Auf den Spuren vergangener Zeiten im Orient-Express

Abfahrtstafel mit Uhr am französischen Bahnhof, Uhrzeit kurz vor Zwölf

Mit dem Venice Simplon Orient Express kann man auch heute noch Nostalgie erleben

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  • von Paradisi-Redaktion

Für Liebhaber von nostalgischen Bahnreisen ist eine Fahrt mit dem legendären Orient-Express zu empfehlen. Dieser bietet die Atmosphäre längst vergangener Zeiten. Ende 2009 wurde der Betrieb des Luxuszuges der Compagnie Internationale des Wagons-Lits (CIWL) eingestellt; heute kann man beispielsweise noch eine Fahrt mit dem Venice Simplon Orient Express buchen. Lesen Sie über die Geschichte des Orient-Expresses und informieren Sie sich über das nostalgische Reisen in der heutigen Zeit.

Als Orient-Express bezeichnete man unterschiedliche Bahnverbindungen, die unter anderem von Paris nach Konstantinopel, dem heutigen Istanbul führten. In der heutigen Zeit gibt es ihn nur noch in Form von Touristikzügen.

Geschichte

Da Bahnreisen im 19. Jahrhundert zu den wichtigsten Reisearten gehörten, wurden seinerzeit immer mehr Bahnlinien errichtet. Dazu zählte auch der Orient-Express, der zum ersten Mal im Jahr 1883 von Paris nach Osten fuhr und als Luxuszug nach englischem Vorbild fungierte.

Zu seinen Stationen gehörten zunächst

Ein paar Jahre später folgten

Aufgrund der beiden Weltkriege kam es zu häufigen Änderungen der Reiseroute. Nach dem 2. Weltkrieg reisten immer mehr Menschen per Flugzeug, wodurch der Orient-Express im Laufe der Zeit zunehmend in Schwierigkeiten geriet.

Im Jahr 1977 musste er wegen zu hohem Kostenaufwand und zu wenig Reisenden eingestellt werden. Von Straßburg nach Wien fuhr bis Ende 2009 noch einmal ein Zug unter dem Namen "Orient-Express", aber auch diese Verbindung wurde schließlich gestrichen.

Bedeutung des Orient-Expresses in der heutigen Zeit

In Form von Touristikzügen lebt der Mythos des Orient-Express jedoch weiter. So gibt es verschiedene Züge, die unter dem Namen "Orient-Express" für Schienenkreuzfahrten im Einsatz sind.

Dazu gehörte auch der NIOE (Nostalgie Istanbul Orient Express), der sogar mit den originalen Waggons aus den 20er und 30er Jahren fuhr. Aufgrund von Rechtsstreitigkeiten wurde der Betrieb 2007 jedoch eingestellt.

  • So bleiben noch der VSOE (Venice Simplon Orient Express), der zum Teil über modernisierte ehemalige Waggons des Original Orient Express verfügt, sowie
  • der POE (Pullman Orient Express), der innerhalb von Frankreich verkehrt.
  • Zudem gibt es den Eastern and Oriental Express, dessen Route zwischen Singapur, Malaysia und Thailand zu finden ist, der jedoch nicht zu den nostalgischen Zügen dieser Art zählt, da er erst deutlich später gebaut wurde.

Der Venice Simplon Orient Express

Eine Fahrt im Venice Simplon Orient Express auf der historischen Route Paris – Istanbul dauert sechs Tage. Jedem Fahrgast steht ein eigenes Abteil zur Verfügung, das in der Nacht als Schlafkabine dient.

Da es so originalgetreu wie möglich zugeht, wird jedoch auf Duschen verzichtet. Stattdessen verfügt das Abteil über einen Originalwaschtisch.

Die Hauptmahlzeiten sind im Reisepreis inbegriffen. Für Menüs à la Carte ist jedoch ein Aufpreis zu entrichten, was auch für die meisten Getränke gilt. Neben dem Speisewagen gehören auch noch eine Bar sowie eine kleine Reiseboutique zum Angebot.

Der Pullman Orient-Express

Mit dem Pullman Orient-Express kann man sowohl Tagesfahrten als auch Dinner-Fahrten absolvieren. Stationiert ist der nostalgische Luxuszug in Paris. Er besteht aus unterschiedlichen Speise- und Salonwagen; im Einzelnen sind dies folgende sieben Wagen:

  • der Barwagen "Cote d'Azur" aus dem Jahr 1929 mit 12 Sitzplätzen
  • der Bar- und Speisewagen "Train Bleu" mit Barabteil (19 Sitzplätze) sowie Restaurantabteil (24 Plätzen), Schauplatz des Films "Mord im Orient-Express"
  • der Salonwagen "Etolie du Nord" aus dem Jahr 1929 mit 28 Sitzplätzen
  • der Salonwagen "Fleche d'Or" mit 28 Plätzen
  • der Speiseagen "Riviera" aus dem Jahr 1927 mit 42 Plätzen
  • der Speisewagen "Anatole" mit 42 Plätzen
  • der Speisewagen "Taurus" aus dem Jahr 1927 mit 42 Plätzen

Der Eastern and Oriental Express

Der Eastern and Oriental Express verkehrt seit 1993 zwischen Singapur, Malaysia und Thailand. Es handelt sich um einen Luxuszug aus dem Jahr 1972.

