Wenn man zu sehr liebt: So kommt man aus der Suchtbeziehung wieder raus

Junges Paar Stirn an Stirn, hält sich gegenseitig im Nacken und schreit sich an

Ursachen, Ausprägung, Folgen und Behandlung einer krankhaften Liebesbeziehung

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  • von Paradisi-Redaktion

Eigentlich ist die Liebe ein schönes Gefühl: Sie füllt den Menschen sprichwörtlich mit allem aus, was ihm bislang fehlte. Zwei zueinanderpassende Partner ergänzen sich oft perfekt – ein Umstand, der auch mental sehr viel Glück freisetzen kann. Doch es gibt auch die Suchtbeziehung, die krankhafte Beziehung zwischen zwei Personen. Sie darf in ihrer Zerstörungsgewalt nicht unterschätzt werden. Informieren Sie sich über die Suchtbeziehung, und wie man aus einer solch krankhaften Liebesbeziehung wieder rauskommt.

Wenn die Liebe zur Sucht wird

Die Abhängigkeit von Alkohol und Drogen, von zu viel Arbeit oder dem Glücksspiel ist bekannt. Nicht ganz so häufig verbreitet ist dagegen die Beziehungssucht. Sie äußert sich allgemein darin, dass der Betroffene die menschliche Bindung zu seinem Partner sehr eng anzieht und seinen Gegenüber damit natürlich fester an sich bindet.

Alles, was die Beziehung auseinanderbringen könnte, wird zwanghaft vermieden – natürlich bemerken die Leidenden nicht, dass sie gerade mit ihrem Verhalten dafür sorgen, dass es früher oder später zu Unstimmigkeiten oder sogar dem großen Streit kommt. Das Klammern an der Partnerschaft bedeutet oft deren Ende.

Zu den typischen Merkmalen einer Beziehungssucht zählen:

  • Abhängigkeit vom Partner: man unterwirft sich sozusagen seinem Partner, lebt für und von dessen Liebe und teilt seine Gewohnheiten und Meinungen, ohne sie zu hinterfragen.
  • Beziehung als Lebensinhalt: Die Partnerschaft und alles drumherum wird zur Lebensaufgabe; man bringt einen immer höheren emotionalen Einsatz
  • Viele Beziehungen: Wird man von einem Partner verlassen, stürzt man sich schnellstmöglich in eine neue Beziehung - die Angst vor dem Alleinsein ist zu groß. Bei einer neuen Partnerschaft werden die Erwartungen und Hoffnungen jedes Mal sehr weit nach oben geschraubt
  • Verlust des Selbstwertgefühls: Die übermäßige Liebe wird durch Idealisierung des Partners trotz offensichtlicher Mängel gerechtfertigt; ohne diese Person fühlt man sich klein und leer
  • Übertriebene Eifersucht: die Angst vor einer möglichen Trennung führt zu übertriebenen Eifersuchtsgefühlen mit Kontrollzwang
  • Vernachlässigung von anderen sozialen Kontakten: Der sonstige Freundeskreis wird unwichtig; man fixiert sich nur auf den Partner und nimmt dafür auch Abstand zu Freunden und Bekannten

Wenn Liebe zur Abhängigkeit wird: Manche Menschen leiden an Liebessucht

Liebessucht ist das zwanghafte Klammern an den Partner und ist aus psychologischer Sicht krankhaft

Paar im Bett, er schaut sie an, sie sitzt abweisend neben ihm und schaut zur Seite
misunderstanding © pressmaster - www.fotolia.de

Verliebt zu sein, ist etwas Wunderbares. Frischverliebte können kaum die Finger voneinander lassen und glückliche Paare in einer langen Beziehung verstehen und vertrauen sich blind. Doch die Liebe hat ihre Schattenseiten und neben Eifersucht ist eine davon für eine Partnerschaft besonders schwierig: Liebessucht.

Für Liebessüchtige ist die Selbstaufgabe normal

Unter Liebessucht versteht man zwanghaftes Klammern an den Anderen. Der oder die Betroffene ist komplett von Partner oder Partnerin abhängig. Das zeigt sich in vielen Situationen und ist für beide Seiten sehr belastend.

Wer an Liebessucht leidet, stellt das eigene Leben in den Schatten des Anderen und ist davon überzeugt, nicht mehr ohne das Gegenüber leben zu können. Daher ist Selbstaufgabe für Betroffene eine "normale Sache", die jedoch aus psychologischer Sicht krankhaft ist. In der Partnerschaft geht es zwar um Gemeinsamkeiten, doch auch um Kompromisse und das Verständnis, dass trotz starker Liebe jeder noch eine eigenständige Person mit eigenen Gedanken und Wünschen ist.

