Kabaretts - Merkmale, Geschichte und unterschiedliche Formen

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Das Kabarett lässt sich in unterschiedliche Formen einteilen, wie politisch, sozialkritisch, literarisch oder satirisch - wir geben einen Überblick über die typischen Merkmale

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  • von Paradisi-Redaktion

Beim Kabarett handelt es sich um eine Kleinkunstform, die Musik, Lyrik und darstellende Kunst miteinander vereint. Je nach Form - zum Beispiel satirisch, politisch, sozialkritisch - gibt es unterschiedliche Stile. Zu den typischen Elementen zählen Sketche als Ausdruck von Satire und Parodie, aber auch Sarkasmus und Ironie sind vertreten. Informieren Sie sich über die Geschichte und Merkmale unterschiedlicher Kabarett-Formen.

Kabarett: Definition und Merkmale

Das Kabarett zählt zu den Kleinkunstformen. Typisch ist die Verbindung von

  • Lyrik
  • darstellender Kunst oder
  • Musik,

dabei spielen Satire sowie Polemik eine entscheidende Rolle. Das Kabarett kann je nach Form

  • unterhaltend
  • komisch
  • künstlerisch-ästhetisch oder auch
  • gesellschaftskritisch

sein.

Generell geht es bei Comedy und Stand-up-Comedy häufig eher um die komische Schilderung diverser eigener Umweltkonflikte, während beim Kabarett eher öffentliche Personen oder Ereignisse aus Gesellschaft und Politik Thema sind.

Häufig wird diese Art der Kleinkunst mit Comedy bzw. Stand-up-Comedy gleichgesetzt; eine Abgrenzung ist schwierig, die Übergänge fließend. Entsprechende Künstler lassen sich somit oft schwer einer Kategorie zuordnen.

Typische Elemente

Das Kabarett kann je nach Form ganz unterschiedliche Elemente aufweisen. Typisch sind Sketche als Ausdruck von Parodie und Satire, ebenso Ironie und Sarkasmus.

Neben den Sketchen zählen unter anderem auch Lieder und bestimmte Redeformen zu den typischen "Nummern" einer Kabarettveranstaltung. Als spezielle Form wird das Vortragskabinett angesehen, das zusätzlich mit den gängigen Elementen des Bühnenvortrags, wie zum Beispiel Beamer oder Overheadprojektor, auskommt.

Die Vorstellung des Kabaretts erfolgt traditionsgemäß auf einer Bühne. Seit den 60er Jahren gibt es auch entsprechende Radio- und Fernsehauftritte.

Geschichte

Die Eröffnung des ersten Kabaretts erfolgte Anfang 1880 in Paris in Form des cabaret artistique, welches seit 1881 unter dem Namen "Le Chat Noir" geführt wurde. Schnell wurde es zu einer Stätte für Artisten, die dort ihre Programme probten, bevor sie sie einem größeren Publikum präsentierten.

In Deutschland wurde Anfang 1901 die erste Kleinkunstbühne eröffnet. Es folgten weitere Gruppen, die sich dieser Form der Kleinkunst widmeten; als erster Star hierzulande gilt Otto Reutter.

Zunächst unterlag das Kabarett der strengen Theaterzensur; eine öffentliche Kritik war untersagt. Dies änderte sich nach Ende des Zweiten Weltkrieges - ab 1919 wurden die soziale Situation sowie die aktuellen Entwicklungen der Politik zum typischen Thema.

Neben Reutter bekamen auch weitere Künstler des deutschen Kabaretts einen Namen, darunter

  • Werner Finck
  • Claire Waldoff
  • Isa Vermehren
  • Hans Deppe oder
  • Karl Valentin.

Das Kabarett litt unter der Machtübernahme der NSDAP; die Künstler wurden verfolgt und viele von ihnen reisten in andere Länder, um sich dort ins Exil zu begeben. In Deutschland blieb das unter staatlicher Kontrolle geführte Kabarett.

Mitte der 50er Jahre ersetzte man das freie durch das propagandistische Kabarett. Diese wurden teils zu großen Erfolgen, die auch im Fernsehen gezeigt wurden.

Im Laufe der Zeit entwickelten sich mehr und mehr verschiedene Kabarettformen. In den 80er Jahren kam dem politischen Kabarett noch mal kurz eine größere Bedeutung zu; danach wurde die Kunstform stetig durch diverse Comedyformen verdrängt.

Kabarett-Festspiele

Dennoch hat das Kabarett nach wie vor seine festen Anhänger. Diese wohnen entsprechenden Veranstaltungen auch in Form von Kabarett-Festspielen bei. Zu den bekannten Vertretern in Deutschland zählen:

  • Prix Pantheon (Bonn)
  • Leipziger Lachmesse
  • Festival der Bundesvereinigung Kabarett (Aschersleben, Sachsen-Anhalt)
  • Das große Kleinkunstfestival bei den Wühlmäusen (Berlin)
  • Apoldaer Kabarett-Tage
  • Kabarettherbst (Biberach)
  • Rügener Kabarett-Regatta

Formen

Im Folgenden gehen wir auf die unterschiedlichen Formen von Kabarett ein.

