrige Infektion im interstitiellen Bindegewebsraum bezeichnet. Die Phlegmone kann an verschiedenen Stellen des Körpers auftreten. Besonders betroffen sind jedoch Gliedmaßen wie Finger und Zehen.

Zu einer Phlegmone kommt es nach Verletzungen. Häufig sind Menschen mit einem geschwächten Immunsystem betroffen.

Ja nachdem, an welcher Körperstelle es zur Infektion kommt, unterscheidet man die folgenden Formen:

  • Hand-Phlegmone
  • Fuß-Phlegmone
  • Sehnenscheidenphlegmone
  • Gesichtsphlegmone (z.B. am Auge)

Im Kopfbereich kommt es selten zu Phlegmonen. So kommt es nur in weniger als einem Prozent der Fälle zu Hals-, Mundboden- oder Zungenphlegmonen.

Insektenstiche, Wunden und Co. - Ursachen von Phlegmonen und mögliche Risikofaktoren

Verantwortlich für eine Phlegmone sind Bakterien wie Streptokokken und Staphylokokken. In seltenen Fällen können auch Anaerobier die Infektion auslösen.

Oftmals kommt es zu Mischinfektionen. Über Bagatellverletzungen gelangen die Krankheitserreger in die Haut; möglich ist auch ein entzündeter Insektenstich.

Es kommt zu einer Ausbreitung der Bakterien in tiefen Hautschichten. Hier kommt es zu einer eitrigen Entzündung.

Besonders bei Menschen, die offene Wunden haben oder über ein nur schwaches Immunsystem verfügen, kommt es zu Phlegmonen. Ebenfalls sind medizinische Eingriffe ein möglicher Grund.

Zu Sehnenscheidenphlegmonen kommt es durch Verletzungen wie etwa einer Stich- oder Schnittwunde. Es kommt zu einer Schwellung, welche auf die die Sehnenscheide versorgenden Gefäße drückt.

Dadurch, dass die Nährstoffversorgung ausbleibt, kommt es zum Absterben des Gewebes. Bakterien erhalten somit einen Angriffspunkt.

Phlegmone, die sich entlang der Sehnenscheiden des kleinen Fingers und Daumens ausbreiten, bezeichnet man als V-Phlegmone. Die Verbindung miteinander erfolgt am Handgelenk. Sofern sich die Infektion am Zeige-, Mittel- oder Ringfinger zeigt, beschränkt sie sich auf diesen, da zwischen den Sehnenscheiden keine Verbindungen vorliegen.

Zu Orbitalphlegmonen kommt es meist als Folge einer Nasennebenhöhlenentzündung oder einer Verletzung des Kopfes. Auch andere Körperstellen können Ausgangspunkt dafür sein.

Symptome einer Phlegmone

Typisch für eine Phlegmone ist, dass sich an der betroffenen Stelle eine eitrige Entzündung bildet. Diese breitet sich weiter aus. Die Betroffenen leiden unter

  • Schmerzen (Spontan- oder Druckschmerz)
  • Abgeschlagenheit und Krankheitsgefühl
  • einer hohen Herzfrequenz
  • Atemnot
  • einer rötlich-lividen Schwellung und
  • Fieber.

Je nach Form der Phlegmone gibt kommt es zu spezifischen Symptomen:

  • V-Phlegmone: geschwollener Handrücken, Hohlhand in Krallenstellung, Daumen und kleiner Finger in Beugestellung
  • Zungenphlegmone: Schmerzen beim Schlucken und Sprechen, Luftnot
  • Orbitalphlegmone: hervorstehendes Auge, Lidschwellung, Sehstörungen, Einschränkungen in Augenbewegungen

Mögliche Folgen der Phlegmone

Bei einer Phlegmone besteht das Risiko von Komplikationen wie der Zerstörung von Körpergewebe und starken Beeinträchtigungen des Allgemeinbefindens. Unter Umständen kann es sogar zu einer Blutvergiftung kommen. Typische Anzeichen dafür, dass es sich um einen ernsten Verlauf handelt, sind

  • Bewusstseinsstörungen
  • Herzrasen
  • kalter Schweiß
  • Blässe
  • Fieber und
  • starke Schmerzen.

