2. Dezember 2006
Nicht verspricht so viel Nervenkitzel wie ein Date mit jemandem, über den man bisher nichts weiß. Vielleicht verbirgt sich hinter dem Mensch ohne Gesicht der Traumpartner schlechthin: Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Die Vorbereitungen sind getroffen. Das Kleid sitzt, die Mähne ist gekonnt gezähmt und das Make-up vorsichtshalber in der Variante "Wischfest" gewählt. Nun kann der Abend beginnen. Die Aufregung wächst. Zahlreiche Fragen kreisen im Kopf herum. Immerhin verbringt man den Abend mit einem Mann, den man nie zuvor gesehen hat. Und hat die beste Freundin nicht ein ums andere Mal gewarnt, dass sich wahrscheinlich nur Männer auf Blind Dates einlassen, die sonst keine Frau abbekommen? Was ist, wenn ihre Prophezeiung wahr wird? Und wird man ihn überhaupt auf Anhieb erkennen? Leichtsinnig einigte man sich darauf, sich einfach den Tisch neben der Bar zu schnappen, so würde man sich nicht verfehlen. Was nun aber, wenn der Tisch bereits belegt ist? Zur Not bleibt ja noch das Handy. Also los.
Kaum ist das Lokal betreten, fällt der erste Stein vom Herz. Der Mann, der es sich am verabredeten Tisch bequem gemacht hat, könnte nicht besser aussehen. Ein paar Schritte, eine Umarmung und schon kann das Kennenlernen in die erste Runde gehen. Er ist Anwalt und seit drei Jahren geschieden, bekennt er gleich. Eigentlich gehörten Anwälte ja bisher nicht zur favorisierten Beute - und geschiedene Anwälte schon gleich gar nicht. Aber kaum ist der Gedanke zu Ende gedacht, überrascht er mit der Offenbarung, dass er nebenher in einer Rockband singt. Das gibt Sympathiepunkte. Nun ist man selbst an der Reihe. Die wichtigen Punkte sind schnell erzählt. Dann geht es ans Eingemachte. Was hat man sich vom Blind Date versprochen und wie ist der erste Eindruck? Jetzt nur nicht mit der Tür ins wacklige Haus fallen. Und bloß nicht zu leise sprechen, sonst hört er noch das Wummern des Herzens. Er gefällt gut und man kann sich vorstellen, sich ein weiteres Mal zu treffen. Das Kompliment kommt an. Der Abend geht in die nächste Runde. Es wird geflirtet, ausgequetscht und schnell ist die erste zarte Bande geknüpft. Am Ende ist man sich einig, dass sich das Date wahrlich gelohnt hat und stößt noch einmal auf die Kontaktbörse an, die es möglich gemacht hat.
Mit einem Lächeln auf den Lippen trennt man sich von einander: Wer hätte gedacht, dass Mr. Right doch so anders ist, als man ihn sich erträumt hat?
Und auch wenn es nicht klappen sollte - ein spannender Abend war es in jedem Fall.
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