Politisches Kabarett

Das Politische Kabarett zum Beispiel beschäftigt sich - wie der Name schon vermuten lässt - schwerpunktmäßig mit Themengebieten, Personen und Prominenten in und um die Politik. Ist das Politische Kabarett qualitativ hochwertig, dann ist es sehr anspruchsvoll und verlangt vom Zuhörer eine gewisse Vorbildung und Interesse für politische Entwicklungen und Spezialgebiete. Ein Zuhörer, der sich für Politik nur wenig interessiert, wird daher beim Politischen Kabarett eher nicht auf seine Kosten kommen.

Sozialkritisches Kabarett

Das Sozialkritische Kabarett dagegen berührt die Themen der Politik nur am Rande und greift sie dort auf, wo vor allem die Auswirkungen der Politik in der Gesellschaft besonders zu spüren sind. Insofern ist auch das Sozialkritische Kabarett ein Kabarett mit politischem Hintergrund. Es kann jedoch auch so gestaltet sein, dass es sich thematisch um Missstände in der Gesellschaft dreht, die zum Beispiel aber auch in persönlichen Eigenarten begründet sein können und nicht politisch motiviert sein müssen.

Literarisches Kabarett

Das Literarische Kabarett ist eine Spezialform des Kabaretts, die sich wirklich an Kenner wendet. Hier kommt auf seine Kosten, wer sich in der Welt der Literatur gut auskennt. Zum Spielball der kabarettistischen Äußerungen werden hier

  • Bestseller
  • berühmte und vermeintlich berühmte Werke, sowie natürlich
  • hin und wieder auch deren Autoren.

Meist sucht sich das Literarische Kabarett eine Epoche aus, um die der Kabarettist sein Programm spannt. Dies kann auch die aktuelle Gegenwart mit ihren neuesten Werken sein.

Satirisches Kabarett

Das Satirische Kabarett ist das Kabarett, wie wir es wohl am ehesten kennen. Hier werden Themengebiete aus dem Alltag aufgegriffen, so dass jeder Zuhörer mit einer normalen Allgemeinbildung der Unterhaltung folgen kann. Meist ist eine gewisse Fähigkeit zur Selbstironie bei den Zuhörern Voraussetzung, denn es werden viele Themen präsentiert, in denen man sich selbst wieder erkennen kann und über sich selbst lachen können sollte.

Köln: 50 Jahre Kabarett "Senftöpfchen"

In der nordrhein-westfälischen Stadt Köln, kann nun das älteste Kabarett der Stadt, das "Senftöpfchen" einen stolzen Geburtstag von 50 Jahren feiern.

Am vergangenen Sonntag fand zu Ehren des Kabaretts in der Oper Köln eine Gala-Veranstaltung statt, an der unter anderem Alfred Biolek teilgenommen hatte. Dieser startete in den 70er Jahren im nun ältesten Kabarett der Stadt, seine Karriere als Moderator.

Da das "Senftöpfchen" noch lange nicht genug vom Theater spielen hat, lautet demzufolge für die kommenden fünfzig Jahre das Motto "Den Biss behalten mit den ersten, zweiten und dritten Zähnen".

Moulin Rouge feiert 120. Geburtstag

Die "Rote Mühle" in Paris feiert 120-jähriges Bestehen und trotzt jeder Krise. 1889 zur Weltausstellung eröffnete die Tanzshow. Damals war der Cancan, der Tanz, bei dem man den Mädchen unter die Röcke schauen konnte, ein Skandal.

Die Sprecherin des Hauses, Fanny Rabasse, setzt auf die Qualität der Auftritte und so kommt auch noch heute jeder ins Moulin Rouge. Früher vom König bis zum einfachen Arbeiter, heute mit Freunden und Familie, sieht sich jeder gern den bunten Mix aus Clownerie, Tanzshow, Zirkus, Märchen und viel mehr an.

100 Euro kostet die Vorstellung, mit Menü vom Spitzenkoch bis zu 500 Euro. Täglich gibt es zwei Vorstellungen mit 850 Sitzplätzen. Die zweistündige Vorstellung wird mit 7 Minuten Cancan abgeschlossen.

Komikerin Carolin Kebekus darf Kirchenkritik üben - Grenze ist bei einer Satire sehr, sehr hoch

Die Komikerin Carolin Kebekus übte in einer Sendung Kirchenkritik. Sie zeigte einen Video-Clip, in dem sie sich selbst in das Kostüm einer Nonne und eines Messdieners warf und einen Rap-Song mit der entsprechenden Kritik singt und das Ganze mit frivolen Gesten unterstreicht. Der WDR distanzierte sich von dem Clip, da er stellenweise „gegen das WDR-Gesetz verstoße“ und weil man auf religiöse Überzeugungen Rücksicht nehmen will.

Der Fall landete vor der Kölner Oberstaatsanwaltschaft. Diese ist nach Prüfung zu dem Ergebnis gekommen, dass der Sachverhalt „unter Kunstfreiheit fällt“, da „die Grenze dessen, was man bei Satire ertragen muss sehr, sehr hoch ist“. Die Staatsanwaltschaft befindet, dass der Aussage-Inhalt nicht „gotteslästerlich sei, sondern nur kirchenkritisch“. Damit ist ein Straftatbestand nicht gegeben.

Grundinformationen und Hinweise zu Kabaretts

  • Kabaretts - Merkmale, Geschichte und unterschiedliche Formen

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Speaker at Business Conference and Presentation. © kasto - www.fotolia.de

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Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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