Diagnose und Differenzialdiagnose (z.B. Erysipel)

Diagnostiziert wird eine Phlegmone anhand ihrer typischen Symptome. Um den Erregertyp zu bestimmen, entnimmt man eine Probe des Wundsekrets.

Im Rahmen der Differenzialdiagnose müssen bestimmte Erkrankungen ausgeschlossen werden. Dabei handelt es sich um

  • das Erysipel (Wundrose), welches zu einer Entzündung der oberflächlichen Hautschicht mit einer scharfen Begrenzung zeigt
  • das Erysipeloid, auch Schweinerotlauf genannt, bei dem es zu einer Hautendzündung kommt, von der besonders Landwirte oder Metzger betroffen sind, da sie sich am infiziertem Fleisch anstecken
  • ein Abszess, welches zu einer Eiteransammlung unter der Haut führt, dessen Entzündungsherd sich jedoch aufgrund einer Abgrenzung nicht ausbreitet.

Möglich ist auch eine Blutuntersuchung zur Bestimmung der Erreger. Bei einer Orbitalphlegmone erfolgt auch eine Bildgebung der Nasennebenhöhlen und Augenhöhle, etwa in Form eines CTs.

Behandlung der Phlegmone

Zur Behandlung einer Phlegmone erhält der Patient systemisch wirkende Antibiotika. Meist handelt es sich dabei um hochdosiertes Penicillin.

Liegt eine Allergie gegen Penicillin vor, greift man stattdessen auf Makrolidantibiotika zurück. Kommt es zum Einschmelzen der Phlegmone, ist meist eine operative Entfernung von abgestorbenen Gewebe und Eiter nötig.

Was man als betroffener Patient selbst tun kann, ist die entsprechende Körperregion

  • zu kühlen
  • hochzulagern und
  • ruhig zu stellen.

Ebenfalls lassen sich Schmerzmedikamente einnehmen. Je nach Form der Phlegmone ist auch an eine chirurgische Eröffnung der Phlegmone zu denken. Die betroffene Hautregion wird dabei mehrmals eingeschnitten und gespült.

Der Verband muss aus Hygienegründen jeden Tag gewechselt werden nach der OP
Der Verband muss aus Hygienegründen jeden Tag gewechselt werden nach der OP
Bei einer leichten Infektion genügt es den Finger ruhigzustellen
Bei einer leichten Infektion genügt es den Finger ruhigzustellen

Quellen:

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  • Danica Milatovic: Infektionen: Praktische Hinweise zur antimikrobiellen Therapie und Diagnostik, Vieweg+Teubner Verlag, 1989, ISBN 3528079975
  • Stefan Gesenhues, Anne Gesenhues, Birgitta Weltermann: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag, 2017, ISBN 3437224476
  • Joseph Passet: Untersuchungen Über die Aetiologie der Eiterigen Phlegmone des Menschen, Forgotten Books, 2018, ISBN 1332439594
  • DGPI - Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie e.V.: DGPI Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen, Thieme, 2018, ISBN 3132407909
  • Martin Röcken, Martin Schaller, Elke Sattler, Walter Burgdorf: Taschenatlas Dermatologie: Grundlagen, Diagnostik, Klinik, Thieme, 2010, ISBN 3131425210
  • Thomas Dirschka, Roland Hartwig, Claus Oster-Schmidt: Klinikleitfaden Dermatologie: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag, 2010, ISBN 343722302X
  • Dorothea Terhorst-Molawi: BASICS Dermatologie, Urban & Fischer Verlag, 2019, ISBN 3437421344

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  • Bandage auf den Handgelenk anlegen © Marina Bartel - www.fotolia.de
  • Hand im Verband © Peter Atkins - www.fotolia.de
  • bandage up on fingers of a hand. © Max Tactic - www.fotolia.de

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