Liebessucht kann seine Ursachen in der Kindheit der Betroffenen haben

Liebessucht ist in vielen Fällen ein seelisches Problem, das bereits in der Kindheit seinen Anfang genommen hat. Betroffene haben von den Eltern nicht die Aufmerksamkeit und Liebe erhalten, die sie für ein gesundes Erwachsenwerden gebraucht hätten.

Möglicherweise waren die Eltern oft beruflich unterwegs, oder waren bei Schulleistungen sehr streng. Das Kind hat daher eine starke Angst vor dem Alleinsein entwickelt und/oder stand unter dem ständigem Druck, um die Anerkennung kämpfen zu müssen.

Der Gang zum Therapeuten ist sinnvoll

Viele dieser ehemaligen Kinder übertragen das auf Partnerschaften und begeben sich in eine Abhängigkeit vom Partner. Die Verlustängste führen zum Klammern und lösen oft Kontrollzwänge aus.

Viele Paare gehen an dieser Liebessucht zugrunde, wenn der "gesunde" Part, diesen Druck nicht mehr aushält. Um die Liebe zu retten, ist der Gang zum Therapeuten sinnvoll. So kann Liebessucht besser verstanden werden und die Liebe flammt ganz ohne Druck und Klammern wieder auf.

Die Auslöser der Sucht

Wer von einer derartigen Abhängigkeit betroffen ist, hat unbewusst bereits mit anderen Ängsten oder Sorgen zu kämpfen. Er flüchtet sich somit in die Beziehung, stellt das gemeinsame Wohl an vorderste Stelle und versucht damit, die sonstigen Probleme zu überdecken.

Welche Auslöser im Einzelnen auftreten können, muss individuell betrachtet werden. Neben den alltäglichen Nöten können dahinter aber auch Ängste vor allzu viel persönlicher Nähe stecken. Das mag seltsam klingen, doch wer die Beziehung oberflächlich betrachtet enger zieht, lässt den Partner zuweilen dennoch nicht näher an sich heran. Dieses konträre Verhalten bezeichnet die Beziehungssucht sehr deutlich.

Nahezu jeder ist gefährdet

Allerdings müssen es nicht immer die großen Sorgen sein, die unbewusst zu seiner solchen Abhängigkeit führen. Mitunter steigert sich der Betroffene auch zu sehr in die reale oder eingebildete Liebe hinein. Er projiziert Eigenschaften auf einen Menschen, die dieser nicht besitzt.

Aus den ersten angenehmen Gefühlen des Verliebtseins wird alsbald der tägliche Kampf um den Partner – irgendwann sogar gegen diesen. Je mehr sich der Gegenüber aus den engen Fesseln zu lösen versucht, desto fester zieht der Leidende diese an. Gerade in den wirklich schlimmen Ausformungen der Krankheit ist es schwierig, ein für beide Seiten befriedigendes Ende der Beziehung zu finden.

Der alltägliche Kampf um den Partner ist zermürbend
Der alltägliche Kampf um den Partner ist zermürbend

Auf das Niveau der Partnerschaft achten

Grundsätzlich lassen sich zwei Klassen innerhalb des Leidens unterscheiden: Beim ersten befindet sich der Betroffene bereits in einer Beziehung mit seinem Gegenüber. In der zweiten Form träumt er lediglich davon oder arbeitet auf eine gemeinsame Basis hin.

Wer unter den Symptomen allzu sehr leidet, sollte daher je nach Grad der Partnerschaft einen Ausweg suchen. Meist empfiehlt es sich hier, nach den eigentlichen Problemen zu schauen und diese mit Freunden, Kollegen oder sogar einem Therapeuten zu besprechen. Mitunter ist es auch ratsam, die eigenen Fesseln des Alltags, der Arbeit oder finanzieller Nöte einmal zu lockern.

Gemeinsam erfolgreich

Im Übrigen sollte auch der Partner, so ein solcher vorhanden ist, in die Suche eines Auswegs einbezogen werden. Oftmals lassen sich gemeinsam erst die Probleme erkennen, die den Betroffenen in die Abhängigkeit nach Nähe, Sex oder der Liebe getrieben haben.

Entscheidend ist es dabei natürlich, dass die Lösung der Sucht nicht in weiteren Süchten wie Alkohol oder dem Glücksspiel gesehen werden darf, sondern tatsächlich die mentalen Ursachen erkannt, freigelegt und therapiert werden müssen. Ob es dazu nur weniger Gespräche mit den Freunden bedarf oder sogar den Rat eines Psychologen erfordert, muss jedoch im Einzelfall betrachtet werden.

Grundinformationen und Tipps für die Beziehung

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Couple locked in angry embrace © laurent hamels - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Gift for the favourite © Deklofenak - www.fotolia.de

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Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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