Die Gesamtstrecke beläuft sich auf 2030 Kilometer. Insgesamt dauert die Fahrt drei Tage und zwei Nächte auf der Hin- sowie vier Tage und drei Nächte auf der Rückfahrt.

Zunächst fuhr der Zug unter dem Namen "Silver Star in Neuseeland. Man verkaufte einige seiner Wagen an die Orient-Express-Hotelgruppe; es erfolgte ein Umbau samt neuer Einrichtung. Dabei wurde diese von Gérard Gallet designt, der beispielsweise auch an der Generalüberholung der beiden anderen zuvor erwähnten Züge beteiligt war.

Es gibt

  • Schlafwagen mit 66 Zweibettabteilen
  • einen Restaurantwagen
  • einen Salonwagen
  • einen Barwagen inklusive Piano sowie
  • einen offenen Aussichtswagen.

Angeboten werden drei Kabinenklassen: die Pullman Superior, die State Cabin sowie die Presidental Suite. Sämtliche Kabinen sind vollklimatisiert und enthalten

  • Dusche, Waschbecken und WC
  • Stromanschlüsse
  • große Fenster
  • einen Safe sowie
  • Sofas, die man zu Betten umfunkionieren kann

Insgesamt werden fünf Strecken angeboten.

Orient-Express ist "Luxushotel auf Schienen"

Der "Eastern & Oriental Express", der auf der Strecke zwischen Bangkok und Singapur fährt, ist ein Luxushotel, das auf Schienen verkehrt. Auf der 2.000 Kilometer langen Strecke fährt man durch dichte Palmenwälder, dichten Dschungel und Teeplantagen.

Die Passagiere des Zuges, der die Strecke mit rund 60 km/h befährt, kriegen viele Gegensätze am Streckenrand zu sehen, von heruntergekommenen Lehmhütten bis hin zu teuren Villen. Die 14 Schlafwagen im Zug haben sogar einen eigenen Steward.

In Zukunft soll der berühmte Orient-Express von Paris nach Istanbul wieder unterwegs sein

Brünette Frau mit brauner Mütze sitzt Verträumt am Zugfenster, im Hintergrund eine Brücke
Young woman travel in passenger roomette © Alexey Kuznetsov - www.fotolia.de

Im Jahr 1883 fuhr zum ersten Mal der anschließend berühmte Orient-Express-Zug von Paris nach der damaligen Stadt Konstantinopel, dem heutigen Istanbul. Für die Strecke brauchte der Zug seinerzeit knapp dreieinhalb Tage, genau waren es 81 Stunden und 40 Minuten.

Danach fuhren auch viele bekannten Persönlichkeiten mit diesem Zug, so unter anderem auch die Schriftstellerin Agatha Christie, die später den Roman "Mord im Orient-Express" schrieb. Im Jahr 1977 fuhr der Zug zum letzten Mal die Strecke von Istanbul nach Paris, später wurde auch im Jahr 2009 die tägliche Verbindung zwischen Wien und Straßburg eingestellt.

Exklusive Sonderfahrten

Doch jetzt will das französische Bahnunternehmen SNCF diese Strecke wieder in ihr Programm aufnehmen, doch soll dies nur als Sonderfahrt in einem exklusiven Zug erfolgen. Wie der Sprecher von SNCF erklärt, soll dies wie eine "Kreuzfahrt auf Schienen" angeboten werden.

Die genaue Route steht noch nicht fest, aber vor allem die klassische Route "Paris-Istanbul" gehört zu den Plänen, aber auch andere wären möglich. Die alten historischen Waggons werden natürlich nicht mehr fahren, denn die heutigen Ansprüche für eine solche Bahnfahrt liegen höher, so dass die Züge dem heutigen Komfort angepasst werden sollen. Aber bis der erste Zug auch starten wird, braucht es seine Zeit, so dass man vielleicht in fünf Jahren damit rechnen kann.

Besuch der historischen Waggons

Doch wer sich vielleicht eine solche Reise in Zukunft finanziell nicht leisten kann, der hat aber die Möglichkeit ab kommenden April in verschiedenen Städten der einstigen Route die historischen Waggons des Orient-Express zu besuchen. Der Zug wird von Paris durch verschiedene europäische Städte nach Istanbul (ehemaliges Konstantinopel) fahren.

Grundinformationen und Hinweise zu Bahnreisen

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: gare © NASSELEVITCH - www.fotolia.de

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Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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